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Die Hure des Todes -  Jon W. Schwarz

Die Hure des Todes (eBook)

Quarantäne Band 1
eBook Download: EPUB
2016 | 1. Auflage
320 Seiten
Morawa Lesezirkel (Verlag)
9783990571903 (ISBN)
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'Man sollte nicht versuchen alles zu verstehen, manchmal ist es besser, Dinge einfach zu akzeptieren.' In einer Zeit, in der Krankheit, Hunger und Elend wie ein Demokles Schwert über den Menschen schwebte, war der Tod für viele der einzige Ausweg aus dieser Hölle. Aurelia und Emilio wählten einen anderen, grausamen Weg um zu überleben. Doch kein menschliches Leben wird je ausreichen, um den Preis dafür zahlen zu können.

Jon W. Schwarz wurde in der Nähe von Lausanne, ende September 1968 geboren und wuchs in Innsbruck bei einer Tante auf. Nach der Lehre als Tischler verzog er, in den 90 Jahren nach Wien. Jon heiratete erst sehr spät und lebt nun mit seiner Frau am Rande von Wien. Das Interesse am Schreiben von Kurzgeschichten, die meist ein humoristisches Ende haben, lebte er schon in seiner Jugend aus. Im Jahr 2015 schrieb Jon den ersten Teil der Trilogie 'Die Hure des Todes' mit dem Titel 'Quarantäne'. Der Roman wurde 2016 von My Morawa veröffentlicht. Die beiden weiteren Teile der Trilogie 'Wahnsinn und Verbindung' kommen beide im gleichen Jahr zur Veröffentlichung.

Kapitel eins


1


Sobald er eingeschlafen ist, nimmst Du meinen Revolver und erschießt ihn, keine Sorge er ist geladen!“, sagte Onkel Ron damals zu mir. Ich kann mich noch gut erinnern ich war gerade mal 12 Jahre. Tränen füllten meine Augen als ich ihm widersprach: „Nein – ich kann das nicht!“.

Es ist nicht schwerer als einen Fisch zu töten, was ist Dein Problem?“ fragte er in seiner typisch rauen Art und zog dabei seine rechte Augenbraue hoch. Meine Stimme überschlug sich vor Aufregung: „Aber Capone ist kein Fisch, er ist mein Freund! Erwiderte ich in einem erstickten weinerlichen Ton. „Umso mehr ist es Deine Pflicht, Capone von seinem Leiden zu erlösen!“ forderte er erbarmungslos.

So sehr ich meinen Onkel auch bewunderte so sehr hasste ich ihn auch, ein „Nein“ hatte er nie akzeptiert. Und die Kälte die einem entgegenschlug sollte man es wagen ihm zu widersprechen, konnte man nicht nur Fühlen nein man sah sie auch wenn sie einem die Haare auf den Armen in die Höhe stehen ließ.

Capone ist Dein Hund, Du trägst die Verantwortung für ihn. Werde endlich erwachsen und handle wie ein Mann erlöse in von seinem Leid!“

Wir diskutierten noch sicher eine Stunde, doch ich hatte gegen die Argumente und den Nachdruck, den mein Onkel diesen verlieh, keine Chance. Capone war gut zwei Jahre älter als ich und Zeit meines Lebens ein guter, treuer Begleiter, leider war er inzwischen alt und krank, und ja, ich habe letztendlich meinen Hund und Freund, Capone erschossen. Ich war wochenlang völlig verstört, hatte ewig Gewissensbisse deshalb, doch heute verstehe ich den Standpunkt meines Onkels. Sicher wir hätten den Hund auch zum Tierarzt bringen können, um ihn von einem Fachmann einschläfern zu lassen, doch Onkel Ron wollte einerseits den Hund nicht länger, als nötig leiden lassen und andrerseits wollte er mich lehren Verantwortung zu übernehmen. Außerdem war er stets der Meinung es sei wichtig das Leben als Ganzes zu sehen inklusive Geburt und Tod.

2


An meinem siebenten Geburtstag im Jahre 1946 stand er plötzlich vor unserer Tür. Ich werde dieses Bild nie vergessen, in seinem Rücken stand die Sonne, sodass ich von ihr geblendet wurde und sein Gesicht nicht sehen konnte. Die wenigen Worte, die er sprach, sind mir im Laufe der Jahre verloren gegangen, doch ich kann heute noch fühlen, wie sich mein Magen zusammen zog. Wie sich meine Hände verkrampften und meine Beine ihre Kraft verloren. Es schien, als würde mir jemand die Luft zum Atmen nehmen.

Dieser Fremde war ein Kamerad meines Vaters, eine Bekanntschaft die er im Europa machte. In einem dieser Lager die in den Dreißigern von den Deutschen gebaut wurden, lernten sie sich kennen. Als mein Vater eingezogen wurde, um im 2. Weltkrieg in Europa zu kämpfen, war ich gerade mal 4 Jahre und er kam nie zurück, sodass ich ihn hätte kennenlernen können. Doch Onkel Ron schien, durch die Geschichten meines Vaters, mich und meine Mutter recht gut zu kennen. Er versprach meinem Vater sich, vor allem, um mich zu kümmern, sollte er nicht in die Heimat zurückkehren. So war es dann auch, Onkel Ron besuchte uns anfangs mehrmals im Jahr, zahlte meine Ausbildung, überzeugte mich davon mich nicht freiwillig zum Militäreinsatz in Vietnam zu melden und ermutigte mich immer wieder meinen Job nicht an den Nagel zu hängen. Er war ein weiser Mann, mit schier unendlichem Wissen über die Welt und ihre Menschen und teilte gerne seinen geistigen Schatz mit mir.

Eines Tages stand er wieder vor unserer Tür und teilte uns mit das er ein Haus in der Nähe von uns zu kaufen gedachte. Von damals an sah ich in jeden Tag und er wurde zu einem Freund meiner Mutter und zu einem Ratgeber von mir.

3


Meine Mutter hatte anfänglich Angst vor ihm, er war ihr unheimlich und sie fühlte sich unwohl in seiner Gegenwart.

Doch es dauerte nicht lange bis sie lernte ihm zu vertrauen und sie jeden ihrer Termine verschob, wenn sie erfuhr, dass Onkel Ron auf Besuch kam. Sie hielt sich stets im Hintergrund, störte nie unsere stundenlangen Gespräche und akzeptierte alle seine Empfehlungen bezüglich meiner Zukunftsplanung.

Als ich 8 Jahre alt war lehrte er mich das Fischen, mit 10 die Hasenjagd. Er zeigte mir, wie man in der Wildnis Feuer macht und für seine Nahrung sorgt. „Wenn Du Fleisch essen willst musst Du auch das Tier erlegen und zubereiten können, allein aus Respekt dem Lebewesen gegenüber, töte nur wenn es nicht anders geht. Alles was Du tust hat Ursache und Wirkung, vergiss das nie!“, natürlich verstand ich es in so jungen Jahren nicht. Doch er sagte auch: es ist so vieles geschehen in der Vergangenheit, es geschieht so vieles im Jetzt und Heute, und es wird so vieles noch geschehen in Zukunft, was der Mensch nie verstehen wird. Dinge, die der menschliche Verstand nicht in seiner Gesamtheit erfassen kann und die meisten Dinge davon sollten wir nicht versuchen zu verstehen, sondern lediglich so akzeptieren wie sie sind“.

Heute stehe ich hier am Hafen von Tacoma der „City of Destiny“ – meiner Heimatstadt. In der Hand halte ich in einem bronzenen Urnengefäß die Asche meines verstorbenen Onkels. Fast zwei Jahre lang habe ich das Gefäß in meinem Keller aufbewahrt und es nicht zu Stande gebracht die Asche meines Onkels in den Pazifik zu streuen. Nicht etwa, weil ich zu traurig über sein unerwartetes Ende war, sondern weil ich mir nicht sicher war, ob ich ihm jemals werde verzeihen können. Doch nun bin ich mir sicher ich kann und ich will diesem alten Henker nie verzeihen. Nicht nach dem was er mir vererbt hat.

Wenige Tage vor seinem Tode saßen wir gemeinsam auf seiner Terrasse, er wollte mit mir sprechen und meinte, dass die Zeit nicht reichen würde alles zu erzählen, doch die für mich wichtigsten Ereignisse aus seinem Leben wollte er unbedingt an mich weitergeben.

Es war wohl einer jener Tage, an der Wende der Jahreszeiten an denen man zum letzten Mal im Sonnenschein das herbstliche Farbenspiel der Bäume bewundern konnte. Und es war wohl auch der letzte Sonnenschein im Herbst meines Onkels.

Langsam, kaum merklich schob er das Glas, mit dem in der Sonne warm gewordenen Bier, über den vor sich stehenden Tisch. Ich kannte Onkel Ron seit fast 30 Jahren und doch habe ich ihn nie zuvor weinen gesehen, bis Heute.

4


Mann, was machst denn du für ein Gesicht…? Du siehst ja aus wie...“, nun stockte mir der Atem, denn ich sah die Leere in seinen Augen, in einem Blick, der mir meine Worte nahm. Blass sein Gesicht und die Augen ruhten in tiefen Höhlen. Ich fragte nicht, ganz allein begann der Alte zu erzählen. Er griff in die Tasche seiner Hose und zog ein vergilbtes Blatt Papier daraus hervor.

Leise und heiser klang seine Stimme und es schien mir, als drohte jedes Wort in seinem Halse, wie ein trockenes Stück Brot, stecken zu bleiben. Die Sonne stand schon sehr tief und lange Schatten legten sich gemächlich über den Rasen vor der Veranda. Die von Nikotin leicht gelben Finger umfassten das Glas, mit der warmen Suppe, wie er sein Bier nannte, er hob es hoch, um es daraufhin gleich wiederabzustellen, da er sich entschied eine Marlboro aus einer zerknüllten Packung zu ziehen.

Mein lieber Junge“, sagte er. „Ich bin 36“, schoss es mir durch den Kopf. „Weißt du, drüben am Fuße des Mount Rainier im Kaskadengebirge, östlich von Tacoma, erzählt man sich noch heute Legenden von damals. Manche sind reine Phantasie doch die Meisten sind leider wahr. Ich werde dir die Wahrheit sagen, was ich dir nun erzähle ist von großer Bedeutung für dich und deine Zukunft!“. Zum ersten Mal in meinem Leben sah ich Angst in seinen Augen. „Was willst du mir sagen Onkel, was ist eigentlich heute mit dir los?“ Fragte ich ihn verstört und war mir nicht sicher ob ich die Antwort hören wollte.

Nur der weit entfernte Ruf einer Frau die ihren Sohn nach Hause rief und der Nachklang des Windes in den Bäumen, war die Antwort, die ich nur allzu gut kannte und die ich nun auch erhielt.

Wortlos, schob der alte Mann den Zettel, durch eine schon fast eingetrocknete Spur aus altem Kaffee, zu mir her. „Na dann wollen wir mal“, sagte ich und streckte meine Hand nach dem Schreiben aus. Doch seine Hand ruhte weiter hin auf dem Papier, als er sagte: „Warte noch mein Junge“, mit seiner rauchigen, leisen Stimme. „36 mein Freund“ (wieder nur in meinem Kopf). Ohne eine Antwort abzuwarten fuhr er fort: „die...

Erscheint lt. Verlag 25.7.2016
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror
ISBN-13 9783990571903 / 9783990571903
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
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