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G. F. Unger Sonder-Edition 107 (eBook)

Wolfsjagd

(Autor)

eBook Download: EPUB
2017 | 1. Aufl. 2017
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-4546-9 (ISBN)

Lese- und Medienproben

G. F. Unger Sonder-Edition 107 - G. F. Unger
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Voller Verzweiflung wirft sich Chet Shannon dem mächtigen Killer-Wolf entgegen und schleudert das Messer. Es ist Chets letzte Chance, noch einmal mit dem Leben davonzukommen. Und er schafft es. Chet Shannon steht schwankend da. Er starrt auf den toten Wolf, den er so lange gejagt hat. Er ist am Ende seiner Kräfte, und dennoch ist die Wolfsjagd immer noch nicht beendet. Denn es gibt noch einen viel gefährlicheren, einen zweibeinigen Wolf: den Mann, der Mary entführt und in seiner Gewalt hat...

Das Feuer brennt in einer von Felsen und Bäumen umgebenen Senke. Zwischen Felsen und Bäumen wachsen Büsche, ist das gelb gewordene Büffelgras ebenfalls hoch genug, um einen kriechenden Mann zu verbergen.

Es ist also wenig später ziemlich leicht für ihn, in guter Deckung am Rande der Senke zu verharren und sich alles anzusehen.

An den Büschen ist kaum noch Laub, und es ist schon recht kalt. Die Luft riecht manchmal nach Schnee. Alle stehenden Gewässer haben am Morgen zumindest an ihren Rändern schon eine dünne Eisschicht. Ein leichter Wind von Norden her wirbelt nun auch wieder Blätter von den Bäumen und lässt sie in die Senke flattern wie einen Schwarm Vögel.

Am Feuer hocken vier Personen – und eine davon ist eine Frau, vielleicht sogar noch ein Mädchen. Aber das kann man nicht so genau erkennen. Denn sie trägt die ihr zu große Kleidung eines Mannes. Ihr Haar ist zerzaust, und ihr Gesicht ist sehr schmutzig, wahrscheinlich vom Rauch des Feuers, an dem sie wie eine Squaw hockt und Fleisch brät, Kaffee kocht und in der zweiten Pfanne Pfannkuchen herstellt, die ihr die drei Männer gierig abnehmen, zusammenrollen und wie Würste abbeißen.

Besonders einer der drei Männer findet Chet Shannons allergrößtes Interesse.

Es ist ein indianerhafter Bursche, der unter seinem Hut ein rotes Kopftuch trägt und im linken Ohr einen Ring blinken hat.

Er kennt ihn gut, ja, sogar zu gut.

French-Pierre hat bei ihm eine ganze Menge »im Salz liegen«, wie man so schön im Volksmund sagt. Und auch die Armee und die Zivil-Behörden würden French-Pierre gerne vom Leben zum Tode befördern, möglichst durch Erhängen.

Leider konnte er bisher immer entkommen. Aber jetzt sieht es gar nicht gut für diesen French-Pierre aus.

Chet Shannon verspürt ein Gefühl des kalten Triumphes, und er denkt daran, dass French-Pierre im letzten Winter seinen Partner umbrachte und mit der ganzen Pelzausbeute eines langen Jagdwinters entkam. Denn der Überfall geschah am Morgen. Chet Shannon aber kehrte erst am Abend zur Jagdhütte zurück. Und dann musste er auch noch bis zum nächsten Morgen warten, bevor er die Fährte aufnehmen konnte. Am zweiten Tage kam ein Blizzard und deckte jede Spur zu. French-Pierre und dessen Kumpane waren entkommen.

Und jetzt hat ihn Chet Shannon vor der Gewehrmündung.

Was für ein schöner Tag ist das doch, denkt Chet Shannon dankbar, und er sendet tatsächlich ein Dankgebet gen Himmel.

Dies mag einem zivilisierten Christenmenschen natürlich etwas eigenartig vorkommen. Doch damals im westlichen Wyoming und so kurz vor dem Winter gab es sicherlich keine zivilisierten Christenmenschen. Auch Chet Shannon war keiner. Deshalb seine frohen Gedanken und auch sein Dank an den Himmel.

Er betrachtet nun die beiden anderen Männer am Feuer.

Oha, er sieht zwei üble Burschen. Einer ist ein Halbblut, also einer von dieser Sorte, die es in diesem Lande schon seit der Geburt schwer hat, weil sie so richtig zu keiner Seite gehört. Denn das ist zumeist das Dilemma bei diesen Halbbluts. Sie haben fast nur die Wahl zwischen zwei miesen Möglichkeiten. Bekennen sie sich zu den Roten und leben sie wie die Roten, so sind sie mit diesen zum Untergang verurteilt. Und wollen sie wie Weiße sein, so müssen sie immer wieder erleben, dass sie für die Weißen nichts anderes als Bastarde sind.

Dabei spielt keine Rolle, dass sie besser sein könnten als so mancher Weißer.

Die Weißen – auch die miesen und schlechten – haben nun mal diese Vorurteile. Denn gerade die miesen fühlen sich weniger mies, wenn sie meinen, auf andere Menschen herabblicken zu können.

Und weil dies alles so ist, haben es Halbbluts in diesem Lande schwer und geraten schneller auf die schiefe Bahn als – in der Relation gesehen – Weiße oder Indianer.

Dieses Halbblut da neben French-Pierre am Feuer ist schlecht. Sonst würde es nicht bei French-Pierre sein. Auch der andere Mann – ein Weißer mit gelben Haaren und einer eingeschlagenen Nase – kann nicht gut sein.

Kein Mensch, der freiwillig mit French-Pierre reitet, kann gut sein.

Und die beiden Männer sind freiwillig bei French-Pierre. Denn sie sind bewaffnet, und sie unterhalten sich lachend mit ihm oder zeigen zumindest wölfisch grinsend ihre Zähne.

Nur die Frau – oder ist sie noch ein Mädchen – ist sehr ernst.

Offenbar machen sie Witze über sie, wie Chet Shannon aus einigen verständlichen Bruchstücken ihrer Unterhaltung, die bis zu ihm hörbar sind, entnehmen kann. Aber dann wieder fegt der Wind zu sehr durch die Büsche und Bäume, lässt das abfallende Laub rascheln.

Chet Shannon kommt immer mehr zu der Auffassung, dass sich diese Renegaten die Frau irgendwo geraubt haben.

Und dies wäre bei French-Pierre nicht das erste Mal. Es gibt Geschichten über ihn, die zu berichten wissen, dass er sich stets eine Frau mit in sein Winterversteck nimmt, um sich an ihr unter der Decke wärmen zu können.

Chet Shannon tut das Mädchen leid.

Aber zugleich begreift er das Problem auch für sich selbst.

Wenn er diesem French-Pierre jetzt gleich gibt, was er ihm schuldig ist, nämlich heißes Blei, dann – nun, dann hat er dieses zerzauste und recht schmutzige Mädchen auf dem Halse, von dem er in der zu großen Kleidung nicht mal so richtig erkennen kann, ob sie gut gebaut ist oder nicht. Aber wahrscheinlich ist an ihr alles richtig, und wahrscheinlich würde sie in einem Kleid eine Schönheit sein. Sonst würde French-Pierre sie nicht mit sich in sein Winterversteck nehmen, wo er vor der Armee und deren Scouts und anderen Feinden sicher ist. Denn French-Pierre hat viele Feinde, so wie ja auch ein Killer-Wolf die ganze Welt zu Feinden hat.

Chet Shannon grinst grimmig, als er in seinen Gedanken das Wort »Killer-Wolf« bildet. Ja, dies hier ist für ihn eine Art Wolfsjagd. Nur sind die Wölfe zweibeinig.

Doch er kommt in seinen Gedanken wieder auf das so plötzlich aufgetauchte Problem zurück: Was macht er danach mit dem Mädchen? Verdammt, er kann sie nicht mehr nach Fort Laramie zurückbringen. Dann kommt er vor dem Winter nicht mehr in sein Jagdrevier im Yellowstone-Land. Dann erreicht er wahrscheinlich nicht mehr seine Hütte. Und weil ihm French-Pierre schon im vergangenen Jahr fast die gesamte Pelzausbeute stahl, kann er sich nicht nochmals einen Winter ohne Gewinn leisten.

Verdammt, was macht er mit dem Mädchen?

Aber er kann sie ohnehin nicht bei diesen Mistkerlen lassen.

Und weil er wegen ihr nicht auf einen Jagdwinter verzichten kann, wird sie mit ihm gehen müssen. Es wird ohnehin schon recht knapp sein, wenn er noch vor dem ersten Schnee seine Hütte erreichen will. Und wenn ein Blizzard kommen sollte – es ist ja jetzt die Zeit der Blizzards aus dem Powder-River-Land, dann …

Oh, er will gar nicht weiterdenken.

Aber er ist nun fertig mit seinen Gedanken.

Er wartet nur noch auf den Moment, da das Mädchen einige Schritte vom Feuer weggeht, um Holz aufzunehmen und sich damit aus den voraussichtlichen Schusslinien entfernt.

Dann sagt er laut, sich dabei mit dem Spencer-Karabiner im Hüftanschlag erhebend: »Hey, Pierre, mein Freund, wie geht’s denn?«

Die drei Kerle sind zu erfahren, um heftig zu reagieren. Sie wissen zu gut, dass sie nicht mehr aus dieser kleinen Senke herauskämen, wenn diese umstellt ist. Denn dann würden sie von allen Seiten heißes Blei bekommen.

Und weil sie sich nicht vorstellen können, dass Chet Shannon allein ist und sich ihnen dennoch zeigt, weil sie davon überzeugt sind, dass er noch einige Freunde bei sich haben muss, verharren sie erst einmal und versuchen ihre Chancen herauszufinden.

Indes sagt French-Pierre: »Oh, welche Überraschung! Das ist ja wirklich mein alter Freund und Lederstrumpf Chet! – Wie’s geht, möchtest du wissen, Chet? Hey, da fällt mir etwas ein! Da treffen sich zwei alte Männer. Fragt der eine auch: ›Na, wie geht’s denn, alter Jim?‹ Erwidert der andere: ›Wie’s geht, weiß ich noch – aber ob’s geht, kann ich nicht mehr sagen.‹ Hahahahaha!«

Er lacht wie wild. Auch die beiden anderen Kerle lachen wie verrückt.

Doch dabei blicken sie nach allen Seiten, versuchen herauszufinden, wie sehr sie eingekeilt sind und in der Klemme sitzen.

Aber sie sehen nichts – nur diesen Chet Shannon.

Das können und wollen sie nicht glauben.

Und so fragt French-Pierre auch schon bald: »He, mein Bester, bist du vielleicht ganz allein?«

»Und wenn?«, fragt Chet Shannon zurück.

»Dann bist du vielleicht ein blöder Hund – ein wirklich dämlicher Arsch«, erwidert French-Pierre mit grimmiger Ehrlichkeit. »Dann kannst du dir doch ausrechnen, dass du es mit dem Schießgewehr nicht schaffen kannst und es für jeden von uns eine Chance von drei zu eins gegen dich gibt. Hast du Loco-Kraut gefressen?«

Chet Shannon gibt ihm darauf keine Antwort. Aber er fragt: »Was haben die Pelze, die ihr mir und meinem Partner gestohlen habt, eigentlich an Geld gebracht?« »Dreitausendsechshundert Dollar«, erwidert French-Pierre stolz. »Und davon haben wir ein wirklich großartiges Fest gefeiert. Ich habe gehört, dass du mich noch viele Monate danach überall gesucht hast, um deinen Partner zu rächen. Nun, jetzt hast du mich gefunden. Doch du bist verdammt allein, so sehr allein wie ein alter Hund in einer leeren Scheune. Nimm dich vor Charly neben mir in acht. Der hat seinen Colt sehr viel schneller heraus, als du schießen kannst.«

Seine letzten...

Erscheint lt. Verlag 21.3.2017
Reihe/Serie G. F. Unger Sonder-Edition
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Bud Spencer • Clint Eastwood • Cowboy • High noon • Indianer • Italowestern • Lucky Luke • Spiel mir das Lied vom Tod • TerrenceHill • Western • Westernromane • Western Romane • Wilder Westen • Winnetou
ISBN-10 3-7325-4546-6 / 3732545466
ISBN-13 978-3-7325-4546-9 / 9783732545469
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