Maddrax 446 (eBook)
64 Seiten
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-4373-1 (ISBN)
Gegen alle Widerstände gelangen Starnpazz und Quart'ol zusammen mit dem Marsianer Nachtstimme an Bord der AKINA II. Aber noch liegen fünf Monate Rückflug zum Mars vor ihnen - und nicht alle werden ihn lebend überstehen! Wenn es Quart'ol gelingen sollte, die geheime Anlage auf dem roten Planeten zu starten, steht ein Exodus der Erdmenschen von ihrem sterbenden Planeten bevor. Doch es gibt mächtige Kräfte, die sich dem Ansturm ihrer Vorfahren mit allen Mitteln erwehren wollen...
Das Refugium des Gonzales-Clans lag im Osten von Elysium. Armand Salvator Gonzales hatte dafür gesorgt, dass es strenger als der Sitz des Rates bewacht wurde. Als Politiker lebte man gefährlich – besonders, wenn man gleichzeitig die Macht über Technologie und Fortschritt eines ganzen Planeten in Händen hielt.
MOVEGONZ TECHNOLOGY war nicht nur die größte Firma, die vom einfachen Gleiter bis zu intergalaktischen Raumschiffen alles im Programm hatte und jeden belieferte, der zahlen konnte – sie war auch die einzige. Hier und da hatte ein kluger Kopf versucht, ein Konkurrenzunternehmen zu etablieren. Doch Armand Salvator Gonzales hatte – genau wie seine Vorgänger – dafür gesorgt, dass solche übereifrigen Marsianer die Risiken zu spüren bekamen, die damit einhergingen.
Die Zeiten waren schlecht. Keiner hatte je die Ausdauer und Kühnheit besessen, diesem Druck auf längere Sicht zu trotzen. Entweder hatten sie ihre Geschäfte aufgegeben oder schließlich einer Fusion zugestimmt. Nach der Firmen-Vereinnahmung und Kontrollübernahme der wichtigsten Posten wurde Brauchbares aussortiert und der Rest des Kleinunternehmens abgewickelt.
Dennoch, je größer die Macht, umso größer auch die Angriffsfläche. Egal, wie strategisch klug man die Säulen so eines Konglomerats aus Strukturen, Geld und Einfluss auch aufgebaut und gefestigt hatte, es gab immer wieder Entwicklungen von außen, die nicht vorhersehbar waren.
Eine davon war die Entdeckung einer bisher unbekannten Hydree-Anlage. Eine angebliche Wunderwaffe, um die Nahrungsprobleme auf dem Mars zu beenden. Im Grunde eine völlig utopische Vorstellung, doch das war der Zeitstrahl ebenso gewesen. Und dass dieser nicht nur Einbildung, sondern real war, wurde schon mehrfach bewiesen.
Sollte die Regierung unter Nomi Tsuyoshi dieses neuerliche Relikt des Alten Volkes tatsächlich zum Funktionieren bringen, war das seit Jahrzehnten betriebene Booster-Projekt des Gonzales-Unternehmens nur noch Marsstaub wert. Denn auch wenn es dem Rat nicht offiziell bekannt war, so arbeitete MOVEGONZ TECHNOLOGY durchaus an Mitteln zur Urbarmachung ausgedörrter Erde und zur Steigerung von Pflanzenwuchs, um die Nahrungsknappheit auf längere Sicht ebenfalls zu lösen – aber eben auch zu kontrollieren.
Die Aktivierung der Hydree-Anlage würde sowohl einen gigantischen Verlust in finanzieller Hinsicht, wie auch in Ansehen und Einfluss mit sich bringen. Etwas, das Armand Gonzales auf keinen Fall hinzunehmen gedachte. Das Projekt war, genau wie Iwaos Platzierung im Rat, ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Herrschaft über den Mars.
Um in dieser Situation den Schein zu wahren, hatte Armand vor Nomi Tsuyoshi den Gönnerhaften gespielt und diese waghalsige Expedition zur Erde mit seiner Technologie unterstützt. Denn nur wenn man so nahe wie möglich an seinem Feind dranblieb, konnte man ihm im richtigen Moment einen Knüppel zwischen die Beine werfen und ihn zu Fall bringen.
Solche Knüppel hatte Armand dem Liebhaber der neuen Präsidentin gerne mit ins Gepäck gegeben, auch wenn er sich nicht vorstellen konnte, dass dieser Möchtegern-Abenteurer auch nur den Hauch einer Chance auf Erfolg haben würde.
Für Armand war es in seinen Überlegungen bisher vielmehr um die Frage gegangen, wie groß das Ausmaß des Versagens sein würde, das von diesem Waldmenschen, den sie durch den Zeitstrahl geschickt hatten, zu erwarten war. Und genau darüber sollte Valdis am heutigen Abend von Angesicht zu Angesicht Bericht erstatten.
Das verschwiegene Treffen, zu dem auch Iwao geladen war, fand im Jagdzimmer des Anwesens statt, einem abseits gelegenen Raum, in dem die Familie Gonzales erbeutete Trophäen aufbewahrte, von präparierten Echsenköpfen bis hin zu einem ausgestopften Kristallkamarin, dem Prachtstück der Sammlung. Der Raum war abhörsicher, die Fenster waren verspiegelt und schussfest. Zumindest wenn man davon ausging, dass es niemand mit einer Waffe bis ins Innere des Hauses schaffte.
„Warum hast du diesmal auf ein persönliches Treffen mit deinem ominösen Gehilfen bestanden?“, fragte Iwao. Als Familienangehöriger war er bereits zum Abendessen erschienen und stand nun zusammen mit Armand vor der kleinen, aber fein sortierten Bar, um sich einen Verdauungstrunk zu genehmigen.
„Du wirst noch lernen, dass es eines zerbrechlichen Gleichgewichts zwischen Vertrauen und Kontrolle bedarf, um dir die Treue deiner Untergebenen zu sichern“, antwortete der Hausherr. „So jemand wie Valdis muss hin und wieder den Druck und die Macht seines Auftraggebers zu spüren bekommen, damit er nicht auf dumme Gedanken kommt.“
Iwao wollte etwas erwidern, doch in diesem Moment erklang die interne Service-Glocke und kündigte den erwarteten Gast an. Armand gebot seinem Enkel mit einer Handbewegung zu schweigen und stellte sein Glas ab.
Das Personal war angewiesen zu läuten, sobald es mit familienfremden Besuchern den Gang zum Jagdzimmer betrat. Eine weitere Vorsichtsmaßnahme, um zu verhindern, dass gewisse Gesprächsthemen den Falschen zu Ohren kamen.
Einige Augenblicke später klopfte es, die Tür ging auf und Valdis betrat etwas zögerlich den Raum. Er trug einen schlichten schwarzen Anzug, dessen Material mit hoher Wahrscheinlichkeit gleichzeitig als Schutzpanzer taugte. Kombiniert war die Kleidung mit einem ebenso schwarzen Hemd, passenden enganliegenden Handschuhen und einem Paar formgeprägter Stiefel, die sicher etliche Funktionen in sich bargen.
„Willkommen, mein Freund“, sagte Armand Salvator Gonzales mit einladender Geste. Valdis war tatsächlich ein langjähriger Gehilfe, auf den sich die Gonzales-Familie bisher immer hatte verlassen können.
„Ich wurde genötigt, meine Waffe abzugeben, und musste mich von Ihrem schmierigen Dienerpack abtasten lassen“, entgegnete Valdis ungehalten, während er sich wie erwartet mit dem Rücken zur Wand positionierte und den Raum mit geschultem Auge scannte. „Ich werde solcherlei Behandlung kein weiteres Mal zulassen. Schließlich sorgen meine Prinzipien dafür, dass ich am Leben bleibe. Und eine davon lautet: Vertraue niemandem.“
Es war nicht das erste Mal, dass der Ratsherr diese Ansprache von ihm hörte, und es würde auch gewiss nicht das letzte Mal sein. Denn Aufplustern und Zähnezeigen gehörte zum Geschäft.
„Sie haben nichts zu befürchten in den Mauern dieses Anwesens“, entgegnete Armand in väterlichem Ton.
„Und wenn, würden Sie es mich wohl kaum wissen lassen.“ Valdis lächelte verkniffen.
„Einen Drink?“, versuchte nun auch Iwao etwas zum Gespräch beizutragen.
Doch der Schwarzgewandete schüttelte den Kopf. „Ich nehme niemals etwas zu mir, das meine Sinne vernebeln könnte.“
„Und das ist auch gut so“, sagte Armand und deutete auf die opulente Sitzgruppe, die vor einem künstlichen Kamin mit digitaler Bildsimulation stand. „Wir sind hier, um Neuigkeiten von der AKINA II zu hören. Und zwar solche, die nicht über den offiziellen Äther verlautbart werden.“
„Natürlich“, zeigte sich Valdis beflissen. Dennoch wartete er, bis sowohl Armand als auch Iwao Platz genommen hatten, um sich die strategisch günstigste Position im Kreis der Anwesenden zu wählen. „Um Ihnen gleich allzu optimistische Erwartungen auszureden, muss ich leider mitteilen, dass der Waldmensch noch lebt und dazu auch noch gegen jede Wahrscheinlichkeit Erfolg auf seiner Mission zu haben scheint.“
„Das heißt, er hat tatsächlich einen Hydree gefunden?“, fragte Iwao.
„Keinen Hydree. Die Nachkommen nennen sich Hydriten“, berichtigte Valdis sofort. „Aber ja, es scheint dem Linguisten gelungen zu sein, ein solches genetisch ähnliches Exemplar ausfindig zu machen.“
Armand schwenkte sein Glas. „Dann scheint es auf das Schlimmste aller erdachten Szenarien hinauszulaufen.“
„In der Tat. Denn Nachtstimme konnte den Hydriten davon überzeugen, dass es eine gute Sache wäre, in ein fremdes Raumschiff zu steigen und zum Mars zu fliegen.“ Valdis’ Empörung und Missbilligung waren aus seinen Worten unverkennbar herauszuhören.
„Scheiße, was? Er ist bereits auf der AKINA II?“, blaffte Iwao.
Armand hatte erst begonnen, ihn schrittweise in die Pläne einzuweihen und ihm die nötige Diplomatie nahezulegen, die es für seinen Posten als Ratsmitglied bedurfte. Sein Enkel war in vielerlei Hinsicht immer noch zu ungestüm. Seine Karriere als Vertreter der Opposition hatte sein Mundwerk zu groß und zu laut werden lassen.
Entsprechend pikiert war Valdis’ Tonfall: „Nein, aber es wurde vermeldet, dass der Waldmensch demnächst samt Gast an Bord kommt. Die Mannschaft bereitet sich schon auf den Anflug und die Abholung vor.“
„Verloren ist trotzdem nichts“, sagte Armand lächelnd. „Wenn der Hydrit das Raumschiff wirklich erreicht, tritt eben Plan B in Kraft.“
„Plan B?“, fragte Iwao verwundert.
„Natürlich. Es ist immer nützlich, sich gegen alle Eventualitäten abzusichern“, gab Valdis bissig zurück.
„Schluss jetzt.“ Armands herrische Handbewegung ließ seine beiden Gäste verstummen. Er wandte sich an Iwao. „Selbstverständlich haben wir auch für diesen unwahrscheinlichen Fall Vorkehrungen getroffen. Valdis, Sie werden erneut mit der AKINA Verbindung aufnehmen und die Freigabe für Plan B erteilen.“
„Gewiss.“
Armand nickte zufrieden. Valdis war zuverlässig und in alles eingeweiht. Mehr noch, er hatte die Pläne mitentworfen. Nun fungierte er als Mittler. Denn eine direkte Kommunikation mit der AKINA II wäre für Armand viel zu riskant gewesen. Jemand anderes musste mit dem...
| Erscheint lt. Verlag | 21.2.2017 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Maddrax | Maddrax |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Fantasy |
| Schlagworte | All Age Fantasy • Apokalypse • Avatar • Big Bang Theory • Dystopie • Eis und Feuer • Elb • Elfe • Epic Fantasy • Fantasy Bestseller • Fantasy Bücher • Fantasy Roman • Game of Thrones • Herr der Ringe • High Fantasy • High Tech • Hobbit • Low Fantasy • Post Apokalypse • R2D2 • Science Fantasy • Sci Fi • SciFi • Star Wars • Technology • Timothy Zahn • Tolkien • Troll • Utopie • Weltall • Zeitreisen • Zukunft |
| ISBN-10 | 3-7325-4373-0 / 3732543730 |
| ISBN-13 | 978-3-7325-4373-1 / 9783732543731 |
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