INZANI (eBook)
848 Seiten
Edition CW Niemeyer (Verlag)
978-3-8271-9691-0 (ISBN)
Kerstin Merkel, 1970 in Frankfurt am Main geboren, studierte nach dem Abitur Germanistik und Kunstpädagogik. Nach ihrem Abschluss zog es sie in den Buchhandel und seit über zehn Jahren arbeitet sie in der Frankfurter Innenstadtfiliale der Buchhandlung Hugendubel. Gerne möchte sie jeden einladen, sie einmal dort zu besuchen, denn der Buchhandel hat sich sehr verändert und ist spannender denn je. Kerstin Merkel lebt mit ihrem Sohn in einem kleinen Ort in der Nähe von Frankfurt. Sie sieht sich regelmäßig auf der ganzen Welt unter Wasser um. Egal, bei welchen Temperaturen. Und egal, ob in Seen, Flüssen oder Meeren. 'INZANI - Die Macht des Bandes' ist ihr erster Roman (aber ihr geistern durchaus noch weitere Geschichten im Kopf herum ...).
Kerstin Merkel, 1970 in Frankfurt am Main geboren, studierte nach dem Abitur Germanistik und Kunstpädagogik. Nach ihrem Abschluss zog es sie in den Buchhandel und seit über zehn Jahren arbeitet sie in der Frankfurter Innenstadtfiliale der Buchhandlung Hugendubel. Gerne möchte sie jeden einladen, sie einmal dort zu besuchen, denn der Buchhandel hat sich sehr verändert und ist spannender denn je. Kerstin Merkel lebt mit ihrem Sohn in einem kleinen Ort in der Nähe von Frankfurt. Sie sieht sich regelmäßig auf der ganzen Welt unter Wasser um. Egal, bei welchen Temperaturen. Und egal, ob in Seen, Flüssen oder Meeren. „INZANI – Die Macht des Bandes“ ist ihr erster Roman (aber ihr geistern durchaus noch weitere Geschichten im Kopf herum …).
Kapitel 1
Die Landschaft vor ihnen war unter Schnee begraben. Auch der Himmel war weiß von schweren Wolken, die im kalten Wind darauf warteten, ihre kristallene Last weiter und immer weiter auf die Erde herabfallen zu lassen. Sie hatten die Sonne seit Tagen nicht gesehen, und in der Ferne ließ sich kaum der Horizont ausmachen. Es war, als ob sich die Welt im Weiß mit dem Himmel verwob.
Kian hatte mehr und mehr das Gefühl, keine Einschätzung über die Weite und Dimension der endlosen Hügel mehr abgeben zu können, über die sie nun seit Tagen geritten waren. Tagsüber sah man kaum ein Tier, man hörte keine Vögel, als sei das Leben im Schnee eingefroren, aber er sah die Spuren vieler Lebewesen, darunter auch einige, die er nicht kannte. Es verwunderte ihn daher nicht, dass die Dunkelheit voll von Stimmen war. Seine nächtliche Jagd war immer erfolgreich, und so litten sie zumindest keinen Hunger. Jedoch erschien ihm die sternenlose Dunkelheit stumpf und seltsam fremd, sodass er es kaum wagte, außer Sichtweite ihres Feuers zu jagen.
Der Befehl des Königs lautete, die eine Heilerin in die Hauptstadt zu eskortieren, die es vermochte, die Männer zu heilen, die sich seit einigen Wochen von allem abgeschottet in den Krankenzimmern seines Hofes befanden. Niemand wusste, wer diese Männer waren oder welcher Art ihre Krankheit war. Kian hatte als der erste Heermeister des Königs dafür zu sorgen, dass die Heilerin unversehrt vor dem König erschien, um die ihr zugesehene Arbeit zu verrichten. So hatte er die Befehlsgewalt über alle Truppen für die Zeit seiner Abwesenheit an seinen Freund Gorin, den zweiten Heermeister, erteilt, hatte seinen innersten Kreis zusammengerufen und sich mit diesen vier Soldaten auf die Reise begeben.
Alle vier waren verwirrt darüber gewesen, was an dieser Mission so wichtig sein konnte, dass der König seinen ersten Heermeister mitsamt seiner Elitegarde ausschicken musste, um diese Heilerin zu eskortieren. Aber nur der alte Roan hatte es gewagt, laut zu vermuten, er wolle Kian auf diese Weise aus dem Weg haben, wenn die Fürsten beim nächsten Zweimond zusammentreffen würden, um endlich ihre Streitigkeiten zu schlichten. Kians Anwesenheit bedeutete vielleicht zu viel militärische Präsenz, eine Drohung, denn schließlich wollte niemand daran erinnert werden, dass seine Armee den Frieden mit Gewalt erzwingen konnte und würde.
„Vermutungen!“, hatte Kian seinen Freund zum Schweigen gebracht. „Es steht keinem von uns zu, die Entscheidungen des Königs zu hinterfragen, Roan!“
Und so waren sie ausgezogen, um diesen Auftrag zu erfüllen.
Alienne, so nannten sie die Heilerin. Die Fremde. Gerüchte um ihre heilerischen Fähigkeiten waren auch zu Kian vorgedrungen, und er konnte sich nur fragen, ob es überhaupt möglich war, dass die Nachrichten über ihre Heilerfolge der Wahrheit entsprachen. All das klang in seinen Ohren zu sehr nach Zauberei. Niemand vermochte mit der bloßen Berührung einer Hand zu heilen. Niemand konnte die Ursache einer Krankheit durch eine flüchtige Berührung erfühlen. Niemand. Zumindest nicht die Heiler, die ihm bekannt waren, und seine Truppen verfügten über die besten Heiler ihrer Zunft. Nicht dass ihre Fähigkeiten ihm jemals zuteil geworden wären, dachte er bitter.
Diese Heilerin hielt sich ausgerechnet im abgelegensten Winkel der Kian bekannten Welt auf, beinahe vierzig Tagesreisen von der Hauptstadt entfernt, weit im Norden des Landes. Einer Welt, die zu drei viertel des Jahres von Schnee bedeckt war.
Sie war eine Jidari-Schwester. Teil einer Gemeinschaft von Frauen, die sich vollkommen dem heilenden Wirken verschrieben hatten. Kian war in seinem ganzen Leben nur einer dieser Schwestern begegnet, und sie hatte ihm große Angst eingejagt. Er war damals ein Kind gewesen, aber die völlige Reglosigkeit ihres Gesichtes, versteckt unter der Kapuze ihres braunen Umhanges, war ihm lange nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Man sagte, die Jidari könnten in einen Menschen hinein sehen, obwohl sie Augenkontakte verweigerten, und als Kind war Kian nur zu überzeugt gewesen, dass diese Frau genau das bei ihm getan hatte.
Das Jidari-Kloster lag nach Kians Berechnungen nur noch einen halben Tagesritt von ihnen entfernt, wahrscheinlich sogar näher, und noch immer konnte er nichts als das helle übergangslose Weiß von Himmel und Erde vor sich erkennen. Als er seinen Blick über ihre kleine Reisegesellschaft schweifen ließ, fand er in allen Gesichtern dieselbe Gespanntheit, die er auch an sich selbst wahrnahm, als hätte sich seine Stimmung stumm auf die anderen übertragen. Sie alle blickten mit zusammengekniffenen Augen umher, als gäbe es in diesem Weiß etwas zu entdecken, das sich versteckte. Kian schüttelte den Kopf. Das Jidari-Kloster musste riesig sein. Gärten, Gehöfte, Stallungen, die Bethalle ... Sie suchten schließlich nicht nach einer Nähnadel!
Plötzlich zog Ana hinter Kian scharf die Luft ein und zeigte mit ihrem Finger auf eine Stelle vor ihnen in der Senke. „Heermeister, seht!“
Auch Kian hatte die Bewegungen bemerkt, dunkle Flecken, die sich ruckartig aufeinander zu und wieder voneinander weg bewegten. Menschen! Er nickte Ana zu und ließ seine Stute vorangaloppieren. Merkwürdig, dachte er beim Näherkommen, es schien, als ob der Schnee sämtliche Geräusche verschluckte, denn erst, als er fast die Gesichter der hier kämpfenden Männer erkennen konnte, vernahm er auch ihre Schreie.
In der Mitte des Kampfgeschehens stand ein Junge, verhüllt in einem braunen Umhang. Er wurde von drei anderen Männern angegriffen und führte sein Schwert sonderbar ungelenk, als sei er es nicht gewohnt, eine Waffe überhaupt zu halten, und doch gelang es ihm durch überraschende Manöver, die Angriffe der drei anderen wieder und wieder zumindest abzublocken. Niemand hatte ihn je den Schwertkampf gelehrt, das sah man deutlich, aber Kian bewunderte für den Bruchteil einer Sekunde seine geschmeidigen Bewegungen und seine nahezu unmenschliche Reaktionsschnelligkeit. Ihm war, als beobachtete er hier ein Wesen, das in seinen defensiven Instinkten mehr einem Tier glich als einem Menschen. Trotzdem würde der Knabe seinen Angreifern ohne ihre Hilfe nicht mehr lange standhalten.
Kian ritt direkt in die Mitte des Kampfplatzes, musste dabei einem toten Pferd ausweichen und zog sein eigenes Schwert, obwohl er zunächst nicht vorhatte, es zu gebrauchen. Er stieß mit dem Griff einen der Angreifer bewusstlos, packte dann den Knaben um den Brustkorb und zog ihn vor sich auf seine Stute. Er wehrte sich verzweifelt, aber Kian hielt ihn fest an sich gepresst, als er unter dem Gewand des Jungen etwas spürte, das ihn trotz der heiklen Situation überraschte. Das war kein Junge! Er drückte den kapuzenverhüllten Kopf vor sich unsanft nach unten, sodass er Raum gewann sein Schwert zu führen, und zischte dem Mädchen zu, es solle sich nicht bewegen.
„Runter und nicht bewegen!“, zischte die tiefe Stimme des fremden Kriegers ihr zu, und er drückte gewaltsam ihren Kopf in die Mähne seines Pferdes. Alia keuchte, hielt sich krampfhaft am Sattelknauf fest und hörte das Schwert des Kriegers über sich sirren. Er vollführte schnelle, gewandte Haken mit seinem Pferd, und die Schreie der Männer bekamen bald einen angstvollen Klang.
Sie waren so schnell gekommen! Im einen Moment hatte sich Alia in den Schnee gekniet, um behutsam die Wurzeln des Eisenfarns mit ihrem Schwert aus der gefrorenen Erde zu befreien, und im nächsten fand sie sich inmitten eines Angriffs. Die Banditen hatten in Sekundenbruchteilen ihr Pferd getötet und sich dann lachend und spottend an sie gewandt.
„Hey, Junge, lass das Schwert am Boden und gib uns deine Reisebeutel, dann lassen wir dich vielleicht am Leben!“, hatte einer der Banditen gerufen, während die anderen grölten vor Lachen.
Alia hatte sich langsam aufgerichtet, den Kopf gesenkt, den Blick ihrer Augen geschärft auf die periphere Sicht, den Blick aus den Augenwinkeln, den die Jidari benutzten, um sich selbst zu bewahren. Und beim ersten Anzeichen von Bewegung hatte sie trotzig ihr Schwert erhoben. Sie würde nicht kampflos aus dieser Welt gehen! Danach prasselten Hiebe nur so auf sie herab, aber sie hatte nie den Kopf erhoben, hatte sich nie den Banditen offenbart, die nun in immer schnellerer Folge angriffen.
Sie hätte niemals überlebt, wenn dieser fremde Krieger sie nicht aus dem Kampf emporgerissen hätte, begriff sie demütig. Stärker jedoch war das Gefühl der Erniedrigung, ob der Art, wie er sie hier auf seinem Pferd festhielt. Tränen der Wut, Angst und Erleichterung verschleierten ihre Augen und ein leises Knurren trat aus ihrer Kehle, instinktiver Ausdruck des ihr so sehr verhassten Wesens, das sie war. Ein Knurren, zu leise, um es aus den Kampfgeräuschen herauszuhören, und dennoch laut genug, um das Pferd zu beunruhigen, das der Krieger so sicher führte. Ein Schauer erschütterte das Tier.
Alia löste eine ihrer Hände aus ihrer starren Haltung um den Sattelknauf, berührte damit sanft sein Fell, als der Krieger das Pferd herumriss. Sie griff strauchelnd erneut nach dem Knauf, wäre beinahe herabgerutscht und konnte sich nur mit Mühe in ihrer schrecklichen Lage halten, aber der eine Moment der Berührung hatte genügt, um sie in ihren Grundfesten zu verwirren. Dieser eine Moment hatte ihr ein Wesen gezeigt, halb Mensch, halb Ross, und die Bewegungen des Schwertes über ihr verschwammen in ihrem Blick.
„Bei den Monden, Heermeister, ist er verletzt? Der Junge ist ohnmächtig!“, rief Roan besorgt aus, als der letzte der Banditen gefallen war. Er ritt dicht heran und beugte sich über den erschlafften Körper vor seinem Herren.
Kian steckte sein Schwert in die Scheide und richtete das Mädchen behutsam auf. Ihr Kopf fiel gegen...
| Erscheint lt. Verlag | 9.3.2016 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Fantasy |
| Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Science Fiction | |
| Schlagworte | Fantasie • Geheimnis • Heilerin • Heilkunst • Kampf • König • Krieger • Liebe • Macht • Merkel • Mond • Reise • Schicksal • Schwert • Stärke |
| ISBN-10 | 3-8271-9691-4 / 3827196914 |
| ISBN-13 | 978-3-8271-9691-0 / 9783827196910 |
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