Romantische Bibliothek - Folge 49 (eBook)
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-4414-1 (ISBN)
Plötzlich, wie aus dem Nichts, erscheint der totgeglaubte Erbprinz Hartmut eines Tages auf Gut Ellinghausen. Er ist tatsächlich zurückgekehrt, jedoch kaum wiederzuerkennen. Sein einst wunderschönes Gesicht ist durch hässliche Narben entstellt. Aber nicht nur sein Äußeres ist zerstört. Wie eine zentnerschwere Last liegen die schrecklichen Erinnerungen an die Ereignisse im Urwald auf seiner Seele.
Es ist viel geschehen, seit Hartmut zu einer Expedition nach Brasilien aufbrach. Das Leben auf Gut Ellinghausen musste weitergehen. Niemand hat mehr an seine Rückkehr geglaubt. Hartmut fühlt sich fehl am Platz, alles erscheint ihm fremd. Auch seine Verlobte, die er zurückließ, spürt, dass etwas zwischen ihnen steht, dass Hartmut etwas vor ihr verbirgt. Doch der Prinz kann sich niemandem anvertrauen. Denn wenn er ihnen die Wahrheit sagt, dann werden sie ihn davonjagen wie einen Hund ...
„Mein herzlichstes Beileid.“
Der Mann im schwarzen Anzug drückte Ulla von Ellinghausen flüchtig die Hand und machte dem Nächsten Platz, der der Komtess sein Beileid aussprechen wollte.
„Mein herzlichstes Beileid. Es tut mir wirklich sehr leid …“
„Danke“, murmelte Ulla automatisch.
Sie nahm kaum etwas von dem wahr, was um sie herum vor sich ging. Vor vier Tagen war ihr Vater noch gesund gewesen. Sie jedenfalls hatte geglaubt, er sei gesund. Und dann …
Sie schaute auf den Sarg in der Grube. Dort lag er, er würde nie wieder zu ihr sprechen, sie nie wieder sein „kleines Häschen“ nennen und mit ihr lachen. Er war ein fröhlicher Mensch gewesen. Er hatte viel gelacht, obwohl das Leben ihm kaum Anlass dazu gegeben hatte.
„Was wirst du jetzt machen?“
Die junge Dame hob langsam den Kopf. Sie schaute auf den Mann, der neben ihr stand. Es war ein großer, breitschultriger Herr mit schlohweißem Haar über einem von Wind und Wetter gegerbten Gesicht.
„Du musst doch Pläne haben, Ulla.“
„Nein, Onkel Edgar.“
Der Mann schüttelte den Kopf. Man musste wissen, was man wollte, fand er. Er jedenfalls hatte es immer gewusst. Er verstand Menschen nicht, die sich treiben ließen. Allerdings gab es viele, die von ihm sagten, er verstände andere Menschen überhaupt nicht. Vielleicht hatten sie recht.
„Ist noch Geld da?“, fragte Edgar von Ellinghausen nüchtern.
„Ich weiß es nicht …“
„So etwas muss man wissen“, knurrte Ullas einziger näherer Verwandter. „Ich werde mich einmal um den Nachlass kümmern. Mein Wagen wartet vor dem Friedhofstor. Ich bringe dich nach Hause … Wo wohnst du überhaupt?“
„In der Altstadt. Aber du brauchst dich wirklich nicht zu bemühen, Onkel Edgar.“
„Es ist meine Pflicht, dir jetzt zur Seite zu stehen. Komm.“
Energisch ging er seiner Nichte voran.
Ulla blieb einen Moment stehen, bevor sie ihm zögernd folgte. Sie kannte ihn kaum, hatte ihn höchsten zwei- oder dreimal gesehen. Ihr Vater hatte sich mit seinem Bruder nicht verstanden. Warum die beiden entzweit waren, das wusste sie nicht.
Edgar von Ellinghausen runzelte die Stirn, als er sich umdrehte und auf sie wartete. Er warf einen Blick auf seine Armbanduhr, der Ulla nicht entging.
Die Komtess lächelte bitter. Er hatte wahrscheinlich keine Zeit und würde so schnell wie möglich zu seinem Gut zurückfahren. Er war der älteste Sohn gewesen und hatte das Gut geerbt, ihr Vater war damals mit Bargeld abgefunden worden. Er hatte das Geld wohl nicht gut angelegt, jedenfalls war es durch die Inflation verloren gegangen.
„Bitte.“ Graf Edgar machte eine etwas ungeduldige Handbewegung in das Innere seines Wagens, dessen Tür ein livrierter Chauffeur geöffnet hatte.
„Bemüh dich nicht, bitte, Onkel Edgar. Ich kann gut mit der Straßenbahn nach Hause fahren.“
„Steig ein!“ Die Stimme des Mannes verriet, dass er Widerspruch nicht gewohnt war.
Eingeschüchtert ließ sich Ulla auf dem Rücksitz nieder. Ihr Onkel ging um den Wagen herum und nahm neben ihr Platz.
„Sag dem Fahrer die Adresse.“
„Kaiserstraße fünfzehn.“
Edgar von Ellinghausen lehnte sich zurück und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Dein Telegramm war für mich eine große Überraschung. Ich wusste nicht, dass dein Vater krank war.“
„Ich auch nicht. Ein Herzinfarkt … ganz plötzlich.“
Sie wird doch wohl nicht zu weinen anfangen, dachte Graf Ellinghausen peinlich berührt, da es um den Mund seiner Nichte schmerzlich zuckte. Er atmete auf, als es ihr gelang, die Tränen zu unterdrücken.
„Im fürchte, Richard kennt sich hier nicht genügend aus“, äußerte der Graf, als der Wagen in eine sehr schäbige Straße einbog.
„Doch. Hier … hier wohnen wir.“
Edgar von Ellinghausen schaute Ulla ungläubig an.
„Vater hat sein Geld verloren. Wir haben hier eine kleine Wohnung gemietet.“
Das klang sehr trotzig, denn Ulla spürte, dass ihr Onkel den geliebten Vater in Gedanken verurteilte.
„Hm“, machte der alte Herr, nichts weiter, aber das genügte auch völlig.
„Nummer fünfzehn.“
Der Fahrer stoppte den Wagen und öffnete die Tür.
„Holen Sie mich in zwei Stunden ab.“
Der Flur war schmal und dunkel. Ulla hängte ihren Mantel auf einen Bügel und öffnete eine der drei Türen.
„Bitte sehr, Onkel Edgar. Darf ich dir Kaffee oder Tee anbieten?“
„Nein.“ Der alte Herr senkte die Mundwinkel. „Erledigen wir unsere Angelegenheiten lieber rasch.“
Er schaute sich um, und sein Gesicht verriet, wie die ärmliche Umgebung auf ihn wirkte. Hier hatte sein Bruder gelebt – auch ein Graf Ellinghausen.
„Wie hast du dir deine Zukunft gedacht?“, fragte er, als er Platz genommen hatte. „Du kannst doch hier nicht wohnen bleiben.“
„Warum nicht?“, fragte Ulla leise. „Ich verdiene genug, um die Miete bezahlen zu können. Sie ist nicht hoch.“
„Das kann ich mir vorstellen. Bevor wir weitersprechen, möchte ich mir die Hände waschen. Wo ist das Badezimmer?“
„In der Küche. Ich wollte sagen, du musst dir deine Hände in der Küche waschen. Hier gibt es kein Badezimmer.“
„Aber …“
„Wir waren trotzdem immer sauber, falls du daran zweifeln solltest“, stellte Ulla aufgebracht fest.
„Ich bin es nicht gewohnt, dass man mich anfährt, mein liebes Kind.“
„Und ich bin es nicht gewohnt, wie eine Armenhäuslerin behandelt zu werden, Onkel Edgar.“
„Weißt du, dass du deiner Mutter sehr ähnelst?“
„Mein Vater hat es mir gesagt.“
Graf Ellinghausen ging hinaus und wusch sich in der Küche die Hände.
„Wovon habt ihr gelebt?“, fragte Graf Ellinghausen.
„Ich arbeite in einem Büro.“
Der alte Herr hob überrascht den Kopf.
„Ja, ich arbeite in einem Büro“, wiederholte die Komtess aufgebracht.
„Tatsächlich …“ Graf Edgar schüttelte kaum merklich den Kopf. „Nun, das wirst du in Zukunft nicht mehr nötig haben. Ich ahnte nicht, dass ihr … so lebt. Selbstverständlich nehme ich dich mit. Auf Gut Ellinghausen wirst du dich wohler fühlen.“
„Als Almosenempfängerin?“, fragte Ulla. „Tut mir leid.“
„Du kommst mit. Auf keinen Fall dulde ich, dass du als meine Nichte so weiterlebst. Auf Ellinghausen haben wir Platz genug. Du wirst ein schönes Zimmer haben, selbstverständlich mit Bad …“
„Ich will nicht, Onkel Edgar. Ich kann für mich selbst sorgen.“
„Das sieht man“, äußerte der alte Herr ironisch. „Dein Vater ist tot, und – du als sein einziges Kind wirst mit mir kommen. Er hätte es auch gewollt, oder zweifelst du daran?“
„Ich weiß es nicht. Er hat nie über dich gesprochen. Ich weiß nur, dass …“
Sie brach ab.
„Die Geschichte liegt weit zurück. Sie ist Vergangenheit. Weißt du nicht, warum dein Vater und ich uns entzweit haben?“
„Es ging um Geld, nehme ich an.“
„Es ging um deine Mutter. Wir haben beide um sie geworben, und sie – sie war so töricht, sich für deinen Vater zu entscheiden. Obwohl sie wusste, dass er das Gut nicht erben würde. Sie hat es bereut, nehme ich an.“
„Du irrst dich!“ Komtess Ullas Augen flammten auf. „Sie war mit Vater sehr glücklich. Vom Geld hängt das Glück nämlich nicht ab!“
„War sie tatsächlich glücklich?“, fragte Graf Edgar leise. „Ich war bereit, alles für sie zu tun. Na ja, das ist vorbei. Sprechen wir nicht mehr darüber. Wie lange brauchst du zum Packen? Die Sachen hier kannst du verschenken; auf Ellinghausen brauchst du sie nicht. Es genügt, wenn du deine persönlichen Habseligkeiten mitbringst.“
„Ich will nicht, Onkel Edgar.“
Der alte Herr schaute sie finster an.
„Und warum nicht? Weil du genauso stolz bist wie dein verbohrter Vater. Ich habe ihm Hilfe angeboten. Aber er wollte von mir keinen Pfennig annehmen.“
„Ich möchte lieber hierbleiben.“
„Nein. Dein Platz ist bei mir. Ich werde dafür sorgen, dass du eine gute Partie machst und niemals Not zu leiden brauchst. Schließlich bist auch du eine Ellinghausen.“
„Du hast doch einen Sohn! Es wird ihm nicht recht sein …“
„Hartmut lebt nicht auf Ellinghausen. Er hat es vorgezogen, Wissenschaftler zu werden.“ Der alte Herr stand auf. „Wo sind deine Koffer?“
„Bitte, Onkel Edgar …“
Ulla war ihm gefolgt und nahm ihm das Kleid, das er aus dem Schrank genommen hatte, aus der Hand. Ihr fehlte die Kraft, sich ihm zu widersetzen. Und die Wohnung hier blieb ihr ja. Die Miete war bezahlt, sie würde sie weiterhin bezahlen und konnte jederzeit zurückkehren.
Vielleicht ist es ganz gut, überlegte sie beim Packen, wenn ich für ein paar Wochen herauskomme. Hier erinnert mich alles an Vater.
***
„Du brauchst keine Angst zu haben, ich beiße nicht“, knurrte Graf Edgar, als sich der Wagen dem Gut näherte.
„Ich weiß.“
Ulla zwang sich zu einem Lächeln, das ihr nicht ganz gelang. Zu plötzlich war sie aus ihrer gewohnten Welt herausgerissen worden.
Ihr Vater hatte nicht gern über seine Heimat gesprochen. Ulla wusste nur, dass das Gutshaus sehr geräumig war. Was sie jetzt sah, ließ ihre Augen vor Staunen ganz groß werden.
Das war...
| Erscheint lt. Verlag | 21.2.2017 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Romantische Bibliothek |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | adels-intrigen • adels-romane • Anna-basener • Bastei • Bestseller • Bianca • Cora • Courths-Mahler • Deutsch • dieter-adam • dr-stefan • e Book • eBook • E-Book • e books • eBooks • Ehe • Familiensaga • feelgood • Fortsetzungsroman • Fürst • Gefühle • Geschichte • Glück • Graf • Gräfin • groschen-hefte • Großdruck • große-schrift • Happy End • Hedwig Courths Mahler • Heft • Heftchen • Heft-Roman • heile-welt • Herzschmerz • Hochzeit • Hollywood • Julia • Kelter • Kindle • Klassiker • kleine-fürst • leni-behrendt • Liebe • liebe-dich • Liebesgeschichte • Liebeskummer • Liebesroman • Liebesromane • martin-Kelter • Mira • nicholas-sparks • Nicholas Sparks • Prinz • Prinzessin • PS ich liebe dich • Romance • Romane • romantisch • Romantische Komödie • Romanze • Schicksalsroman • Schön • Serie • spannend • tatsächlich liebe • wohlfühlen |
| ISBN-10 | 3-7325-4414-1 / 3732544141 |
| ISBN-13 | 978-3-7325-4414-1 / 9783732544141 |
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