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Ab heute seh ich bunt (eBook)

Roman

(Autor)

eBook Download: EPUB
2016 | 1. Auflage
304 Seiten
Aufbau digital (Verlag)
978-3-8412-1079-1 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Ab heute seh ich bunt - Antje Szillat
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Erstens kommt es anders ...

Charlotte hat es satt: den pubertären Sohn Jonas, die großen und kleinen Macken des dauergestressten Gatten, vom Schwiegervater ganz zu schweigen. Jetzt ist endlich sie dran. Seit klar ist, dass Jonas ein Jahr in England verbringen wird, plant sie, mit demselben Organisationstalent, mit dem sie auch ihre Familie am Laufen hält, ihre Auszeit in der Toskana. Doch statt cucina italiana, vino und ganz viel Sonne genießen zu können, verkündet ihr Jonas, dass er zu Hause zu bleibt, ihr Mann nimmt eine neue Stelle an, und sein dauerrenitenter Vater quartiert sich kurzerhand im Familienheim ein. Und plötzlich sieht Charlotte bunt ...

Humorvoll und voller Wärme erzählt: Eine Frau entdeckt sich neu.



Antje Szillat, in Hannover geboren, ist Autorin und arbeitet als freie Redakteurin. Sie lebt mit ihrem Mann, vier Kindern, zwei Hunden, drei Pferden und vielen Teichfischen in einer Kleinstadt vor den Toren Hannovers. Ihr erster Frauenroman 'Nimm das Glück in beide Hände!' ist bei atb erschienen, 2016 folgt 'Ab heute seh ich bunt'.

Mehr zur Autorin unter www.antjeszillat.de

Kapitel 1


Wie gut, dass ich auf mein Bauchgefühl gehört hatte!

Als ich die Website von Kunstmann Kocherlebnisse aufgerufen hatte, war ich zunächst skeptisch gewesen: ein Veranstalter, der Kochkurse für toskanische Küche in einem, wie mir auf den ersten Blick schien, doch eher gediegenen deutschen Restaurant anbot? War dieses Ambiente nicht viel zu steif, um einen Einblick in die sinnliche und oft rustikale cucina italiana zu vermitteln? Doch das Kursprogramm versprach genau das, wonach ich suchte: einen italienischen Koch, der uns an zwei Nachmittagen beibrachte, mehrgängige Menüs zuzubereiten und uns außerdem gemeinsam mit dem aus Florenz stammenden Küchenprofi Luigi einige Einkaufstipps vor Ort geben wollte. Alles in allem ein anspruchsvolles Programm, aber ich kochte schon seit Jahren leidenschaftlich – und viel zu selten. Sowohl mein Sohn Jonas als auch mein Ehemann aßen am liebsten Schnitzel.

Nun war endlich der erste Kurstag gekommen, und ich war ganz ungeduldig, loszulegen und das erste Mal in einer richtigen Großküche zu kochen. Ich sah mich schon zwischen Kupfertöpfen und -pfannen stehen und aus den leckersten Zutaten ein köstliches Gericht zaubern. Doch zunächst wurden wir eingeladen, ein Willkommensbüfett, das auf einer langen Holztafel aufgebaut war, zu probieren. Antipasti, Nudeln, gegrillte Truthahnbrust, Salate, mir kam es so vor, als wäre ich aus dem grauen, kühlen Norddeutschland direkt in die traumhaft bunte und warme Toskana gereist – und das in weniger als einer Autofahrstunde. Gerade als ich von meinem ersten Fantasia di crostini abbiss und herauszuschmecken versuchte, was in dem wirklich leckeren Aufstrich enthalten sein könnte, sprach mich eine junge Frau an. Sie war blond, elegant gekleidet und unglaublich schlank.

»Hi, ich bin Franziska, aber alle nennen mich Zis.« Sie streckte mir mit einem herzlichen Lächeln ihre schmale Hand mit perfekt manikürten roten Nägeln entgegen, die ich, noch ganz in Gedanken versunken, ergriff. Eigentlich hatte ich sogar kurz überlegt, heimlich mit meinem Handy Fotos zu machen und, samt einer Kurzmemo mit möglichen Zutaten, an mich selbst zu schicken. Nun fühlte ich mich ein wenig ertappt und geriet ins Stottern.

»Ach ja, ähm … schön. Ich, ich bin, äh, heiße Charlotte …«

Zis ergriff meine Hand und drückte sie fest.

»Und was verschlägt dich hierher?« Sie beugte sich leicht zu mir vor und fügte mit fast verschwörerischer Stimme hinzu: »Ich habe den Kochkurs von meinem Freund zum Geburtstag bekommen.« Sie stockte erneut und rollte dabei vielsagend mit den Augen. »Weißt du, ich hasse Kochen. Ich ernähre mich sowieso fast überwiegend von grünen Smoothies und bin damit absolut happy.« Sie deutete mit den Daumen auf sich selbst. »Glaubst du, diesen Körper hätte ich mit Ende zwanzig noch, wenn ich zum Beispiel täglich so etwas in mich hineinschaufeln würde?!« Nun richtete sich ihr Zeigefinger fast ein wenig anklagend auf den Crostino in meiner Hand. »Aber Hannes meint, er möchte abends auch mal etwas Selbstgekochtes von mir vorgesetzt bekommen und nicht immer nur vom Pizzabringdienst.«

Sie seufzte kummervoll. »Na ja, und jetzt hat er mir doch tatsächlich diesen bescheuerten Gutschein geschenkt und besteht darauf, dass ich ihn auch einlöse.« Erneut rollte sie so heftig mit ihren himmelblauen Augen, dass mir fast ein wenig schummrig davon wurde, bevor sie mich noch mal fragte: »Und du? Wem hast du das hier zu verdanken?«

Ich hob die Schultern. »Wenn ich ehrlich bin, mir selbst.« Und weil sie mich nun beinah fassungslos anstarrte, fügte ich schnell hinzu: »Und meiner besten Freundin Britta, die gerade ihr eigenes kleines Wellnesshotel eröffnet und der ich in den ersten Monaten in der Küche helfen werde.« Zis guckte mich mit großen Augen an, aber ich war plötzlich nicht mehr zu bremsen. »Das Hotel befindet sich in der Toskana und soll ein Ort werden, an dem die Gäste ein wenig zur Ruhe kommen und ja, auch einfach mal nur das Leben genießen sollen. Dazu muss natürlich auch die Küche passen.«

Die Augenbrauen dieser Zis schnellten in die Höhe. »Willst du mir damit sagen, du fährst in die Toskana, um dann von morgens bis abends in der Küche zu stehen?«

Ich nickte. »Genau das ist mein Plan. Vielleicht nicht den ganzen Tag, aber ich freue mich schon sehr darauf. Die italienische Küche ist meine Leidenschaft. Nur leider bin ich bisher nur selten dazu gekommen, meine Männer sind da leider wenig experimentierbereit.«

»Männer? Wie viele Männer hast du denn?« In Zis’ Blick lag nun so viel Unverständnis, dass ich auflachen musste.

»Keine Angst, nur einen. Zumindest einen Ehemann und den auch schon ziemlich lange. Der andere Mann ist mein siebzehnjähriger Sohn.« Dass es noch einen dritten Mann in meinem Leben gab, nämlich meinen dauerschlechtgelaunten Schwiegervater, ließ ich unerwähnt. Ich wollte mir die gute Zeit nicht selbst verderben, indem ich ihm Platz in meinen Gedanken einräumte.

»Du hast einen siebzehnjährigen Sohn? Echt?« Zis starrte mich ungläubig an. »Wann hast du den denn bekommen? Mit zwölf?«

Ich verbuchte das jetzt mal als Kompliment und grinste schief. »Na ja, ich war schon ein paar Tage älter, siebenundzwanzig.«

»Was?« Zis’ Augen weiteten sich. »Dann bist du ja jetzt schon …« Sie schien angestrengt nachzurechnen, und weil das ihr wohl leichte Probleme bereitete, half ich ihr auf die Sprünge.

»Ich bin 44 Jahre alt.«

Sie klatschte in die Hände und schob einen kleinen anerkennenden Pfiff hinterher. »Wow, so siehst du nicht aus. Ich hätte dich nicht einen Tag älter als 35 geschätzt. Echt nicht!«

Ich lächelte verlegen und spürte sogar, wie mir eine leichte Röte ins Gesicht stieg. »Danke, aber … na ja, jetzt übertreibst du vielleicht ein bisschen.«

Vehement schüttelte sie ihren hellblonden Schopf. »Absolut nicht. Du siehst klasse aus. Und um diese rehbraunen Haare beneide ich dich direkt ein bisschen. Deshalb habe ich mich ja auch sofort zu dir hingezogen gefühlt.« Sie zwinkerte mir grinsend zu. »Ich dachte, wir seien Schwestern im Geiste und beide unfreiwillig hier gelandet.«

Ich erwiderte ihr Schmunzeln. »Tut mir leid, ich stehe auf Kochen und bin absolut freiwillig hier. Und was meine Haare betrifft, da muss ich dich leider auch enttäuschen, die sind gefärbt.«

Sie strich sich mit einer vielsagenden Geste ihre hellblonde Mähne zurück. »Straßenköterblond, oder hast du etwa gedacht, ich habe nicht auch ein bisschen nachgeholfen?«

Natürlich war mir das sofort klar gewesen. Und wo ich sie nun einer genaueren Musterung unterzog, war ich mir auch fast sicher, dass ihr Busen ebenfalls optimiert worden war. Ich nahm diesen superschlanken Frauen ihre dann im Vergleich zu der zierlichen Taille überdimensionierten Brüste ja nicht ab. An derartige Wunder der Natur glaubte ich einfach nicht. Und was die volle Oberlippe betraf, so war die bestimmt auch kein großzügiges Geschenk Gottes. Ich sollte auch direkt erfahren, wer der edle Spender von alldem war.

»Weißt du, Charlotte, ich hab da ja überhaupt kein Problem mit, nachzuhelfen, wo die Natur letztendlich versagt hat. Und zum Glück hat Hannes auch die entsprechend prall gefüllte Geldbörse, um mir jeden Beautywunsch zu erfüllen.« Sie kicherte, deutete leicht auf ihre wirklich beachtlichen Brüste und erklärte dann: »Na ja, bei den beiden Hübschen hier ging es mehr darum, Hannes einen langersehnten Wunsch zu erfüllen. Seine Exfrau war oben herum nicht gerade üppig und nach der Geburt der beiden Kinder dann quasi flach wie ein Brett. Aber dafür konnte sie gut kochen …« Zis lachte gedankenverloren auf. »Männer sind echt schräg, da träumt mein Hannes jahrelang von einer wie mir, und dann hat er das späte Glück, und was fehlt ihm nun schon wieder? Eine warme Mahlzeit am Abend.«

Eigentlich hätte ich Zis doof finden müssen. Allem Anschein nach war sie der Typ Frau, die, ohne zu zögern und Skrupel zu haben, eine Ehe und Familie zerstörten. Und wahrscheinlich nicht nur, weil Hannes so ein knackiger Kerl und die Liebe ihres Lebens war, sondern recht vermögend.

Aber Zis ging derart offen und, na ja, fast schon amüsant und selbstironisch damit um, dass ich es nicht verhindern konnte, sie spontan zu mögen.

Und was das Thema komische Männer mittleren Alters betraf, da war ich eh ganz bei ihr, denn ich hatte selbst ein Exemplar davon daheim.

»Und die Sache mit der Toskana ist echt cool«, plapperte Zis weiter. »Wirst du länger dort bleiben?«

Ich nickte. »Ja, angedacht ist ein halbes Jahr.«

Tatsächlich war angedacht maßlos untertrieben. Seit Monaten hatte ich meinen Aufenthalt minutiös geplant. Alles war bestens durchdacht und organisiert, denn zum selben Zeitpunkt würde Jonas’ Auslandsjahr in England beginnen, und ich konnte gut von zu Hause weg. Peter hatte zwar erst ein wenig geschmollt, schließlich blieb er unversorgt zurück, mir aber letztendlich dann keine weiteren Steine in den Weg gelegt.

Zis seufzte laut. »Ach, ich bin neidisch. Hannes und ich können nie länger als zwei Wochen irgendwohin fahren. Er möchte seine Firma nicht so lange alleine lassen. Und erst recht nicht, seitdem Christopher, sein ältester Sohn, mit in die Geschäftsleitung eingestiegen ist.« Sie sah sich kurz um, als fürchtete sie, abgehört zu werden, bevor sie mit gesenkter Stimme erklärte: »Hannes ist davon überzeugt, Christopher wolle ihn nach und nach entmachten....

Erscheint lt. Verlag 17.6.2016
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Comic / Humor / Manga
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Auszeit • Bunt • Ehe • Ehemann • Familie • Familienchaos • Familienleben • Frauen • Humor • Kerstin Gier • Männer • Mutter • Roman • Schwiegervater • Selbstfindung • Sohn • Toskana • Unterhaltung • Urlaub • Verantwortung • Wünsche
ISBN-10 3-8412-1079-1 / 3841210791
ISBN-13 978-3-8412-1079-1 / 9783841210791
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