Hölderlin=Patt
Civitas Imperii Verlag
978-3-939300-38-0 (ISBN)
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Der vorliegende Band versammelt 7 Texte von Dirk Werner, die zu unterschiedlichen Gelegenheiten entstanden sind. Sucht man eine Bezeichnung dafür, so könnte man von Kurzessays mit persönlichem Standpunkt sprechen. Standpunkt meint hier nicht nur im engeren Sinne Überzeugung, sondern Standpunkt heißt auch, die persönliche Situation beim Lesen und dem eigenen Weiterschreiben einzubeziehen. Bücher lesen und Kunst betrachten erzeugt einen Nachhall, der im Moment der Begegnung Freude, Überraschung und auch innere Berührung auslöst. Diese Rückbindung an die eigene Existenz lässt uns Werner in seinen Texten nachvollziehen. In dieser Schreibhaltung unterscheidet er sich wohltuend von rein wissenschaftlich verfasster Prosa. Sind es Zufälligkeiten, Raritätenfunde, persönliche Empfehlungen, Feuilletonanregungen oder liegt dem doch eine tiefere Notwendigkeit zugrunde, gerade zu dieser Zeit für ein Werk besonders empfänglich zu sein? Was auch der Grund letztlich sein mag, der diese Auswahl bestimmt: Aus ersten flüchtigen Begegnungen mit Büchern und Bildern entstehen bei Werner oft lebenslange Hinwendungen – Befreundungen – zu einem Autor oder Maler und seinem Werk.
Wie im Kinderspiel Erfolg und Misserfolg, Glück und Unglück mit Temperaturen ausgedrückt wird, so finden wir auch in den Kurzessays Begriffe voll Energie, die unseren Autor merklich erwärmt haben. Dazu gehören Glück und Freiheit, auch Utopie, natürlich die sprachliche Gestaltung, die oft ganz beiläufig daherkommt, wie in den Beispielen von Arno Schmidt. Für den tschechischen Erzähler Bohumil Hrabal, der gleich zweimal in der Sammlung vorkommt, steht Leichtigkeit, Verschrobenheit und Überdrehtheit, das Leben insgesamt wird als komische Grausamkeit aufgefasst. Nach Hrabal besteht der Mensch die Zumutung des Lebens am besten als ein schelmischer Außenseiter, wofür die Literaturgeschichte dieser Region einen eigenen Typus hervorgebracht hat. Diese und die anderen Namen sind für Dirk Werner Lebensbegleiter geworden, denen er schon lange die Treue hält.
Spuren sind gelegt, Pfade gewiesen. Wir brauchen sie nur begehen, wenn wir von den Porträtierten mehr wissen möchten. Die Zugänge zur kulturellen Tradition sind unendlich; der Einzelne muss wählen und – wie wir hier sehen – er tut es nicht ohne Grund. Eine kleine persönliche Auswahl von Dirk Werner findet sich in diesem Band.
Manfred Tretter
Zum Geleit Bei W. Somerset Maugham las ich, dass er, über den Tag verteilt, mindestens zu drei verschiedenen Arten Literatur griff. Man muss sich das etwa so vorstellen, dass er am Vormittag, da er sich noch frisch und ausgeruht fühlte, Essays las, am frühen Abend in der gemäßen seelischen Verfassung möglicherweise Lyrik und am späten Abend, nach dem Zubettgehen, leichtere Erzählungen. Ab dem Zeitpunkt, da ich davon las, veränderte ich mein eigenes Lektüreverhalten. Auch ich brauche jetzt über den Tag verteilt verschiedene Textgattungen oder möglichst verschiedene in gleichen Zeitspannen. Nicht selten einmal packe ich auf einen Tisch in einem Café zwei, drei unterschiedliche Bücher, in denen ich dann abwechselnd, einander abwechselnd vielleicht auch noch mit der Tageszeitung, lese. Mit dem geänderten Leseverhalten änderte sich auch mein Schreiben. Nicht nur in meinen Essays bin ich dazu übergegangen, meine Texte unter anderem aus völlig unterschiedlichen Leseerfahrungen zu speisen. Es fließt nicht nur mein Nachdenken über Theaterstücke, Erzählungen, Romane und Essays anderer ein, hinzukommen auch meine persönlichen Erlebnisse und Erinnerungen. Wunsch ist es, nicht nur mich selbst, nicht nur Sie der dabei entstehenden Melange begegnen zu lassen. Mein Wunsch und meine Vorstellung dabei ist es auch, einen Raum zu schaffen, in dem die Bücher, die Texte einander selbst begegnen – so als wären wir gar nicht zugegen. Wo sonst sollen sich Texte begegnen – wenn nicht in Texten? Mit dem Vorwort finde ich eine Gelegenheit, den so entstandenen Prosastücken schon hier einen erfundenen Deckel, ein ausgedachtes Vorsatzblatt, einen phantasierten Buchrücken u.s.w. zukommen zu lassen – die Texte miteinander virtuell zu einem Buch verbinden und darin zueinander finden zu lassen. Insofern geht es in meinen Essays nicht um absurdes, sondern um ein schöpferisches Zusammentreffen. Texte, die nicht zusammengehören, die einander fremd sind, sollen hier miteinander eine Verbindung eingehen. Ich finde Bücher – oft, nicht immer – nicht in Bücherläden. Ich finde sie unter einer Brücke, in einem hohen, zweirädrigen Wagen vor einem Trödelladen, früher oft auch fand ich sie in einer Kirche, die für abgelegte und ausgelesene Bücher extra einen Tisch bereithielt. Wie jedem anderen Leser stellt sich dabei die Frage, ob es sich lohnt, ein Buch mitzunehmen, um ihm daheim oder unterwegs mehr Zeit zu widmen. Das unterscheidet die Freude des Auffindens von der Entscheidung fürs Entdecken. Danach dann lerne ich das mich zu Beginn in Aufregung versetzende Buch und auch mich als Leser genauer kennen. Ich unterstreiche mit dem Bleistift, mache Anmerkungen, schreibe hinein… Und mein Entdecken von Büchern, für die ich mich entschied, bekommt eine neue Qualität, indem ich ihnen andere entdeckte oder gerade zu entdeckende Bücher hinzugeselle. Alle zusammen so, als wären sie lebende Wesen. Die unvorhergesehenen Duos, Trios, Quartette ergeben neue Zusammenhänge für mich: neue Gedanken. Zwei oder mehrere Bücher zusammen gelesen, ergibt für mich eine zusätzliche Art von Poesie. So sind viele Arten von Kombinationen zwischen Texten denkbar, doch bei meiner hilft auch immer der Augenblick, der Zufall, der Wunsch nach Poesie. Ihr Dirk Werner
| Erscheinungsdatum | 13.03.2017 |
|---|---|
| Verlagsort | Plochingen |
| Sprache | deutsch |
| Maße | 1480 x 2100 mm |
| Gewicht | 210 g |
| Einbandart | Paperback |
| Themenwelt | Literatur ► Essays / Feuilleton |
| Schlagworte | Essay • Feininger • Hölderlin • hrabal • Pound • Turrini |
| ISBN-10 | 3-939300-38-1 / 3939300381 |
| ISBN-13 | 978-3-939300-38-0 / 9783939300380 |
| Zustand | Neuware |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
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