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Verschossen - Peter Jackob

Verschossen (eBook)

Kommissar Schack Bekker ermittelt in Mainz

(Autor)

eBook Download: EPUB
2016
240 Seiten
Societäts-Verlag
978-3-95542-237-0 (ISBN)
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Ein feuchtfröhlicher Abend in der Mainzer Altstadt: Schack Bekker feiert ausgelassen mit seinem Kneipenfreund Norbert Neumann und den Jungs von der Bundesliga-Tipprunde. Der Kommissar ahnt nicht, dass er Neumann zum letzten Mal sieht. Ein paar Tage später erfährt er von seiner Kollegin Erna, dass der Freund spurlos verschwunden ist. Von dunklen Machenschaften und fatalen Wettmanipulationen, die mit Neumanns Abtauchen in Zusammenhang stehen, weiß bis dato noch niemand etwas. 'Verschossen' ist nicht nur ein folgenschwerer Elfmeter, der zum Auslöser einer tödlichen Eskalation wird. 'Verschossen' ist auch die längst überfällige Liebesgeschichte zwischen dem eigenwilligen Mainzer Altstadtkommissar und der charmanten Kollegin. Ein Muss für Fans von Schack Bekker, Meenzer Urtyp, der in seinem neuen Fall gewohnt schnoddrig ermittelt und kein Blatt vor den Mund nimmt.

Peter Jackob, Jahrgang 1965, studierte Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft und promovierte mit einer Arbeit über Schattenmetaphorik. Neben seiner Krimi-Reihe um den Mainzer Kommissar Schack Bekker schreibt der in Mainz geborene Autor Sherlock-Holmes-Romane. Er ist Preisträger des 'Blauen Karfunkel', einer Auszeichnung der Deutschen Sherlock-Holmes-Gesellschaft für die Publikation des Jahres. Außerdem hat Jackob einen Finnland-Thriller veröffentlicht. Nach 14-jährigem Florenz-Aufenthalt lebt er inzwischen wieder in seiner Heimatstadt. Peter Jackob ist Mitglied der Autorengruppen 'Mörderisches Rheinhessen', 'Dostojewskis Erben' und 'Das Syndikat'.

Peter Jackob, Jahrgang 1965, studierte Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft und promovierte mit einer Arbeit über Schattenmetaphorik. Neben seiner Krimi-Reihe um den Mainzer Kommissar Schack Bekker schreibt der in Mainz geborene Autor Sherlock-Holmes-Romane. Er ist Preisträger des "Blauen Karfunkel", einer Auszeichnung der Deutschen Sherlock-Holmes-Gesellschaft für die Publikation des Jahres. Außerdem hat Jackob einen Finnland-Thriller veröffentlicht. Nach 14-jährigem Florenz-Aufenthalt lebt er inzwischen wieder in seiner Heimatstadt. Peter Jackob ist Mitglied der Autorengruppen "Mörderisches Rheinhessen", "Dostojewskis Erben" und "Das Syndikat".

Bekkers Welt


Bekker strauchelte, als er vom Salmengäßchen kommend auf den Liebfrauenplatz wankte. Der Norbert hatte wirklich einen Dachschaden, aber vielleicht war es gar nicht so schlecht, das Spiel mal vom Gästeblock aus zu erleben. Viel gelacht hatten sie, meist über dieselben alten Witze und Anekdoten, die doch eigentlich jeder kannte.
„Rucke di gu, rucke di gu, Blut ist im Schuh“, nuschelte der Kommissar und grinste. Gestern hatte er seine Enkelin Anne zu Besuch gehabt und mit ihr Aschenputtel geschaut. Sie hatte es schrecklich aufregend gefunden und sich für ihren nächsten Besuch bei ihm eine Wiederholung gewünscht. Natürlich würde er ihr diese Bitte erfüllen.
„Ruuucke di guu, en blutische Schuh“, rief Bekker lachend. Im nächsten Moment stolperte er über einen aus dem Boden herausstehenden Pflasterstein. Die Tücken der Altstadt!
„Was soll denn der Scheiß?“, brummte er und blieb stehen. Er besah sich die Stelle, wo sich der Stein seiner Meinung nach hätte befinden müssen, doch da war er nicht. Sobald dieses gefährliche Objekt aufgespürt war, würde er Meldung erstatten und die Stelle abflattern lassen.
„Gefährdung für Leib und Leben – eine Geeefährdung isses.“ Er mühte sich auf den Boden und observierte ernst dreinblickend das steinige Feld um ihn herum. Doch wie nicht anders zu erwarten, war der vermeintliche Übeltäter nicht auszumachen. Also legte er den Kopf aufs Pflaster.
„Ich find’ dich sowieso. Komm raus, Feigling!“
Plötzlich griff ihn jemand am Arm. Bekker drehte sich um und wollte schon lospoltern, doch dann erkannte er Neumann.
„Ei, Norbert, wo kommst du denn her? Wir hatten uns doch schon verabschiedet.“
„Was machst du denn da, Schack?“, fragte der in Cord gekleidete Tippkönig.
„Ich muss noch was in Ordnung bringen“, lallte der Kommissar und deutete dabei schwungvoll, aber wenig koordiniert mit der Hand auf den Boden um sich herum, „und dann geh’ ich heim ins Bett.“
„Bist du hingefallen?“
„Nein, nein. Ich such’ lediglich einen Übeltäter, also, sowas in der Art.“
Er stockte kurz und schlug ungestüm die Hände zusammen. „Lass es einfach, Norbert.“
Der schmunzelte.
„Ich mache doch gar nichts. Komm, Schack, ich helfe dir hoch.“
„Das kannste natürlich machen, sollste aber nicht müssen. Na ja, auch egal. Aber der Platz gehört abgeflattert.“ Bekkers Arm malte einen imaginären Kreis in die Luft.
„War ich nicht vorhin der Letzte bei der Helga? Wo kommst du denn jetzt her?“
„Ich bin zum Rhein runter und habe mich noch ans Wasser gesetzt, um einen klaren Kopf zu bekommen.“
„Also, ’nen klaren Kopf hast du doch, Norbert.“
„Mag sein, aber manchmal ist es besser, man überdenkt Sachen mehrmals. Und wo kann man das besser als am Wasser?“
„Stimmt!“, bemerkte der Kommissar resolut. „Der flach spielt, der hoch gewinnt.“
„Du und deine Sprüche, Schack.“
Bekker raffte sich auf und kam vom Boden hoch. Mit einer etwas schwungvollen Umarmung verabschiedete er sich von seinem Tippfreund.
„Dann mach’s mal gut, Norbert.“
„Du auch.“
Neumann ging in Richtung Mailandsgasse davon. Bekker sah ihm nach, bis dieser das Gutenberg-Museum hinter sich gelassen hatte und aus seinem Blickfeld verschwunden war. Dann wankte er über den Domplatz, passierte die Nagelsäule, dieses ambivalente Wahrzeichen vaterländischer Gesinnung des 1. Weltkriegs. Am liebsten hätte er sich dort kurz auf die Stufen gesetzt, entschied sich aber, den Heimweg nicht unnötig zu verlängern.
„Die Schwerkraft des Alkohols…“, brabbelte er. Für einen neutralen Beobachter musste es wie eine geheime Choreographie ausgesehen haben, so gekonnt wechselte er seinen Laufweg, um nur nicht von der sogenannten „Rentnerrinne“ abzukommen. Unnötig zu erwähnen, wie lästig ein unebenes Pflaster ab einer gewissen Promillezahl sein konnte.
Neumann hatte damals vorgeschlagen, eine Bundesliga-Tipprunde einzuführen. Mittlerweile ging sie bereits in die dritte Saison. Seine langjährigen Freunde und Kollegen Erna Dunst und Werner Niesberg, der Rechtsmediziner Walter Kur, Marcello, Bekkers italienischer Freund, sein Gefährte aus Kindertagen, Leo Anrim, Helga, die Wirtin der Kleinen Stadthalle und ein paar Stammgäste machten mit, insgesamt waren sie zu zwölft. Getippt werden konnte jeweils bis zum Beginn der ersten Partie des Spieltags. Das wöchentliche Ranking, das auf einer Tafel neben der Theke vermerkt wurde, sorgte eigentlich immer für Gesprächsstoff.
Bekker hatte von Anfang an den Eindruck gehabt, dass Neumann den Nervenkitzel und die aufgeheizte Stimmung während der Spiele liebte. Was wusste er eigentlich sonst von ihm? Nicht sonderlich viel. Er kam aus Frankfurt, aufgewachsen in Sachsenhausen, wenn er sich recht entsann. Neumann war plötzlich da gewesen und gleich zu einem regelmäßigen Besucher der Stadthalle geworden. Er hatte Bekker erzählt, dass es ihn nach Mainz verschlagen hat, weil man hier in Ruhe leben könne.
„Ihr nehmt jeden so, wie er ist, solang’ er sich nicht wie ein totaler Stinkstiefel verhält.”
An diese Aussage konnte Bekker sich noch gut erinnern. Warum die Mainzer so gesellige Menschen waren, hatte vermutlich historische Gründe. Über Jahrhunderte war es keine Seltenheit gewesen, dass viele Bewohner hinter den schützenden Mauern der Stadt zu sechst, siebt oder gar zu acht in ziemlich kleinen Wohnungen zusammenlebten. Vermutlich jedoch eher hausten. War es da ein Wunder, dass man unter diesen Umständen in die Wirtshäuser und Weinstuben drängte und lieber außerhalb der eigenen vier Wände zusammensaß? So etwas musste sich im Laufe der Zeit auf die Mentalität auswirken.
Neumann hatte gelacht und seine These als gewagt, aber durchaus interessant bezeichnet. Ob er nicht ein bisschen viel Norbert Elias gelesen habe, hatte er ihn gefragt.
„Stimmt genau. Über den Prozeß der Zivilisation“, hatte Bekker verblüfft geantwortet und gestaunt, dass Neumann Kenntnisse im Bereich von Sozialtheorien hatte.
Er drehte seine Zigarette zwischen Daumen und Ringfinger hin und her, nahm einen Zug und blies einen Rauchring in die Luft. Dann schickte er mehrere kleine Ringe hinterher, schnalzte zufrieden mit der Zunge und blickte in den klaren Himmel.
Bekker wollte doch noch nicht nach Hause. Leicht schwankend durchquerte er die Domstraße, die bei den Mainzern schon seit jeher das kalte Loch hieß. Dann setzte er sich noch einen Moment auf die Treppen zum Schwimmbad des Priesterseminars in der Grebenstraße. Dort hatte er als Kind seine ersten Schwimmabzeichen gemacht. Das Becken war ihm damals ungeheuer tief vorgekommen und das Wasser saukalt. Er fingerte eine weitere Zigarette aus der Schachtel, seine letzte für heute, sagte er sich, und zündete sie gedankenverloren an. Diese elenden Skandale um die Kirche. Er schüttelte den Kopf.
Die Situation mit Helene hatte sich schon nach der Geburt ihrer Tochter Klara verkompliziert. Als dann die Zwillinge Theo und Dominik geboren wurden, ein Unfall, den Bekker vor seinen Söhnen niemals zugeben würde, war die Ehe endgültig in die Brüche gegangen. Er hatte darauf bestanden, die Kinder erst einmal nicht taufen zu lassen, sie sollten zu einem späteren Zeitpunkt selbst entscheiden können. Einen Aufschrei der Entrüstung hatte es deswegen in der Familie Säumling gegeben, dem alten Mainzer Geld- und Fastnachtsadel. Was waren das für Diskussionen mit seiner Exfrau gewesen. Schließlich war er von seinem Schwiegervater, ein stadtbekannter Anwalt, zu einem persönlichen Gespräch in dessen Raucherzimmer gebeten worden. Die Sache verlief nicht sehr glücklich, die Situation eskalierte bereits während der ersten Zigarre und dem zweiten Glas Brandy. Bekker nannte seinen Schwiegervater einen größenwahnsinnigen und bornierten Arschkriecher. Vielleicht hätte er sich diese Formulierung sparen sollen, andererseits…
Türen waren geflogen und Drohungen ausgesprochen worden, die der alte Säumling, das musste man ihm lassen, auch in die Tat umgesetzt hatte. Dieses Sackgesicht hatte ihm beruflich und privat das Leben zu versauern versucht, das von diesem Moment an keine geruhsame Flussreise mehr gewesen war, sondern eine aufreibende Wildwasserfahrt.
Es ging so weit, dass er nach dem Scheitern seiner Ehe nur noch per Anwalt mit Helene kommunizieren konnte. Ein teurer Spaß, den er sich natürlich leistete, denn es ging um seine Kinder. Immerhin gelang es seinem Schwiegervater nicht, ihn von diesen fernzuhalten, doch die Situation verlangte Bekker emotional viel ab. Wenigstens kann man gegen seine Falten anfressen, dachte er grinsend und ging weiter.
Letztendlich war er doch zum Hauptkommissar aufgestiegen und mit Klara und seinen Jungs konnte das Verhältnis heute kaum besser sein. Wenn er es recht überlegte, war er zufrieden, doch den worst case, wie es in Murphy’s Law hieß, hatte er dennoch immer auf der Rechnung. „Fahr zur Hölle, Däumling“, nuschelte Bekker.
Bekker passierte das Weinhaus Hottum, in dem er schon in seiner Kindheit mit seinen Eltern sonntags beim Frühschoppen gesessen hatte. Damals kannte man normalerweise den Wirt noch, eine zuverlässige Quelle für Neuigkeiten aus dem Viertel. Und es gab nicht an jeder Ecke Systemgastronomie.
Den Anfang machte damals der Wienerwald, schoss es ihm durch den Kopf. Wie hieß nochmal der Spruch? „Heute bleibt die Küche kalt, wir gehen in den Wienerwald“ – ja, ja, die Werbung...

Erscheint lt. Verlag 1.11.2016
Verlagsort Frankfurt
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Krimi / Thriller
Schlagworte Bekker • Jackob • Krimi • Mainz • Sportwetten • Wettmanipulation
ISBN-10 3-95542-237-2 / 3955422372
ISBN-13 978-3-95542-237-0 / 9783955422370
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