Der Atem der Toten
Armbrustverlag
978-3-946966-10-4 (ISBN)
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In Der Atem der Toten, dem zweiten Teil der dreiteiligen Reihe (Teil 1: Die Sprache der Toten), zieht der unheimliche Mörder sein Netz noch enger um Anna und ihre Freunde. Schritt für Schritt will er die Qualen steigern und das Mädchen vernichten. Er bringt anzügliche Bilder seines Opfers in Umlauf, hält eine tödliche Überraschung für ihren 17. Geburtstag bereit und hetzt ihr und Patrick ein paar Schläger auf den Hals, während er selbst auf brutale Weise noch ein paar alte Rechnungen zu begleichen gedenkt.
Doch Anna, die erneut von sonderbaren Träumen heimgesucht wird, wehrt sich. Dabei kommt ihr zugute, dass sie endlich Dr. Peter Alban findet, der ihr enthüllt, wie Max Klinger 16 Jahre zuvor den Tod gefunden hatte.
Anna will der ganzen Sache ein Ende bereiten und lässt sich auf ein Treffen mit dem Mann ein – um ihm eine Falle zu stellen. Doch es ist eine Falle, in die ihr sehr leicht selbst zum Verhängnis werden kann.
Hier der Klappentext zum Roman:
Norbert Oliver Pity
– Tot 2 –
DER ATEM DER TOTEN
Wieder und wieder sah er die Szene vor sich, so farbenprächtig, so nah: Für den Bruchteil einer Sekunde nur war das Loch im Kleid zu sehen, doch schon färbte sich der zerfetzte Stoff rot, nachdem der Pfeil die Haut durchstoßen hatte und links, etwas unerhalb der Achsel, in die Rückenmuskulatur des Mädchens eingedrungen war. Er versuchte, sich in Anna hineinzuversetzen, den Schmerz, den Schock zu spüren, die Angst in jenem ersten Augenblick, als sie noch nicht wissen konnte, was sie getroffen, was ihr Fleisch zerrissen hatte.
* Weitere Informationen unter: www.armbrustverlag.de
N.O. Pity, Jahrgang 1969, wurde in dem dem kleinen Ort Olterego in Alaska als Sohn eines französischstämmigen Kanadiers und einer deutschen Mutter geboren. Der Vater, Charles „Three-Finger-Charly“ Pitty, hatte die Mutter bei deren Arbeit in einer ortsansässigen Spelunke kennengelernt, nur sieben Monate später war der kleine Oliver zur Welt gekommen. Das 30-Einwohner-Dörfchen Olterego liegt, nach Pitys eigenem Bekunden, dort, wo Alaska am dunkelsten ist, weswegen er schließlich auch nach Deutschland ausgewandert ist. Pity: »Well, for me ist das lichtdurchflutete Saarland like the Toskana for einen Deutschen.« Zudem war Norbert Oliver Pitys Karriere als Schrüffeljäger auf einem Tiefpunkt angelangt, weshalb er sich, nach einer nie geklärten Lücke in seinem Lebenslauf, der Schriftstellerei zuwandte. In der von bezahlten Kritikern hoch gelobten Tot-Trilogie sorgt er mit ein paar Litern Blut und einem dezidierten Blick auf zwischenmenschliche Beziehungen dafür, dass die empfohlene Altersfreigabe auf 16 Jahre heraufgesetzt wurde. Zudem betont Pity, dass ihm der Armbrustverlag freiwillig die Veröffentlichung seiner Romane angeboten habe. Alles andere seinen böswillige Gerüchte, deren Urheber übrigens auf mysteriöse Weise verschwunden sind. Pity bevorzugt es aus gutem Grund, seinen genauen Aufenthaltsort nicht preiszugeben, Fanpost ist daher an den Armbrustverlag zu richten (und falls Sie einer seiner Gläubiger sind: Er ist gestern verstorben). Von N.O. Pity bisher erschienen: Tot-Trilogie (Armbrustverlag): - „Die Sprache der Toten“ - „Der Atem der Toten“ - „Der Hass der Toten“
PROLOG UND DER ANFANG DES 1. KAPITELS: PROLOG: Ein Traum. Nur ein Traum. Doch was für ein schöner Traum. Wieder und wieder sah er die Szene vor sich, so farbenprächtig, so nah: Erst kam der Einschlag. Für den Bruchteil einer Millisekunde war nur das Loch im Kleid zu sehen, doch schon färbte sich der zerfetzte Stoff rot, nachdem der Pfeil die Haut durchstoßen hatte und links, etwas unterhalb der Achsel, in die Rückenmuskulatur des Mädchens eingedrungen war. Er versuchte, sich in Anna hineinzuversetzen, den Schmerz, den Schock zu spüren, die Angst in jenem ersten Augenblick, als sie noch nicht wissen konnte, wie schwer sie verletzt war und was sie getroffen, was ihr Fleisch zerrissen hatte. Dann wachte der Mann auf. Er wollte den Traum festhalten, doch vergeblich. Die Bilder waren verschwunden. Aber dieses Gefühl ... Der Mann schauerte wohlig zusammen und verspürte Befriedigung. KAPITEL 1. - BITTE RECHT FREUNDLICH Irgendetwas hatte Kathrin Silvan vergessen ... »Ach ja! Da ist Post für dich, Schatz«, rief sie ihrer Tochter noch schnell hinterher. Kathrin Silvan, fast 1,80 Meter groß und von sportlicher Gestalt, hatte ihr braunes Haar zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Ihre für eine Mitteleuropäerin recht hoch stehenden Wangenknochen waren noch immer das häufige Ziel kleiner Liebkosungen ihres Mannes, wenn er in ihre braunen Augen sah. Da heute ein arbeitsreicher Tag zu Hause auf dem Plan stand, trug die 42-Jährige ihre alten Lieblings-Jeans und eine bequeme Bluse. Anna war gerade aus der Schule gekommen, hatte ihre Mutter begrüßt und wollte auf ihr Zimmer gehen, doch nun drehte sie sich noch einmal um und nahm einen dicken, braunen Umschlag entgegen, während Kathrin erklärte: »Ich dachte, den brauche ich nicht erst der Polizei zu zeigen, weil es doch ein Umschlag von deinem Judoverein ist. Meinst Du, der ist echt?« Seit der bösen Überraschung mit der toten Ratte war jeder in der Familie Silvan sehr vorsichtig beim Öffnen der Post geworden. So hatten sie schon ein kleines Päckchen, dessen Herkunft nicht zu klären gewesen war, vorsorglich einem von Paulis Beamten übergeben. Aber als es im Polizeilabor geröntgt und schließlich behutsam geöffnet worden war, kam nichts weiter als ein pompös verpackter Kugelschreiber und ein kleiner Katalog zum Vorschein: Ein Werbegeschenk für Annas Vater von einem Verlag, der juristische Fachbücher vertrieb. Doch als sich Kathrin Silvan bei Pauli für die »unnötige Arbeit« entschuldigen wollte, die man der Polizei gemacht habe, da hatte der Hauptkommissar, ein kräftiger Mann um die Fünfzig mit einer von grauem Haar eingerahmten Halbglatze, die ein ziemlicher Kontrast zu seiner faltenlosen, beinahe rosigen Haut war, nur abgewunken und erklärt: »Lieber hundert harmlose Päckchen untersuchen, als ein nicht so harmloses Päckchen übersehen.« Natürlich ist es nicht gerade an der Tagesordnung, dass die Post eines sechzehnjährigen Teenagers noch vor dem Öffnen von der Polizei untersucht wird. Doch es ist nachzuvollziehen, wenn im Umfeld dieses Teenagers mehrere Menschen bestialisch ermordet wurden – und das waren nur die Dinge, die inzwischen auch der Polizei bekannt waren. Dass es daneben auch noch zu einigen unheimlichen, verstörenden Ereignissen gekommen war, hatten Anna und ihr Freund Patrick lieber für sich behalten. Es hätte ihnen ohnehin niemand geglaubt, und auf weitere Verdächtigungen durch die Polizei konnten sie gut verzichten. Nur ihre Freunde Roland und Heike kannten auch den mysteriösen Teil der Geschichte: Diese sonderbare Wut, die manchmal durch Annas Körper brodelte, und wie sie von unheimlichen, sehr realen Träumen heimgesucht wurde, in die sich aber glücklicherweise auch ihr Freund hineinträumen konnte. »Mr Spock« – den Spitznamen hatte sich Patrick in seinen Kindertagen durch seine Vorliebe für die Star-Trek-Filme eingefangen – war erst vor wenigen Wochen mit seinem Vater nach Saarfurth und in Annas Nachbarschaft gezogen. Er besuchte seitdem auch ihr Gymnasium, allerdings eine Klassenstufe über ihr. Schon als sie sich das erste Mal begegnet waren – Anna hatte sich unter etwas merkwürdigen Umständen vor der Schule seine Fahrradluftpumpe leihen müssen –, da hatte ihr durchaus gefallen, was sie da zu sehen bekommen hatte: hellbraunes, kurzes Haar mit den Resten eines Scheitels, braune Augen, eine Nase, die kaum merklich in die Luft wies und darunter ein Mund, der gerne ein breites Grinsen zeigte. Er mochte gut 1,75 Meter groß sein und war damit etwas größer als sie selbst. Und gegen die sportlichen Schultern des Jungen hatte sie auch nichts einzuwenden gehabt. Nein, gegen sein äußeres Erscheinungsbild hatte sie wirklich nichts vorzubringen gehabt. Aber das war beileibe nicht alles gewesen. Sie lachten über die gleichen Dinge, verstanden sich prima und genossen jeden Moment in der Gegenwart des anderen – und wenn Anna genau darüber nachdachte, dann hatten sie sich eigentlich vom ersten Moment an zueinander hingezogen gefühlt. Was gut war, denn in einem ihrer Albträume war er gerade noch rechtzeitig gekommen, um einen überaus unfreundlichen Arzt davon abzuhalten, seine auf dem OP-Tisch festgeschnallte Freundin mit einem Skalpell ... nun ja, jedenfalls nicht im herkömmlichen Sinn zu operieren. Doch dieser Traum hatte sie in die Hubertusklinik geführt – jene Klinik, in der das Mädchen schon als kleines Baby nach einem schweren Autounfall viel Zeit verbracht hatte. Von dem OP-Team aus jener Zeit arbeiteten inzwischen nur noch der Anästhesist und eine OP-Schwester in der Hubertusklinik. Anna und Patrick wollten die Beiden besuchen, um zu erfahren, ob es damals im Krankenhaus zu einem Zwischenfall gekommen war. Doch sie kamen zu spät: Anna fand Karl Palusky, einen Bär von einem Mann, mit eingeschlagenem Schädel. Und Roswitha Zapf starb mit durchgeschnittener Kehle in Patricks Armen. Alte Zeitungsartikel hatten ihnen aber eines verraten: Am gleichen Tag, als das Operationsteam von Dr. Alban der kleinen Anna nach einem schweren Autounfall das Leben gerettet hatte, musste ein anderes Baby sterben – zu Tode geprügelt von ihrem eigenen Vater. In den Berichten hatte gestanden, dass Max Klinger wiederholt seine Frau Sandra verprügelt und schließlich, bei einem seiner Wutausbrüche, auch die kleine Sahra so verletzt hatte, dass alle Mühen der Ärzte vergeblich gewesen waren. Doch Max – die Zeitungen hatten sich auf diese Geschichte geradezu gestürzt – hatte seine Tochter nicht lange überlebt: Als ihm im Krankenhaus erklärt wurde, dass seine Tochter in Folge der schweren inneren Verletzungen gestorben sei, da hatte er sich im vierten Stock des breiten Klinik-Treppenhauses über die Brüstung in die Tiefe gestürzt. Gerne hätte Anna den leitenden Unfallchirurgen von damals befragt. Doch sie hatte Dr. Alban, der inzwischen in einem Trierer Krankenhaus arbeitete, nur eine kurze Nachricht auf dem Anrufbeantworter hinterlassen können. Gemeldet hatte er sich bisher nicht, tatsächlich schien er sogar in der Versenkung verschwunden zu sein. Und das wunderte Anna auch gar nicht, nachdem sie letztlich das Geheimnis ihrer Vergangenheit aufklären konnte. Eine Spur hatte sie zu dem Grab der kleinen Sahra ge-führt, und dort lernte sie unter dramatischen Umständen einen Mann kennen, der nach all den Jahren Licht ins Dunkel der damaligen Ereignisse brachte: Ruppert Weinberg, der zweite Mann von Sandra Klinger. Sandra war noch sehr jung gewesen, als sie Max geheiratet hatte und schnell feststellen musste, dass er ein brutales Schwein war. Nach dem grausamen Tod ihrer Tochter und dem Selbstmord ihres Mannes hatte sie nirgends Fuß fassen können – bis sie Ruppert Weinberg unter seltsamen Umständen kennen und schließlich lieben lernte. Den Tod der Tochter konnte sie dennoch nie ganz verwinden. Doch das änderte sich schlagartig, als eines Tages ein alter, sehr kranker Mann in den Buchladen ihres Mannes kam, – ein Mann der kurz vor seinem Tod sein Gewissen erleichtern wollte: Er hatte damals zu den Eingeweihten im Krankenhaus gehört, und so kam die Geschichte ans Licht, die Ruppert Weinberg schließlich Anna berichtete: Nicht das Baby Sahra war es gewesen, das damals gestorben war, sondern Anna Silvan hatte den Unfall trotz Notoperation nicht überlebt. Anna war Sahra. Für das Mädchen war es der Schock ihres Lebens gewesen, als sie diese Tatsache akzeptieren musste. Besondere Umstände, die mit Annas Unfall einhergegangen waren, hatten Dr. Alban damals auf die verwegene Idee gebracht, dem Ehepaar Silvan den Schmerz um den Tod ihrer Tochter zu ersparen, vor allem aber auch, der kleinen Sahra ein gutes Leben zu ermöglichen statt als Kind eines Schlägers aufzuwachsen – Max lebte zu diesem Zeitpunkt noch – und einer Mutter, die sie nicht beschützen konnte. Dr. Alban konnte sein eingeschworenes Team für seinen Plan gewinnen, und so sagte man schließlich Max und Sandra, dass ihr Kind gestorben sei, während man Kathrin und Lars Silvan über Monate angebliche medizinische Gründe auftischte, warum ihr Säugling lange mit wenig Besuch auf der Intensivstation bleiben und noch länger einen das Gesicht bedeckenden Verband tragen müsse. – Es waren genug Monate, dass sich ein Baby durch Wachstum und Haarwuchs und womöglich auch durch die Folgen eines Unfalls verändern konnte. Die Scharade glückte, die Silvans hatten nie den Verdacht, dass ihnen ein anderes Kind untergeschoben worden war, zumal sie auch nie einen Grund hatten, mit so etwas zu rechnen. Und vielleicht hätte es auch Anna niemals erfahren, wären nicht die Morde in Saarfurth und die Geschichte, wie sie einen der Toten entdeckt hatte, durch alle Medien gegangen. Denn eigentlich hatten Sandra und Ruppert beschlossen gehabt, Anna nie ihre Herkunft zu enthüllen, um ihr gutes Familienleben nicht zu gefährden. Doch als Ruppert klar geworden war, dass auch Menschen aus dem Operationsteam von damals umgebracht worden waren und offenbar irgendeine Verbindung zu Anna bestand, wurde der Gedanke immer stärker, dass es einen Zusammenhang zwischen den Morden und dem Austausch der Babys gab, und dass die Silvans davon erfahren mussten. Noch immer etwas unschlüssig, reiste er nach Saarfurth und wurde einer Entscheidung enthoben, als er Anna auf dem Friedhof begegnete. Nun wusste es Anna also – die unbedingt bei diesem Namen bleiben wollte. Sie wusste, dass sie die leibliche Tochter von diesem schrecklichen Max Klinger war, und wenn sie an ihre Wutattacken dachte, dann befürchtete sie, dass sie mehr mit ihm gemein hatte, als ihr lieb war. Aber sie wusste noch mehr: Sandra, ihre leibliche Mutter, war vier Jahre zuvor verschwunden, und die Polizei hatte Ruppert Weinberg sogar eine Zeit lang verdächtigt gehabt, seine Frau ermordet zu haben. Dass Sandra tatsächlich nicht mehr lebte und einem Unglück, vielleicht einem Verbrechen zum Opfer gefallen war, davon war inzwischen auch Ruppert Weinberg überzeugt. So würde Anna ihre leibliche Mutter wohl nie kennen lernen – wobei sie sich auch gar nicht sicher war, ob sie das überhaupt gewollt hätte. Allerdings hatte sie nun die Chance, ihre fünfjährige Halbschwester mit dem sonderbaren Namen Petunie kennen zu lernen, denn Sandra hatte auch in ihrer zweiten Ehe ein Kind bekommen. Aber das alles war zunächst zweitrangig gewesen hinter dieser schrecklichen Angst, ihren wirklichen Eltern und ihrem jüngeren Bruder Tom die Geschichte ihrer Herkunft zu enthüllen. Doch ihre Angst war unbegründet gewesen. Denn auch wenn sie nun um ihr totes Baby trauerten, so änderte das nicht an der Liebe für das Mädchen, das nun schon 16 Jahre ihre Tochter war und es auch bleiben würde. So hätte Anna nun fast glücklich sein können. Doch da war noch eine Kleinigkeit: Noch immer lief der Mörder frei herum, der mindestens fünf Menschen getötet und dabei auch eine Frau vergewaltigt hatte. Und noch immer hatte die Polizei nicht die leiseste Ahnung, wer der Täter war und was ihn antrieb. Klar war inzwischen nur eines: Es war derselbe Mann, der Anna in den vergangenen Wochen aus dem verborgenen heraus bedrohte und quälte, sie aber offenbar nicht töten wollte – noch nicht, jedenfalls. Doch er wurde mit seinen unfreundlichen kleinen Streichen immer drastischer. Etwa, indem er Anna per Post eine enthauptete Ratte ge-schickt hatte, dazu ein Foto von Annas Kopf, mit Stecknadeln durch die Augen auf den blutigen Halsstumpf des Nagers geheftet. Wegen dieses Päckchens war es nun auch dazu gekommen, dass Kathrin Silvan ihrer Tochter den Brief, der heute bei der Post dabei gewesen war, etwas zögerlich übergeben hatte. Anna besah sich den braunen Umschlag genauer. Ja, da war das Signet ihres Vereins, zwei stilisierte, sich voreinander verbeugende Judoka. Und das Bild befand sich auch da, wo es hingehörte: links oben in der Ecke des Umschlags. »Sieht echt aus«, meinte sie und bog den Umschlag in ihren Händen, »könnte die Vereinspostille sein.« Sie nahm den Umschlag mit auf ihr Zimmer und öffnete ihn an ihrem Schreibtisch. Schon als sie den zweiten Umschlag sah, wusste sie, dass sie sich geirrt hatte. Auf dem zweiten, nur wenig kleineren Umschlag, waren acht Buchstaben, ein Komma und ein Ausrufezeichen aufgeklebt, die aus Zeitungsschlagzeilen herausgeschnitten waren: »Nett, nett!«, sonst war nichts auf dem Umschlag zu lesen. Anna war klar, dass sie den Inhalt mit Sicherheit nicht nett finden würde. Sollte sie gleich zur Polizei gehen? Doch da ihr großer Unbekannter bestimmt keine Fingerabdrücke hinterlassen hatte, zuckte sie schließlich mit den Schultern und schlitzte den Brief vorsichtig mit ihrem Geodreieck auf. Sie schüttete den Inhalt vor sich auf den Schreibtisch. Obenauf lag ein DIN A 4 Blatt, das wie eine Farbkopie wirkte. Offenbar war hier eine Fotografie vergrößert worden, so sah es zumindest für Anna aus. Das Bild war ein klein wenig grobkörnig, dennoch blieb kein Zweifel an dem, was zu sehen war: Das Foto zeigte Anna, nur mit einem Slip bekleidet und zu drei Viertel der Kamera zugewandt. Anna war so verblüfft, dass Wut und Schrecken zunächst einmal ausblieben. Aber eines war ihr sofort klar: Das Foto war eindeutig in einer der Umkleiden aufgenommen worden, die zur Sportanlage ihrer Schule gehörten. Doch wie um alles in der Welt war es dem Schweinehund gelungen, dieses Bild zu machen? Diese Bilder, musste sich Anna korrigieren, als sie den Stapel weiter durchsah: Es folgten fünf weitere Fotografien, die sie mehr oder minder nackt zeigten. Anna schob den Zorn beiseite, der sich in ihr breitma-chen wollte und betrachtete mit kalter Konzentration die Fotografien. Vielleicht bot sich ihr ja ein Anhaltspunkt, wann die Fotos entstanden waren? Rasch erkannte sie, dass die sechs DIN-A-4-Annas, die vor ihr ausgebreitet lagen, unterschiedliche Wäsche trugen. Anna pfiff leise durch die Zähne dieses Schwein hatte an mehreren Tagen auf der Lauer gelegen. Das konnte nicht ohne einen gewissen Aufwand von sich gegangen sein, also bestand eine Chance, dass ihn jemand gesehen oder dass er doch eine Spur hinterlassen hatte. Nun konnte sie Hauptkommissar Pauli wenigstens etwas an die Hand geben, dem er nachspüren konnte. Anna vertiefte sich wieder in die Bilder. Auf drei der Fotos waren auch Klassenkameradinnen von ihr zu sehen. Sie stutzte. Wer war das denn? Auf der fünften Fotografie ragte der Kopf eines Mädchens ins Bild, ein wenig gebeugt und der Kamera zugeneigt, weil sie sich gerade die Haare bürstete. Anna grübelte, dann dämmerte es ihr: Katja wie-war-doch-gleich-der-Nachname? Auf jeden Fall war Katja So-und-so wegen irgendeines Chorfestivals aus Norddeutschland nach Saarfurth gekommen. Sie hatte zwei, drei Tage bei Bekannten ihrer Eltern gewohnt und war auch einmal mit dem Sohn der Familie, einem Klassenkamerad Annas, in die Schule gegangen. Und das musste eben jener Tag gewesen sein, an dem dieses Foto entstanden war. Der Besuch von dieser Katja lag schon eine Weile zurück. Anna überlegte: Das müsste so zu Beginn des Frühlings gewesen sein. Das hieß also, dass ER sie schon seit längerer Zeit aufs Korn genommen hatte. Aber er hatte die Fotos nicht sofort eingesetzt. Warum? Anna schluckte. Sollte hier eine Art Steigerung vorliegen? Zunächst einmal war sie mit ihm nur (nur? Ha, ha) auf diese übernatürliche Weise zusammengestoßen, vor allem durch ihre beängstigenden Träume. Zugegeben: Der allererste Schmerz, damals, gleich nachdem sie das Schuhgeschäft in der Altstadt verlassen hatte, war auf verdammt unangenehme Weise real gewesen, aber nur kurz. Der Schrecken hatte sich in Grenzen gehalten, weil sie noch nicht gewusst hatte, welche Drohung über ihr schwebte. Dann, nach den Träumen, kam der erste Anruf und es folgte dieser nette kleine Spaß mit der toten Ratte. Doch wie passte die Mordserie in ihre Theorie? Als sie die Toten gefunden hatte und Patrick in Lebensgefahr geraten war, das war auf jeden Fall schlimmer gewesen als diese doch relativ harmlosen Aktfotos. Andererseits: ER konnte ja nicht wissen, dass sie und ihr Freund ihm damals so dicht auf den Fersen gewesen waren und mitten in seinen Todesreigen hinein stolpern würden. Im Nachhinein hatte es der Bastard vermutlich genossen, aber er konnte es kaum geplant haben. Schließlich die Entdeckung ihrer Herkunft . . .
| Erscheinungsdatum | 03.03.2017 |
|---|---|
| Verlagsort | 66346 Püttlingen |
| Sprache | deutsch |
| Maße | 120 x 190 mm |
| Gewicht | 325 g |
| Einbandart | Paperback |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Schlagworte | Bedrohung • Blut • Dark Fantasy • Fantasy • Freundschaft • Geheimnis • Horror • Killer • Krankenhaus • Mädchen • Mord • Sadismus • Sadist • Spannung • Teenager • Übernatürlich • Verfolgung |
| ISBN-10 | 3-946966-10-1 / 3946966101 |
| ISBN-13 | 978-3-946966-10-4 / 9783946966104 |
| Zustand | Neuware |
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