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Wie aus dem Nichts (eBook)

Roman
eBook Download: EPUB
2016 | 1. Auflage
384 Seiten
Piper Verlag
978-3-492-97478-3 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Wie aus dem Nichts -  Sabine Kornbichler
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Dana kann von ihrem Versteck aus hören, wie ihr Freund Alex erschossen wird. Starr vor Angst beobachtet die Inhaberin einer Alibi-Agentur, wie ein Mann mit Fuchsmaske kurz darauf die Wohnung verwüstet und dann einfach wieder verschwindet. Zunächst ist Dana überzeugt, dass Alex sterben musste, weil er als Enthüllungsjournalist zu viele Fragen stellte, doch die polizeilichen Ermittlungen ergeben schnell, dass er nicht der war, der er vorgab zu sein ...

Sabine Kornbichler, geboren 1957, wuchs an der Nordsee auf und arbeitete in einer Frankfurter PR-Agentur, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Schon ihr Debüt »Klaras Haus« war ein großer Erfolg, ihr Kriminalroman »Das Verstummen der Krähe« wurde für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert. Sabine Kornbichler lebt und arbeitet als Autorin in der Nähe von München.

1  Aus der Küche wehten vertraute Geräusche zu mir ins Bad. Alex machte Frühstück und summte auf seine unverwechselbare Art eine Melodie. Ich hätte nicht sagen können, ob es sich dabei um einen Song von Rihanna oder um einen von Adele handelte. Da er kaum jemals einen Ton traf, ließ sich keine der Melodien bis zu ihrem Ursprung zurückverfolgen – was keine Rolle spielte, denn das, was er völlig unbeschwert zum Besten gab, übte einen ganz eigenen Reiz aus.

In diesem Moment drehte er in der Küche das Radio laut. Der Moderator von Antenne Bayern verkündete gerade wortreich, dass Freitag, der dreizehnte für ihn schon immer ein Glückstag gewesen sei. Die Zuhörer sollten sich bloß nicht vom Aberglauben verunsichern lassen, sondern den Tag einfach genießen. Wenn am Freitag, dem dreizehnten November das Thermometer auf fünfzehn Grad steigen würde, könne doch gar nichts mehr schiefgehen.

»Hast du gehört?«, rief Alex Richtung Bad. »Fünfzehn Grad!«

Ich ließ die Zahnbürste sinken. »Ja, hab ich. Klingt gut!«

»Wie wär’s dann heute Abend mit den Isarauen?« Seine Stimme kam näher.

»Willst du nicht erst einmal abwarten, wie das Gespräch mit Biggi verläuft?«, fragte ich ihn vom Waschbecken aus, als er im Türrahmen auftauchte. »Vielleicht braucht sie dich später noch. Es wird bestimmt nicht leicht für sie.«

Alex, der in gestreiften Boxershorts und einem weißen T-Shirt mit V-Ausschnitt steckte, kam ein paar Schritte näher und lehnte sich gegen die senfgelben Badezimmerfliesen. Mit der rechten Hand kämmte er seine dunkelblonden Haare zurück und brachte damit seine Geheimratsecken zum Vorschein. »Mach dir keine Sorgen um sie. Biggi kann einiges wegstecken. Da seid ihr beide euch ähnlich. Im Gegensatz zu dir hat sie allerdings nicht dieses Mutter-Teresa-Gen. Ich glaube, sie würde keinen Gedanken an dich verschwenden.« Er betrachtete mich auf eine Weise, die meinen Puls beschleunigte. »In dein großes Herz habe ich mich als Allererstes verliebt.«

Mit einem Lächeln wandte ich mich um, legte die Zahnbürste aufs Becken und spülte mir schnell den Mund aus. Dann ließ ich den Blick über sein Gesicht wandern, das zur Hälfte unter einem Dreitagebart verschwand und mir inzwischen sehr vertraut war. Ich hätte es mit geschlossenen Augen zeichnen können – die leicht schräg stehenden dunkelblauen Augen, die hohen Wangenknochen, die gerade Nase und das Grübchen am Kinn. »Und als Zweites? In was hast du dich da verliebt?«

»In deinen Mut.« Er grinste. »Weißt du noch, wie du an dem ersten Abend im Rüen Thai zu dem sturzbetrunkenen, pöbelnden Typ an den Tisch gegangen bist, ihm in aller Seelenruhe die Hand auf den Arm gelegt und gesagt hast Scht, es sind Damen anwesend!? Er hat dich angesehen, als wärst du geradewegs vom Himmel gefallen.«

»Ein wenig hast du mich auch so angesehen«, erinnerte ich mich und spürte wieder das elektrisierende Kribbeln unserer ersten Begegnung.

Alex schien es ähnlich zu gehen. Etwas Funkelndes stahl sich in seine Augen. »Wie viel Zeit haben wir noch?«

Gegen das Waschbecken gelehnt schüttelte ich den Kopf und seufzte. »Keine, ich muss gleich los.«

Um neun Uhr und keine Minute später begann mein Dienst. Auf Pünktlichkeit, das hatte Doktor Robert Eichberger in unserem ersten Gespräch betont, legte er allergrößten Wert. Sollte ich damit nicht zurechtkommen, würden wir uns schnell wieder trennen müssen. Das würden wir ohnehin, aber davon ahnte er nichts. Sobald ich die Informationen hatte, die für Alex so wichtig waren, würde ich kündigen und zu meiner eigentlichen Arbeit zurückkehren.

Alex kam auf mich zu, entfernte mit dem Daumen einen Rest Zahnpasta aus meinem Mundwinkel und strich mir eine meiner verwuschelten Locken aus dem Gesicht. Dann legte er seine Arme um meine Taille und zog mich an sich. »Wir könnten uns beeilen«, flüsterte er mir ins Ohr, um mich gleich darauf zu küssen.

Ich erwiderte seinen Kuss und ließ mich sekundenlang davon wegtragen. Am liebsten hätte ich seine Hand genommen und ihn mit mir unter die Dusche gezogen. Aber dann würde sich die Zeit auflösen.

»Er kündigt mir, wenn ich zu spät komme«, prophezeite ich, als seine Lippen seitlich an meinem Hals hinunterwanderten und seine Hände unter mein Nacht-Shirt glitten. »Du willst doch unbedingt, dass ich für ihn arbeite.«

»Im Augenblick will ich nur dich«, raunte er.

Mit den Fingerspitzen strich ich über seine Hüften und seinen Rücken hinauf. »Dann rufe ich ihn an und …«

Alex hielt inne und sah mich mit einem schiefen Lächeln an. »Bloß nicht! Ich bin ja froh, dass er dich eingestellt hat.« Er warf einen Blick auf meine Uhr, die auf dem Waschtisch lag und Viertel nach acht anzeigte. Dann ließ er mich mit einem bedauernden Lächeln los und stellte sich in den Türrahmen. »Welchen Eindruck hast du von ihm?«

Ich musste lachen, weil sich seine Frage für mich inzwischen wie ein Dauerscherz anhörte. Seit ich vor zehn Tagen bei Robert Eichberger als Haushälterin angefangen hatte, fragte Alex mich das täglich, und jedes Mal bekam er von mir die gleiche Antwort, nur jeweils in etwas andere Worte verpackt: »Der Mann ist ein seltsamer Kauz. Er redet kaum mit mir und macht den Eindruck eines zutiefst traurigen Menschen. Ich kenne niemanden, der so zurückgezogen lebt. Und so anspruchslos ist.«

»Was ist an einer Jahrhundertwendevilla in Nymphenburg anspruchslos?«

»Das ist es ja. All das scheint ihm kaum etwas zu bedeuten. Es berührt ihn nicht. Als ich ihm etwas von seinem wunderschönen Haus vorschwärmte, hat er mich verständnislos angesehen. So als wäre ihm das gar nicht bewusst.«

»Lass dich nicht von ihm einwickeln, Dana. Das könnte auch eine Masche sein.«

»Wieso sollte er denn mir gegenüber eine Masche abziehen?«

»Du kennst ihn nicht.«

»Du doch auch nicht, sonst müsste ich ihn ja schließlich nicht für dich ausspionieren.« Ich zog mein Nacht-Shirt über den Kopf und ließ es auf den Boden fallen. »Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass er an diesen Machenschaften beteiligt sein soll. Wozu auch, wenn ihm Geld nichts bedeutet?«

»Was Geld den Menschen wirklich bedeutet, zeigt sich nicht unbedingt auf den ersten Blick. Deshalb hör auf mich und sei vorsichtig. Und lass dich vor allem nicht von ihm anmachen.«

»Ich bitte dich – der Mann ist siebzig!«, feixte ich.

Als er lachte, war es, als tauche die Sonne ihn in gleißendes Licht und als verändere sich die Atmosphäre im Raum. »Ich glaube nicht, dass er schon jemals eine so attraktive Haushälterin hatte.«

»Er steht nicht auf sportliche Dunkelhaarige mit braunen Augen und Stupsnase.«

»Woher willst du das wissen?«

»Weil überall in seinem Haus Fotos einer blonden Schönheit mit sehr weiblichen Rundungen stehen. Sie war seine Frau und ist wohl schon vor Jahren gestorben, wenn ich ihn richtig verstanden habe.«

»Hat er eigentlich Kinder? Ich habe nichts darüber herausfinden können.«

Ich schüttelte den Kopf. »Ich glaube nicht. Jedenfalls stehen nirgends Fotos, die darauf schließen lassen.« Ich schickte ihm einen Kuss durch die Luft, stieg in die Dusche und stellte das Wasser an. »Bin gleich fertig.«

Zehn Minuten später ließ ich meine kurzen Locken an der Luft trocknen, tuschte die Wimpern und schlüpfte in Jeans, T-Shirt und Kapuzenpulli. Im Flur zog ich meine Chucks an, schob mein Handy in die Hosentasche und ging in die Küche, wo Alex mir gerade frisch gepressten Orangensaft und ein Butterbrötchen auf den Tisch stellte. Ohne Frühstück war ich nur ein halber Mensch, während Alex auf diese Mahlzeit regelmäßig verzichtete.

Alex zog sich ein hellblaues Sweatshirt über und setzte sich in den Fensterrahmen, von wo aus er mir dabei zusah, wie ich hungrig aß und mein Gesicht den Sonnenstrahlen zuwandte, die durch das geöffnete Fenster fielen und mit dem morgendlichen Verkehrslärm in die Küche drangen. Er warf mir einen verliebten Blick zu. Ich erwiderte ihn und lächelte.

»Woran denkst du gerade?«, fragte er.

»An die Schmetterlinge in meinem Bauch.«

»Sonntag sind es schon zwei Monate, dass wir zusammen sind«, sagte er in einem Ton, als staune er darüber.

»Sonntag habe ich Geburtstag.«

»Ich weiß, und ich habe auch schon eine Überraschung für dich.«

»Was ist es? Sag schon!« Gespannt beugte ich mich vor.

Mit Daumen und Zeigefinger fuhr er seine Lippen entlang, als verschließe er sie.

»Dann rate ich eben! Mhm …« Ich tat, als müsse ich angestrengt nachdenken. »Du lässt mich einen Blick in dein Arbeitszimmer werfen?«

Alex hielt diesen Raum stets verschlossen. In seiner freien Zeit wollte er nichts von all den dunklen Abgründen wissen, die er als Journalist Tag für Tag durchleuchtete, um sie schließlich aufzudecken. Normalerweise hätte ich eine verschlossene Tür seltsam gefunden, aber in seinem Fall stieß sie auf mein stillschweigendes Einvernehmen. Auch ich war immer froh, wenn meine Bürotür hinter mir ins Schloss fiel und ich all das, was sich dahinter abspielte, für kurze Zeit vergessen konnte.

»Kennst du nicht das Märchen vom Ritter Blaubart?« Alex machte ein übertrieben ernstes Gesicht und senkte seine Stimme. »Wenn du diese Tür öffnest, erwartet dich die schrecklichste Strafe für deine Neugier.« Er grinste. »Du weißt doch, was mit neugierigen, ungehorsamen Frauen passiert.« Wieder senkte er seine Stimme. »Ich müsste dir das Haupt vom...

Erscheint lt. Verlag 2.11.2016
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Krimi / Thriller
Schlagworte Alibi • Auftragsmörder • Bestseller-Autorin • Das böse Kind • Der letzte Gast • detective • Detektiv • Erbschaft • Ermittler • Ermittlung • Ermittlungen • Kommissar • Kommissarin • Krimi • Kriminalgeschichte • Kriminalroman • Krimis • Lady • Liebste • Lügen • Lügengebäude • Mord • morddrohung • Mörder • Polizei • Polizist • Polizistin • Privatdetektiv • Privatermittlerin • Psychologin • Psychothriller • Reißer • Serienmörder • Thriller • Verrat • Wahrheit
ISBN-10 3-492-97478-3 / 3492974783
ISBN-13 978-3-492-97478-3 / 9783492974783
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