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Des Teufels Narr - Roman -  Christoph Eydt

Des Teufels Narr - Roman (eBook)

eBook Download: EPUB
2017 | 1. Auflage
266 Seiten
Verlag DeBehr
978-3-95753-382-1 (ISBN)
Systemvoraussetzungen
4,99 inkl. MwSt
(CHF 4,85)
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Harry, gestrandeter Schriftsteller und Lebenskünstler, befindet sich in einer Krise. Er hat sich freigemacht von Zwängen aller Art, auch von der nervigen Lydia, seiner mittlerweile Ex-Freundin. Philosophische Stunden verbringt er mit seiner Lieblingsbordsteinschwalbe. Und die Muse Simone verwöhnt ihn mit Liebe und Liebeleien. Doch es steckt noch etwas anderes in ihm, etwas Wildes, gefährlich Wütendes gewinnt nach und nach die Oberhand. Abgrundtiefe Gedanken und Visionen locken ihn. Kann ihm seine Muse helfen, oder verliert er völlig den Verstand?

 

KAPITEL 1: AM ANFANG WAR DAS WORT

 

 

 

Ich hasse Arbeit. Elend für andere erledigen, denen helfen, Zaster zu machen und sich über die Krümel freuen, die versehentlich beim Festmahl der Bonzen vom Tisch fallen. Nein, danke! Nicht mit mir. Wie kann man sich nur freiwillig unters Joch werfen? Schon früh war für mich klar, dass dies niemals mein Weg sein könnte. Heute bin ich Schriftsteller. Zugegeben: Ich bin bettelarm, aber ich habe meine Freiheit, die mir so unendlich viel Wert ist, dass kein Geld der Welt diese aufwiegen kann. Ich bin frei. Ein herrliches Gefühl. Zumindest im Moment. Es kommen auch andere Momente, andere Situationen, andere Menschen. Wenn meine Freundin wieder rumheult, dass ich zu wenig Geld anbringe, fühle ich mich schon ziemlich unwohl in meiner an sich freien Haut. Ja, man kann sagen, dass ich dann das genaue Gegenteil der Freiheit bin: ein Sklave der Bewertungen meiner Freundin. Aber ich liebe meine Freiheit im Beruf. Da nehme ich gerne den Streit mit meiner Alten auf mich – gewissermaßen das Opferlamm auf dem Altar der falschen Göttin.

Gerade bin ich dabei, meine Freundin mit einer Prostituierten zu betrügen. Mit einer ziemlich heißen Prostituierten. Sie ist mindestens 1,80 groß, hat langes brünettes Haar, wunderschöne dunkle Rehaugen, fette Titten, lange Beine, und nichts an. Ich ficke sie nicht. Wir reden. Nur! Ich bin öfters hier. Sie kennt mich. Ich bin der Kunde, der labert statt poppt. Zahlen tue ich trotzdem den normalen Popp-mich-Preis.

„Und? Hast du denn heute schon mit ihr gesprochen?“, fragt sie mich und meint natürlich meine Freundin. „Nein.“, erwidere ich. „Ich gehe ihr aus dem Weg. Kann ihr Gebrumme nicht mehr hören.“

„Vermeiden ist keine Lösung. Das weißt du schon, oder Harry?“

„Klar weiß ich das. Aber erstmal brauche ich Ruhe. Was soll ich denn sonst tun?“

„Naja … du könntest das tun, wozu die meisten Männer hier herkommen.“

„Ja. Das könnte ich. Und dann? Ändert sich dann vielleicht mein Leben oder würde ich mich nur kurz befriedigt fühlen – solange, bis der Sack wieder drückt?“

„Tja, lieber Harry … du hast wohl Recht. Aber was willst du dagegen tun?“

„Ich? Gar nichts! Guck dir doch deine anderen Kunden an. Vorprogrammierte Spießer ohne Herz und Verstand.“

„Sei nicht so streng.“

„Du hast Recht. Verzeih. Soll ich dich ein wenig streicheln?“

„Du zahlst. Eigentlich sollte ich dich ficken, lieber Harry. Aber ja: Bitte streichle meinen Rücken.“

Sie legt sich auf das runde Bett, das mit irgendeiner billigen roten Bettwäsche bezogen ist und vermutlich erotische Gefühle erzeugen soll. Bei mir weckt es eine Mischung aus Missachtung und Angst. Die Nutte wackelt mit ihrem apfelförmigen Po, der in einem Tanga voll zur Geltung kommt. Kurz streichle ich ihr Gesäß, um mich dann ihrem Rücken zuzuwenden. Ihre Schultern sind total verspannt. Sie zieht sie nach oben. Langsam fahre ich mit meinen Handflächen von ihren Schultern hinunter zu ihrem Po, dann fahre ich die Wirbelsäule entlang, knete ihren Nacken und streichle die Seiten neben der Wirbelsäule. Sie stöhnt und ich spüre, wie ihr gesamter Körper loslässt. Jetzt ist sie entspannt, richtig entspannt! Ihre Schultern kommen auch nach unten. Ich würde sie ja gerne mal bei ihrem richtigen Namen nennen, aber den verrät mir hier keiner. Sie heißt einfach nur Crazy love.

„Was ist eigentlich los mit dir?“, fragt sie mich halb im Traum, halb in der Wirklichkeit.

„Was soll schon los sein?“, frage ich trocken zurück.

„Naja, du bist ein komischer Vogel. Wir treffen uns nun schon öfters. Ich liege vor dir, bin bereit, alles zu tun, was du willst. Aber du willst nur reden. Wieso? Und wieso mit mir? Ich bin weder schlau noch irgendwas Besonderes. Ich bin einfach nur eine Frau, die über die Runden kommen will.“

„Ja.“, erwidere ich. „Genau das.“

„Genau was?“

„Du bist eine Frau, die über die Runden kommen will.“

„Ja, und?“

„Ich bin ein Mann, der über die Runden kommen will.“

Ich packe fester zu, vor allem an den Schultern und drücke meine Daumen die Wirbelsäule entlang. Crazy love gibt zu erkennen, dass es ihr gefällt, ich fühle mich bestätigt und will nun gehen. Sie greift aber nach meiner Hand, führt sie zu ihrer Brust, stoppt im letzten Moment und flüstert: „Danke.“ Ich nicke ihr zu. Dann fragt sie: „Bist du zufrieden?“

„Nein. Natürlich nicht.“ Diese Antwort kam wie aus der Pistole geschossen.

Es vergeht etwas Zeit – und mit der Zeit vergeht Stille.

„Was?“, frage ich.

Crazy love grinst und sagt: „Du hast dich schon richtig verstanden.“

Verdammt! Ich stürme aus dem Zimmer, renne den Flur entlang, der nach einer Kombination aus Parfüm und Schweiß riecht, bezahle unten meine vergeudete Stunde, springe am Türsteher vorbei und rette mich auf die Straße. Stopp! Nochmal zurück. „Crazy love, wo bist du?“, rufe ich. Sie kommt die Treppe herunter und wir setzen uns an den Tresen. „Tut mir leid. Manchmal bin ich ein unbeherrschter Mann.“

„Ich weiß. Ich bin dir nicht böse.“

Der Türsteher blickt zu uns herüber; vermutlich ärgert er sich, dass Crazy love bei mir sitzt und redet, statt mich hinausbefördern zu lassen. „Was ist los mit dir, Harry?“

„Ach, Lieblingsbordsteinschwalbe … ich bin pleite, habe keine Erfolgsaussichten und will in keine andere Richtung blicken.“

„Andere Richtung?“

„Naja, anderer Job. Ich bin Schriftsteller. Das ist mein Leben, mein Beruf – meine Berufung. Ich will und kann nix anderes, als zu schreiben.“

„Seit wann muss man als Schriftsteller Geld verdienen?“, Crazy love lacht.

Ich zwinge mir ein Lächeln ab, fühle mich aber noch immer so sehr gefangen, dass ich am liebsten einen Stuhl nehmen würde, um ihn voller Boshaftigkeit und Hässlichkeit gegen die Gläserwand hinter dem Tresen zu werfen. Crazy love scheint meine Regung zu spüren und fragt, wo mein Problem sei.

„Harry!“, sagt sie in einem mahnenden Ton, der eher an eine Mutter als an eine Prostituierte erinnert. „Wir kennen uns schon länger und ich weiß, wie sehr du deine Freiheit brauchst und wie du sie genießt. Geld war dir nie wichtig. Wieso heulst du auf einmal wegen sowas rum?“

Ich muss überlegen. Sie hat Recht. Ich finde mein Leben toll, so wie es ist. Ich habe Zeit, viel Zeit, verdiene hier und da bisschen was mit Auftragstexten und kann ansonsten schreiben, was ich will, auch wenn bisher kein Verlag bereit war, meine geistigen Ergüsse einer größeren Masse zugänglich zu machen. Crazy love holt mich aus meinen Gedanken zurück: „Sag schon. Wer will, dass du mehr Geld verdienst? Du nicht. Kann also nur Mama oder Frau sein. Da du deine Mutter hasst, bleibt nur die Frau übrig. Harry … setzt sie dich unter Druck?“

Darauf will ich nicht antworten. Crazy love versteht – ich gehe.

Unterwegs biege ich in eine Straße, die zu einem kleinen Waldstück führt. Eigentlich müsste ich in die Stadt, diese Verlagsdame will mich sehen, um mir zu sagen, dass meine Werke wieder nicht ausreichen würden. Scheiß drauf! Egal! Ich habe noch ein paar Aufträge, die fertig werden müssen. Fuck. Das ist dann wirklich mal wichtig. Wald oder Nicht-Wald? Nicht-Wald! Verlag oder Nicht-Verlag? Nicht-Verlag! Ich muss nach Hause, auch wenn dort das wartet, was landläufig als Freundin bezeichnet wird. Lydia wird vermutlich wieder wütend sein. Ich kann ihr Generve nicht länger ertragen. Würde sie doch mal vom Bus überfahren, verschleppt oder schwer krank werden – irgendwas, nur damit sie mal die Klappe hält.

Lydia hat nicht bemerkt, dass ich gekommen bin. Also schleiche ich ins Wohnzimmer und klappe dort meinen Laptop auf. Sie pennt im Nebenraum. Vielleicht ist sie auch schon tot – wer weiß?! „Harry, verdien endlich mehr Geld.“, höre ich sie rufen, bin mir aber gewiss, dass es meine inneren Stimmen sind. „Harry, was ist los mit dir? Findest du das toll, so ein Versager zu sein?“ – Miststück; soll doch selber arbeiten gehen. Okay, Laptop ist an und ich bin bereit, bedeutungslose Texte für Menschen zu schreiben, die ich entweder gar nicht kenne oder aus tiefstem Herzen ob ihrer Oberflächlichkeit verachte.

Während ich über irgendwelche Technikprodukte schreibe, höre ich ein Knacken – ganz leicht – fast so, als wäre das Genick eines Kindes gebrochen worden. Die Tür wird geöffnet. Meine Freundin steht da. Früher war sie heiß … so im Halbschlaf mit einem meiner alten Hemden. Das hatte was. Aber heute? Ich weiß eh, was kommen wird, wenn sie zu mir hinübersieht. Schlaftrunken taumelt sie mir entgegen, brabbelt etwas in ihren Bart, greift zu ihren Brüsten, als wolle sie prüfen, ob diese noch anwesend sind … und dann … erkennt sie mich, reist die Augen auf und schreit: „Harry! Du? Hier?“

Ich weiß nicht, ob das zynisch oder ernsthaft gemeint ist. „Was machst du hier?“, fragt sie mich. Ich blicke auf den Bildschirm, dann auf sie,...

Erscheint lt. Verlag 28.2.2017
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
ISBN-10 3-95753-382-1 / 3957533821
ISBN-13 978-3-95753-382-1 / 9783957533821
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