Glaub nicht an dich selbst (eBook)
100 Seiten
Blattwerk Handel GmbH (Verlag)
978-3-7409-1518-6 (ISBN)
Tessa Hofreiter ist in vielen Romangenres mit großem Erfolg aktiv. Einen ihrer zahlreichen Höhepunkte bildete fraglos die Serie um 'Das Chateau', die sich um ein französisches Weingut dreht. Immer populärer ist in jüngster Zeit 'Der neue Landdoktor' geworden, der den Nerv einer wachsenden Lesergemeinde trifft. Der Stil dieser Schriftstellerin ist unverwechselbar.
Tessa Hofreiter ist in vielen Romangenres mit großem Erfolg aktiv. Einen ihrer zahlreichen Höhepunkte bildete fraglos die Serie um "Das Chateau", die sich um ein französisches Weingut dreht. Immer populärer ist in jüngster Zeit "Der neue Landdoktor" geworden, der den Nerv einer wachsenden Lesergemeinde trifft. Der Stil dieser Schriftstellerin ist unverwechselbar.
Als Sebastian Seefeld mit dem verspielten Familienhund Nolan von der großen Morgenrunde zurückkam, sah er seine erste Patientin bereits auf der Bank bei der alten Ulme in der Einfahrt zum Doktorhaus sitzen.
»Grüß Gott, Frau Täschner«, sagte er freundlich, »so früh habe ich Sie gar nicht erwartet, Ihr Termin ist doch erst um neun Uhr. Gibt es ein dringendes Problem, das Sie zu mir führt?«
»Nein, nein, Herr Doktor, das passt schon«, antwortete Regina Täschner eilig. Verlegen zauste sie Nolans plüschige Ohren. »Es ist halt so, dass ich nicht gut schlafen kann, und dann hält mich nichts zu Hause. Hier in Ihrem Vorgarten ist doch ein so schönes Plätzchen, da mag man gern warten. Ich kann Traudels Blumen anschauen, höre den Vögeln zu, und vielleicht besucht mich sogar das Eichhörnchen, das in Ihrer Ulme wohnt.«
Doktor Sebastian Seefeld schaute unmerklich auf die Uhr. Bis zu ihrem Termin würde seine Patientin noch anderthalb Stunden warten müssen, und das konnte allein auf dieser Bank recht lang werden, mochte der Vorgarten auch noch so hübsch sein. »Frau Täschner, möchten Sie nicht mit hineinkommen und Ihre Freundin Traudel besuchen? Bei einer Tasse Kaffee und einem kleinen Plausch wartet es sich doch bestimmt besser als allein hier draußen«, schlug er freundlich vor.
»Na ja, vielleicht, wenn ich nicht störe?«, antwortete die ältere Frau zögernd.
Sebastian lachte und deutete auf den Gartenweg, der um das Haus herum auf die Terrasse führte. »Sie sind Traudels langjährige Freundin und ihr immer willkommen. Kommen Sie, Frau Täschner.«
»Dann gern.« Plötzlich wirkte die rundliche Frau mit den blauen Augen und den blonden Haaren, die von Silber durchzogen waren, wieder fröhlich und lebendig. Unternehmungslustig strich sie die Schürze ihres Dirndls glatt und sprang auf die Füße. »Ich kann der Traudel auch ein wenig zur Hand gehen. Sie sagte, dass sie heute die Bohnen pflücken und einfrieren wollte, vielleicht kann sie dabei Hilfe gebrauchen.«
Als Traudel, Haushälterin und gute Seele der Familie Seefeld, ihre Freundin in Begleitung des jungen Landdoktors durch die Tür treten sah, ahnte sie sofort die Zusammenhänge: Regina wusste wieder einmal nicht, wohin mit sich und ihrer Zeit.
»Wie gut, dass du vorbei schaust, gerade heute kann ich ein paar helfende Hände gut gebrauchen«, sagte Traudel resolut. »Magst du noch eine Tasse Kaffee mit mir trinken, ehe wir in den Gemüsegarten gehen?«
Erfreut setzte sich Regina zu ihr an den großen, hölzernen Esstisch, und Sebastian ging mit einem dankbaren Blick für die verständnisvolle Traudel hinüber in seine Praxis. Bevor seine Patientin zu ihm kam, war die Gesellschaft von Traudel genau das, was sie jetzt brauchte.
Die Praxis war zu dieser Zeit noch nicht geöffnet, sondern sie wurde von Anni Steiger geputzt, die seit einiger Zeit für Doktor Seefeld arbeitete. Anni war eine junge Frau von neunzehn Jahren, freundlich, hilfsbereit und absolut zuverlässig. Sie war zierlich und klein und schien überhaupt nicht zu wissen, wie hübsch und anziehend sie wirkte. Ihre langen, dunklen Haare trug sie meistens zu einem Ährenzopf geflochten, der weit über ihren schmalen Rücken fiel. Die dunkelbraunen Augen in ihrem herzförmigen Gesicht leuchteten warmherzig und wenn die junge Frau lächelte, bildete sich in ihrem rechten Mundwinkel ein bezauberndes Grübchen.
Anni Steiger hatte ein liebenswertes, freundliches Wesen und sah wunderhübsch aus, aber leider sah sie sich selbst als Mauerblümchen, dem weder Aufmerksamkeit noch Zuneigung geschenkt werden konnten. Diese Schüchternheit hing mit ihrem bisherigen Leben zusammen, das sie als Kind in die Obhut ihrer Tante Walburga geführt hatte. Walburga Schlosser war alles andere als begeistert gewesen, als sie nach dem plötzlichen Tod ihrer unverheirateten Schwester deren Tochter bei sich aufnehmen sollte, und das hatte Anni schmerzlich zu spüren bekommen. Kaum jemals hatte sie es ihrer strengen Tante recht machen können, und dass sie obendrein auch eine finanzielle Last war, ließ Walburga oft in die Gespräche einfließen.
Als Anni einen exzellenten Abschluss mit lauter Einsen und Zweien bekam, durfte sie keine weiterführende Schule besuchen, so eindringlich ihre Lehrer auch mit der Tante sprachen. Auch Annis außergewöhnliche Begabung fürs Nähen und ihr künstlerisches Gespür wurden nicht berücksichtigt, sie durfte keine Lehre als Schneiderin beginnen. Stattdessen sollte sie sofort Geld verdienen und arbeitete als Küchenhilfe im Altenheim in der benachbarten Gemeinde. Seit dort das Essen von einer Großküche geliefert wurde und Anni ihre Stelle verlor, hatte die junge Frau verschiedene Putzstellen angenommen, um Geld nach Hause bringen zu können. Sie arbeitete für den Landdoktor, in der Hebammenpraxis, dem alteingesessenen Dirndlgeschäft Graubner, dem Brautmodengeschäft ›Das Kleine Weiße‹ und in einigen Privathaushalten. Überall wurde Anni wegen ihrer Gründlichkeit, ihrer Zurückhaltung und ihrer Zuverlässigkeit sehr geschätzt.
Auch Doktor Seefeld lächelte anerkennend, als er jetzt seine Praxisräume betrat. Alles blitzte und blinkte, frische Blumen dufteten in den Vasen, und die Zeitschriften im Wartebereich waren hübsch arrangiert. Anni putzte gerade die Fenster und sah den Landdoktor nicht kommen, deshalb hörte sie nicht auf zu singen. Wenn sie dachte, sie sei allein, sang Anni manchmal leise bei der Arbeit. Sie hatte eine angenehme, weiche Altstimme, der man gern zugehört hätte, aber sie sang oder summte immer nur ganz leise vor sich hin.
Als sie jetzt Sebastian Seefeld bemerkte, zuckte sie schuldbewusst zusammen. »Verzeihung«, sagte sie sofort. »Habe ich Sie gestört?«
»Überhaupt nicht!«, versicherte der Landdoktor aufrichtig. »Im Gegenteil, ich wünschte, Sie würden öfter und lauter singen. Sie haben eine sehr angenehme Stimme, Anni.«
Die junge Frau errötete und drehte verlegen das Wischleder zwischen ihren Händen. Lob war sie nicht gewohnt. »Ihr Sprechzimmer ist schon fertig«, sagte sie stattdessen. »Ich habe es heute als erstes geputzt, damit es fertig ist, wenn Sie mit dem Pharmavertreter sprechen wollen.«
»Das ist sehr aufmerksam von Ihnen«, antwortete Sebastian erfreut.
Anni errötete schon wieder und griff nach ihrem Putzeimer. »Ich hole noch eben frisches Wasser, und dann bin auch hier bald fertig.«
»Lassen Sie sich Zeit, heute öffnen wir erst um neun Uhr«, erwiderte Sebastian im Hinausgehen.
»Ich weiß, aber Ihre Gerti hat es nicht gern, wenn hier noch Putzeimer herumstehen, während sie den Praxisalltag vorbereitet.«
»Auch wieder wahr«, schmunzelte der Landdoktor und ging in sein gemütlich und geschmackvoll eingerichtetes Sprechzimmer hinüber, um die Liste mit Medikamenten durchzusehen, über die er mit dem Pharmavertreter sprechen wollte.
Anni erneuerte das Wasser und trug den Eimer nach draußen, um die grünen Fensterläden abzuwischen. Nolan war ihr aus dem Haus gefolgt und beobachtete sehr interessiert, was die junge Frau mit Seifenschaum und weichen Lappen anstellte. Er versuchte, sie zum Spielen zu überreden, aber Anni nahm ihm das Tuch weg, das er ihr auffordernd entgegenhielt. »Jetzt nicht, du plüschiges Spielkalb«, lachte sie. »Ich muss fertig werden, der Doktor bekommt gleich Besuch.«
In diesem Augenblick fuhr ein dunkelblauer Kombi auf den Hof, und ein junger Mann stieg aus. Anni wandte sich ab und machte sich wieder an die Arbeit, aber aus den Augenwinkeln hatte sie mitbekommen, dass der Mann sehr groß und breitschultrig war. Er griff nach seinem Musterkoffer und der Laptoptasche und marschierte aufs Haus zu, wo Nolan ihn mit einem tiefen Bellen ankündigte.
»Meine Güte, Nolan, womit füttern sie dich hier? Du bist ja schon wieder gewachsen«, lachte der junge Mann und zauste übermütig dem Berner Sennenhund das Fell.
Das fasste Nolan als Einladung zum Spielen auf und stibitzte wieder einen von Annis Putzlappen. Gutmütig griff der Mann nach dem anderen Ende des Tuches und ließ den jungen Hund ausgelassen daran zerren und reißen. Dabei achtete er leider nicht darauf, wohin er trat, und stolperte bei einem Rückwärtsschritt über Annis abgestellten Putzeimer. Das Wasser schwappte über seine Schuhe, der Mann geriet bedenklich ins Taumeln, aber es passierte weiter nichts Schlimmes. Rasch gewann er das Gleichgewicht zurück und richtete sich auf.
»Glück gehabt«, sagte er mit einem jungenhaften Grinsen, das sein ganzes Gesicht erhellte.
»Ich …, ach, du meine Güte …, es tut mir leid«, stammelte Anni. »Ich hätte den Eimer nicht im Weg stehenlassen dürfen.«
»Ich hätte besser aufpassen sollen«, antwortete der Mann unbekümmert »Du hast deine Arbeit getan, während ich hier mit dem Hund gespielt habe. Jetzt sind meine Schuhe eben ein zweites Mal am heutigen Tag geputzt worden.«
Anni schaute ihn prüfend an. Nahm er den kleinen Zwischenfall wirklich so gelassen oder tat er nur so? Ein Schwung Wasser über die Füße gekippt zu bekommen hätte so manchen anderen verärgert.
»Hey, guck nicht so ernst, es ist doch gar nichts passiert«, sagte er munter.
Anni musste den Kopf ein wenig in den Nacken legen, um ihm in die Augen schauen zu können. Diese Augen waren von einem tiefen, leuchtenden Dunkelblau, und es tanzten Übermut und Lebensfreude darin.
»Hallo«, sagte der Mann freundlich. »Ich heiße Steffen. Steffen Hölter.« Er streckte ihr seine Hand entgegen. »Und wie ist dein Name?«
Anni starrte auf ihre Hände, die in gelben Haushaltshandschuhen steckten. »Anni«, antwortete sie leise. »Ich heiße Anni Steiger.«
»Freut mich, Anni«, erwiderte Steffen mit diesem...
| Erscheint lt. Verlag | 13.2.2017 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Der neue Landdoktor | Der neue Landdoktor |
| Verlagsort | Hamburg |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | Bergmann • Bergmoosbach • Bergpfarrer • Dr. Daniel • Dr. Laurin • Dr. Norden • Dr. Seefeld • Landarzt • Landdoktor • Martin Kelter Verlag • Sonnenwinkel • Teschner |
| ISBN-10 | 3-7409-1518-8 / 3740915188 |
| ISBN-13 | 978-3-7409-1518-6 / 9783740915186 |
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