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Die Tür (eBook)

Roman

(Autor)

eBook Download: EPUB
2017
Heyne (Verlag)
978-3-641-14272-8 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Die Tür - Richard Laymon
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Tief und düster ragt es in die Nacht empor. Das sogenannte Horrorhaus. Schreckliche Morde sollen dort über die Jahrzehnte geschehen sein. Immer wieder ist die Rede von Bestien, die grausame Massaker in dem Haus angerichtet haben sollen. Doch wer soll solche Schauergeschichten schon ernst nehmen? Dem jungen Mark geht es vor allem darum, Alison zu beeindrucken. Das Mädchen verspricht ihm ein Date, eine Nacht im Horrorhaus. Im Keller des makabren Anwesens will Mark sich seinen Ängsten stellen – ohne zu wissen, dass ihn ein Inferno des Grauens erwartet …

Richard Laymon wurde 1947 in Chicago geboren und studierte in Kalifornien englische Literatur. Er arbeitete als Lehrer, Bibliothekar und Zeitschriftenredakteur, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete und zu einem der bestverkauften Spannungsautoren aller Zeiten wurde. 2001 gestorben, gilt Laymon heute in den USA und Großbritannien als Horror-Kultautor, der von Schriftstellerkollegen wie Stephen King und Dean Koontz hoch geschätzt wird.

4

Vor dem Haus atmete er tief ein, sog die kühle, feuchte Morgenluft in seine Lunge.

Ein wunderschöner, nebliger Morgen. Wie gemacht für ein Abenteuer.

Er schlenderte die Verandatreppe hinunter und in Richtung Hauptstraße.

Anfangs hatte er noch überlegt, sich heimlich davonzuschleichen, damit ihn die Nachbarn nicht sahen und ihn bei seinen Eltern verpetzten. Er war schnell zu der Einsicht gekommen, dass das sinnlos war. Wenn es ihm gelang, sich für das Rendezvous mit Alison ins Horrorhaus einzuschmuggeln, würden seine Eltern seine Abwesenheit heute Abend sowieso bemerken. Daher auch die Nachricht.

Und daher gab es auch keinen Grund für Heimlichkeiten. Jedenfalls nicht hier und jetzt.

Sie werden mich umbringen, dachte er.

Aber erst nach meiner Nacht mit Alison.

Und wenn irgendwas schiefgeht und ich es nicht ins Horrorhaus schaffe, laufe ich einfach wieder nach Hause und zerreiße die Nachricht. Dann weiß niemand, was ich beinahe getan hätte.

Was auch nicht so schlimm wäre, dachte er.

Nein, das wäre schrecklich! Ich muss einfach um Mitternacht im Horrorhaus sein.

Auf dem Weg stellte er sich Alisons Überraschung vor, wenn er ihr die Hintertür öffnete.

»Meine Güte!«, würde sie sagen. »Du hast es tatsächlich geschafft!«

Und dann würde sie die Arme um ihn schlingen und ihn voll Bewunderung und Freude an sich drücken.

Er fragte sich, ob das der richtige Zeitpunkt war, um sie zu küssen.

Eher nicht. Man küsst das Mädchen nicht am Anfang des Dates. Besonders nicht, wenn man vorher noch nie mit ihr unterwegs war. Man muss sich die Dinge entwickeln lassen, bis der richtige Zeitpunkt gekommen ist.

Wir werden stundenlang zusammen sein. Genug Zeit, damit eins zum anderen führt.

Als er die Hauptstraße erreicht hatte, blieb Mark stehen und sah sich zu beiden Seiten um. Nur wenige Autos waren in Sicht, und keins war so nah, als dass er sich hätte Sorgen machen müssen. Er lief über die Straße und weiter nach Osten. Das Friseurgeschäft hatte bereits geöffnet. Er ging daran vorbei, ohne hineinzublicken. Der Souvenirladen war noch geschlossen, genau wie Christiansen-Immobilien, die Book-Nook-Buchhandlung oder die anderen Geschäfte in der Straße. Im Allgemeinen herrschte in Malcasa Point vor 10 Uhr kaum Betrieb. Wahrscheinlich, weil erst dann die ersten Busse mit den Touristen eintrafen, die sich das Horrorhaus ansehen wollten.

An der nächsten Kreuzung ging er nach rechts. Obwohl sich auch in dieser Straße jede Menge Geschäfte befanden, war sie ruhig und verlassen. Er folgte dem Gehweg nach Süden. Die gewundene Straße führte einen Hügel hinauf, sodass er ihr Ende nicht sehen konnte. Bis zum SACKGASSE-Schild, dem Zaun und dem rückwärtigen Teil des Horrorhauses würde es noch ein paar Minuten dauern.

Ich bin gleich da.

Und dann geht der Spaß los, dachte er.

Nur dass der Spaß schon vorher losging.

Zwei Straßen vor Mark kam ein Streifenwagen um die Ecke gebogen.

Ach du Scheiße!

Verhalt dich ganz normal.

Er bemühte sich, seine Schrittgeschwindigkeit beizubehalten und möglichst unauffällig ein Schaufenster zu betrachten.

Die Schaufensterpuppen trugen ausnahmslos Reizwäsche.

Na toll, dachte er. Jetzt halten mich die Bullen für einen Perversen.

Er blickte wieder geradeaus und wippte mit dem Kopf, als hätte er eine bestimmte Melodie im Ohr.

Ein ganz normaler Spaziergänger.

Er linste auf die andere Straßenseite hinüber und bemerkte im Augenwinkel, dass der Streifenwagen näher kam.

Mark blickte wieder starr geradeaus.

Der Bulle wird Verdacht schöpfen, wenn ich ihm nicht in die Augen schaue!

So unauffällig wie möglich und immer noch mit leichtem Kopfnicken sah er zu dem Polizisten hinüber. Er wollte dem Beamten einen freundlichen, desinteressierten Blick zuwerfen und sich dann wieder abwenden. Doch das war unmöglich.

Heilige Scheiße!

Auf dem Fahrersitz saß die schönste – und mit Abstand gefährlichste – Frau der Stadt: Officer Eve Chaney.

Hat sie sonst nicht immer die Nachtschicht?

Mit klopfendem Herzen starrte Mark sie an. Er war Officer Chaney bereits mehrmals abends über den Weg gelaufen und hatte ihr Foto hin und wieder in der Zeitung bewundern dürfen. Jetzt sah er sie zum ersten Mal im hellen Tageslicht.

Mein Gott, dachte er.

Sie drehte sich zu ihm um und starrte zurück, während sie langsam an ihm vorbeifuhr.

»Hi«, formten seine Lippen, doch er brachte keinen Ton heraus.

Sie kniff die Augen zusammen, nickte und fuhr weiter.

Mark richtete den Blick wieder nach vorne und marschierte weiter. Er war puterrot und atmete hektisch. Sein Herz raste.

Wie wär’s, mit IHR eine Nacht im Horrorhaus zu verbringen?

Die Vorstellung war beängstigend, aber auch unglaublich aufregend.

Plötzlich überkamen ihn Schuldgefühle.

Dann hörte er ein Auto hinter sich und blickte über die Schulter.

O Mann, da kommt sie!

Sie wurde immer langsamer, fuhr auf den Bürgersteig und hielt den Wagen neben ihm an. Das Beifahrerfenster glitt herab. Mark ging leicht in die Knie und spähte hinein.

Officer Chaney winkte ihn mit der Hand zu sich. »Würdest du mal näher kommen?«

»Ich?«

Sie nickte.

Mit pochendem Herzen ging Mark zur Beifahrertür hinüber, beugte sich vor und sah hinein.

Er war noch nie einer so schönen Frau so nahe gewesen.

Leider ist sie Polizistin, und ich kriege Ärger.

Er bekam kaum Luft.

»Wie heißt du?«, fragte sie.

»Mark. Mark Matthews.«

»Mark, ich bin Officer Chaney.«

Er nickte.

Obwohl es Oktober war, musste er bei Officer Chaney an einen Sommertag am Strand denken. Ihr kurzes Haar wehte sanft in der Brise, die durch die geöffneten Fenster des Streifenwagens strich. Ihre Augen waren so tiefblau wie ein wolkenloser Julihimmel. Ihr Gesicht war leicht gebräunt, und ihr Duft, gemischt mit der feuchten Kühle des Nebels, erinnerte an Sonnenöl.

»Mark, wie alt bist du?«

Erst wollte er sie anlügen, doch dann begriff er, dass es sinnlos war. »Sechzehn.«

Sie nickte, als hätte sie das bereits gewusst. »Solltest du nicht in der Schule sein?«

»Eigentlich schon. Ich meine, kommt drauf an.«

»Worauf?«

»Meine Mutter hat sich krankgemeldet.«

»Deine Mutter ist krank?«

»Nein, ich meine, sie hat mich krankgemeldet. Daher bin ich heute offiziell vom Unterricht befreit.«

Officer Chaney drehte sich zu ihm um, legte den rechten Ellenbogen auf die Sitzlehne und lächelte, wobei sich nur ein Mundwinkel hob. Das Lächeln kam Mark ziemlich höhnisch vor. Ihr stand es allerdings ausgesprochen gut. »Also bist du heute krank und bleibst zu Hause?«

»Ganz genau, Officer.«

»Solltest du dann nicht auch zu Hause im Bett liegen?«

»Also …«

Sein Blick wanderte unwillkürlich zu ihrem Hals und weiter zum offenen Kragen ihrer Uniformbluse hinunter und würde früher oder später ihre Brüste erreichen. Er zwang seine Augen nach oben, bemühte sich, ihr ins Gesicht zu sehen.

»Ja?«, fragte sie.

Ich kann sie unmöglich anlügen. Sie würde mich sofort durchschauen.

»Na ja, eigentlich bin ich nicht wirklich krank. Aber ich bin ein wirklich guter Schüler, und Freitag ist die Schule sowieso mehr oder weniger Zeitverschwendung, und außerdem ist es so ein schöner Morgen wegen dem Nebel und so.« Er zuckte mit den Schultern.

Sie verengte die Augen zu Schlitzen und nickte. »Dass die Zeit in ihrem Stimmungswandel so wenig solcher Morgenlieder gibt.«

Mark hob die Augenbrauen.

»Fern Hill«, sagte sie. »Von Dylan Thomas.«

»Ach so. Der, der auch Weihnachtserinnerungen geschrieben hat.«

Diesmal erreichte ihr Lächeln beide Mundwinkel, und sie nickte noch einmal. »Schönen Tag noch, Mark.«

»Danke, Officer Chaney. Ihnen auch.«

Sie wandte sich von ihm ab, sodass er einen kurzen Blick auf den gespannten Blusenstoff an ihrer Brust erhaschen konnte. Dann nahm sie den Arm von der Sitzlehne, sah nach vorne und legte beide Hände auf das...

Erscheint lt. Verlag 13.3.2017
Übersetzer Kristof Kurz
Verlagsort München
Sprache deutsch
Original-Titel Friday Night in Beast House
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte eBooks • Horror • Kult • Museum • Stephen King • Thriller
ISBN-10 3-641-14272-5 / 3641142725
ISBN-13 978-3-641-14272-8 / 9783641142728
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