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Jerry Cotton Sonder-Edition 45 (eBook)

Kein Pardon für einen Killer

(Autor)

eBook Download: EPUB
2017 | 1. Aufl. 2017
80 Seiten
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-4297-0 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Jerry Cotton Sonder-Edition 45 - Jerry Cotton
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Matthew Crump war ein kaltblütiger Berufskiller, doch dann lief bei einem Auftrag etwas gehörig schief. Er wurde Zeuge, wie der Gangsterboss Marcus Range einen Menschen tötete. Damit war Crump auf einmal selbst ganz oben auf der Todesliste, denn Range konnte keine lästigen Zeugen für den Mord gebrauchen. Für uns begann ein Wettlauf gegen die Zeit: Wir mussten Matthew Crump vor dem Gangsterboss finden ...

1

Die Mäim blauen Ford rauchten und warteten, seit fast einer Stunde. Von Zeit zu Zeit wandte einer den Kopf und blickte zu dem Haus auf der anderen Straßenseite hinüber. Über dem längst geschlossenen Eingang brannte noch immer die Leuchtreklame. Moonshine Club.

»Jeder hat seine Gewohnheiten«, sagte der Mann hinter dem Steuer. »Die Leuchtreklame schaltet er jede Nacht zuletzt aus.«

Er schnippte die Zigarette aus dem Seitenfenster. »Mal ’ne Frage, Marc. Warum kommst du mit, wenn du willst, dass ich es ihm besorge?«

»Ich will sehen, wie er stirbt.« Die Stimme war leise, ihr Klang gleichgültig.

In diesem Augenblick erlosch die Leuchtreklame der gegenüberliegenden Bar.

Der Mann hinter dem Steuer verließ den Wagen als Erster. Er lief über die Fahrbahn. Der andere folgte ihm langsam.

Vor der Gittertür zog der Fahrer des Wagens einen Schlüssel aus der Tasche. Knirschend öffnete sich die breite Eingangstür. Der Mann besaß zu jeder Tür dieses Hauses einen Schlüssel. Der Moonshine Club gehörte ihm. Er war der Besitzer, und er kam zur Abrechnung.

***

Ernest Muller hatte in den letzten zwei Jahren Speck angesetzt. Er kannte den Grund, aber er fühlte sich unfähig, etwas dagegen zu tun. Da er in ständiger Anspannung lebte, trank er, um seine Angst zu betäuben, um schlafen zu können. Er trank nie im Club – einzelne Drinks, zu denen die Gäste ihn einluden, ausgenommen –, aber sobald er seine Wohnung betreten und die Tür hinter sich verriegelt hatte, griff er zur Flasche, die in seinem Schlafzimmer bereitstand.

Muller kam von der Schalttafel zurück, wo er den Hebel auf Aus gestellt hatte. Im großen Clubraum brannten nur noch die Notbeleuchtung an der Türöffnung zum Vorraum und zwei Lampen der Deckenbeleuchtung.

Muller trug bereits einen Trenchcoat über dem Smoking, zu dem er als Geschäftsführer des Moonshine Club verpflichtet war. Er überquerte die Tanzfläche. Seine Schritte hallten in dem menschenleeren Raum unheimlich von den Wänden wider.

Vor der Bühne machte er mit einem Ruck Halt, aber obwohl er sich nicht bewegte, blieb das Geräusch menschlicher Schritte.

Muller öffnete den Mund und riss die Augen auf. Sein Herz hämmerte in rasenden Schlägen. Für Sekunden rang er nach Luft und presste beide Hände gegen die Brust wie ein alter asthmatischer Mann.

Merkwürdigerweise verschwand seine Angst, als die Männer in der Tür zur Garderobe erschienen. Er hatte immer damit gerechnet, dass Marcus Range ihm eines Tages auf diese Weise gegenübertreten würde. Jetzt, da es geschah, verflog das Entsetzen und wich einer verbissenen Wut.

Wie immer trug Marcus Range einen schwarzen Mantel mit einem weißen Seidentuch um den Hals, dazu einen schwarzen Hut.

Ungefähr in der Mitte der Tanzfläche blieb er stehen. »Hallo, Ernie!«, sagte er. »Lange nicht gesehen.«

Muller zog die Lippen von den Zähnen. Seine Gesichtsmuskeln waren so steif, als wären sie von einem Krampf befallen. Zu seiner Überraschung gehorchte ihm die Stimme. Sie klang nicht anders als sonst, zu hoch und ein wenig gequetscht.

»Hallo, Marc. Warum hast du nicht angerufen? Ich schätze, dass du mindestens fünf Monate fort warst.«

»Sechs Monate und acht Tage. So lange brauchten die Anwälte, um mich aus der Untersuchungshaft zu pauken. Ein halbes Jahr Haft, Ernie, weil jemand unvorsichtig war.«

»Ich glaube nicht, dass du mir Vorwürfe machen kannst, Marc«, antwortete Muller. »Ich bin überzeugt, dass die Schnüffler den Tipp von einem der Leute erhalten haben, die das Zeug transportiert haben.«

Range zuckte mit den Schultern. »Wer soll das noch feststellen? Die Jungs ließen sich auf ’ne Schießerei ein und wurden von den G-men abgeknallt.« Sein weicher Mund verzog sich zu einem Lächeln. »Mein Glück! Wären Cassano und Dorion den Leuten von der Narcotic Squad lebend in die Finger gefallen, hätten sie früher oder später gesungen. Eine Armee Anwälte hätte mich dann nicht vor einem Gerichtsverfahren bewahren können.«

Muller sah ihn unverwandt an.

»Wolltest du das, Ernie?«, fuhr Range fort, ohne den Tonfall zu ändern.

»Du verdächtigst mich zu unrecht.« Muller war einen Kopf größer als Range, und dieses Größenverhältnis verlieh ihm ein Gefühl der Überlegenheit. Außerdem fürchtete er sich nicht, solange Range beim Cassano- und Dorion-Fall blieb. »Ich bin dreimal vernommen worden. Ich habe eisern geschwiegen. Wenn ich gegen dich spielen würde, Marc, so hätte ich vor den Agents die Karten aufdecken können.«

Range schüttelte den Kopf. »Das stimmt nicht, denn dann hättest du auch von dir selbst sprechen müssen.«

»Ich habe geschwiegen«, beharrte Muller. »Du hast keinen Grund, mir zu misstrauen. Willst du die Abrechnungen sehen?«

»Welche Abrechnungen?«

»Über den Umsatz des Clubs. Du hast sie ein halbes Jahr lang nicht geprüft.«

»Und die Abrechnungen über den Stoff?«

»Selbstverständlich auch.«

»Während ich im Gefängnis saß, fuhr einer meiner Leute nach Europa, um zu verhindern, dass die Schnüffler dort etwas herausfinden. Er entdeckte, dass für Marcus Range mehr Sendungen abgefertigt worden sind, als ich bezahlt habe.«

Angst brach erneut wie eine aufgestaute Welle über Ernest Muller herein. »Ich verstehe nicht, Marc«, stammelte er.

»Das ist einfach zu verstehen. Jemand, der meine Bezugsquelle kannte, hat Stoff auf meinen Namen bezogen. Er hat das Zeug bezahlt und es auf eigene Rechnung über meine Organisation verkauft, Muller, aber auf eigene Rechnung.«

»Marc, lass dir erklären!«, stöhnte der andere.

Ranges Lächeln vertiefte sich. Er machte eine Kopfbewegung in Richtung seines Begleiters. »Du kennst Matthew Crump nicht?«

Muller, der stark schwitzte, drehte den Kopf. Er sah einen mageren Mann mit einem hässlichen, sommersprossigen Gesicht. Seine Zähne standen so stark vor, dass er die Lippen nicht vollständig schließen konnte. Aus diesem Grund lag auf seinem Gesicht der Ausdruck eines ständigen Grinsens. Muller musste dreimal schlucken, bevor er »Hallo« sagen konnte. Crump reagierte nicht.

»Matt kostet mich fünftausend Dollar«, sagte Marcus Range. »Ich habe ihn engagiert, um dich zu töten, Ernie!«

Das Blut schoss in Mullers Gesicht. »Das kannst du nicht tun, Marc.«

Range nahm die Hände aus den Manteltaschen, hob sie und kehrte sie mit den Handflächen nach außen.

»Was sollte mich hindern?«, sagte er. »Niemand wird dein Schreien hören – nur ich.«

***

Die Künstlergarderoben des Clubs waren nummeriert. Sie lagen links und rechts eines langen Flurs, der über eine Holztreppe zur kleinen Bühne vor der Tanzfläche führte. The Moonshine Club bot den Gästen ein Striptease-Programm. Sechs der zehn Garderoben waren für die Stripgirls reserviert. Zwei Garderoben standen den Zigarettenmädchen und Serviererinnen zur Verfügung.

Nummer 9 und 10 wurden von den Musikern und den Kellnern benutzt. Alle Garderoben sahen gleich scheußlich aus. Kahle, getünchte Räume, vollgepfercht mit Stühlen, Kleiderständern, Schminktischen und Sofas, deren Bezugstoffe voller Flecken waren.

Auf der Couch in Nummer 9 öffnete Gladys Porten die Augen. Walt Day saß neben ihr. Sein schmales Jungengesicht schimmerte im Halbdunkel der Garderobe bleich wie das eines Gespensts. Seine Augen lagen so tief in den Höhlen, dass Gladys die Pupillen nicht sehen konnte.

»Bist du noch high?«, fragte Day.

Gladys wurde bewusst, dass ihr übel war. »Bitte, Walt, gib mir ein Glas Wasser!«

Er stand auf, ging zum Wasserbehälter und kam mit einem Pappbecher zurück.

Sie trank hastig. »War es wieder eine Reefer?«

»Natürlich, Süße, du würdest dich sonst nicht so großartig fühlen.«

»Oh, Walt, ich fühle mich elend wie noch nie.«

»Jetzt, aber vorher hast du wunderbare Träume gehabt, nicht wahr?«

»Ich weiß nicht.« Sie bemühte sich, sich zu erinnern. »Es war … irgendwie war es schrecklich. Walt, warum willst du, dass ich diese Zigaretten rauche?«

»Ich habe es dir oft genug erklärt. Man lebt intensiver, wenn man ein wenig Marihuana qualmt. Bei dir scheint jede Mühe vergeblich zu sein. Du gehörst zu diesen stumpfsinnigen Typen, die einschlafen, bevor sie richtig high geworden sind. Steh jetzt auf!«

Gehorsam erhob sich Gladys. Sie arbeitete als Zigarettenmädchen in der Bar. Day gehörte als Saxofonist zur großen Besetzung der Band, die aber nur bis zum Ende des Programms spielte. Danach versorgte eine Zwei-Mann-Gruppe die Gäste des Clubs mit Musik. Irgendwann zwischen drei und vier Uhr hatte Walt Gladys in die Musikergarderobe geholt und hatte sie überredet, mit ihm Marihuana­zigaretten zu rauchen.

Sie trug den kurzen Rock und die rote Korsage, die Muller den Zigarettenmädchen verordnet hatte, um den Clubgästen auch den Kauf von Zigaretten zu einem Erlebnis zu machen. Zurzeit sah Gladys Porten ziemlich abschreckend aus. Das Haar hing ihr strähnig ins Gesicht. Schminke und Wimperntusche waren verlaufen. Ihre Haut glänzte schweißig.

»Wie viel Uhr ist es?«, fragte sie.

»Halb sechs.«

»Wenn Muller uns erwischt, fliegen wir raus.«

»Er kommt nie in die Garderoben. Komm! Du weiß doch, dass ich einen Schlüssel für den Lieferanteneingang habe.«

»Ich muss mich noch umziehen.«

»Quatsch! Der Mantel genügt, ich hole...

Erscheint lt. Verlag 31.1.2017
Reihe/Serie Jerry Cotton Sonder-Edition
Jerry Cotton Sonder-Edition
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Krimi / Thriller
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte 2017 • 2018 • Abenteuer • alfred-bekker • Bastei • Bestseller • Dedektiv • Detektiv • Deutsch • Deutsche Krimis • eBook • E-Book • eBooks • Ermittler • erste-fälle • gman • G-Man • Hamburg • Horst-Bosetzky • international • Kindle • Komissar • Kommisar • Kommissar • Krimi • Krimiautoren • Krimi Bestseller • Kriminalgeschichten • Kriminalroman • Krimis • krimis&thriller • letzte fälle • martin-barkawitz • Mord • Mörder • nick-carter • Polizei • Polizeiroman • Polizist • Reihe • Roman-Heft • schwerste-fälle • Serie • Soko-Hamburg • spannend • spannende Krimis • Spannung • Spannungsroman • stefan-wollschläger • Tatort • Terror • thomas-herzberg • Thriller • uksak • Verbrechen • Wegner
ISBN-10 3-7325-4297-1 / 3732542971
ISBN-13 978-3-7325-4297-0 / 9783732542970
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