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Thron der Götter (eBook)

Roman

(Autor)

eBook Download: EPUB
2016
Heyne (Verlag)
978-3-641-18429-2 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Thron der Götter - Brian Staveley
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Kaiser Sanlitun ist tot, und sein Reich liegt in Trümmern: Die mächtigen Csestriim, seit jeher die tödlichsten Feinde der Menschen, sind nach Annur zurückgekehrt. Magier, die bisher nur im Verborgenen lebten, treten offen ans Tageslicht, um ihre dunklen Künste zu praktizieren, und die Alten Götter, launenhaft und tückisch, wandeln erneut auf der Erde. Während ihre Welt im Chaos zu versinken droht, versuchen Kaden, Adare und Valyn, die drei Erben Sanlituns, den Thron ihres Vaters und ihre Untertanen zu retten ...

Brian Staveley studierte Kreatives Schreiben an der University of Boston und unterrichtete Literatur, Geschichte, Philosophie und Religion - Themengebiete, die sein eigenes Schreiben nachhaltig beeinflussen. Mittlerweile arbeitet er als Lektor und Autor und lebt mit seiner Familie in Vermont. Der verlorene Thron war seiner erster Roman.

Die Hunde waren näher gekommen.

Axta schloss die Augen und entwirrte den immer fester werdenden Klangknoten in die einzelnen Fäden der bellenden Hunde. Es waren drei Dutzend Tiere, und sie waren etwa eine Viertelmeile entfernt. Mit ihrem Geist fuhr sie an etwa einem halben Hundert Fäden entlang und verglich das Gebiet in ihrer Erinnerung mit den alten Mustern, die der Verbreitung aller Geräusche zugrunde lagen.

»Sie haben den Köder geschluckt«, sagte sie. »Vier Gruppen.« Sie deutete den Weg zurück, auf dem sie hergekommen waren – durch die verstreuten Felsbrocken, die schenkelhohen Farne und die bemoosten Stämme der großen, verfaulenden Kiefern. »Da und da. Da und da.«

Sos sah nicht hin. Sein Blick war auf eine Bresche zwischen den Bäumen gerichtet, wo der schimmernde Turm den Himmel teilte. Wenn Axta ihre Falle richtig aufgestellt hatte, würden weniger als vierzig Menschen zur Bewachung der Grundmauern dieses Turmes übrig bleiben – vierzig sterbliche Frauen und Männer, und hinter ihnen, irgendwo im Innern des unerklärlichen Artefaktes, befanden sich ihre Götter, gefangen in sterblichem Fleisch.

In den Zweigen über ihnen stieß ein Eichelhäher vier durchdringende Töne in den Himmel, dann verstummte er wieder.

Axta bereitete ihren Bogen und die wenigen verbliebenen Pfeile vor.

Hätte sie früher gewusst, was hier geschah – hätte sie gewusst, dass die Götter der Menschen zu dieser Zeit an diesem Ort zusammenkämen –, dann hätte sie eine bessere, sicherere Falle aufstellen können. Aber natürlich hatte sie es nicht gewusst. Sie und Sos waren auf einer vollkommen anderen Mission gewesen und rein zufällig über den Geleitzug gestolpert. Es blieb keine Zeit zurückzugehen und die schwache Streitmacht der Csestriim zu holen, die noch verblieben war. Es blieb nicht einmal Zeit, mehr Pfeile zu schnitzen.

»Ich werde dir bei deinem Angriff Deckung geben«, sagte sie. »Aber sie verfügen über eigene Bögen.«

Sos nickte. »Ich werde dort sein, wo die Pfeile nicht sind.«

Das klang zwar recht rätselhaft, aber Axta hatte schon einmal beobachtet, wie er das tat. Sie war die bessere Spurenleserin, die bessere Generalin und auch die bessere Steinspielerin. Doch niemand konnte sich geschickter durch das Labyrinth einer Schlacht schlängeln als Sos. Ganz allein hatte er die Menschen in der Festung bei Palian Quar getötet. In den dunklen Wäldern der winterlangen Schlacht bei den Ersten Kiefern hatte er die gesamte westliche Flanke der Csestriim-Streitmacht abgesichert, war zwischen den Stämmen und in den Schatten hin und her gehuscht, hatte seine menschlichen Feinde Tag für Tag und Woche für Woche abgeschlachtet, bis ihre Front zerfallen und sie geflüchtet waren. Sos kämpfte wie ein Kartograph, der seinen eigenen vollkommenen Landkarten folgte – in einer Welt der Blinden, der Verblüfften und der Verirrten.

Er zog seine Zwillingsschwerter aus den Scheiden.

Axta betrachtete die mondhellen Halbbögen.

Als Einziger unter den Csestriim hatte Sos seinen Waffen Namen gegeben: Klarheit nannte er das eine Schwert und Zweifel das andere. Sie hatte einmal gesehen, wie er mit genau diesen Schwertern vor Tausenden von Jahren gegen drei Nevariim gekämpft und gesiegt hatte.

»Wie kannst du sie auseinanderhalten?«, fragte sie. Die Waffen sahen vollkommen gleich aus.

»Eine ist schwerer, eine ist schärfer.«

Wenige Fuß entfernt landete ein Schmetterling auf dem gezahnten Blatt eines Farns und breitete seine indigoblauen Flügel aus. Vor Tausenden von Jahren hatte Axta ein ganzes Jahrhundert mit der Erforschung von Schmetterlingen verbracht. Aber ein solches Exemplar hatte sie noch nie gesehen.

»Welche Klinge ist welche?«, fragte sie und richtete ihre Aufmerksamkeit wieder auf den Krieger.

»Das habe ich noch nicht entschieden.«

»Seltsam, die Namen so unverbunden mit der Welt sein zu lassen.«

Sos zuckte die Schultern. »So ist das mit der Sprache nun einmal.«

Axta trennte einen Teil ihres Geistes ab und dachte damit über seine Behauptung nach. Hätten sie mehr Zeit gehabt, wäre es ihr eine Freude gewesen, eingehender mit Sos zu sprechen, aber sie hatten nun einmal keine. Hinter dem Gebell der Hunde hörte sie die Menschen mit ihren Schwertern – und wandte sich wieder dem Turm zu.

»Wenn wir die Götter heute töten, gewinnen wir. Das glaubt zumindest Tan’is. Wenn wir sie aus dieser Welt herausschneiden, dann schneiden wir damit auch die Fäulnis heraus, die unsere Kinder erstickt.«

Sos nickte.

Der Schmetterling erhob sich zuckend in die Luft.

»Was wirst du tun, wenn es keinen Krieg mehr gibt?«, fragte sie.

In den langen Jahren seines Lebens hatte der Schwertkämpfer keine Schmetterlingssammlung angelegt.

»Mich vorbereiten.«

»Auf was?«

»Auf den nächsten Krieg.«

Axta hielt den Kopf schräg und fragte sich, wie ihm eine so einfache und klare Tatsache entgehen konnte. »Aber wenn wir sie hier und jetzt besiegen, wird es keine Menschen mehr geben.«

Sos betrachtete seine uralten Klingen, als fühlten sie sich in seinen Händen seltsam an – als wären sie Gegenstände unbekannter Herkunft, bäuerliche Gerätschaften vielleicht oder Musikinstrumente.

»Es gibt immer einen nächsten Krieg.«

Innerhalb weniger Augenblicke hackte er sich durch die Ansammlung entsetzter menschlicher Wächter und huschte dabei von einem sicheren Platz zum nächsten, als hätte er die Schlacht im Voraus studiert – als hätte er eine ganze Woche damit verbracht, seinen Weg durch das blutige Gemetzel zu planen. Axta folgte ihm, schnitt hier einer Frau die Kehle und dort einem bärtigen Mann die Kniesehne durch, und dann waren sie im Inneren.

Natürlich hatten die Csestriim den Turm schon eingehend untersucht. In den langen Jahren vor dem Krieg war er wie eine leere, leuchtende, unzerstörbare Schale gewesen, aus einer Zeit, die allen Aufzeichnungen und Überlieferungen vorausging. Doch nun war er nicht mehr leer. Die Menschen hatten in seinem Innern ein massives hölzernes Gerüst gebaut, indem sie gewaltige Kiefern aufeinander gepflockt und dazwischen eine grobe Treppe errichtet hatten, die sich höher und höher bis ins Licht drehte.

Hinter Axta strömten kreischend und brüllend Soldaten durch die Tür. Sos tötete sie wie ein sorgfältiger Handwerker, der an seinem Meisterstück arbeitet. Axta machte sich an den Aufstieg. Irgendwo dort oben im blendenden Licht waren die Götter: Heqet und Kaveraa, Eira und Maat, Orella und Orilon, deren Berührung ihr Volk vergiftet hatte und deren Verderbtheit die Csestriim in Bestien ähnlich den gebrochenen Kreaturen verwandelt hatte, die sich dort unten gegen Sos warfen und ihre weichen Hälse von seinen Klingen spalten ließen.

Wie ein Insekt, das im Bernstein der Sonne gefangen war, kletterte Axta empor; ihre unentwegte Bewegung war eine andere Art von Reglosigkeit. Sie hatte keine Ahnung, warum die Götter hierhergekommen sein mochten, und sie wusste auch nicht, warum die Menschen so viel Zeit damit verbracht hatten, das Gerüst und die Treppe zu bauen. Während ihr heißes Herz Blut durch die Adern pumpte, versuchte sie die Wahrscheinlichkeiten zu berechnen. Die Vernunft lehnte sich auf und brach in sich zusammen. Schlussfolgerungen und Ableitungen führten zu nichts. Am Ende verlangte jedes Wissen nach Beweisen, und so kletterte sie weiter.

Als Axta die Spitze des Turms erreichte und vom einen Licht ins andere trat, war Sos nur einen Schritt hinter ihr. Wolken trieben durch die blaue Bronze des Himmels und polierten sie glatt. Auf der breiten Spitze des Turms lagen die Götter still und mit geschlossenen Augen da. Es waren alle sechs: Heqet mit bullenbreiten Schultern und von Narben übersät, der hauchdünne Maat, Orella und Orilon, die eine knochenweiß, der andere so dunkel wie ein Sturm, Kaveraa mit ihren langen Fingernägeln, und Eira mit dem wilden Haarschopf – sie hätte auch ein einfaches menschliches Mädchen sein können.

Der Wind zerschnitt sich das unsichtbare Fleisch an Sos’ nackten Klingen.

Axta bewegte sich nicht.

Schließlich steckte der Kämpfer eines seiner Schwerter in die Scheide, kniete nieder, hielt die Finger zunächst gegen Hequets Hals, dann verfuhr er mit den anderen auf gleiche Weise.

»Tot«, sagte er schließlich und richtete sich auf.

Tot. Axta drehte diese Aussage in ihren Gedanken hin und her und betastete sie so vorsichtig, als wäre es das Eis des späten Winters. Viele Jahrzehnte lang waren diese Götter in ihrer freiwillig angenommenen menschlichen Gestalt durch die Welt gewandert. Tan’is war es gelungen, zwei von ihnen gefangen zu nehmen und zu töten, aber die anderen hatten überlebt und waren allen Versuchen ausgewichen, sie festzusetzen. Die Existenz der Menschen gründete sich auf diesem Überleben.

»Nein«, sagte sie.

Sos hob eine Braue.

»Das sind menschliche Körper«, fuhr Axta fort, »aber die Götter, die in ihnen gelebt haben, sind fortgegangen.«

Der Schwertkämpfer ließ auch die andere Klinge in die Scheide gleiten.

»Wohin?«

»An den Ort, von dem sie hergekommen waren.« Sie betrachtete das gezeichnete, leblose Fleisch. »Seltsam. Gerade jetzt, da ihr Sieg nahe war.«

Sos schüttelte den Kopf. »Er war nicht nahe.«

Axta drehte sich zu ihm um. »Sie haben jede wichtige Festung eingenommen und jede Straße beherrscht. Von uns sind kaum mehr als einige Hundert übrig. Ein paar Menschen...

Erscheint lt. Verlag 8.8.2016
Reihe/Serie Thron-Serie
Thron-Serie
Übersetzer Michael Siefener
Verlagsort München
Sprache deutsch
Original-Titel The Last Mortal Bond - Chronicles of the Unhewn Throne Book 3
Themenwelt Literatur Fantasy / Science Fiction Fantasy
Literatur Fantasy / Science Fiction Science Fiction
Schlagworte Abenteuer • Brian Staveley • Der verlorene Thron • eBooks • Fantasy • Heroische Fantasy • High Fantasy • historische Fantasy • Magie • Schlachten • Serien
ISBN-10 3-641-18429-0 / 3641184290
ISBN-13 978-3-641-18429-2 / 9783641184292
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