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Kannibalen unter uns (eBook)

American Diner

(Autor)

eBook Download: EPUB
2013
600 Seiten
mysteria Verlag
978-3-95577-644-2 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Kannibalen unter uns - Marlon Baker
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William Bacon ist vieles - aber nur kein gewöhnlicher Teenager! Er sehnt sich so sehr nach Aufmerksamkeit und Anerkennung seines Vaters; doch eines Tages entdeckt er das dunkle Geheimnis seiner Eltern und weiß nicht, wie er sich ihnen gegenüber verhalten soll. Die Loyalität innerhalb der Familie wird auf eine harte Probe gestellt ... American Diner ist der 2. Band aus der Kannibalen unter uns Trilogie. Erstmals gibt es dieses Buch auch in deutsch. 600 Seiten offenbaren dem Leser ein schauerliches Szenario: Denn was würdest du tun, wenn du wüsstest, das deine Eltern Kannibalen sind? Die weiteren Bände 'HOMESTAY' (Band 1) und 'NEXT DOOR'S MADNESS (Band 3) erscheinen dann im Herbst 2013 jeweils als Taschenbuch und E-Book. Und warum die Trilogie mit Band 2 beginnt wird erst verraten, sobald Band 3 veröffentlicht wurde. Band 1 wird dann als letzter Band veröffentlicht. Nur diese Reihenfolge macht Sinn, um nicht zu viel vorweg zu verraten, in wie weit Marlon Baker in diese Geschichte involviert ist!

Da rollt mächtig Speck an ...

 

Könnte man meinen, wenn man damals schon gewusst hätte was auf die kleine Hafenstadt Lyttletons an jenem finsteren Abend zugerollt kam. Zuerst war es nur ein stürmischer Tag gewesen, doch dann, am späteren Abend, waren dunkle mächtige Wolken aufgezogen. Wie ein undurchdringlicher Schleier legte sich Schwarz über die Häuserdächer; aus den Wolken prasselte es unaufhörlich auf die kalten Straßen nieder. Die Personen, die draußen noch unterwegs waren, suchten Schutz unter den Vordächern der kleinen Läden, oder sie kehrten in einen der gemütlichen Pubs ein.

Keiner wollte bei diesem Mistwetter noch auf den Straßen sein. Nicht mal Rosie Noland, die bei Weitem erfolgreichste Maklerin der Stadt, wollte an diesem Abend noch länger vor dem alten Anwesen warten, da es dort keinerlei Möglichkeit gab, sich unterzustellen. Die Markisen vor den Fenstern hatte längst ein Unwetter vor knapp einem halben Jahr mit sich gerissen.

Aber Rosie wollte noch heute das Geschäft ihres Lebens unter Dach und Fach bringen. Viel zu lang hatte sie schon versucht, einen Käufer für das alte Anwesen im Hornbrook Drive zu finden. Und umso überraschter war sie gewesen, als sie vor wenigen Tagen einen Anruf erhalten hatte, und ein Interessent sofort auf ihre Forderungen eingegangen war, dass man dieses Anwesen nur cash kaufen könne – ohne jahrelange Finanzierungsmöglichkeit.

Schon vor zwei Stunden hatte sich Rosie auf den Weg zum Anwesen gemacht, allerdings zu Fuß, weil es da ja noch nicht so erbärmlich aus vollen Eimern goss. Ihr recht plüschig eingerichtetes Büro lag nur wenige Hundert Meter entfernt; und da sie gern zu Fuß unterwegs war, lief sie auch heute wieder, so wie fast an jedem Tag, mit ihren Unterlagen, Papieren, Verträgen und Katalogen durch die Straßen, so als würde sie auf einem Catwalk Revue laufen.

Rosie, die schon jenseits von Gut und Böse war – sprich, sie war weit über 40 – war eine Frau, die sehr genau wusste, was sie wollte und was nicht. Jeden Tag putzte sie sich heraus, kleisterte ihr Gesicht mit Kosmetika voll, als würde sie von der königlichen Familie höchstpersönlich empfangen werden. Doch auf eine Einladung der Queen wartete sie vergebens.

Heute trug sie einen Hosenanzug im dezenten Anthrazit und darunter schimmerte eine rosafarbene Bluse, die sie gern offen trug – jedenfalls zwei bis drei Knöpfe weit. Ihre Handgelenke und den Hals zierten breite, goldfarbene Ketten, wobei man bei Rosie nie sicher sein konnte, ob es nun ihr billiger Modeschmuck oder ihre teuersten Schätze waren. Ihre dunkelblonden Haare hatte sie zu einem Zopf geflochten und ihre Hände verbarg sie unter Gummihandschuhen, mit denen man sie aber niemals außerhalb eines zu verkaufenden Objekts gesehen hätte.

Sie war schon so früh unterwegs, weil sie das alte Anwesen, bestehend aus einem Wohnhaus und einem Ladengeschäft, gründlich durchlüften wollte. Und auch eine zumindest oberflächliche Reinigung tat den meisten Zimmern gut. Den zu erwartenden Käufer sollte nicht gleich der modrige Gestank in die Nasenflügel steigen, den bereits zig Firmen versucht hatten, aus dem alten Gemäuer zu tilgen.

Woher dieser Gestank kam oder was sein Ursprung war, konnte niemand – selbst ein Experte auf dem Gebiet der Gebäudereinigung – nicht genau sagen. Er war einfach nur da!

Und Rosie gab nicht auf, den vielen Gerüchten, die um das alte Anwesen im Laufe der Zeit immer groteskere Formen angenommen hatten, entgegenzuwirken. Ihr selbst war es zwar nicht ganz geheuer, allein in diesem Haus zu sein um den Käufer gebührend in Empfang zu nehmen, ihn in Lyttleton ››Willkommen‹‹ zu heißen und die Schlüssel zu übergeben; aber es musste schon weitaus mehr geschehen, als zuschlagende Türen, quietschende Scharniere oder knarrende Treppen, um sie aus der Fassung zu bringen. Rosie tat dies immer mit ihrem:

››Ach, so ein Quatsch!‹‹ ab; was übrigens einer ihrer Lieblingsfloskeln war, wenn es darum ging, zähe Verhandlungen zu führen, wenn ihr weiblicher Charme nicht mehr weiterhalf.

Hatten potenzielle Käufer eines Objektes beispielsweise Mängel entdeckt, so folgte nicht selten ihr: ››Ach, so ein Quatsch! Das lässt sich doch im Handumdrehen aus der Welt schaffen.‹‹

Käufer, die erst gar nicht zu einer Besichtigung kamen, und stattdessen ein Objekt über das Internet erwarben, gehörten zu Rosies auserkorenen Lieblingskunden. Den sogenannten ››Blindkäufern‹‹ bot sie nicht selten jene Objekte an, die sich vor Ort nur schwer veräußern ließen. Und zu solch einem Objekt gehörte selbstverständlich auch das alte Anwesen im Hornbrook Drive. Niemand aus Lyttleton wollte es nach all den Skandalen haben, kaufen oder geschweige denn betreten. Selbst bis nach Christchurch waren all die Gerüchte vorgedrungen und machten jetzt in ganz Canterbury ihre Runden. Dabei kam es immer wieder vor, dass einzelne Leute das Aufgegriffene mit ihrem ganz eigenen Gusto anreicherten, sodass aus den anfangs eher harmlosen Geschichten gar grauenvolle wurden. Fast hätte man glauben können, es hätte unter ihnen eine Art Wettstreit gegeben, wer sich die wohl übelste Geschichte über dieses alte Anwesen einfallen ließ.

Wäre das Haus ein Mensch – dieser Mensch wäre fortan wie ein Aussätziger behandelt worden, der nicht einmal in die Nähe der anderen kommen dürfte; so sehr fürchteten sich die Leute der Stadt mittlerweile vor diesem heruntergekommenen Etwas, dessen Farbe und Glanz täglich mehr an Ansehen verlor.

Einst war dieses Haus der Mittelpunkt der Straße gewesen; ein Anziehungspunkt für Einheimische und Touristen gleichermaßen, ein Treffpunkt für Jung und Alt. Aber diese Zeiten lagen schon weit zurück, und Rosie dachte im Traum nicht daran, dem neuen Eigentümer des Anwesens dessen gesamte Vorgeschichte zu offenbaren. Dafür war sie viel zu sehr Geschäftsfrau, als das sie einen solventen Kunden mit Horror- und Schauergeschichten wieder vertreiben wollte; die für ihren Geschmack ohnehin an den Haaren herbeigezogen waren.

Die Leute in der kleinen Hafenstadt Lyttleton hatten schon immer zu Übertreibungen geneigt, die Rosie so manches Geschäft vermiesten. Und dabei waren die Leute der Stadt alles andere als zurückhaltend oder gar zugeknöpft, wenn es darum ging, einen Neuen in ihrem Kreis aufzunehmen. Das war schon damals so und sollte auch heute wieder so sein!

Kaum war Rosie auf der Straße vor dem Anwesen gesichtet worden – jetzt natürlich ohne diese hässlichen Gummihandschuhe –, streckten sich auch schon die ersten neugierigen Hälse aus den Fenstern der umliegenden Häuser. Sie wollten einen Blick auf jenen Käufer erhaschen, der es doch tatsächlich gewagt hatte, nicht nur nach Lyttleton zu ziehen, sondern ausgerechnet in den Hornbrook Drive mit der Hausnummer 13.

Aberglaube hatte sich hier im Hafenstädtchen lange behaupten können, was nicht zuletzt damit zu tun hatte, was bereits alles in dieser Stadt aber vor allem im Hornbrook Drive mit der Hausnummer 13 vorgefallen war. Dieses Haus war gebrandmarkt, und viele glaubten gar zu wissen, dass das alte Gemäuer voller grässlicher und unaussprechlicher Flüche steckte, die einst ihre Vorbesitzer ausgestoßen hatten, unmittelbar vor ihrer panischen Flucht in eine ungewisse Zukunft. Doch auch dies lag schon weit zurück, und so war Rosie erleichtert, als ein Ehepaar mit einem 15-jährigen Jungen aus dem entfernten Auckland den Zuschlag für dieses Haus erhalten hatte.

Jetzt mussten sie nur noch angerollt kommen!

Die Warterei an diesem verregneten Abend trübte Rosies Stimmung ungemein, auch wenn es sonst eher schwierig war, sie in eine Gemütslage zu bringen, die sie mehr als alle anderen hasste. Doch Geschäft war nun einmal Geschäft, und das Warten auf einen Kunden gehörte zu den weniger schönen Aufgaben ihres Gewerbes. Unter dem Regenschirm stand jetzt eine Frau, die sich viel lieber vor ihrem heimischen Kamin sah, oder, wenn es denn schönes Wetter gewesen wäre, wie es der Wetterbericht eigentlich vorgesagt hatte, vor oder gar in ihrem Pool im blumenüberwucherten Garten, der von einem knackigen Nachbarsjungen umsorgt wurde (auf den sie schon oft ein Auge geworfen hatte). Aber seit zwei Tagen schon brachen sich die Wolken über Lyttleton und der Regen schien nach kurzen Pausen erneut alles unter Wasser zu spülen, was sich ihm in den Weg stellte. Die Rinnsale der Straßen füllten sich und rissen alte Zeitungen mit sich davon. Schlagzeilen des ortsansässigen Daily Observer, die keiner mehr lesen wollte. Man hatte sie ja derart sattgehabt, die schrecklichen Schlagzeilen aus dem hohen Norden des Landes, aus dem schon oft gar Schreckliches gekommen war.

Auckland, jene Megacity, in der über die Hälfte aller Neuseeländer leben, war (und ist) nicht nur die ››City of Sails‹‹, sondern auch ein Moloch, ein Brennpunkt, wo Schlagzeilen derart schnell untergehen können, wie ein Boot, das auf den Grund des Meeres sinkt, wenn man nur dafür sorgt, dies auch richtig zu tun.

Gestern noch die Schlagzeile schlechthin waren die skandalösen Geschehnisse rund um Auckland nach weniger als zwei Tagen vergessen (oder verdrängt). Entweder sie wurden durch neue, womöglich noch viel grausamere Schlagzeilen abgelöst, oder das Volk ging einfach dazu über, sich wieder dem eigenen Treiben zu widmen. Die Gelassenheit der Leute spiegelte sich vor...

Erscheint lt. Verlag 6.12.2013
Verlagsort Vachendorf
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Horror
Literatur Romane / Erzählungen
ISBN-10 3-95577-644-1 / 3955776441
ISBN-13 978-3-95577-644-2 / 9783955776442
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