Küstenrot (eBook)
400 Seiten
Edition CW Niemeyer (Verlag)
978-3-8271-9598-2 (ISBN)
Gaby Kaden lebte über 50 Jahre in Hessen, hat einen erwachsenen Sohn und zog 2011 mit ihrem Mann an die Nordsee, nach Carolinensiel. 'Veränderungen sind wichtig, nur sie bringen mich weiter, machen mich offen. Stillstand ist Rückschritt', sagt sie. In der alten Heimat arbeitete sie im kaufmännischen Bereich, war Betriebsrätin, Schiedsfrau und folgte zusätzlich ihrer Berufung, der spirituellen Arbeit mit Menschen. Nach Kurzgeschichten und Meditationen veröffentlichte sie 2010 ihr erstes Buch 'Schluss mit Angst und Panik'. Obwohl schriftstellerische 'Spätzünderin', hat sie mit ihren beiden Küstenkrimis 'Die Tote im Siel' und 'Küstenhaie' schnell auf sich aufmerksam gemacht. Sie sammelt wahre, dem Volk vom Munde abgeschaute Geschichten, die mit Erfundenem, Humor und ein wenig 'Lokalkolorit' verschmelzen. Gaby Kaden ist ehrenamtlich im 'Deutschen Sielhafenmuseum' in Carolinensiel tätig und seit 2015 Mitglied im 'SYNDIKAT'. Mehr über Gaby Kaden unter: www.gaby-kaden.de
Gaby Kaden lebte über 50 Jahre in Hessen, hat einen erwachsenen Sohn und zog 2011 mit ihrem Mann an die Nordsee, nach Carolinensiel. „Veränderungen sind wichtig, nur sie bringen mich weiter, machen mich offen. Stillstand ist Rückschritt“, sagt sie. In der alten Heimat arbeitete sie im kaufmännischen Bereich, war Betriebsrätin, Schiedsfrau und folgte zusätzlich ihrer Berufung, der spirituellen Arbeit mit Menschen. Nach Kurzgeschichten und Meditationen veröffentlichte sie 2010 ihr erstes Buch „Schluss mit Angst und Panik“. Obwohl schriftstellerische „Spätzünderin“, hat sie mit ihren beiden Küstenkrimis „Die Tote im Siel“ und „Küstenhaie“ schnell auf sich aufmerksam gemacht. Sie sammelt wahre, dem Volk vom Munde abgeschaute Geschichten, die mit Erfundenem, Humor und ein wenig „Lokalkolorit“ verschmelzen. Gaby Kaden ist ehrenamtlich im „Deutschen Sielhafenmuseum“ in Carolinensiel tätig und seit 2015 Mitglied im „SYNDIKAT“. Mehr über Gaby Kaden unter: www.gaby-kaden.de
Im Sielkrug
Die Tatsache, dass Mia noch immer vermisst wurde, ließ Tomke recht unlustig in ihrem Essen herumstochern. Weder an der Stelle, an der das rote Fahrrad gefunden wurde, noch zu Hause war das Mädchen aufgetaucht. Auf dem Revier kümmerten sich die Kollegen zum Glück inzwischen darum, eine Suchaktion in die Wege zu leiten. Das Foto der Verschwundenen sowie die Haarbürste und eine genaue Beschreibung hatte Elisabeth Bengels geliefert. So konnte die Routineaktion anlaufen. Aber das genügte Tomke nicht. Sie saß vor ihrem Herrentoast, hatte Hunger, aber keinen Appetit.
Plötzlich kam ihr eine Idee. Sie sprang auf, zog ihr Handy aus der Tasche und stellte sich ein paar Schritte abseits. Die anderen Restaurantgäste mussten das Gespräch ja nicht mitbekommen, beschloss sie.
Als das Telefonat beendet war, ließ sie sich auf die Sitzbank neben Hajo fallen und atmete tief durch. Sein fragender Blick reichte aus, dass sie kurz erklärte: „Ich habe ein paar Leute mobilisiert. Die Jungs und Mädels von der Feuerwehr verstärken uns bei der Suche. Außerdem habe ich Siebo angerufen. Er trommelt ein paar Leute von der Dorfgemeinschaft zusammen, sie unterstützen uns auch. Es ist lange hell, und viel Zeit zum Suchen.“
„Siebo?“, fragte Hajo.
„Siebo Lübben, kennst du doch.“
„Ach so, ja!“
Ihr Appetit war allerdings noch immer nicht größer. Eigentlich wollten sie ja zu Ady‘s Fischwagen sich eine Schale leckerer Kibbelinge holen, außerdem lag das auf ihrem Weg. Unterwegs allerdings änderte Tomke ihre Meinung und machte einen Umweg.
Eine kurze SMS an Hajos Handy informierte die beiden Ermittler nämlich zwischenzeitlich darüber, dass Jens, der Bruder der Vermissten, sich in der Küche des Restaurants ‚Sielkrug‘ sein Taschengeld aufbesserte. Da er bisher ebenfalls nicht auffindbar war, kam ihr die Idee, dort nach ihm suchen.
Von Fallon, der Chefin des Hauses, wurden sie dann allerdings enttäuscht.
„Jens ist schon wieder weg. Er hilft am Wochenende regelmäßig bei der Vorbereitung der Abendküche, Gemüse putzen, Kartoffeln schälen und so, aber ab 18 Uhr ist er fertig. Jetzt ist er weg“, erklärte sie den beiden Kommissaren.
Als Fallon bemerkte, dass Tomke ihr Essen auf dem Teller nur hin und her schob, ohne einen Bissen zu nehmen, meinte sie mit hochgezogenen Augenbrauen: „Warum massakrierst du dein Essen, bitte schön? So schlecht, wie du den Toast behandelst, kann er doch gar nicht sein. Warum isst du nicht?“
„Sorry“, Tomke schaute von ihrem Teller hoch, „du hast recht. Aber das hat nichts mit deiner Küche zu tun, eher damit, dass mir so viel durch den Kopf geht.“ Sie schob einen Bissen in den Mund und verzog das Gesicht. „Kalt!“
Fallon stand kopfschüttelnd auf, nahm ihr den Teller weg.
„Kalt kann es ja nicht schmecken. Ich lass dir einen neuen Toast machen und der wird dann gegessen. Nimm dir ein Beispiel an Hajo.“
Der zuckte kauend mit den Schultern und betonte: „Mir schmeckt’s.“
„Roh und gefühlsarm, kann ich nur sagen. Der Herr kann in jeder Situation essen“, rief Tomke der jungen Wirtin nach, die in Richtung Küche verschwand. Hajo musste husten und konnte sich kaum beruhigen.
„Roh, gefühlsarm?“, keuchte er. „Das sagt die toughe Tomke? Die Tomke, die so tut, als würde sie sich über jede Leiche, die wir zu bearbeiten haben, freuen, nein, besser noch in einen Freudentaumel verfällt? Die Tomke, die nur schwer ihre Gefühle zeigen kann?“ Immer wieder wurde er von Hustenattacken geplagt. „Wenn ich da kein Lied von singen kann, wer sonst? Ich fasse es nicht.“
Der Hustenanfall wollte kein Ende nehmen und Tomke klopfte ihm auf den Rücken.
„Kleine Sünden bestraft der liebe Gott sofort, siehst du!“
Inzwischen liefen Hajo Tränen über das feuerrote Gesicht, er griff nach seinem Glas mit dem alkoholfreien Weizenbier und drückte es sich gegen die Stirn. „Ich fasse es nicht“, wiederholte er und nahm anschließend einen großen Schluck des kühlen Getränkes.
Tomke lehnte sich auf der Sitzbank zurück. „Nein wirklich, mir ist das total auf den Magen geschlagen. Nicht die Wasserleiche, auch wenn die kein schöner Anblick war, und dann noch bei dieser Hitze, nein, mir macht das verschwundene Mädchen zu schaffen. Die Mutter war sehr glaubwürdig, als sie erzählte, dass ihre Tochter nicht einfach so verschwindet, ich glaube ihr. Das heißt aber auch, dass dem Mädchen etwas passiert sein muss. Das wäre schlimm, ganz fürchterlich.“
Sie drehte ihr Glas in der Hand, ohne daraus etwas zu trinken.
Hajo, der sich inzwischen wieder beruhigt und auch sein Essen beendet hatte, griff nach dem Handy und tippte eine Telefonnummer von einem Zettel ab. Tomke schaute ihn fragend an.
„Jens!“, erklärte er mit einem Blick auf den Zettel in seiner Hand „Das ist die Nummer von Frau Bengels, hat mir Wittmund durchgegeben. Ich will hören, ob der junge Mann inzwischen zu Hause ist.“
Hajo telefonierte kurz und drückte das Gespräch dann weg.
„Er ist da, wir können gleich hinfahren!“
„Nichts da, ihr fahrt nirgendwo hin. Zuerst isst Tomke ihren frischen Herrentoast.“ Fallon war zurück und stellte den Teller vor Tomke ab. Sie schob sich dicht neben sie auf die Bank, sodass Tomke auf der einen Seite von ihr und auf der anderen Seite von Hajo eingerahmt war.
„Eher lass ich dich hier nicht raus!“, drohte sie ihr lachend.
„Du hast ja recht, ich ergebe mich“, tat Tomke zerknirscht und griff nach dem Besteck.
„Hmmh, lecker, Mann, was hab ich einen Hunger.“
„Na also, geht doch!“ Fallon war zufrieden.
Tomke aß jetzt mit gutem Appetit.
„Bengels, Bengels, der Name kommt mir bekannt vor. Sind das Clinsieler?“, überlegte sie dann laut und mit vollem Mund.
„Klar, aus der ‚Neuen Straße‘“, bestätigte Fallon und stand auf. Sie stemmte die Hände in die Hüfte und meinte in gespieltem Ernst: „Ich hoffe, ich kann dich jetzt alleine lassen, und dass du deinen Toast aufisst. Schließlich habe ich noch etwas anderes zu tun. Übrigens, frag mal deine Oma, die kennt die Familie Bengels bestimmt. Als olle Clinsieler ...!“
„Du hast recht, ich werde mich bei Oma und Fienchen erkundigen. Etwas Hintergrundwissen über die Familie ist nicht verkehrt.“
Sie stöhnte leicht auf und legte das Besteck weg. „Danke, dass du so energisch warst, Fallon. Es war wieder einmal sehr lecker. Mach uns bitte die Rechnung, wir müssen los.“
„Ich schicke euch den Kellner.“ Fallon verschwand in Richtung Theke.
Schnell hatten sie bezahlt, Fallon war nicht mehr zu sehen, also konnten sie sich auch nicht von ihr verabschieden. Nun gingen sie mit festem Schritt zum Auto. Das private Geplänkel während des Essens war vergessen, beide wieder das konzentrierte Ermittlerteam. Mit wenigen, präzisen Sätzen besprachen sie, wie es nun weitergehen musste. Der Anfang war getan, die Suchaktion für Mia Bengels gestartet, doch bevor sie sich daran beteiligen konnten, musste zuerst noch Jens Bengels befragt werden. Hatte er etwas mit dem Verschwinden seiner Schwester zu tun? Warum konnte seine Mutter ihn den ganzen Nachmittag nicht erreichen? Und warum hatte Elisabeth Bengels an der Stelle, an der das rote Fahrrad gefunden wurde, mit einem schweren Seufzer zu Tomke gemeint: „Ach ja, der Jens ...“?
Vor dem Haus in der ‚Neuen Straße‘ stand ein Polizeifahrzeug. Tomke parkte dicht dahinter, mit den Hinterrädern auf der Straße, mehr Platz war in der kleinen Parklücke nicht vorhanden, Kollegen zum Glück keine zu sehen.
„Dann gibt es auch keinen Strafzettel“, feixte Tomke innerlich.
Einige Nachbarn steckten auf dem Bürgersteig tuschelnd die Köpfe zusammen.
Als Tomke und Hajo auf das Haus zugingen, schaute man sie mit stillem Vorwurf an, skeptisch und fragend. Aber keiner sagte ein Wort. „Wenn Blicke töten könnten, hätten wir heute zwei Leichen mehr“, fauchte Tomke zu Hajo hinüber. „Rumstehen und sich das Maul zerreißen ist genauso unmöglich wie rumstehen und gaffen. Ich weiß gar nicht, was die wollen, wir können niemanden suchen, bevor er verschwunden ist. Die sollen nicht ..., warte mal, zwei von denen kenne ich.“
Sie drehte sich um und ging auf die Gruppe zu. Hajos Versuch, sie von ihrem Vorhaben abzuhalten, scheiterte allerdings jämmerlich an Tomkes Entschlossenheit, den Gaffern die Meinung zu sagen. Er tat, als würde er nicht dazugehören, und wandte sich zur Haustür. Bevor er klingeln konnte, wurde die Tür geöffnet. Hajo stellte sich vor und zeigte seinen Dienstausweis. Elisabeth Bengels hielt ein Telefon in der Hand und schaute ihn aus verzweifelten Augen an. Der junge Kommissar schüttelte nur sanft den Kopf. Sie legte das Telefon auf den Schuhschrank neben der Haustür und erklärte: „Ich habe meinen Mann angerufen, der ist in Bayern, beruflich. Er baut dort Windräder!“
„Wir müssen mit Ihrem Sohn sprechen, ist er da?“
„Ja, Jens, der ... ist gerade nach Hause gekommen. Ich ... hatte ihrer Kollegin vor lauter Aufregung vergessen zu sagen“, sie sprach fahrig und brach immer wieder ab, „... dass er in der Saison nachmittags im Sielkrug arbeitet. Einfach vergessen“, wiederholte sie bekümmert und schüttelte stumm den Kopf. „An sein Handy konnte er nicht gehen, weil er es bei der Arbeit ausschalten muss.“
Elisabeth griff nach Hajos Arm und zog ihn ins Haus.
„Jens ...“, rief sie den Flur entlang. „Jens, die Polizei ist da.“ Sie schob Hajo durch eine Tür auf der linken Seite des Flurs in die Küche.
Der junge Mann saß am Küchentisch, hatte die langen Beine so weit ausgestreckt, dass niemand daran vorbeikam. Elisabeth...
| Erscheint lt. Verlag | 14.11.2016 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Krimi / Thriller |
| Schlagworte | Carolinensiel • Ebbe • Flut • Friesland • Gaby Kaden • Harlesiel • Juist • Küste • Küstenkrimi • Langeoog • Mord • Nordsee • Ostfriesland • Rot • Spiekeroog • Sylt • Wangerooge • Weltkulturerbe • Wrack |
| ISBN-10 | 3-8271-9598-5 / 3827195985 |
| ISBN-13 | 978-3-8271-9598-2 / 9783827195982 |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
| Haben Sie eine Frage zum Produkt? |
Größe: 2,8 MB
DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasserzeichen und ist damit für Sie personalisiert. Bei einer missbräuchlichen Weitergabe des eBooks an Dritte ist eine Rückverfolgung an die Quelle möglich.
Dateiformat: PDF (Portable Document Format)
Mit einem festen Seitenlayout eignet sich die PDF besonders für Fachbücher mit Spalten, Tabellen und Abbildungen. Eine PDF kann auf fast allen Geräten angezeigt werden, ist aber für kleine Displays (Smartphone, eReader) nur eingeschränkt geeignet.
Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür einen PDF-Viewer - z.B. den Adobe Reader oder Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür einen PDF-Viewer - z.B. die kostenlose Adobe Digital Editions-App.
Zusätzliches Feature: Online Lesen
Dieses eBook können Sie zusätzlich zum Download auch online im Webbrowser lesen.
Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.
Größe: 2,3 MB
DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasserzeichen und ist damit für Sie personalisiert. Bei einer missbräuchlichen Weitergabe des eBooks an Dritte ist eine Rückverfolgung an die Quelle möglich.
Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belletristik und Sachbüchern. Der Fließtext wird dynamisch an die Display- und Schriftgröße angepasst. Auch für mobile Lesegeräte ist EPUB daher gut geeignet.
Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise
Zusätzliches Feature: Online Lesen
Dieses eBook können Sie zusätzlich zum Download auch online im Webbrowser lesen.
Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.
aus dem Bereich