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Schweine (eBook)

Thriller
eBook Download: EPUB
2016
Heyne (Verlag)
978-3-641-17958-8 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Schweine - Carl-Johan Vallgren
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"Brutal und rabenschwarz. Eine fast schmerzhafte Lektüre." Göteborgs-Posten

Perversion und Gewalt sind die Eckpfeiler in Carl-Johan Vallgrens zweitem Kriminalroman um Ermittler Danny Katz und Staatsanwältin Eva Westin. Katz, der erneut im Drogensumpf zu versinken droht, ist auf der Suche nach der Freundin eines alten Kumpels, der ihm einst das Leben gerettet hat. Doch Jenny scheint wie vom Erdboden verschluckt zu sein. Die Ermittlungen laufen ins Leere. Bis Danny Katz eine Spur auftut, die ihn in ein abgelegenes Sommerhaus führt. Hier wird er Zeuge eines Verbrechens, das an Abscheulichkeit kaum zu überbieten ist. Katz setzt alles daran, die Täter auszuschalten.



Carl-Johan Vallgren wurde 1964 in Linköping geboren und veröffentlichte 1987 seinen ersten Roman. 2002 erhielt er für Geschichte einer ungeheuerlichen Liebe den August-Preis für den besten Roman des Jahres. Mit diesem Buch gelang ihm der internationale Durchbruch, es wurde in 25 Sprachen übersetzt und stürmte in vielen Ländern die Bestsellerlisten. Nach Stationen in Madrid, Kopenhagen und Berlin ist er heute mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Stockholm zu Hause.

FRÜHER MORGEN, UND SIE SASSEN IN EINEM AUTO im Parkhaus des Einkaufszentrums Skärholmen. Endlich hatte die Nervosität nachgelassen. Sein Bauchgefühl sagte ihm, dass der Auftrag gut gehen würde.

»Sieht unproblematisch aus«, murmelte Zoran und hielt ihm das Fernglas hin. »Wir halten den Transport an, wenn er dort rausfährt, sperren den Weg zwischen den Pfeilern ab. Einer blockiert ihn von hinten, sodass er nicht zurückkann.«

Die Lieferrampe lag etwa hundert Meter vor ihnen. Im Normalfall hätten sie dies alles hier mindestens einen Monat vor dem Überfall gecheckt, weil die Security die Filme von den Überwachungskameras nur alle vier Wochen löschte. Diesmal hatten sie improvisieren müssen. Der Toyota, in dem sie saßen, hatte falsche Nummernschilder. Jorma hatte, seit sie die Stadt verlassen hatten, vor dem Rücksitz im Fußraum gelegen, damit die Kameras der Verkehrsüberwachung ihn nicht aufzeichneten.

»Wir brauchen noch einen Fahrer – und einen Mann, der die Wachleute in Schach hält, während wir den Transporter aufmachen. Und noch eine Person, die sich um die Eskorte kümmert, wenn unser Insider es nicht schafft, die Sache abzubiegen. Für die Türen nehmen wir Plastiksprengstoff. Brechen die Sicherheitskoffer auf und packen die Scheine in Taschen. Der Job muss in maximal fünf Minuten vorbei sein. Wir konzentrieren uns auf die Koffer mit den Tausendern und den Fünfhundertern, packen um und verlassen den Ort auf mein Signal, auch wenn noch Geld übrig sein sollte.«

»Und der Fluchtweg?«, fragte Jorma.

»Den gucken wir uns gleich an.«

Das Polizeirevier war tatsächlich geschlossen, genau wie der Insider es ihnen versichert hatte. Sie waren vorbeigefahren und hatten es kontrolliert. Wenn die Bullen aus der Stadt kämen, würden sie die Abfahrt Kungens kurva nehmen. Also war es am besten, die Hindernisse dort auszulegen und hinterher nach Südwesten weiterzufahren, weg von der Autobahn.

»Wie sieht es an der Familienfront aus?«, fragte er. »Die Kleinen … geht es ihnen gut?«

»Glaube schon. Weiß nicht richtig. Hab eine Weile bei verschiedenen Kumpels gewohnt.«

»Stress mit Leyla?«

»Nicht wirklich. Lange Geschichte.«

Zoran wich seinem Blick aus.

»Wir wollen vielleicht wegziehen. Die Hütte wechseln. Mit Tensta geht’s bergab. Ich liebe diesen Vorort, bin da geboren und aufgewachsen und so, aber man kann dort niemandem mehr über den Weg trauen.«

Irgendwas war mit seiner Stimme … doch Jorma hätte nicht recht sagen können, was es war.

»Du hast immer noch nicht erzählt, warum du das hier machen willst.«

»Du auch nicht.«

Ein Wagen mit Securitas-Logo kam die Rampe zur Parkebene herunter. Wie auf Kommando rutschten sie in ihren Sitzen nach unten, als das Fahrzeug in zehn Metern Entfernung an ihnen vorbeifuhr. Die Scheiben auf der Beifahrerseite waren getönt, sodass man nicht hineinsehen konnte. Dann bog der Wagen zum Stahltor ab, hinter dem die Laderampe lag.

»Was haben wir doch für ein verdammtes Glück! Stopp die Zeit, Jorma. Ich will wissen, wie viele Sekunden das Tor braucht, um auf- und wieder zuzugehen.«

Das elektrisch gesteuerte Tor glitt zur Seite. Dahinter lag der Sicherheitsbereich. An der Decke hing eine nach unten gerichtete Überwachungskamera – Reichweite sicher nicht mehr als zwanzig Meter. Zu beiden Seiten der Rampe standen zwei Wachleute. Mit einem metallischen Quietschen ging das Tor wieder zu.

»Dreißig Sekunden.«

»Jetzt wissen wir, mit wie viel Zeit wir rechnen können. Tauch wieder ab. Wir waren lange genug hier.«

Sie nahmen die rückwärtige Ausfahrt, bogen auf den Ekholmsvägen ab und fuhren dann weiter bis zur nächsten Kreuzung. Aino hatte Ende der Siebzigerjahre für ein paar Jahre hier in diesem Viertel gewohnt. Trostlose Wohnblocks. Beschmierte Fassaden.

Vor dem Vårbergs-Kiosk stand eine betrunkene Frau mit einem Pitbull und brabbelte vor sich hin. Irgendwie kam sie ihm bekannt vor.

Sie bogen nach Süden auf den Svanholmsvägen ab und fuhren dann weiter Richtung U-Bahnhof Vårby gård. Kurz dahinter hielten sie auf einem Parkplatz.

Jorma sah sich um. Kaum irgendwelche Fahrzeuge, Parken gratis. Die in ihre Richtung weisenden Giebel der nächstliegenden Häuser waren fensterlos. In der Nacht vor dem Überfall würden sie hier ihren Fluchtwagen abstellen. Das würde am Morgen niemand bemerken.

»Was meinst du?«

»Sollte funktionieren. Wir wechseln hier das Auto und fahren dann weiter nach Süden.«

Der Parkplatz war von den größeren Straßen aus nicht einsehbar. Fünfhundert Meter dahinter lag ein Wäldchen.

Zoran fuhr weiter. Bäckgårdsvägen. Fußgängerüberwege verbanden die roten Backsteingebäude, die die Straße flankierten. Bremsschwellen machten die Straße eng. Dort sollten sie als Sicherheitsmaßnahme ebenfalls Hindernisse platzieren. Ein Auto mit einem Platten würde die ganze Durchfahrt verstopfen.

Vårby allé. Das Viertel, in dem er einst seine Verbrecherlaufbahn begonnen hatte. Ein Jahr lang, als er in die siebte Klasse ging, hatte er hier gewohnt. Bei einer Pflegefamilie, weil Aino nicht mehr mit ihm klargekommen war. Harri hatte sich zu der Zeit bereits aus dem Staub gemacht, hatte seine Habseligkeiten gepackt und war nach Vällingby gezogen, wo er seinen Alkoholkonsum mit einem Job als Klavierlehrer an der kommunalen Musikschule finanziert hatte.

Aino hatte ihn jeden Sonntag bei der Pflegefamilie besucht und ihn, wenn sie wieder gehen musste, nicht mehr loslassen wollen. Höchstens ein Jahr, hatte das Jugendamt verfügt, sie brauche Entlastung, und sowie die Lage wieder besser aussehe, dürfe Jorma zu ihr zurückkehren. Doch stattdessen war er weiter abgerutscht, und irgendwann hatten die Behörden jede Hoffnung aufgegeben und ihn in die Erziehungsanstalt nach Hässelby geschickt. Dort hatte er Katz kennengelernt – ein ebenso hoffnungsloser Fall wie er selbst. Er sah ihn immer noch vor sich, wie sie sich das erste Mal begegnet waren. Das leicht orientalische Aussehen, die dunklen Augen, den traurigen, frustrierten Blick hatte er von seinem Vater geerbt, der Jude gewesen war. Die Familie war noch vor dem Krieg nach Schweden eingewandert. Der Junge hatte beide Eltern kurz nacheinander verloren und sich an der Welt gerächt, indem er sich in Schlägereien hatte verwickeln lassen und Drogen genommen hatte. Die beiden hatten sich gesucht und gefunden.

»Wir fahren weiter nach Botkyrka«, entschied Zoran. »Bis hierhin werden die Bullen unsere Spur verloren haben. Danach können wir jeden Weg nehmen – durch Huddinge in die Stadt zurück oder wieder auf die E4 in die entgegengesetzte Richtung. Wir müssen nur noch ein gutes Versteck finden und dann für ein paar Wochen abtauchen.«

Sie kamen an der Schule von Vårby vorbei, die er zumindest auf dem Papier im zweiten Halbjahr der siebten Klasse besucht hatte. In Wirklichkeit hatte er nicht ein Mal seinen Fuß hineingesetzt, sondern stattdessen mit seiner Gang in Fittja abgehangen oder in der Stadt, wo er Gleichaltrigen das Taschengeld abgeknöpft hatte. Im Gegensatz zu Katz war er selbst den Drogen aus dem Weg gegangen, hatte aber stattdessen andere Sachen gedreht: Diebstahl, Einbrüche, Raubüberfälle, allen möglichen Mist, der wahrscheinlich das Leben anderer Menschen zerstört hatte.

Reue? Vielleicht …

Vor ihnen breitete sich der Mälaren aus. Noch mehr Erinnerungen tauchten auf. Die Pflegefamilie. Die hatten ihn wegen des Geldes aufgenommen. Die Mutter der Familie hatte ihn nie gemocht, der Vater hatte so getan, als gäbe es ihn nicht. Er hatte dort zwei Pflegeschwestern gehabt, zwei jüngere Mädchen, Maria und Lotta, vielleicht acht und fünf, und manchmal hatte er mit ihnen gespielt. Doch er erinnerte sich kaum mehr an die beiden. Die Angst, die ihn damals beherrscht hatte, musste die Mädchen aus seinem Gedächtnis gelöscht haben.

Jetzt fuhren sie am Wasser entlang. Schrebergärten und der Dampfschiffanleger. Auf der anderen Straßenseite die Luxusvillen mit Blick auf den Mälaren. Sie kamen am Spendrups-Werk vorbei. Die alte Vårby-Brauerei, dachte er und musste unwillkürlich daran denken, wie sie in einem Sommer auf dem Steg saßen und sich diverse Bierchen genehmigten, die irgendjemand aus den Lastern geklaut hatte, die immer davorgestanden hatten. Kleine Jungs waren sie, allesamt, aber die Zukunft war für sie bereits festgelegt gewesen. Inzwischen war die Hälfte von ihnen tot.

Jenseits der Autobahn erreichten sie die Hochhaussiedlung. Fittja erinnerte ihn immer an ein armseliges fremdes Land, an den Vorort irgendeiner afrikanischen Stadt, das Einzige, was fehlte, waren die Hitze und bettelnde, ausgemergelte Menschen.

»Wenn wir es bis hierher schaffen, sind wir safe«, stellte Zoran fest. »Wir haben noch vier Tage, um alles zu regeln.«

Er sah zu den lebensfeindlichen Gebäuden hinüber, die in endlosen Reihen vor ihnen aufragten. Zum Mälaren, der im Sonnenlicht glitzerte. Es sollte gut gehen, dachte er. Nur noch ein allerletzter Job. Dann würde er mit diesem Leben...

Erscheint lt. Verlag 29.8.2016
Reihe/Serie Katz-Westin-Serie
Katz-Westin-Serie
Übersetzer Susanne Dahmann
Verlagsort München
Sprache deutsch
Original-Titel Svinen
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Krimi / Thriller
Schlagworte Danny Katz • Drogen • eBooks • Eva Westin • Pornofilm • Serien • Skandinavische Krimis • Stockholm • Thriller
ISBN-10 3-641-17958-0 / 3641179580
ISBN-13 978-3-641-17958-8 / 9783641179588
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