Zum Hauptinhalt springen
Nicht aus der Schweiz? Besuchen Sie lehmanns.de

Planet des Sandes (eBook)

Erzählung
eBook Download: EPUB
2016
Heyne (Verlag)
978-3-641-19257-0 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Planet des Sandes - Cordwainer Smith
Systemvoraussetzungen
0,99 inkl. MwSt
(CHF 1,00)
Der eBook-Verkauf erfolgt durch die Lehmanns Media GmbH (Berlin) zum Preis in Euro inkl. MwSt.
  • Download sofort lieferbar
  • Zahlungsarten anzeigen
Die Befreiung des Sandplaneten
Dies ist die Geschichte des Wüstenplaneten Mizzer, der alle Hoffnung aufgegeben hatte, als der Tyrann Wedder sich zum grausamen Herrscher aufschwang. Und von seinem Befreier, Casher O'Neill, über den seltsame Dinge berichtet werden. Er bereiste die Galaxis, um einen Weg zu finden, Wedder zu stürzen. Jetzt ist er nach Mizzer zurückgekehrt ...

Die Erzählung 'Planet des Sandes' erscheint als exklusives eBook Only bei Heyne und ist zusammen mit weiteren Stories von Cordwainer Smith auch in dem Sammelband 'Was aus den Menschen wurde' enthalten. Sie umfasst ca. 40 Buchseiten.

Cordwainer Smith war das Pseudonym von Paul Linebarger. 1913 in Milwaukee, Wisconsin geboren, verbrachte Linebarger seine Kindheit in den unterschiedlichsten Ländern. Sein Vater war pensionierter Richter und politisch aktiv; unter anderem pflegte er Beziehungen zu dem chinesischen Politiker Sun Yat-sen, der Pauls Taufpate war. Linebarger studierte Politikwissenschaft und wurde später Professor für Internationale Politik. Er arbeitete für den militärischen Geheimdienst der USA als Asien-Experte und gehörte dem Beraterstab von Präsident John F. Kennedy an. Er verfasste ein Handbuch über psychologische Kriegsführung, das bis heute als Standardwerk gilt. Daneben schrieb er unter verschiedenen Pseudonymen Kurzgeschichten und Romane; für seine SF-Erzählungen wählte er Cordwainer Smith. 'Cordwainer' ist eine veraltete Bezeichnung für Schuster, Smith bedeutet Schmied. Wie ein Handwerker baute Linebarger nach und nach sein Universum von der 'Instrumentalität der Menschheit' auf, mit dem er in den Fünfziger- und Sechzigerjahren bekannt wurde. Er gilt als einer der intelligentesten und ungewöhnlichsten Science-Fiction-Autoren. Paul Linebarger starb im August 1966 und ist auf dem Nationalfriedhof in Arlington beerdigt.

Dies ist die Geschichte des Sandplaneten Mizzer, der alle Hoffnung aufgegeben hatte, als der Tyrann Wedder die Herrschaft des Terrors und der Gewalt einführte. Und von seinem Befreier, Casher O'Neill, über den seltsame Dinge berichtet werden – von dem Tag des Blutes, an dem er aus seiner Heimatstadt Kaheer floh, bis er zurückkehrte, um das Blutvergießen bis an das Ende seiner Tage zu unterbinden.

 

Überall, wo Casher hinkam, beherrschte ihn nur ein Gedanke: die Befreiung seines Planeten von den Tyrannen, die er selbst an die Macht hatte kommen lassen, als sie sich zusammen gegen seinen Onkel, den unsäglichen Kuraf, verschworen hatten. Er vergaß niemals Kaheer am Ersten Nil, weder bei Tag noch bei Nacht, wo die Pferde auf der Rennbahn um die Wette liefen, und die Wüste. Er vergaß niemals die blauen Himmel seiner Heimat und die großen Dünen der Wüste zwischen den Nilen. Er erinnerte sich an die Freiheit eines Planeten, der für die Freiheit geschaffen und ihr geweiht war. Er vergaß niemals, dass Blut der Preis für Blut, dass der Preis der Freiheit der Kampf, dass das Risiko des Kampfes der Tod ist. Doch er war kein Narr. Er war zwar bereit, sein eigenes Leben zu riskieren, aber er wollte bessere Voraussetzungen für den Kampf, damit ihn die Polizei des Diktators Wedder in seiner Heimat nicht in einer Falle fing, die er nie wieder verlassen könnte.

Und dann hatte er plötzlich die Lösung seines Kreuzzuges vor sich, ohne sie gleich erkannt zu haben. Er hatte erst das Ende aller Dinge, aller Probleme, aller Sorgen erreichen müssen. Er hatte ebenfalls das Ende aller gewöhnlichen Hoffnungen erreichen müssen. Bis er S'ruth traf. Und seitdem gehörten ihm ihre fremdartigen Kräfte, die er einsetzen konnte, wie es ihm gefiel.

Es gefiel ihm, nach Mizzer zurückzukehren, Kaheer zu betreten und sich Wedder entgegenzustellen.

Warum sollte er es nicht tun? Es war seine Heimat, und es dürstete ihn nach Rache. Mehr als nach Rache dürstete ihn aber nach Gerechtigkeit. Viele Jahre hatte er nur für diese Stunde gelebt, und jetzt war diese Stunde gekommen.

Er betrat Kaheer durch das nördliche Tor.

 

 

I

 

Casher trug auf Mizzer die Uniform eines Sanitätstechnikers von Wedders Armee. Er hatte die Erscheinung und den Namen eines toten Mannes angenommen, Bindaoud. Casher besaß keine Waffen außer seinen Händen, und die Hände pendelten frei an den Enden seiner Arme. Nur die Standfestigkeit seiner Füße, die kräftige Anmut, mit der er jeden Schritt machte, verrieten seine Absicht. Die Menge in den Straßen sah ihn vorbeigehen, ohne ihn zu sehen. Sie erblickte einen Mann und erkannte nicht, dass sie ihre eigene Vergangenheit Schritt für Schritt durch die Straßen gehen sah. Casher O'Neill hatte Kaheer betreten; er wusste, dass er verfolgt wurde. Er konnte es fühlen.

Er blickte sich um.

In den vielen Jahren des Kämpfens und Ringens hatte er auf seltsamen Planeten zahllose Regeln früherer Gefahren gelernt. Wachsam wie er war, wusste er, was ihn verfolgte. Es war ein Spürhund. Der Spürhund hatte die Gestalt eines kleinen, ungefähr acht Jahre alten Jungen angenommen, aus dessen Nasenlöchern zwei Rinnsale schmutzigen Rotzes liefen, der einen ewig offenstehenden Mund besaß, aus dem das grelle Gekläff des Idioten drang, Augen, die ständig hin und her wanderten. Casher wusste, dass dies ein Junge und doch kein Junge war. Es war ein Jagd- und Suchgerät, wie es oft von Obristen benutzt wurde, die vorhatten, zu Königen oder Tyrannen zu werden, ein Gerät, das von Gestalt zu Gestalt wanderte, von einem Kind in einen Schmetterling oder einen Vogel, die sich mit dem Spürhund bewegten und das Opfer nicht aus den Augen ließen; beobachten, schweigen, folgen. Er hasste den Spürhund und war versucht, alle Macht seines noch ungewohnten Geistes gegen ihn einzusetzen, so dass der Junge sterben und die in ihm versteckte Maschine zerspringen würde. Aber er wusste genau, dass eine Feuersäule und ein Schwall von Blut das Resultat wären. Er hatte vor langer Zeit schon viel Blut in Kaheer fließen sehen und hegte nicht den Wunsch, dass es sich noch einmal in dieser Stadt wiederholte.

Stattdessen verlangsamte er seine Schritte. Freundlich und gelassen drehte er sich zu dem Jungen um und sagte zu dem Jungen und der in dem Jungen versteckten Maschine: »Komm, begleite mich. Ich gehe geradewegs zum Palast, und es wird dir gefallen, ihn dir anzusehen.«

Der Maschine, ertappt, blieb keine andere Möglichkeit.

Der Idiot legte seine Hand in Cashers Hand, und irgendwie gelang es Casher, den rollenden, bedächtigen Schritt wieder aufzunehmen, der so viele seiner Jahre geprägt hatte, während er die Hand des verrückten Jungen festhielt, der neben ihm herhüpfte. Er fühlte noch immer die Maschine, die ihn mit den Augen des Jungen beobachtete. Er machte sich keine Sorgen; er fürchtete sich nicht vor Waffen, er konnte sie aufhalten. Er fürchtete sich nicht vor Gift; er konnte ihm widerstehen. Er fürchtete sich nicht vor Hypnose; er konnte sie sammeln und zurückwerfen. Er fürchtete sich nicht vor der Furcht; er war auf Henriada gewesen. Er war durch den unglaublichen Weltraum3 heimgekehrt.

Er ging geradewegs zum Palast. Der Mittag glühte in der hellen, gelben Sonne, die über den Himmel von Kaheer wanderte. Die weißgekalkten Mauern im arabischen Stil standen sicher und fest wie seit Tausenden von Jahren. Erst am Tor wurde er angerufen, aber der Posten zögerte, als Casher sagte: »Ich bin Bindaoud, treuer Diener von Colonel Wedder, und dies ist ein Straßenkind, das ich heilen werde, um unserem guten Colonel meine Kräfte vorzuführen.«

Der Wächter sagte etwas in einen kleinen Kasten, der in der Mauer eingelassen war.

Casher durfte passieren. Der Spürhund trottete neben ihm her. Als er durch die mit kostbaren Teppichen ausgelegten Korridore schritt, in denen sie Militärs und Zivilisten begegneten, fühlte er sich glücklich. Dies war nicht Wedders Palast, obwohl Wedder in ihm lebte. Dies war sein eigener Palast. Er, Casher, war in ihm geboren. Er kannte ihn. Er kannte jeden einzelnen Gang.

Die Jahre hatten nur sehr wenig verändert. Casher wandte sich nach links in einen offenen Hof. Die Gerüche von Salzwasser und Sand und von den hier untergebrachten Pferden mischten sich hier. Er seufzte leise bei so viel Vertrautem, bei einem solch guten und freundlichen Willkommen. Er wandte sich wieder nach rechts und stand vor einer großen, hohen Treppe. Auf jeder der Stufen hatte der sie bedeckende Teppich ein anderes Muster.

Sein Onkel Kuraf hatte stets am oberen Ende dieser langen Treppe gestanden, während Männer und Frauen, Jungen und Mädchen zu ihm gebracht wurden, um Spielzeuge seiner abnormen Gelüste zu werden. Kuraf war zu fett gewesen, um diese Treppe hinunterzusteigen und sie in Empfang zu nehmen. Er ließ die Gefangenen in seine Lasterhöhle hinaufkommen. Casher war am Treppenende angekommen und wandte sich nach links.

Es war nun keine Höhle der Laster mehr.

Es war das Büro von Colonel Wedder. Und er, Casher, stand jetzt davor.

Wie seltsam es war, dieses Büro zu betreten, das Ziel all seiner Hoffnungen, den einen Punkt im ganzen Universum, nach dem seine fiebrige Rache verlangt hatte, bis er sich selbst für verrückt hielt. Wie oft hatte er sich überlegt, dieses Büro aus der Umlaufbahn zu bombardieren oder es mit der dünnen Klinge eines Laserstrahls zu zerschneiden oder es mit Chemikalien zu vergiften oder es mit Truppen zu besetzen. Er hatte sich ebenfalls überlegt, Feuer über das Gebäude zu gießen oder es in Wasser zu ertränken. Er hatte davon geträumt, Mizzer zu befreien – selbst um den Preis der lieblichen Stadt Kaheer –, indem er einen kleinen Asteroiden darauf werfen und in einer interplanetarischen Tragödie die Stadt selbst vernichten würde. Und die Stadt, unter dem Brüllen des Aufpralls, wäre in thermonuklearer Weißglut vergangen und zu einem vergifteten See am Ende der Zwölf Nile geworden. Er hatte über tausend Möglichkeiten nachgedacht, die Stadt zu betreten oder sie zu zerstören, nur um Wedder zu zerstören. Nun war er hier. Und Wedder ebenfalls.

Wedder wusste nicht, dass er, Casher O'Neill, zurückgekehrt war.

Auch wusste er nicht, zu wem Casher O'Neill geworden war – einem Meister des Weltraums, einem Reisenden, der ohne Schiffe reiste, dem Übermittler von Plänen, die seltsamer waren, als es sich jemand auf Mizzer vorstellen konnte.

Sehr ruhig, sehr entspannt, sehr still, sehr sicher betrat das Schicksal in der Person Casher O'Neills das Vorzimmer Wedders. Sehr bescheiden fragte er nach dem Colonel.

Zum Glück war der Diktator abkömmlich.

Er hatte sich nur wenig verändert, seit Casher ihn das letzte Mal gesehen hatte, war ein wenig älter, ein wenig dicker, ein wenig weiser geworden – vermutlich. Casher war sich nicht sicher. Jede Zelle und jede Faser seines Körpers war angespannt. Er war bereit, die Aufgabe zu erfüllen, die Lichtjahre hatten schmerzen lassen, für die Welten sich gedreht hatten, und von der er wusste, dass sie in nur einem Augenblick getan war. Er trat Wedder entgegen und schenkte ihm ein bescheidenes, zuversichtliches Lächeln.

»Ihr Diener, der Techniker Bindaoud, Sir und Colonel«, sagte Casher.

Wedder blickte ihn seltsam an. Er reichte ihm die Hand, und kurz bevor sich ihre Hände berührten, äußerte Wedder die letzten Worte, die er aus eigenem Antrieb sagen sollte. Während des Händeschüttelns sprach Wedder, und auch seine Stimme klang seltsam: »Wer sind Sie?«

Casher hatte geträumt, dass er sagen würde: »Ich bin Casher O'Neill, zurückgekehrt aus unvorstellbaren Weiten, um Sie zu stürzen.« Oder dass er sagen würde: »Ich bin...

Erscheint lt. Verlag 28.4.2016
Reihe/Serie Die Instrumentalität der Menschheit
Die Instrumentalität der Menschheit
Übersetzer Thomas Ziegler
Verlagsort München
Sprache deutsch
Original-Titel On the Sand Planet
Themenwelt Literatur Fantasy / Science Fiction Science Fiction
Schlagworte Cordwainer Smith • diezukunft.de • eBooks • E-Only • Erzählung • Instrumentalität der Menschheit • Meisterwerke der Science Fiction • Serien • Was aus den Menschen wurde
ISBN-10 3-641-19257-9 / 3641192579
ISBN-13 978-3-641-19257-0 / 9783641192570
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
Haben Sie eine Frage zum Produkt?
EPUBEPUB (Wasserzeichen)

DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasser­zeichen und ist damit für Sie persona­lisiert. Bei einer missbräuch­lichen Weiter­gabe des eBooks an Dritte ist eine Rück­ver­folgung an die Quelle möglich.

Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belle­tristik und Sach­büchern. Der Fließ­text wird dynamisch an die Display- und Schrift­größe ange­passt. Auch für mobile Lese­geräte ist EPUB daher gut geeignet.

Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise

Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.

Mehr entdecken
aus dem Bereich

von Jo Koren

eBook Download (2024)
Lehmanns Media (Verlag)
CHF 9,75

von Jo Koren

eBook Download (2024)
Lehmanns Media (Verlag)
CHF 9,75