Nevada Western Doppelband #4 (eBook)
240 Seiten
Uksak E-Books (Verlag)
978-3-7389-0721-6 (ISBN)
12
„Du Hund hast Ron umgelegt!“, brüllte einer überschnappend. „Fang an zu beten, Mister ...“
Der Rufer jagte drei Schüsse in rasender Folge in die Tiefe. Sein Kumpan stieß sich ab und hetzte einige Schritte abwärts, warf sich in Deckung und begann nun seinerseits zu feuern. Der andere glitt unter seinem Feuerschutz von Baum zu Baum. Ihre Kugeln wurden John nicht gefährlich. Er pirschte nach unten, erreichte die Sohle des Hügeleinschnitts und kroch in die Büsche. John langte bei den Pferden der Halunken an. Ohne zu zögern zog er sein Messer und schnitt die Sattelgurte durch. Die Sättel warf er ins Gestrüpp.
Dann entfernte er sich ein Stück und legte sich hinter dem Stumpf eines Busches mit armdicken Ästen auf die Lauer. John grinste spöttisch, weil immer wieder die Gewehre der Banditen krachten, als sie sich gegenseitig Feuerschutz gaben. Und als nach einigen Minuten der erste der Outlaws bei den Pferden ankam, befand er sich halblinks hinter ihm. Die Distanz betrug allenfalls fünf Schritte.
John erhob sich auf die Knie, drückte den Kolben der Winchester fest an seine Seite, seine frostige, schneidende Stimme sprang den Banditen an. „Ich bin hier, Mister!“
Der Outlaw wirbelte herum, erfasste John und brachte die Mündung ins Ziel...
John feuerte ohne zu zögern. Der Bursche zuckte zusammen. Das Gewehr entglitt seinen Händen. Ein kleines, schwarzgerändertes Loch zeigte sich auf seiner Stirn, ein dünner Blutfaden sickerte auf seinen Nasenrücken. Ohne einen Laut fiel der Bandit nach hinten. Sein Körper durchbrach das Zweiggeflecht. Eine Erschütterung ging durch den Busch. Der leblose Körper hing seltsam verdreht zwischen den dicken Ästen.
Sofort verschwand John im Strauchwerk. Eine kratzende Stimme brüllte, als die Detonation verklungen war: „Lane, he, hast du ihn erwischt?“ Und als sich nichts rührte, schrie der Bursche noch einmal: „Lane, beim Henker! Gib Antwort! Hast du den Bastard umgelegt?“
Sehen konnte John nichts von dem letzten der drei Banditen. Er hatte sich auf die Hacken niedergelassen und wartete. Diesen Burschen brauchte er unbedingt lebendig.
Ein Stück von ihm entfernt erklang trockenes Knacken. Dann glaubte er das leise Klirren von Sporenrädern zu vernehmen. Die Pferde auf der kleinen Lichtung zwischen den Büschen spielten mit den Ohren und schnaubten mit geblähten Nüstern, als witterten sie den Hauch des Todes, der durch die Büsche zog.
Der Outlaw bekam es mit der Angst. Einer jämmerlichen, hündischen Angst, die sich mehr und mehr in sein Bewusstsein drängte und das klare Denkvermögen verzerrte. John ahnte es. Er hatte ihn von den Pferden abgeschnitten, ihn sozusagen hier festgenagelt, und das würde den Banditen vielleicht die Beherrschung verlieren und einen gravierenden Fehler machen lassen.
Das Herz des Banditen hämmerte wie verrückt. In seinem aufgepeitschten Bewusstsein tobte die Angst wie ein eisiger Blizzard. Tonnenschwer lag auf seinem Gemüt die Beklemmung. Der Tod Ron Jennings’ hatte ihm den ersten Schock versetzt. Und die Erkenntnis, dass auch Lane Wyler tot war, drohte ihn zu erdrücken. Er wusste, dass sein unerbittlicher, gnadenloser Gegner in der Nähe ihrer Pferde war. Er fühlte sich beobachtet, stockte im Schritt, in seinen Augen flackerte wilde Panik. Seine überreizten Sinne ließen ihn Geräusche wahrnehmen, die es nicht gab. Angestrengt lauschte er. Er spürte den Pulsschlag der tödlichen Gefahr, und die Atmosphäre, die ihn umgab, war kaum noch zu ertragen.
Er hielt Ausschau nach dem Pferd seines Gegners, er konnte es aber nirgends entdecken, denn es stand tief genug im Wald. Die Zügel hingen zu Boden, und da es sich um ein erstklassig abgerichtetes Rinderpferd handelte, würde es sich nicht von der Stelle rühren.
„Ich schieße diese elende Ratte in Stücke!“, hechelte er, aber er konnte sich damit keinen Mut machen. Er ging nieder und robbte in die Richtung der Pferde.
Er erreichte den Rand der Lichtung - und zischte eine lästerliche Verwünschung. Nur wenige Schritte von ihm entfernt hing Lane Wyler schlaff im Geäst eines Strauches. Die zweite Tatsache, die ihm ins Auge sprang, war, dass die Pferde keine Sättel mehr trugen.
Er verlor die Beherrschung. „Wo bist du verdammter Hund?“, kreischte er fast hysterisch. „Zeig dich!“
„Ich bin hier!“, antwortete John. „Du solltest aufgeben, Bandit.“
Das Gewehr in den schweißnassen Händen des Burschen zuckte herum, er ballerte blindlings los. Die Angst raubte ihm den Verstand. Die Pferde gerieten außer Rand und Band, stiegen, keilten aus, warfen sich herum und stoben mit trompetendem Gewieher davon. Und plötzlich schlug der Bolzen in eine leere Kammer. Der Outlaw warf das Gewehr zur Seite und griff nach dem Colt.
„Schluss jetzt, Bandit, du hast verloren!“
John klirrende Stimme erklang hinter dem Rücken des Outlaws. Während dieser sein Blei ziellos zwischen die Büsche schickte, hatte er seine Position gewechselt.
Bei dem Banditen holte der Verstand den Impuls nicht mehr ein, der ihn herumwerfen und den Colt hochreißen ließ. Als aber dicht neben seinem Kopf ein Stück heißes Blei durch die Luft zischte, erstarrte er.
John hielt die Winchester fest in den Händen, die Mündung wies bedrohlich auf den Kopf des Banditen. Und diesem wurde mit der Intensität eines Mannes, nach dem der Sensenmann bereits die knöcherne Klaue ausstreckte, klar, dass er entweder aufgeben oder sterben musste.
Ein Schwall verbrauchter Atemluft entwich seinen Lungen. Er ließ die Hand mit dem Colt sinken und rief würgend: „Nicht schießen! Bei allem, was mir heilig ist - ich gebe auf!“
„Wirf die Waffe weg!“, befahl John schroff und ungeduldig.
Der Bandit schleuderte das Eisen von sich. Er durchlebte grässliche, entsetzliche Augenblicke. Seine Hände zitterten wie die eines Schwerkranken. Sein Gesicht war entstellt, und die Schatten in seinen Augen verrieten, wie tief die Angst in ihm saß.
Und es war für ihn wie ein Alptraum, als John hervorstieß: „Ich bin John Stirling, der Boss der Antelope Hill Ranch, Bandit. Du gehörst doch zu den Schuften, die in der Nacht zwei meiner Cowboys erschossen? Und wahrscheinlich habt ihr mit euren hinterhältigen Schüssen vorhin auch Joe Walker ermordet. Ich bringe dich nach South Pass City - und dort wirst du hängen.“
Der Outlaw zog den Kopf zwischen die Schultern. Er hatte dem Tod ins höhnisch grinsende Auge gesehen, und nachträglich rann ihm noch ein eiskalter Schauer über den Rücken, als er daran dachte, dass sein Leben an einem seidenen Faden gehangen hatte.
„Wie heißt du?“, fragte John. Von ihm ging eine starke, zwingende und unnachgiebige Strömung aus. In seinen Augen lag eine Härte, die den Outlaw erbeben ließ.
„Cole Sounders“, entrang es sich dem Banditen. Er schielte mit heimtückischem Ausdruck auf das Gewehr in Johns Fäusten. Obwohl er sich fürchtete, überlegte er fieberhaft, wie er John überlisten konnte. Dieser schien Sounders’ Gedanken zu erraten, denn er sagte mit stählernem Klang in der Stimme: „Wenn du hier sterben willst, dann versuch’s, Sounders. Für mich bist du ein skrupelloser Mörder, und ich habe sicherlich nicht die geringsten Hemmungen und Gewissenbisse, dich über den Jordan zu schicken.“
„Bis South Pass City sind es an die zehn Meilen. Unsere Pferde sind durchgegangen.“
„Wenn es sein muss, schleppe ich dich am Lasso in die Stadt. - Dreh dich um!“
„Was - hast - du - vor?“, ächzte Sounders.
„Du sollst dich umdrehen, verdammt!“, presste John ungeduldig und warnend hervor und winkte mit dem Gewehr. Nur zögernd folgte Sounders dem Befehl. Als er John den Rücken zuwandte, schlug dieser zu. Der Gewehrlauf knallte auf den Kopf des Banditen, und mit einem verlöschenden Seufzen brach Sounders zusammen.
John wollte kein Risiko eingehen. Diese Sorte war unberechenbar. Um ihren Hals aus der Schlinge zu ziehen wuchsen Kerle wie Sounders über sich hinaus.
John suchte in den Satteltaschen der Banditen nach geeigneten Stricken, mit denen er Sounders fesseln konnte. Er fand eine dünne Lederschnur, und er nahm auch eines der Lassos an sich. John drehte Sounders auf den Bauch, band ihm auf dem Rücken die Hände zusammen, dann zog er ihm unter den Armen das Lasso hindurch und zurrte die Schlinge zusammen.
John holte sein Pferd. Nach einer Viertelstunde etwa traf er wieder bei Sounders ein. Der Bandit hatte wieder das Bewusstsein erlangt und zerrte an seinen Fesseln. Sein Atem ging keuchend und stoßweise. Und obwohl es kühl war, perlte auf seiner Stirn der Schweiß.
„Es ist zwecklos, Sounders!“, gab John kalt und ungerührt zu verstehen. „Die Schnüre sind stabil. Hoch mit dir!“
John war abgestiegen. Er nahm das Ende des Lassos, das um Sounders’ Brust lag, und kletterte wieder in den Sattel.
„Du willst mich tatsächlich am Lasso hinter dir herschleppen?“, schnappte der Bandit voller Entsetzen. „O verdammt, Stirling, du hast mir fast den Schädel eingeschlagen, in...
| Erscheint lt. Verlag | 28.9.2017 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| ISBN-10 | 3-7389-0721-1 / 3738907211 |
| ISBN-13 | 978-3-7389-0721-6 / 9783738907216 |
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