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Jerry Cotton 3084 (eBook)

Geständnis ohne Täter

(Autor)

eBook Download: EPUB
2016 | 1. Aufl. 2016
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-7325-3378-7 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Jerry Cotton 3084 - Jerry Cotton
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Wir fielen aus allen Wolken, als wir erfuhren, dass unsere Kollegin Concitha Mendez vom Scientific Research Team in Quantico suspendiert worden war. Ihr wurde vorgeworfen, ihre Stellung missbraucht zu haben, um eine Anwaltskanzlei unter Druck zu setzen. Die interne Ermittlerin des FBI war ein 'harter Hund' und machte Phil und mir sofort klar, wer das Sagen hatte. Für uns gab es keinen Zweifel, dass Conchita nur das Opfer einer Intrige sein konnte, doch das zu beweisen war nicht einfach ...

Ich saß in meinem Büro im J. Edgar Hoover Building und ging in morgendlicher Routine die während der Nacht aufgelaufenen E-Mails durch, als Phil hereinkam.

»Eben hat mich Dorothy angerufen. Mr High verlangt nach uns«, sagte er und machte eine auffordernde Geste.

Ich stand auf, griff mein Jackett, das ich über die Stuhllehne gehängt hatte, und folgte meinem Partner, der schon auf dem Gang unterwegs war. Kurz darauf standen wir im Büro des Assistant Director.

»Guten Morgen, Sir«, begrüßte ich ihn.

Phil tat es mir gleich.

»Guten Morgen, nehmen Sie bitte Platz«, sagte Mr High, beugte sich im Stuhl nach vorne und stützte sich auf seine Ellenbogen.

Ich versuchte zu erraten, was los war, hatte aber keine Ahnung. Sein Gesichtsausdruck vermittelte mir aber irgendwie den Eindruck, dass es sich um eine persönliche Angelegenheit handelte.

»Ich hatte gerade ein Gespräch mit Concita Mendez«, sagte er. »Wie es scheint, steckt sie in Schwierigkeiten. Heute früh sind unverhofft Beamte der Innenrevision bei ihr im Büro aufgetaucht und haben ihren Computer und vieles andere beschlagnahmt. Ihr Büro darf sie nicht mehr betreten, man hat sie suspendiert.«

»Wie bitte?«, brachte Phil erzürnt hervor. »Was ist denn da los? Warum hat man uns nicht vorher informiert? Immerhin ist sie Teil unseres Scientific Research Team!«

»All das sind Fragen, die es zu klären gilt«, sagte Mr High und blieb dabei ruhig. »Da es sich um interne Ermittlungen handelt, müssen wir das vorerst akzeptieren.«

»Akzeptieren? Kommt gar nicht in die Tüte!«, sagte Phil und erntete einen ernsten Blick von Mr High.

»Sorry, Sir«, entschuldigte er sich.

»Ist schon in Ordnung«, sagte Mr High. »Ich sagte, vorerst akzeptieren. Wenn die Interne glaubt, einen Grund für eine Ermittlung zu haben, will ich nicht intervenieren. Auch wir haben uns an Regeln zu halten und die Abteilung für interne Ermittlungen hat einen genau definierten Zweck. Wenn es Anhaltspunkte für ein Fehlverhalten von Agent Mendez gibt, will ich allerdings genau wissen, worum es sich handelt und ob diese begründet sind. Das geht Ihnen sicher genauso.«

»Absolut, Sir«, sagte ich.

Er nickte. »Gut. Die Ermittlungen im Fall Mendez leitet eine gewisse Bertha Landsbury. Ich habe mich über sie informiert: Sie ist als eiskalte und unbeirrbare Ermittlerin bekannt, die sich nicht in ihre Arbeit hineinreden lässt. Ich kenne sie nicht persönlich und verspüre nicht den Drang, das zu ändern. Wenn ich mich in die Ermittlungen einmischen würde, hätte das unter Umständen einen unangenehmen Beigeschmack. Ich kenne Agent Mendez und schätze ihre Arbeit, aber ich will auf keinen Fall den Eindruck erwecken, dass ich sie decken wollte. Wie ich Landsbury einschätze, würde das zu einer noch härteren Vorgehensweise führen.«

»Das könnte passieren«, sagte ich nachdenklich. »Wenn wir uns allerdings um die Sache kümmern würden, würde das sicher nicht so gesehen werden, immerhin ist Agent Mendez uns bei gemeinsamen Ermittlungen direkt unterstellt.«

Mr High nickte. »So ist es. Wobei ich Sie nicht darauf ansetzen will, die Interne zu überprüfen. Das ist nicht unser Job. Sie könnten aber herausfinden, woher der Wind weht, sprich, wer das angestoßen haben könnte. Concita hat in der letzten Zeit an vielen Fällen gearbeitet. Vielleicht hat es mit einem davon zu tun. Möglicherweise hat es aber auch jemand in Quantico auf ihren Job oder sie abgesehen, wer weiß. Ich will, dass Sie der Sache nachgehen und mehr herausfinden.«

»Hat Agent Mendez keine Idee?«, fragte ich.

»Doch«, antwortete Mr High. »Sie arbeitet gerade unter anderem daran, eine Rechtsanwaltskanzlei zu überprüfen, vom steuertechnischen Gesichtspunkt. Sherman, Middleton & Galahan heißt sie. Dabei hat sie ein paar Dinge entdeckt, die ihr verdächtig vorkamen. Reden Sie mit ihr, sie kann Ihnen die Details besser erklären als ich. Informieren Sie mich bitte, sobald Sie erste Anhaltspunkte haben, damit wir uns über das weitere Vorgehen abstimmen können.«

»Wird erledigt, Sir«, sagte ich.

Phil und ich standen auf und verließen Mr High. Zurück in meinem Büro, wählte Phil die Nummer von Concita.

»Hallo, Phil, endlich«, sagte sie und klang aufgeregt. »Ist Jerry auch da?«

»Ja, bin hier«, antwortete ich. »Außer uns ist niemand im Zimmer, wir können also offen sprechen. Mister High hat uns in groben Zügen über die Situation aufgeklärt. Es wäre besser, wenn wir die Details in einem persönlichen Gespräch klären könnten. Wo finden wir Sie?«

»Ich bin zu Hause, in Alexandria«, antwortete sie. »Ich wurde vom Gelände eskortiert und musste meine Zugangskarte abgeben. War kein schönes Gefühl, das kann ich Ihnen sagen.«

»Mister High sagte, dass die Innenrevisorin Bertha Landsbury die Ermittlungen leitet«, sagte ich. »Kennen Sie sie?«

»Jetzt ja«, kam die Antwort. »Ich habe sie vorher mal gesehen, vielleicht gegrüßt, mehr Kontakt hatten wir aber nicht. Ganz ehrlich: Ich glaube nicht, dass sie etwas gegen mich hat. Da muss etwas anderes dahinterstecken.«

»Gut, wir kommen zu Ihnen und besprechen die Details«, sagte ich.

»Danke«, sagte sie und beendete das Gespräch.

»Ganz schön heftig«, bemerkte Phil. »Miss Landsbury hat ihr gleich Hausverbot in Quantico erteilt. Ich würde zu gern wissen, was da läuft.«

»Das werden wir hoffentlich bald erfahren«, sagte ich.

***

Während der Fahrt nach Alexandria informierten wir uns über Landsbury.

»Dreiunddreißig Jahre alt, ledig und, wenn das auf dem Foto ihre natürliche Haarfarbe ist, blond, hellblond«, sagte Phil und schaute auf den Monitor seines Notebooks. »Sie hat keine Kinder, ist eine echte Karrierefrau. Bei der Internen ist sie in den letzten zwei Jahren schnell aufgestiegen. Ist wahrscheinlich eher mein Typ als deiner.«

Ich warf einen Blick auf ihr Foto. »Wahrscheinlich, wobei ich nichts gegen Blondinen habe. Was hast du noch über sie?«

»Eine gebildete Frau«, meinte Phil. »Hat zwei Universitätsabschlüsse, einen davon in Betriebswirtschaft. Nicht nur blond, sondern auch klug. Abgesehen davon, dass sie in der Nähe von D.C. wohnt, steht da nichts, was für uns von Interesse wäre.«

»Irgendwelche Verbindungen zwischen ihr und Concita, von denen wir wissen sollten?«

Phil schaute mich an. »Glaubst du, es ist etwas Persönliches?«

Ich verzog das Gesicht. »Keine Ahnung, ich will nur nichts übersehen.«

»Das kann dauern, ich fange mal an zu suchen«, meinte Phil und machte sich an die Arbeit.

Am Ziel angekommen, parkte ich den Wagen vor dem Haus von Concita und ihrem Mann David Warren-Mendez. Ihr Wagen stand vor der Garage, seinen konnte ich nicht sehen.

»Schönes Häuschen«, bemerkte Phil, als wir ausgestiegen waren, und schaute sich um. »Schöne Gegend.«

»Tja, vielleicht hättest du Buchhalter werden sollen«, sagte ich. »Oder dich außerhalb von D.C. niederlassen sollen. Kannst du ja später immer noch machen.«

»Ja, später«, meinte Phil.

Wir gingen zur Tür und ich klingelte.

Concita erschien wenige Augenblicke später und öffnete die Haustür. »Hallo, schön, dass Sie da sind.«

Sie machte einen erleichterten Eindruck, und das, obwohl wir nicht einmal die Türschwelle überschritten hatten. In dem Augenblick wurde mir klar, wie sehr sie sich auf unseren Beistand verließ.

Phil und ich betraten das Haus und nahmen im Wohnzimmer Platz. Sie schenkte uns selbst gemachte Limonade ein und fing dann an zu berichten, was vorgefallen war.

»Heute früh, gegen halb zehn, ist Bertha Landsbury mit drei weiteren Mitarbeitern der Innenrevision in mein Büro gekommen und hat mich aufgefordert, meine Arbeit sofort zu unterbrechen und den Computer nicht mehr zu berühren. Ich musste daraufhin den Schlüssel für mein Büro und meine Zugangskarte zum Gelände abgeben. Einer ihrer Männer sollte mich zum Ausgang begleiten. Als ich fragte, was los sei, antwortete sie, dass jemand schwere Beschuldigungen gegen mich vorgebracht hätte, die es zu prüfen galt. Sie wollte erst nicht damit herausrücken, worum es ging und von wem die Interne informiert worden war, erwähnte dann aber ›die Kanzlei‹. Die einzige Kanzlei, mit der ich in letzter Zeit zu tun gehabt habe, ist Sherman, Middleton & Galahan. Es geht dabei um einige verdächtige finanzielle Transaktionen der Kanzlei und mögliche Steuerhinterziehung. Ich bin ehrlich gesagt noch nicht weit gekommen. Hinzu kommt, dass ich jetzt natürlich keinen Zugriff mehr auf irgendwelche Unterlagen habe, die befinden sich alle in meinem Büro.«

»Das Sie nicht betreten dürfen«, meinte Phil. »Klasse, und wahrscheinlich sind Ihre Daten im Moment gesperrt.«

Concita nickte. »Wenn Landsbury ihren Job richtig macht, hat sie meine Passwörter ändern lassen und mir und anderen somit jegliche Möglichkeit genommen, auf meine Dateien zuzugreifen. Die schriftlichen Unterlagen hat sie sicher auch konfisziert. So, wie das eben läuft, wenn man von der Internen überprüft wird, weil einem irgendeine Art von Fehlverhalten vorgeworfen wird.«

»Ja, das ist das übliche Prozedere«, sagte ich und räusperte mich. »Ich will Ihnen nichts unterstellen, aber gibt es irgendeine Art von Fehlverhalten, das man Ihnen vorwerfen kann, Concita? Nur, um diesen Punkt grundsätzlich zu klären.«

Sie schüttelte den Kopf. »Nein, zumindest nicht bewusst. Ich habe mir schon den Kopf zermartert, mir ist...

Erscheint lt. Verlag 26.7.2016
Reihe/Serie Jerry Cotton
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Krimi / Thriller
Schlagworte Dedektiv • Detektiv • Deutsche Krimis • Ermittler • Komissar • Kommisar • Kommissar • Krimi • Krimi Bestseller • Kriminalroman • Krimis • Mord • Mörder • Polizei • Polizist • Spannungsroman • Tatort • Thriller • Verbrechen
ISBN-10 3-7325-3378-6 / 3732533786
ISBN-13 978-3-7325-3378-7 / 9783732533787
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