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Der Tod kennt keine offenen Rechnungen: Thriller -  Thomas West

Der Tod kennt keine offenen Rechnungen: Thriller (eBook)

(Autor)

eBook Download: EPUB
2017 | 1. Auflage
240 Seiten
Uksak E-Books (Verlag)
978-3-7389-0684-4 (ISBN)
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Thriller von Thomas West Der Umfang dieses Buchs entspricht 217 Taschenbuchseiten. Fünf Freunde, die sich seit der Studienzeit kennen, brechen mit dem Shoshone-Indianer Joseph Watonga zu einem Survivaltraining in die Rocky Mountains auf. Auch die beiden FBI-Agenten Jesse Trevellian und Milo Tucker haben sich von ihrem Kollegen überreden lassen mitzumachen. Sie alle ahnen nicht, dass in den unendlichen Wäldern der Tod auf sie lauert. Was als unterhaltsames Abenteuer begann, entwickelt sich zu einem wahren Alptraum. Gejagt von einem Mörder - und geplagt von ihren eigenen Schuldgefühlen über eine Tat, die über zehn Jahre zurückliegt, kämpfen sie ums nackte Überleben.

2


Manhattan, Mitte Juli 1998

Morgendliches Briefing im Chefbüro. Wir saßen um den Konferenztisch herum. In den Tassen vor uns dampfte Mandys Kaffee. Jeder von uns berichtete, was er zu berichten hatte. Die anderen hörten schweigend zu. Der Chef machte sich die eine oder andere Notiz.

So fing die Geschichte für uns an, für Milo und mich.

Hinter uns lag eine aufregende Woche. Die Queen hatte New York City besucht. An sich nichts Besonderes. Die Windsors ließen sich öfter mal in unserem schönen Städtchen blicken.

Nur diesmal hatte Queen Elizabeth II einen Einkaufsbummel und ein Pferderennen mit einem Besuch beim Rudolph Giuliani und einer Rede vor der UN-Vollversammlung verbunden. Und schon hatten wir einen Staatsgast.

Wir vom FBI haben für die Sicherheit von Staatsgästen der Vereinigten Staaten oder eines ihrer Bundesstaaten zu sorgen. So ist das nun mal. Keine Aufgabe, um die sich der durchschnittliche G-Man reißt. Aber ein Job ist ein Job und muss erledigt werden.

Der Besuch der Queen war alles andere als langweilig gewesen. Keiner von uns hatte das erwartet. Zwei Spezialisten hatten versucht, ihr einen überirdisch teuren Diamanten zu rauben. Und fast wäre ihnen das gelungen ...

Aber wenn mich nicht alles täuscht, habe ich die Geschichte schon an anderer Stelle erzählt. Jedenfalls schlossen wir den Fall an diesem Morgen ab.

Anhand von Verhörprotokollen, Labor- und Einsatzberichten wurde das Verbrechen rekonstruiert und der Einsatz analysiert. Das Programm für die nächsten zwei Tage war klar: Alle Berichte und Protokolle mussten abgetippt werden. Die Staatsanwaltschaft brauchte Material für ihre Anklageschrift. Einer der Täter war gefasst worden. Der andere - eine Frau - war tot.

"Ich hab hier einen neuen Fall." Der Chef nahm einen Stapel Papiere vom Tisch. "Unsere Kollegen in Los Angeles bitten um Zusammenarbeit. Es geht um verschwundene Frauen. Einer von Ihnen sollte sich mit den Akten beschäftigen." Jonathan McKee legte die Papiere in die Mitte des Tisches. "Am besten noch heute."

"Kein Problem, Sir." Milo streckte den Arm nach den Papieren aus. "Mach ich glatt."

"Geht nicht", sagte ich. "Du musst die Post für die Staatsanwaltschaft erledigen."

"Mach du das mal - dein Stil ist eindeutig eleganter als meiner." Milo zog die Akten zu sich.

"Aber du hast dich das letzte Mal schon vor der Büroarbeit gedrückt." Ich nahm meinem Partner die Unterlagen ab. "Diesmal kommst du mir nicht davon."

"Ihr habt als Team auf die Queen aufgepasst." Ehe ich mich versah, schnappte sich Zeery die Papiere. "Also müsst ihr den Fall auch als Team zu Papier bringen." Er wandte sich an unseren Chef. "Ich mach das schon, Sir."

"Du hattest doch auch mit dem Fall zu tun!", knurrte Jay. "Leslie und ich haben Zeit - wir kümmern uns um die neuen Akten."

"Ihr Arbeitseifer ist wie immer vorbildlich, Gentlemen." Der Chef schmunzelte. "Morgen früh brauch ich eine Einschätzung für den neuen Fall und ein paar Ermittlungsvorschläge, und morgen Abend muss der Bericht über den abgeschlossenen Fall beim Staatsanwalt sein. Sie werden sich schon einigen."

Später, im Vorzimmer, standen wir um Mandys Schreibtisch. Sie wandte uns den Rücken zu und ordnete sechs Streichhölzer in ihrer Hand. Die Akten des neuen Falls lagen auf ihrer Schreibtischunterlage.

Sie drehte sich um. "Greifen Sie zu, Gentlemen." Zwischen Daumen und Zeigefinger ihrer rechten Hand klemmten sechs Streichholzköpfe. Von einem der Hölzer hatte sie die untere Hälfte abgebrochen.

Milo zog als Erster. Triumphierend hielt er das abgebrochene Hölzchen hoch. "Seid nicht neidisch, Kollegen." Er schnappte sich die Unterlagen. "Wenn einer ein bisschen Glück verdient hat, dann ich. Das seht ihr doch sicher genauso."

"Das Schicksal kann so hart und ungerecht sein." Missmutig dachte ich an die vielen Stunden langweiliger Büroarbeit, die nun vor mir lagen.

"Nur wer sich den Umständen anpassen kann, wird überleben", grinste Milo. "Betrachte es einfach als Abhärtungstraining."

"Apropos >überleben<", sagte Orry Medina. "Mach jemand von euch zufällig Mitte September Urlaub?"

Clive und Jay hatten ihren Jahresurlaub für den August geplant. Leslie war gerade im Urlaub gewesen, und Milo und ich hatten uns noch nicht festgelegt. "Wieso?", fragte ich. "Hast du eine Segelyacht zu verleihen?"

"Nein. Ich hab mich und meine Verflossene für ein Survivaltraining in den Rockies angemeldet. Aber meine neue Freundin hat Angst vor Schlangen und Stinktieren." Er zuckte mit den Schultern. "Also fliegen wir im Winter in die Karibik."

Wir wussten, dass Zeery während der Ermittlungen im abgeschlossenen Fall eine Frau kennengelernt hatte. Eine Musikerin. "Und nun brauchst du jemanden, der sich für dich durch die Wälder schlägt", sagte Milo.

"Ich suche zwei Leute - wolltet ihr beide nicht sowieso zusammen Urlaub machen?" Er meinte meinen Partner und mich.

"Ich mach' mit niemandem Urlaub, der sich ständig um die Büroarbeit drückt." Ich mimte den Beleidigten.

"Survivaltraining ..." Nachdenklich rieb sich Milo das Kinn. "Klingt nach Konservenfutter und Blasen an den Füßen."

"Ich bring euch mal den Prospekt mit", grinste Zeery, "dann könnt ihr euch die Sache ja in Ruhe durch den Kopf gehen lassen."

Wir gingen zum Aufzug. Milo hinkte. Während des Einsatzes hatte er sich eine Kugel gefangen. Oberschenkeldurchschuss. Nicht schön, aber zum Glück auch keine gefährliche Verletzung.

Ein paar Minuten später sank ich in meinen Schreibtischsessel. Milo vertiefte sich in die Unterlagen des neuen Falls, und ich steckte mir die Kopfhörer des Diktaphons in die Ohren, um die Verhöre der vergangenen Tage zu protokollieren.

Zeerys Angebot hatte ich schon vergessen, als ich den Kassettenrekorder einschaltete und in die Tastatur griff. Ich hatte es sowieso nicht besonders ernst genommen. Das sollte sich bald ändern ...

 

*

 

Orlando, Florida, Mitte Juli 1998

Er stieg aus der Dusche und trocknete sich ab. Seine schwarze Haut glänzte wie Rohöl. Er war fast hundertneunzig Zentimeter groß, hatte einen vollkommen kahlen Schädel und einen muskulösen Nacken. Auch über Schultern, Rücken und Brustkorb zogen sich kräftige Muskelstränge.

Ein Bild von einem Mann. Selten hatte er allein geschlafen.

Vor dem Spiegel über dem Waschbecken rasierte er sich. Nass wie immer. Aber gründlicher und länger als sonst. Alles, was er an diesem Tag tat, tat er länger und gründlicher als an anderen Tagen. Sogar die Art, wie er nach der Rasur das Aftershave-Fläschchen aufschraubte, hatte etwas Andächtiges.

Behutsam, fast zärtlich trug er das Aftershave auf. Sekundenlang verharrte er vor dem runden Spiegel. Er wunderte sich, dass seine Miene so ganz und gar gleichgültig wirkte.

Keine Trauer in den großen, samtbraunen Augen, und erst recht keine Verzweiflung. Auch die wulstigen Lippen des großen Mundes vollkommen entspannt. Er fand sich selbst so überraschend alltäglich, dass er grinsen musste.

Splitternackt ging er in sein Schlafzimmer. Die Frau in seinem Bett schlief noch. Sie hieß Jessica. Sie hätte auch Sue, Mary oder Kate heißen können.

Sie lag auf dem Bauch. Das weiße Leintuch bedeckte nur ihren rechten Oberschenkel, ihre rechte Gesäßbacke und den unteren Teil ihres Rückens. Lächelnd betrachtete er die Wölbungen ihres Hinterns, die schmale Kerbe ihrer Wirbelsäule und die Konturen ihrer Schulterblätter. Ihre dunkle Haut glänzte vor Schweiß.

Seit einem halben Jahr war er mit ihr zusammen. Er hätte auch seit zwei Wochen oder einem halben Tag mit ihr zusammen sein können. Nichts wusste er von ihr. Gar nichts. Und sie war ihm gleichgültig. So verflucht gleichgültig. Und trotzdem hatte er sie genommen, wie man eine Göttin nehmen würde.

Er öffnete seinen Garderobenschrank und entnahm ihm Wäsche, Socken und Oberhemd. Vor dem Spiegel in der Schrankwand kleidete er sich an.

Mit ausgestrecktem Arm schüttelte er das weiße, sorgfältig gebügelte und gestärkte Hemd auseinander. Er betrachtete es mit einer Mischung aus Wehmut und Spott bevor er es überzog und zuknöpfte.

Es war eines von einundzwanzig weißen Hemden, die er besaß. Zehn befanden sich immer eine Woche lang in der Reinigung. Eines trug er am Leib, und zehn saßen gebügelt und gestärkt in seinem Schrank oder lagen gebraucht in der Wäschetruhe unter dem Waschbecken. Normalerweise.

Seit etwa einer halben Stunde lagen zwanzig gebrauchte Hemden in der Wäschetruhe unter dem Waschbecken. Das Hemd, das er sich gerade zuknöpfte, war sein letztes frisches Hemd.

Aus der rechten Schrankseite holte er einen Bügel mit einer Uniform heraus. Er stieg in die Hose, band sich die Krawatte um und schlüpfte in die Uniformjacke. Mit der großen, kräftigen Hand fuhr er sich über den kahlen Schädel, bevor er sich die Offiziersmütze aufsetzte.

Ein Blick auf die Armbanduhr - zwanzig vor sieben. Um acht begann die Feier. Vierzig Minuten kalkulierte er für den Weg von Orlando nach Cape Canaveral ein. Also hatte er noch eine gute halbe Stunde Zeit. Das reichte. Er wusste ja, was er schreiben wollte. Seit einer Woche wusste er es.

Er ging in sein Arbeitszimmer, setzte sich an seinen Schreibtisch und und legte seine Offiziersmütze neben die...

Erscheint lt. Verlag 2.8.2017
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror
ISBN-10 3-7389-0684-3 / 3738906843
ISBN-13 978-3-7389-0684-4 / 9783738906844
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