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John Sinclair Sonder-Edition 21 (eBook)

Das Trumpf-Ass der Hölle

(Autor)

eBook Download: EPUB
2016 | 1. Aufl. 2016
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-7325-2763-2 (ISBN)

Lese- und Medienproben

John Sinclair Sonder-Edition 21 - Jason Dark
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Die Lampe war so eingestellt, dass ihr Strahl nur auf die untere Gesichtshälfte des Mannes fiel. Und besonders die Lippen wurden von dem Schein eingefangen.

Es waren dünne, blasse Lippen. Durch das Licht bekamen sie einen leicht bläulichen Schimmer, und als die Tür des kleinen, fensterlosen Raums aufgestoßen wurde, verzogen sich diese Lippen zu einem kalten, dünnen Lächeln.

Er kam.

Wieder ein Opfer, dachte der Mann mit den bläulich schimmernden Lippen, doch seine Stimme klang freundlich, als er den Abkömmling aufforderte, sich zu setzen.

'Bitte, nimm Platz!'

Die Lampe war so eingestellt, dass ihr Strahl nur auf die untere Gesichtshälfte des Mannes fiel. Und besonders die Lippen wurden von dem Schein eingefangen.

Es waren dünne, blasse Lippen. Durch das Licht bekamen sie einen leicht bläulichen Schimmer, und als die Tür des kleinen, fensterlosen Raums aufgestoßen wurde, verzogen sich diese Lippen zu einem kalten, dünnen Lächeln.

Er kam.

Wieder ein Opfer, dachte der Mann mit den bläulich schimmernden Lippen, doch seine Stimme klang freundlich, als er den Abkömmling aufforderte, sich zu setzen.

»Bitte, nimm Platz!«

»Danke, Sir!«

Der Mann mit den dünnen Lippen hieß Arsenius. Der andere hatte »Sir« zu ihm gesagt. Ja, man zollte ihm Respekt. Es schien sich herumgesprochen zu haben, dass er etwas Besonderes war, und so wurde er auch behandelt.

Arsenius hörte, wie ein Stuhl über den rauen Betonboden schabte. Der andere räusperte sich, sein Schatten war zu sehen, unbeweglich, aufrecht, die Hände lagen auf den Knien, die Arme waren angewinkelt.

»Du willst es also wagen«, stellte Arsenius nüchtern fest. Sein Mund bewegte sich kaum beim Sprechen.

»Ja, Sir.«

»Hat man dir gesagt, um was es geht?«

»Nein, Sir.«

»Um ein Kartenspiel.«

»Ich beherrsche nicht alle, Sir.«

»Mein Kartenspiel ist einfacher als irgendeines sonst auf dieser Welt. Es ist ein Spiel mit nur einer Karte. Hast du verstanden?«

»Natürlich, Sir.«

»Dann beginnen wir. Hast du noch eine Frage?«

»Die habe ich allerdings, Sir. Was geschieht mit dem Gewinner und dem Verlierer?«

Da lachte Arsenius. »Es kann nur einen Gewinner geben.« Während des Sprechens hatte er seine Hand bewegt und die Lampe rechts von ihm erfasst. Sie ließ sich sehr leicht drehen. Ein Griff nur, und es klappte.

Arsenius drehte stärker. Ein wischender heller Schein, und im nächsten Augenblick leuchtete die Lampe den Mann an, der ihm gegenübersaß. Er trug Gefängniskluft. Die Augen hielt der Mann geschlossen. Über seiner hohen, weiß schimmernden Stirn mit den zahlreichen Schweißperlen begann dunkles Kraushaar. Ein Typ wie er fehlte noch in Arsenius’ Sammlung.

»Du bist also bereit?«, stellte der Hellseher fest.

»Das bin ich, Sir.«

»Dann wollen wir mal sehen«, murmelte Arsenius und versenkte seine Hand in der rechten Tasche seines langen Mantels.

Er holte eine Karte hervor, die etwa doppelt so groß war wie eine normale Spielkarte. Verdeckt legte er sie auf den Tisch, der zwischen ihm und dem Schwarzhaarigen stand. Die Rückseite der Karte schimmerte rötlich. Ein feines Wabenmuster war eingezeichnet, und es verschwand, als Arsenius seine Hand auf die Karte legte.

»Wir spielen mit dieser einen Karte«, erklärte er flüsternd. »Nur mit dieser Karte.«

Sein Gegenüber war überrascht. »Kann … kann es wirklich nur einen Sieger geben?«

»Natürlich.«

»Und … und meine Chancen stehen …«

»Fünfzig zu fünfzig«, erklärte Arsenius. »Wie es sich bei einem Spiel mit zwei Partnern gehört.«

Der andere beugte sich vor. Seine Hände umklammerten den Rand des Tisches. Plötzlich lag ein gehetzter und gleichzeitig hoffnungsvoller Ausdruck in seinen Augen. »Komme ich dann hier heraus?«

Arsenius lachte. »Wieso denn das?«

»Man spricht davon. Die Freunde sagen, wenn einer von uns gegen Sie gewinnt, Sir, dann hat er die Freiheit errungen.«

Arsenius erwiderte nichts. Nur das Lächeln klebte wieder auf seinen Mundwinkeln. Seine Hand lag auf der verdeckten Karte. Die Finger trommelten einen Takt auf den Tisch.

»Sir …« Die Stimme des Schwarzhaarigen klang flehend. »Bitte, geben Sie Antwort. Ich will es wissen.«

»Du bist zu neugierig«, erklärte Arsenius kalt. »Aber ich bin kein Unmensch. Nimm es einfach an, dass du, wenn du gewinnst, hier aus dem Knast kommst.«

»Das wäre, das wäre …« Der Mann atmete tief ein. Seine Augen begannen zu leuchten, die Lippen zuckten, er schüttelte den Kopf, und für einen Moment wusste er nicht, was er sagen sollte.

Arsenius beobachtete ihn mit kalten Blicken. Auf seinem glatten Gesicht spiegelten sich die Gedanken nicht wider, aber hinter seiner Stirn arbeitete es.

»Wann können wir anfangen, Sir?« Der Gefangene war schrecklich aufgeregt. Er hatte seine Chancen durchgerechnet, sie standen nicht schlecht. Wirklich nicht …

»Sofort!« Arsenius’ Stimme unterbrach den Gedankengang des Mannes.

Der hob den Kopf und senkte ihn sofort, denn Arsenius bewegte seine Finger, die bisher ruhig auf der Karte gelegen hatten. Er schob die Nägel unter den Rand der Karte und drehte sie dann gedankenschnell um.

»Da ist sie!«, sagte er.

Der Schwarzhaarige starrte auf die Karte. War sie ihm schon in der Größe seltsam vorgekommen, so wunderte er sich über das Motiv, das sie zeigte. Da war kein Ass oder ein König zu sehen. Weder Dame, Bube noch eine Zahl. Die Karte bestand aus zwei Motiven. In der Mitte war sie geteilt. Die eine Hälfte, und zwar die, die auf den Gefangenen wies, zeigte das Gesicht eines Vampirs. Eine schrecklich entstellte Fratze mit grässlichen Zähnen in einem weit aufgerissenen Maul. Die andere Hälfte zeigte ebenfalls ein Gesicht, das der Gefangene jedoch nicht genau erkennen konnte, weil diese Seite zu Arsenius hin gewandt lag.

Arsenius beobachtete den Gefangenen genau. Er sah zuerst den Schrecken im Gesicht des Mannes, dann die Verständnislosigkeit, und zum Schluss war der Mann ratlos.

»Warte, ich drehe sie um.« Geschickt wendete Arsenius die Karte, sodass jetzt das Gesicht des anderen Monsters auf den Gefangenen wies.

Der Mann geriet ins Schwitzen. Diesmal starrte er auf keinen Vampir, sondern auf den Kopf einer ähnlichen Bestie. Es war ein Werwolf!

Arsenius ließ dem Mann Zeit. »Nun?«, erkundigte er sich nach einer Weile.

»Ich … ich habe es gesehen, Sir. Aber ich weiß nicht, was das alles bedeuten soll.«

Arsenius lachte. »Das kann ich mir vorstellen. Aber wir wollen spielen, und das Spiel ist sehr einfach. Gib genau acht! Ich drehe die Karte jetzt. Das ist alles.«

»Und dann?«

»Werden wir weitersehen.«

Dem Schwarzhaarigen war alles egal. Fünf Jahre saß er bereits wegen Raubüberfalls hinter Gittern. Zwei sollte er noch absitzen. Zu verlieren hatte er nichts, und wenn er das Spiel gewann, kam er eventuell frei, obwohl er noch nicht so recht daran glauben wollte.

»Bist du bereit?«, fragte Arsenius.

»Ja.«

»Dann gib bitte genau acht.« Arsenius spreizte zwei Finger. Die Kuppe des Zeigefingers lag auf dem Feld, das den Werwolf zeigte, der Daumen auf dem mit dem Vampir.

Der Gefangene starrte die Karte an. Er war nass geschwitzt und bekam kaum mit, wie Arsenius die Karte gedankenschnell drehte. Sie bewegte sich wie ein Kreisel, und der Gefangene glaubte, sogar ein schwaches Leuchten auf ihr zu sehen. Hastig wischte er sich über die Augen. Er hielt den Atem an. Stille hatte sich über den Raum gelegt.

Allmählich nur kam die Karte zur Ruhe. Die Kreise wurden langsamer, höchstens noch zweimal konnte sie sich um die eigene Achse drehen, dann musste sie liegen bleiben.

Schnaufend atmete der Gefangene aus, während sein Gegenüber leicht geduckt dasaß und seine Blicke nicht von der Karte lösen konnte. Wie würde sie liegen bleiben?

Die Karte stoppte. Ein Bild zeigte auf den Schwarzhaarigen. Es war der Vampir!

Für zwei Sekunden schloss Arsenius die Augen. Dann öffnete er den Mund und atmete tief durch. Langsam lehnte er sich zurück, legte beide Hände auf den Tisch und sah den Mann an, der sich noch immer nicht rührte.

Intervallweise hob der Gefangene den Kopf, sodass die Blicke sich begegnen konnten. Seine Lippen bewegten sich. Es fiel ihm schwer, die nächste Frage zu formulieren.

»Du bist neugierig, wie?«

Froh darüber, dass Arsenius ihm die Frage abgenommen hatte, nickte der Gefangene.

»Nun, ich will dir sagen, was mit der Karte und unserem Spiel geschehen ist. Du hast gewonnen!«

Gewonnen, gewonnen …

Die Worte hallten wie Gongschläge im Kopf des Mannes nach. Gewonnen und frei sein. Mein Gott, er hatte es geschafft, seine Chance wahrgenommen. Er kam hier raus. Endlich, nach fünf Jahren.

Aber würde der andere sein Versprechen auch halten? Davor fürchtete er sich, und diese Furcht lag auch in dem fragenden Blick, den er Arsenius zuwarf.

Der lehnte sich zurück, legte seine Stirn in Falten und nickte. »Was ich versprochen habe, das halte ich«, erklärte er. »Du wirst dieses Gefängnis als freier Mann verlassen, das habe ich dir gesagt, das halte ich auch …«

»Aber ich …«

»Kein aber. Steh auf, und geh!«

»Wirklich?«

»Wenn ich es dir sage!« Die Stimme des Mannes klang schneidend.

Wieder rückte der Stuhl. Der Schwarzhaarige stemmte sich in die Höhe. Kopfschüttelnd, fassungslos. Fast wäre der Stuhl noch umgekippt, und als der Mann rückwärts ging, da ließ er Arsenius nicht aus den Augen, als hätte er Angst, dass dieser es sich noch anders überlegen würde.

Arsenius tat nichts. Er saß nur da und lächelte. Dabei sah er zu, wie der Gefangene sich mit weichen Knien der Tür näherte, mit dem Rücken dagegen stieß und sie erst dann öffnete, wobei er fast noch die Klinke verfehlt hätte.

Es war nicht abgeschlossen, er konnte die Tür bequem aufziehen, stolperte über die...

Erscheint lt. Verlag 22.3.2016
Reihe/Serie John Sinclair Sonder-Edition
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte 2017 • 2018 • Abenteuer • alfred bekker • Bastei • Bestseller • blutig • Clown • Dämon • Dämonenjäger • dan-shocker • Deutsch • eBook • E-Book • eBooks • Extrem • Fortsetzungsroman • Frauen • Geisterjäger • grusel-geschichten • Gruselkabinett • Grusel-Krimi • Gruselroman • Grusel-Roman • Horror • Horror Bücher ab 18 • Horror-Roman • horrorserie • horror thriller • Horror-Thriller • Jason Dark • Julia-meyer • Kindle • Krimi • Kurzgeschichten • larry-brent • Lovecraft • Macabros • Männer • morland • neue-fälle • Paranomal • professor-zamorra • Professor Zamorra • Psycho • Roman-Heft • Serie • Sinclair • Slasher • spannend • Splatter • Stephen King • Stephen-King • Steven King • Terror • Thriller • Tony-Ballard • Top • Zombies
ISBN-10 3-7325-2763-8 / 3732527638
ISBN-13 978-3-7325-2763-2 / 9783732527632
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