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Der Bergdoktor 1848 (eBook)

Geliebte Feindin
eBook Download: EPUB
2016 | 1. Aufl. 2016
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-4093-8 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Der Bergdoktor 1848 - Andreas Kufsteiner
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Vom ersten Augenblick an kann Mirja ihn nicht ausstehen! Die Rede ist von Marius Kettler, ihrem Nachbarn. Alles an ihm regt sie auf: sein perfektes Aussehen, seine fröhliche Art - und sein Erfolg bei den Mädchen im Dorf! Zu dumm nur, dass ihr Garten direkt an sein Grundstück grenzt und sie alles mitbekommt, was drüben vorgeht.

Jedenfalls empört sich Mirja fürchterlich über das rege Treiben im Nachbarhaus. Doch als sie Marius einmal deswegen zur Rede stellen will, macht er ihr ein unglaubliches Geständnis ...

Im »Ochsenwirt« gab es keinen Grund zur Klage. Der stattliche Gasthof lag mitten in St. Christoph und war daher nicht zu übersehen. Die Wirtsleute Joschi Althöfer und seine Frau Anna wussten, dass sie sich auf ihre Gäste verlassen konnten.

Nicht nur die Dorfbewohner und die Stammtischler tauchten regelmäßig auf. Auch Urlauber, Wanderer und Skifahrer schauten stets gern herein.

Bei einem Tiroler Brotzeitbrettl oder einem knusprigen Braten mit Speckkraut und Semmelknödeln – die Frau Wirtin kochte selbst – ließen sich die Energiespeicher rasch wieder auffüllen.

Außerdem legte das Ehepaar Althöfer großen Wert auf »gepflegte Getränke«, wie es in der Karte hieß. Was heiß sein musste wie zum Beispiel Kaffee, Jagertee oder Punsch, das war sogar noch ein bisserl heißer als nötig.

Umgekehrt musste auch niemand befürchten, im »Ochsen« ein lauwarmes Bier oder gar einen letscherten Weißwein zu bekommen. Bier, Wein und »Gespritzter« hatten genau die richtige Temperatur. Limonaden, Säfte und Apfelschorle perlten ebenfalls kalt und spritzig im Glas. Die Gäste waren durchweg sehr zufrieden.

Und weil man außerdem zwanglos beisammensitzen und über Gott und die Welt reden konnte, ging es im Wirtshaus in der Dorfmitte immer urgemütlich zu.

Zwei, drei kleine Tische waren meistens noch frei, wenn man Glück hatte. Aber mehr auch nicht. Notfalls hockte man sich irgendwo dazu. Hier plauderte jeder mit jedem, und es waren schon Freundschaften fürs Leben geschlossen worden. Jedenfalls behauptete das der Wirt.

Wer die Abwechslung liebte, ging freilich auch ab und zu ins Berghotel »Am Sonnenhang«, das mit dem hauseigenen Restaurant »Sonnenstüberl« aufwarten konnte. Das schöne Hotel galt inzwischen als Geheimtipp, übrigens nicht nur wegen der kulinarischen Köstlichkeiten.

Übrigens verstanden sich die Wirtsleute aus dem »Ochsen« und das Hoteliersehepaar Kastler so gut, dass sie sich ab und zu privat zu einem »Schmankerlabend« trafen. Als Konkurrenten betrachteten sie sich nicht, denn der »Ochse« war ein uriger Zillertaler Gasthof und kein Hotel der gehobenen Klasse.

An diesem Februarabend knapp eine Woche vor Fastnacht dampfte in der Wirtsstube die traditionelle »Mitternachtssuppe«, obwohl es gerade erst halb sieben war. Die würzige Suppe war allerdings bei den Gästen so beliebt, dass sie bereits ab achtzehn Uhr aus dem großen Kessel geschöpft wurde, der – wie anno dazumal – über einer offenen Feuerstelle in der alten Rauchkuchl hing. Nur so bekam diese besondere Suppe ihren typischen Geschmack.

Die Rauchkuchl im »Ochsen« war übrigens eine Sehenswürdigkeit. Sie stammte aus der Zeit, in der das Wirtshaus noch den Namen »Zum Roten Ochsen« getragen hatte.

Anno dazumal waren Kutscher, Ross und Reiter hier eingekehrt, man hatte eine Poststelle eingerichtet und schlicht möblierte Kammern an Reisende oder Händler vermietet, die winters wegen Schnee und Eis nicht mehr bis Mayrhofen oder Schwaz hinuntergekommen waren oder denen im Sommer Blitz und Donner den Garaus gemacht hatten. Für Speis und Trank war auch in früheren Zeiten ein tüchtiges Wirtsehepaar zuständig gewesen.

In regelmäßigen Abständen wurde auch heute noch die Rauchkuchl geöffnet. Wenn die Wirtin zum Beispiel in den riesigen, gusseisernen Pfannen ihren herrlich duftenden Eierschmarrn zubereitete, gab es im »Ochsen« garantiert keinen freien Platz mehr. Auch zur Fastnacht gehörten Suppen, Gesottenes und Gebratenes aus der alten Tiroler Küche unbedingt dazu.

Draußen war es so kalt, dass selbst die Eiszapfen unter den Dächern im Frost knackten. Im Monat Februar war das hier droben in den Bergen auch nicht ungewöhnlich. Der Schnee knirschte, wenn man auch nur einen Fuß darauf setzte. Am Abendhimmel strahlten die Sterne kristallklar wie Wunderwerke aus Eis.

Mächtig und schweigend erhob sich das Gebirge in seiner weißen Pracht rund um das Hochtal von St. Christoph. Selbst jemandem, der sich weder für das Hochgebirge noch für ein Winterparadies abseits von Lärm und Trubel interessierte, verschlug es bei diesem Anblick die Sprache.

Genauso erging es Mirja Lenzauer. Sie hatte eine Weile gezögert und unschlüssig an der Tür gestanden. Sollte sie sofort zu ihren Eltern fahren oder noch ein Weilchen warten und sich ein bisschen Zeit zum Nachdenken gönnen? Ob sie nun eine Stunde früher oder später im Weiler Hochbrunn ankam oder nicht, spielte eigentlich keine Rolle.

Es war unglaublich schön hier oben in St. Christoph, das musste sie zugeben. Sie fühlte sich wie in einer anderen Welt. Wenn man ihr gesagt hätte, dass sie auf einem fremden Planeten gelandet sei, dann wäre das gar nicht so verwunderlich gewesen.

Eine kleine, schwarz-weiße Katze bog um die Ecke und setzte sich neben Mirja.

»Gehörst du zum Wirtshaus?«, fragte sie. »Sicher ist dir kalt. Leider kann ich dir nichts geben. Ich hab kein Leckerli, kleine Mieze. Geh schnell ins warme Haus.«

Aber das Kätzchen dachte gar nicht daran, sondern blickte Mirja neugierig an.

Was für ein Abend!

Schnee, funkelnde Sterne, kalte, klare Luft, Gipfel, die fast den Himmel berührten, verschneite Wälder, warmes Licht im Dorf und Menschen, die man von fern lachen und reden hörte, all das ergab zusammen eine ganz besondere Atmosphäre. Hinter allem war jedoch eine tiefe Stille zu spüren. Nachts, wenn alle schliefen, würde diese Stille bis hinauf zu den Sternen reichen oder sogar noch weiter.

In der Stadt gab es so etwas nicht.

Mirja war daran gewöhnt, ständig von Geräuschen umgeben zu sein. Klagenfurt war eine lebhafte Stadt. In den vergangenen zwei Jahren hatte sie zusammen mit Paul in einem schicken Neubau gewohnt, direkt über seiner Anwaltskanzlei.

Große Fenster, ein riesiger Dachgarten, ein schicker Einrichtungsstil, leicht unterkühlt in Hellgrau, Schwarz und Weiß. Verspielte Dekorationen und Schnickschnack waren für Paul Gelthoff nicht infrage gekommen. Ab und zu war Mirja zu Vater und Mutter gefahren, um in ihrem Elternhaus am Stadtrand all die kleinen, hübschen Dinge wiederzusehen, an denen sie seit ihrer Kindheit gehangen hatte.

Um Paul einen Gefallen zu tun, waren diese Besuche aber ziemlich selten gewesen. Er hatte ihre Eltern als »langweilig« bezeichnet. Sogar das Wort »spießig« war gefallen, eigentlich eine Beleidigung. Gut, dass sie bis heute nichts davon ahnten. Sie hatten Paul eh nicht gerade ins Herz geschlossen.

Inzwischen war er genauso Vergangenheit wie die Penthouse-Wohnung und Mirjas Tätigkeit in seiner Kanzlei.

Alles, was mit ihm zusammenhing, war vorbei und ausradiert. Auch der Weihnachtsurlaub auf den Malediven.

Weihnachten mit Tannenbaum und Glockengeläut war für ihn undenkbar gewesen: »Das ist doch Kitsch!« Eigentlich ein Jammer, wenn jemand so dachte. Aber Mirja hatte es so hingenommen, um keinen Streit zu provozieren.

Der Sonnenurlaub am Traumstand hatte sich allerdings als ihr ganz persönliches Drama entpuppt. Ausgerechnet unter Palmen war Paul damit herausgerückt, dass es unwiderruflich die letzten Ferien für sie beide sein würden und somit sein großzügiges Abschiedsgeschenk.

In Gedanken hörte Mirja seine Stimme. Sie wusste noch genau, was er ihr an der blauen Lagune schonungslos ins Gesicht gesagt hatte: »Mirja, ich muss dir etwas gestehen. Du erinnerst dich doch sicher an Natalie Habeck. Sie war im vergangenen Sommer wegen ihrer Scheidung bei uns. Mir war sofort klar, dass ich eine ganz besondere Mandantin vor mir hatte. Ich hab daher alles getan, um ihre Scheidung so schnell wie möglich einzuleiten. Ihr Mann, dieser habgierige Besserwisser, wollte ihr den ehelichen Zugewinn vorenthalten. Aber damit ist er nicht durchgekommen. Er muss seine Einkünfte offenlegen und zahlen.«

Schweigend hatte sie ihm zugehört. Sie hatte ihn nicht ein einziges Mal unterbrochen.

»Tja, wozu lange herumreden?« Dann war er zum eigentlichen Punkt gekommen. »Natalie wird in Kürze rechtskräftig geschieden, dann werde ich sie heiraten. Tut mir leid, aber du und ich sind wie Feuer und Wasser, wie Tag und Nacht. Wir passen nicht zueinander. Ich glaube, dass du ein kuscheliges Nest brauchst, Familie und so weiter, das ganze Programm. Genau das, was ich nicht will. Du weißt ja, dass ich diesen Familienklüngel nicht mag. Mama, Papa, ein ganzes Rudel Kinder, Oma und Opa und vielleicht noch ein paar Verwandte, die sonntags auftauchen. Nein danke. Du kannst natürlich weiterhin in meiner Kanzlei als Sekretärin arbeiten, wenn du willst. Aber ich muss dich bitten, so bald wie möglich bei mir auszuziehen.«

Mirja hatte sofort den »Traumurlaub abgebrochen«, um nach Hause zu fliegen. Sie war bei einer Freundin untergekommen. Denn zu allem Übel hatten ihre Eltern ihr Vorstadt-Domizil verkauft, um sich einen großen Wunsch zu erfüllen – ein Zillertaler Alpenhaus mitten in den Bergen.

Sie hatten es in St. Christoph gefunden. Kurz vor Weihnachten waren sie umgezogen, hierher in dieses verschneite Dorf unter dem zauberhaften Sternenhimmel. Während sich Mirja mit Paul auf den Malediven bei einem Tauchkurs abgestrampelt hatte, war die besinnliche Tiroler Bergweihnacht für ihre Eltern das schönste Geschenk seit Langem gewesen.

»Ich werd ein paar Wochen bleiben«, sagte Mirja zu der kleinen Katze, die anscheinend kein Problem mit der Kälte hatte. »Ungefähr bis April. So lange werd ich es bestimmt hier aushalten. Dann kann ich zu Berni nach Salzburg fahren. Er will ein Hotel eröffnen. Das ist ganz schön mutig.«

Die kleine...

Erscheint lt. Verlag 27.12.2016
Reihe/Serie Der Bergdoktor
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte 2017 • 2018 • Alpen • Alpen-Krimi • alpen-roman • Arzt • Arztroman • Arztromane • Arztserie • Bastei • Berg • Bergdoktor • Berge • Bergpfarrer • Bergroman • Bestseller • Bianca • Cora • Deutsch • Dirndl • Doktor • Dr. • dr daniel • dr laurin • dr norden • Dr Stefan Frank • eBook • E-Book • eBooks • Familiensaga • feel good • feelgood • Fortsetzungsroman • Frauenroman • Gefahr • Gefühle • Glück • Großdruck • große-schrift • hans-ernst • Happy End • Heimat • Heimatromane • hermann-broch • Herzschmerz • Hilfe • Hoffnung • Hollywood • Julia • kelter-verlag • Kindle • Klinik • Landarzt • Leidenschaft • Liebe • Liebesgeschichte • Liebesroman • Liebesromane • Medizin • Mira • Modern • Nicholas Sparks • Patient • PS ich liebe dich • Rettung • Romance • Roman-Heft • romantisch • Romantische Komödie • schicksalsromane • Schön • Schwarzwald • Serie • Sonnenwinkel • steingruber • tatsächlich liebe • Toni-Hüttenwirt • Verlag • waidacher • wohlfühlen
ISBN-10 3-7325-4093-6 / 3732540936
ISBN-13 978-3-7325-4093-8 / 9783732540938
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