Fürsten-Roman 2501 (eBook)
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-7325-3237-7 (ISBN)
Als Greta Thorwesten als Pflegerin ihrer Durchlaucht, Fürstin Floriane von Lindow, engagiert wird, ahnt sie noch nicht, zwischen welche Fronten sie auf Schloss Heinrichskron, dem fürstlichen Anwesen, geraten wird.
Innerhalb der nächsten Wochen muss die wunderbare, herzensgute alte Dame nämlich eine schwere Entscheidung treffen: Schließlich kann nur einer ihrer Zwillingsenkel an seinem 30. Geburtstag neuer Herr auf Heinrichskron werden - so will es das Hausgesetz. Wer soll es sein - der charmante Anton oder der pflichtbewusste Clemens?
Ungewollt gerät Greta in einen Strudel aus Machtstreben, Intrigen und falschen Versprechungen, in dem sie auch noch ihr Herz verliert - an den Richtigen?
Puh, das war gerade noch einmal gut gegangen! Ein, zwei Sekunden, nachdem ihre Schwester ihr unverhofft ins Lenkrad gegriffen hatte, wäre Greta Thorwesten fast von der Straße abgekommen.
Reaktionsschnell trat sie aufs Bremspedal und kam unmittelbar vor der leuchtend grünen Ampel zum Stehen.
»Trixi!«, rief sie schockiert. »Was war denn das!?«
»Da war ein freier Parkplatz. Direkt vor der Apotheke.«
»Und deshalb bringst du uns beide in Lebensgefahr?«
»Ich habe meine Hustenbonbons vergessen.«
»Am Flughafen gibt es jede Menge Shops.«
»Und wenn sie meine Sorte nicht haben? Du weißt, wie empfindlich mein Magen ist«, äußerte sich Trixi beleidigt.
Selbstverständlich forderte das unerwartete Bremsmanöver die nachfolgenden Autofahrer zu heftigen Reaktionen heraus.
Als die Verkehrsampel auf Rot umsprang: Hupkonzert.
Trixi Thorwesten benutzte die kleine Pause zur Korrektur ihres Make-ups. Sie drehte den Rückspiegel kurzerhand zu sich und zog die Lippen nach.
»Wie findest du meinen neuen Lippenstift?«, erkundigte sie sich bei ihrer Schwester.
Ewig lange hatte es gedauert, die Langschläferin Trixi in der Frühe wach zu bekommen. Dann hatte sie mit aufreizender Gelassenheit herumgetrödelt und mit Extrawünschen genervt.
»Herausfordernd.« Greta war längst am Limit. »Hoffentlich verpasst du deinen Flieger nicht.«
»Fahr halt schneller, riskier mal was!« Trixi lachte unbekümmert. »Hast du meinen blauen Seidenschal eingepackt?«
Greta nickte und konzentrierte sich auf die Straße. Jetzt bloß gut aufgepasst, damit ihre Schwester pünktlich zum Flughafen kam.
»Tante Johanna holt dich in London ab, alles ist bestens organisiert, mach dir keine Gedanken.«
Machte sich ihre jüngere Schwester jemals Gedanken? Greta seufzte auf, natürlich insgeheim. Wie es ihr zur zweiten Natur geworden war, alles mit sich auszumachen.
Trixi war bester Stimmung.
»Prinz Andrews Tochter heißt Beatrice. Vielleicht nenne ich mich ab sofort auch so.«
»Und wer ist Prinz Andrew?«, fragte Greta zerstreut.
»Der zweite Sohn der Queen natürlich!« Trixi war entrüstet. »Von den wirklich wichtigen Dingen hast du null Ahnung! Charles ist der Älteste, er wird mal den Thron erben.«
»Du bist ja bestens informiert …« Greta fühlte sich erschöpft, obwohl es früh am Morgen war. Sie drehte den Rückspiegel wieder in seine ursprüngliche Position. »Vergiss nicht, deine Medizin regelmäßig zu nehmen, Trixi.«
»Beatrice«, verbesserte ihre viel jüngere Schwester. »Greta, könntest du meinen roten Mantel von der Reinigung abholen und mir schicken? Ich bin nicht mehr dazu gekommen.«
»Ja.« Greta blies sich die freche Locke aus der Stirn, die sich aus ihrer klassischen Pferdeschwanzfrisur löste.
»Meine Perlenkette ist noch beim Juwelier, Greta. Wenn du dort bist, dann zähl die Perlen unbedingt durch.«
»Tante Johanna ist natürlich informiert hinsichtlich deiner Medikamente. Aber wir wollen sie nicht überfordern, nicht wahr? Sei also so gut und achte selbst auf dich.«
»Sie will mir Südengland zeigen. All die Orte, wo Jane Austen mal war. Bath soll besonders schön sein, hat Tante Johanna erzählt. Da werden ja auch viele Filme gedreht.«
»Trixi, du sollst dich noch schonen, hat der Doktor gesagt«, erinnerte Greta mit ernster Miene. »Bloß keinen Rückfall riskieren, das könnte gefährlich werden.«
Trixi verdrehte die Augen. »Ja-ja-ja«, maulte sie.
»Du weißt, dass ich es gut mit dir meine.«
»Alle meinen es gut mit mir.« Trixi verzog das hübsche Gesicht mit den noch ungeprägten Zügen. »Das ist ja das Problem. Nie darf ich das tun, was mir gefällt.«
Greta gab zu bedenken: »Du warst lange krank.«
»Aber jetzt bin ich wieder gesund. Hätte mir Doc Felix sonst grünes Licht für die Reise gegeben?«
»Dr. von Wahden heißt er.«
»Greta, wieso bist du immer so etepetete!? Er selbst hat mir erlaubt, ihn Doc Felix zu nennen. Bist du jetzt eifersüchtig?«, wollte Trixi mit kokettem Zwinkern wissen.
»Quatsch. Dr. von Wahden ist mein Chef. Mehr nicht!«
»Was nicht ist, kann ja noch werden«, neckte Trixi die junge Frau am Steuer. Gretas zugeknöpfte Miene ignorierte sie. »Ich finde ihn total sexy. Und ich habe so den Eindruck, als würde er sich enorm für dich interessieren.«
»Trixi, er ist verheiratet!«
»Na und?« Die Achtzehnjährige lachte perlend. Plötzlich richtete sie sich auf, nun völlig fokussiert auf die Windschutzscheibe. »Du, ich kann ihn schon sehen, den Flughafen. Ob der Flieger, der ganz vorn steht, wohl nach London fliegt?« Trixi klatschte in die Hände. »Oh, ist das aufregend. Ich hab echt Herzklopfen: Endlich frei!«
***
In der internistischen Praxis begrüßte die füllige Lissy ihre Kollegin Greta wenig später mit bedeutungsvoller Miene. Und deutete auf die nur angelehnte Tür, die ins Sprechzimmer führte.
Jenseits der Tür wurde temperamentvoll diskutiert.
»Rat mal, wer uns beehrt hat«, flüsterte Lissy und rollte vielsagend mit den Augen. »Seine Lieblingspatientin.«
Greta Thorwesten hatte die energische Stimme der alten Dame schon erkannt.
»Ihre Durchlaucht Floriane Fürstin von Lindow«, murmelte sie, während sie ihre Jacke ordentlich auf einen Bügel hängte. »Sie ist hoffentlich wohlauf.«
Lissy schüttelte den Kopf. »Sie hatte einen Unfall.«
»Wie bitte?« Greta sah sie erschrocken an. »Und was macht sie dann hier? Wieso ist sie nicht im Krankenhaus?«
»Daher kommt sie. Auf direktem Weg«, gab Lissy Auskunft. »Vermutlich haben sie es nicht länger mit der Generalin aushalten können und sie entlassen.«
Greta gefiel es nicht, wie respektlos sich die Kollegin über die alte Dame äußerte.
Die Fürstin mochte zwar eine bemerkenswert kurze Zündschnur haben, doch sie war insgesamt eine außergewöhnlich charaktervolle Persönlichkeit.
Im Gegensatz zu Lissy war sie mit der Fürstin noch nie aneinandergeraten. Aus irgendeinem, ihr unerfindlichen Grund fühlte sie sich sogar zu ihr hingezogen. Trotz der extrem unterschiedlichen Welten, in denen sie lebten.
Dr. Felix von Wahden gab sich große Mühe, seine langjährige Patientin erstens bei guter Laune zu halten und zweitens von der Richtigkeit seiner Meinung zu überzeugen.
»Liebe, verehrte Fürstin«, versuchte es der Mittfünfziger erneut, und zwar mit sowohl fester als auch liebenswürdiger Stimme, »Ihr Wunsch in allen Ehren, aber …«
Die alte Dame lachte kurz auf, bevor sie ihm ins Wort fiel. Jedem anderen Menschen hätte der Internist das nie verziehen, sie jedoch durfte sich ziemlich viel, wenn nicht sogar alles erlauben. Weil er fasziniert von ihrer direkten Art war und ihren trockenen Humor schätzte. Und es war ja auch schmeichelhaft für sein Ego, eine derart hochgestellte Dame ärztlich betreuen zu dürfen. Mal abgesehen von der nicht unwichtigen Tatsache, dass sein Patientenkreis sich erfreulich erweitert hatte, seit Floriane seine Praxis frequentierte. Dank ihrer robusten Natur nicht allzu häufig.
Doch nun hatte sie sich nach einem dummen, völlig überflüssigen Sturz, wie sie betonte, das linke Bein gebrochen, zum Glück nicht kompliziert. Dennoch musste sie ihre geliebte Unabhängigkeit für eine gewisse Zeit aufgeben: Sie benötigte dringend kompetente, zuverlässige Pflege.
»Und wenn Sie noch so viel Kreide schlucken, lieber Doktor«, teilte Floriane dem Internisten mit den interessanten silbergrauen Schläfen frohgemut mit, »ich werde dennoch darauf bestehen, dass Sie mir Schwester Greta ausleihen.«
Wie bitte? Gretas Herz stolperte kurz.
Die Arzthelferin Lissy warf ihr einen glitzernden Blick zu und gab ihr mit gedämpfter Stimme zu verstehen: »Du kennst sie ja, sie gibt nie nach. Und sie wird ihren Willen wieder knallhart durchsetzen, wollen wir wetten?«
Zu Greta Thorwestens Vorzügen gehörte eine einnehmende Gelassenheit. Sie ging zur Kaffeemaschine und stellte sie an. Dieser Tag, stellte sie insgeheim fest, hat es wirklich in sich. Erst zickte ihre Schwester Trixi herum und machte sie mit ihrer Trödelei sowie tausend Aufträgen fast wahnsinnig. Und jetzt musste sie erleben, dass über sie verhandelt wurde, als wäre sie ein … Wellensittich.
»Ich kann Schwester Greta unmöglich entbehren, liebe, verehrte Fürstin«, entgegnete Dr. van Wahden geschmeidig. »Wie soll ich ohne sie meine Praxis betreiben?«
Es folgte ein Geräusch, das sich anhörte, als klopfe die alte Dame unwillig mit ihrem Gehstock auf den Boden.
»Ich will Schwester Greta«, wiederholte sie störrisch. »Und ich finde meinen Wunsch weder vermessen noch unbillig. Muss ich Sie daran erinnern, dass Sie mir noch einen Gefallen schulden?«
»Vielleicht noch ein Tässchen Tee, Fürstin?«
»Ich will keinen Tee, sondern Schwester Greta. Wieso ist das ein Problem?«, argumentierte die alte Dame.
»Woher soll ich so schnell einen Ersatz für Schwester Greta bekommen? Und bis sich jemand in ihre Aufgaben eingefuchst hat, ist sie schon wieder hier. Im Übrigen werden viele andere Patienten sie schmerzlich vermissen.«
»Mir scheint, lieber Doktor, vor allem werden Sie die liebe Greta vermissen.«
Lissy im Vorzimmer spitzte die Ohren, die...
| Erscheint lt. Verlag | 5.7.2016 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Fürsten-Roman |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | 2017 • 2018 • adelsintrigen • adels-romane • Anna-basener • Arztromane • Baccara • Bastei • Bestseller • Bianca • Cora • Courths • Der kleine Fürst • Deutsch • dieter adam • dr norden • Dr Stefan Frank • eBook • E-Book • eBooks • Ehe • Familiensaga • feelgood • Fortsetzungsroman • Frauen • für • Fürstenkrone • Gefühle • Glück • Großdruck • große-schrift • Happy End • Hedwig • Hedwig Courths Mahler • Heftchen • Heimat • Herzschmerz • High-Society • Historical • Hochzeit • Hollywood • Julia • Kindle • leni-behrendt • Liebe • Liebesgeschichte • Liebes-Geschichten • Liebesroman • Liebesromane • Luxus • Mahler • martin-Kelter • Milliardär • Millionär • Mira • Modern • Nicholas Sparks • patricia-vandenberg • Prinz • Prinzessin • PS ich liebe dich • Reich • Reichtum • Romance • Roman-Heft • romantisch • Romantische Komödie • Romanze • Schicksalsroman • schicksals-romane • Schön • Serie • Sexy • spannend • tatsächlich liebe • Tiffany • Verlag • wohlfühlen |
| ISBN-10 | 3-7325-3237-2 / 3732532372 |
| ISBN-13 | 978-3-7325-3237-7 / 9783732532377 |
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