Jerry Cotton Sonder-Edition 47 (eBook)
80 Seiten
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-4359-5 (ISBN)
Am Anfang stand ein dreister Bankraub in New Jersey, bei dem die Gangster 600.000 Dollar erbeuteten. Phil und ich nahmen die Ermittlungen auf und stießen auf etwas Unglaubliches. Anscheinend hatten die bis aufs Blut verfeindeten Gangs von Lucky Orvieto und Harry Blake bei dem Raub zusammengearbeitet. Orvieto und Blake, die Anführer der Gangs, waren vor einiger Zeit ermordet worden und nun schien jemand beide Gangs unter seiner Kontrolle zu haben...
2
Ich saß gerade im Astor Roof, dem Open Air-Restaurant auf dem Dach vom Sheraton Astor Hotel, wo ich mich mit Phil zum Lunch verabredet hatte.
Als Phil mit ein paar Minuten Verspätung eintrudelte, schwenkte er die Zeitung, die noch druckfeucht war, in der Hand. Ich überflog den Bericht.
»Das sieht nach Großalarm aus, Jerry«, meinte Phil. »Hoffentlich lässt er uns noch Zeit zum Essen«, sagte ich, denn ich hatte eben erst bestellt.
Aber da kam der Kellner bereits zu mir. Er kennt mich, weil ich schon einige Male das Astor Roof besucht habe. »Sorry, Mister Cotton«, sagte er leise und diskret, damit keiner der anderen Gäste es hären konnte. »Sie werden am Telefon verlangt.«
Phil warf mir einen vielsagenden Blick zu. Ich trabte zur Telefonzelle.
»Mr High möchte Sie sprechen«, sagte das Girl in unserer Zentrale, als ich mich gemeldet hatte. Nun wusste ich ziemlich genau, was die Stunde geschlagen hatte.
»Bin schon unterwegs nach Newark«, sagte ich lakonisch, als unser Chef sich meldete.
»Können Sie hellsehen, Jerry?«, fragte er überrascht.
»Nein, Chef, aber Zeitung lesen.«
»Um so besser, dann wissen Sie ja Bescheid. Die City Police ist überzeugt davon, dass die Gangsterbande aus New York gekommen ist.«
»Ich fahre gleich los«, sagte ich und gab die Hoffnung auf mein Essen auf, »und nehme Phil mit.«
Mr High war einverstanden, und ich ging an unseren Tisch zurück. »Wir müssen weg«, sagte ich zu Phil, der gerade bei dem Kellner ein Steak bestellen wollte.
Zum Glück hatte ich meinen roten Jaguar in der Nähe des Hotels parken können, so dass wir nicht erst einen Fußmarsch machen mussten. Wir schwangen uns hinein, ich fuhr los und schaltete Rotlicht und Sirene an.
Ich steuerte die Canal Street an und folgte der Strecke durch den Holland Tunnel, der unter dem Hudson hindurchführt. So erreichte ich am schnellsten den Highway nach Newark.
»Wenn die Zeitung«, sagte Phil, der den Bericht ausführlich studiert hatte, »nicht den Mund etwas zu voll genommen hat, dann haben wir es mit einer großen Gang zu tun. Es sieht so aus, als ob dreißig Gangster an dem Unternehmen beteiligt waren.«
»Klasse«, sagte ich zufrieden, »besser kann es gar nicht sein. Bei so vielen Beteiligten gibt es am ehesten eine undichte Stelle.«
»Aber«, wandte Phil ein, »bis wir alle 30 hinter Schloss und Riegel haben, sind die Bucks spurlos verschwunden.«
»Ich überlege mir die ganze Zeit, wer einen solchen Plan ausgeheckt haben könnte. Wenn Lucky Orvieto nicht seit ein paar Wochen tot wäre, hätte ich auf ihn getippt.«
Phil nickte zustimmend. »Ich fürchte«, meinte er, »es war ein Irrtum, wenn wir glaubten, mit dem Tod von Orvieto und Harry Blake wäre die Macht der Gangs gebrochen. So ein dreistes Gangsterstück wie dieses hat es lange nicht mehr gegeben.«
Das schien auch die Meinung der Öffentlichkeit zu sein. Denn als wir vor der National City Bank anlangten, standen die Leute aufgeregt herum. Sie gafften Phil und mich und ganz besonders meinen Jaguar an, als ob wir Filmstars wären.
»Du lieber Himmel«, jammerte ein grauhaariger gepflegter Gentleman, »nun geben Sie doch endlich die Schalter wieder frei! Die Leute denken ja, wir haben Konkurs angesagt!«
Sein Gegenüber war ein alter Bekannter von mir, Lieutenant Herbert Hines, der die ersten Untersuchungen der City Police geleitet hatte.
»Wir müssen warten, bis die Kollegen vom FBI hier sind«, erklärte Hines eben dem aufgeregten älteren Herrn, der offensichtlich der Direktor der Bank war.
Die beiden standen mitten im Schalterraum, der sonst gespensterhaft leer war. Ehe der Direktor erneut jammern konnte, trat ich heran.
»Hallo, Jerry«, sagte Lieutenant Hines erfreut, als er mich sah, und nickte Phil zu.
»Sind Sie die erwarteten G-men?«, wollte der Direktor wissen. Als ich bejahte, fiel er mit einem Wortschwall über mich her. Ich begriff, dass die aufgeregte Menschenmenge vor den Toren der Bank zum Teil aus Kunden bestand, die endlich ihr Monatsgehalt in Empfang nehmen wollten.
»Haben Sie denn überhaupt noch genug Geld?«, fragte ich neugierig.
»Natürlich haben wir sofort von unserer Zentrale in New York neues Bargeld angefordert.«
»In einer halben Stunde«, versprach ich ihm, »können Sie ihre Schalter wieder öffnen. Bis dahin muss ich ein genaues Bild bekommen, wie der Überfall verlief.«
Lieutenant Hines führte mich herum. Ich gab inzwischen Phil einen Wink, dass er ein Gespräch mit den Angestellten der Bank beginnen sollte.
»Ich begreife nicht«, sagte ich, »dass weder der Direktor noch einer der anderen Angestellten im Obergeschoß etwas von dem ganzen Überfall gemerkt haben.«
»Ich habe erfahren, dass genau zur Stunde des Überfalls eine Sitzung im Obergeschoß stattfand«, sagte Hines.
»Mann, Hines«, rief ich aus, »das ist doch der Beweis! Das müssen die Gangster von einem Angestellten gewusst haben. Hätten sie sich sonst so viel Zeit gelassen?«
»Es ist die wöchentliche Routinesitzung, Jerry. Ich wette, halb Newark weiß von diesem Termin. Dazu brauchten die Gangster keinen Komplizen aus dem Personal.«
Phil kam heran. »Was hältst du davon, Jerry?«, fragte er. »Das Girl, das gewöhnlich den Kassierern behilflich ist, hat sich ausgerechnet heute wegen Krankheit entschuldigen lassen.«
»Merkwürdiger Zufall«, murmelte ich und warf Hines einen Blick zu. »So krank, dass sie zu einem Verhör hierher kommen könnte, wird sie hoffentlich nicht sein.«
»Im Gegenteil«, grinste Phil, »sie meldet sich nicht am Telefon in ihrer Wohnung. Ich habe eben versucht, sie hierher zu zitieren.«
»Da stimmt etwas nicht«, sagte ich sofort.
»Das habe ich auch gedacht«, erklärte Phil. »Ich fahre sofort hin.«
»Hoffentlich kommst du nicht zu spät«, sagte ich.
Hines gab einem seiner Leute einen Wink, dass er Phil in die Wohnung des Girls bringen sollte.
***
Highway Nummer 24 führt von Newark in westlicher Richtung nach Morristown. Nur ein paar Meilen von dieser Stadt entfernt liegt der bekannte National Historical Park von Morristown. Bestimmt hatte er noch nie so seltsame Besucher gehabt, wie sie jetzt in einem Dutzend Wagen aus verschiedenen Richtungen hier anlangten.
»Der Boss hat wirklich den richtigen Riecher gehabt«, knurrte Bob Higgins anerkennend am Steuer seines Ford zu dem neben ihm sitzenden Livio Montanelli, dem die Gangster den Spitznamen Playboy gegeben hatten, weil er in Kleidung und Benehmen auf die vornehme Tour machte.
»Ja«, nickte der Playboy, während er sich umsah. »Hier vermutet uns niemand.«
Sie steuerten die Stelle an, die Steve Connor als Treffpunkt bestimmt hatte. Ihr Wagen war der erste, der dort anlangte, aber sie blieben nicht lange allein.
Als Steve Connor, dessen Chrysler von seinem Gorilla George Halliday gesteuert wurde, eintraf, hielt er sich nicht lange bei der Vorrede auf. »Los, Leute«, kommandierte er, »jeder lädt die Bucks bei mir ab. Sobald ich mit dem Geld in unserem Hauptquartier in New York bin, erhält jeder von euch seinen Anteil.«
Die ersten Taschen, randvoll gefüllt mit Dollarnoten, wanderten in den Kofferraum seines Wagens, der für diesen Zweck einen doppelten Boden erhalten hatte.
Nur Bob Higgins zögerte. »Warum nicht gleich hier teilen, Steve?«, fragte er misstrauisch. »Wenn die Bullen dich auf der Fahrt nach New York schnappen, ist alles weg.«
Steve Connors Stirn bewölkte sich. »Jetzt ist keine Zeit für ein Palaver«, sagte er kalt. »Wir haben den Plan abgesprochen, und du warst einverstanden.«
»Aber das Risiko ist viel zu groß, wenn du allein die Bucks bei dir hast!«, wandte Higgins ein.
Ein paar der Gangster murmelten zustimmend. Sie waren nicht sicher, ob sie auf Connors Wort zählen konnten.
»Hört auf!«, schrie Connor wütend. »Ihr alle kennt den Plan, und nichts wird geändert. Marsch, Higgins, her mit deiner Mappe! Wenn ihr noch lange zögert, sind die Bullen hier.«
Mürrisch schob sich Higgins heran und leerte die Mappe in den Kofferraum. »Das sag ich dir, Connor«, knurrte er verbissen. »Wenn du uns reinlegen willst, erwürg ich dich notfalls direkt vor den Bullen.«
»Unsinn«, wischte Connor die Bemerkung weg. »Haut ab, so schnell ihr könnt! Aber bringt vorher eure Gesichter in Ordnung! Möchte wetten, dass die Cops bereits Ausschau halten nach dem Make-up, mit dem wir uns getarnt haben.«
Er selbst hatte Verkleidung, Perücke und Sonnenbrille, in der er den Überfall auf die Bank geleitet hatte, bereits abgelegt, aber einige Gangster trugen noch falsche Bärte, angemalte Narben und andere Kennzeichen, die die Verfolger irreführen sollten. Hastig gingen sie jetzt daran, ihr normales Äußeres wieder herzustellen. Dann sprangen die Motoren an.
Mit einem Blick überschaute Steve Connors seine Gang. »Hast du Fred Wynn und Benny Warrens gesehen?«, erkundigte er sich bei seinem Gorilla.
»Nicht hier«, sagte dieser knapp.
Die ersten Wagen entfernten sich, um den vereinbarten Rückweg nach New York anzutreten, jeder auf einer anderen Strecke.
»Damned«, schimpfte Steve Connor vor sich hin, »haben die Dummköpfe sich etwa schnappen lassen?« Nervös blickte Connor auf seine Armbanduhr.
Aber nirgends war eine Spur von dem schwarzen Chevy zu sehen, in dem Wynn und Warrens von Newark gestartet waren. Was hatte das zu...
| Erscheint lt. Verlag | 28.2.2017 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Jerry Cotton Sonder-Edition | Jerry Cotton Sonder-Edition |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Krimi / Thriller |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | 2017 • 2018 • Abenteuer • alfred-bekker • Bastei • Bestseller • Dedektiv • Detektiv • Deutsch • Deutsche Krimis • eBook • E-Book • eBooks • Ermittler • erste-fälle • gman • G-Man • Hamburg • Horst-Bosetzky • international • Kindle • Komissar • Kommisar • Kommissar • Krimi • Krimiautoren • Krimi Bestseller • Kriminalgeschichten • Kriminalroman • Krimis • krimis&thriller • letzte fälle • martin-barkawitz • Mord • Mörder • nick-carter • Polizei • Polizeiroman • Polizist • Reihe • Roman-Heft • schwerste-fälle • Serie • Soko-Hamburg • spannend • spannende Krimis • Spannung • Spannungsroman • stefan-wollschläger • Tatort • Terror • thomas-herzberg • Thriller • uksak • Verbrechen • Wegner |
| ISBN-10 | 3-7325-4359-5 / 3732543595 |
| ISBN-13 | 978-3-7325-4359-5 / 9783732543595 |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
| Haben Sie eine Frage zum Produkt? |
DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasserzeichen und ist damit für Sie personalisiert. Bei einer missbräuchlichen Weitergabe des eBooks an Dritte ist eine Rückverfolgung an die Quelle möglich.
Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belletristik und Sachbüchern. Der Fließtext wird dynamisch an die Display- und Schriftgröße angepasst. Auch für mobile Lesegeräte ist EPUB daher gut geeignet.
Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise
Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.
aus dem Bereich