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Der Magier von Arakand -  Alfred Bekker

Der Magier von Arakand (eBook)

eBook Download: EPUB
2019 | 1. Auflage
520 Seiten
Uksak E-Books (Verlag)
978-3-7389-0255-6 (ISBN)
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Der Magier von Arakand Fantasy Roman von Alfred Bekker Der Umfang dieses Buchs entspricht 519 Taschenbuchseiten. Arakand ist die größte Stadt auf der Zweisonnenwelt. Sie wird vom Gottkaiser regiert, der nach der Legende als Einziger die Macht hat, die zweite Sonne fortzuschicken, wenn sie der Welt zu nahe kommt und sie zu verbrennen droht. Jetzt steht der Stadt die Eroberung durch die weit überlegenen Truppen des Ketzer-Königs bevor, während in ihren Katakomben ein skrupelloser Magier das Schicksal zu wenden versucht und an einer furchtbaren Waffe arbeitet... Ein junger Mann sucht nach Erkenntnis und seiner Bestimmung. Eine junge Frau kämpft um ihr Erbe und ihre Liebe. Beide geraten in das Netz einer Verschwörung, deren Ziel der Sturz des Gottkaisers ist. Bisher erschienene Romane um Alfred Bekker's 'Welt von Arakand': Herr des Feuers (unter dem Pseudonym Adrian Leschek) Der Magier von Arakand (als Alfred Bekker) Titelbild: Steve Mayer.

Zweites Kapitel


Khaaria betrat wenig später einen von unzähligen Kerzen erleuchteten Raum. Stark riechendes Räucherwerk machte das Atmen schwer. Khaaria fühlte ein Kratzen im Hals. Ihr Herz schlug heftiger.

Auf einem hölzernen Stuhl hatte eine Gestalt platzgenommen, deren Anblick Khaaria zusammenfahren ließ. Auf den ersten Blick wirkte ihr Gegenüber wie eine Kreatur, die geradewegs dem Höllenschlund entwachsen oder sich ebenso im Schlamm der unterirdischen Abwasserkanäle der Stadt gebildet hatte, wie man es den Ratten nachsagte, da sie viel zu zahlreich geworden waren, als dass sie einem natürlichen Zyklus von Geburt, Vermehrung und Tod bei ihrer Ausbreitung folgten. Nein, andere Mächte mussten es sein, die sie aus dem Schlamm der Erde entstehen ließen und in erschreckenden Massen an sie Oberfläche trieben! Flackernde Schatten tanzten auf der an ein vogelähnliches Wesen gemahnenden Schnabelmaske nach Art der Pestknechte. Dumpf mischte sich der Atem ihres Trägers mit den Knistern des verbrennenden Räucherwerks, dessen freigesetzte Dämpfe Khaaria inzwischen Tränen in die Augen trieben. Der Körper jener Gestalt auf dem Stuhl war vollkommen von einer ledernen Kluft, die wie die runzelige Haut eines Drachens wirkte, wie sie es im Stromland gab. Khaaria hatte ihren Vater einmal auf eine Handelsreise nach Exandrya begleitet und dort die Tiere auf dem Markt gesehen – sowohl in ihrem furchteinflößenden lebendigen Zustand, als zu kostbarstem Leder verarbeitet, für das man in Maragenua ein Vermögen zahlen musste. Bisweilen wurden diese Geschöpfe aber auch als Mumien feilgeboten. Wie auch die Mumie von Menschen, Katzen und Vögeln, die man in Stromland vor langer Zeit mit inzwischen unbekannten Verfahren vor der Verwesung zu bewahren gewusst hatten, waren sie als Rohstoff für Heilmittel aller Art auf dem gesamten Gürtel der Welt beliebt, so als könne die geheimnisvolle Lebenskraft, die diesen Artefakten innewohnte, übertragen werden, indem man die Mumie zu einem Pulver zerrieb, das dann als Beimengung von Arzneien und Heiltinkturen diente. Das Haus di Baragenzo hatte sich über Jahre hinweg immer wieder auch am Handel mit Mumien beteiligt, wenngleich der Anteil am Handelsumsatz der Familie bei weitem nicht so bedeutend war, wie der von Zucker, Seide und Seife, die man vornehmlich aus den tarastanischen Küstenstädten bezog.

Damals in Exandrya hatte Khaaria zum ersten und einzigen Mal auch eine vollständig erhaltene menschliche Mumie zu Gesicht bekommen, deren Anblick ihr noch jahrelang in Form von Albträumen gegenwärtig gewesen war. Der Art und Weise, wie die Gestalt vor ihr auf dem Stuhl die Arme mit Binden umwickelt hatte, erinnerte Khaaria unwillkürlich an jenen Anblick. Unter diesen Binden, deren Sinn sich der jungen Frau in diesem Moment einfach nicht erschließen wollte, waren immer wieder freie Flächen zu sehen, die den Blick auf das eigentümliche Leder freigaben, aus denen der ganze Anzug bestand. Das erstaunlichste waren für Khaaria die Handschuhe, die bemerkenswert fein gearbeitet waren. Das Material schien fast hauteng anzuliegen und musste sehr dünn sein, denn die Konturen der Fingerglieder stachen deutlich hervor.

„Ihr seid Khaaria di Baragenzo?“, wisperte die Stimme unter der Schnabelmaske hervor. Er sprach Karadizianisch.

„Ja, die bin ich. Und Ihr müsst der berühmte Pestarzt Vaosdo Kallyari sein, dem selbst der Gottkaiser vertraut!“

„Beim Zwielicht beider Sonnen! Ja, das ist wahr. Wo ist Euer Bruder?“

„Er wartet draußen vor der Tür. Es hieß, wir sollten einzeln eintreten.“

„Zieht Euch aus“, forderte Kallyaris wispernde Stimme. „Legt alle Kleidung, die Ihr am Leib tragt, ab! Ich muss Euren Körper nach den Zeichen der Krankheit untersuchen!“

„Ich trage keine Pestbeulen! Dann wäre ich in Arep geblieben und hätte den stillen Tod erwartet, so wie er meine Eltern ereilte!“

„Tut, was ich sage!“, forderte Kallyari. Seine Stimme war nur ein leises, krächzendes Flüstern und schien doch eine geradezu unheimliche Kraft in sich zu tragen. Eine Kraft, deren Einfluss man sich kaum entziehen konnte. „Es geht mir nicht nur um die Pestbeulen, deren Anfangsstadium Ihr vielleicht selbst gar nicht bemerken würdet. Es gibt noch weitere Zeichen. Und nun ziert Euch nicht länger oder sucht Euch jemand anderen, der Euch die Pestfreiheit bestätigen könnte. Jemanden, dem der Gottkaiser vertraut, was ja nicht ganz unwichtig ist. Schließlich sollt Ihr ja einige wesentliche Geschäfte mit dem Hof und der Gottkaiserlichen Familie abmachen.“

Der Gedanke daran, sich vor Vaosdo Kallyari zu entkleiden, war ihr äußerst unangenehm. In seiner eigenartigen, ihn vollständig bedeckenden Kluft, wirkte er kaum noch wie ein Mann, sondern eher wie ein der Hölle entstiegener Tiermensch. Aber ihr war klar, dass sie keine andere Wahl hatte. Der Gottkaiser hatte seine Frau durch die Pest verloren und seitdem verfolgte ihn eine geradezu panische Furcht vor dieser Krankheit. Zugang zum Hof des Gottkaisers, ohne eine Bestätigung darüber, dass man frei von Zeichen des Übels war, schien undenkbar. Aber Geschäfte in Arakand zu machen, ohne eine gute Verbindung zum Gottkaiserhaus war ebenfalls nicht vorstellbar. Das Urteil eines Arztes, dem der Gottkaiser vertraute, war für den Fortbestand des Handelshauses überlebenswichtig, dass durch die Erkrankung und den Tod seines Herrn schon bis an den Rand seiner Existenzfähigkeit gebeutelt war. Es kam einer besonderen Gnade des Hofs gleich, dass dieser Arzt des gottkaiserlichen Vertrauens die Untersuchung durchführte. Und Khaaria war das sehr wohl bewusst. Es war ein Akt des Vertrauens, der von Generationen di Baragenzos verdient worden war – angefangen mit Oloccin Aerdna, der geholfen hatte, die Boranier und Galbadoriner zu vertreiben, bis hin zu ihrem Vater. Was war dagegen ihre Scham? Wie hätte sie sich angesichts dessen zieren können – zumal sie fest entschlossen war, das Handelshaus weiterzuführen. Und dem musste sich alles andere unterordnen. So soll geschehen, was zu geschehen hat, dachte sie. Der Namenlose Gott hat mich bisher beschützt, warum sollte er es nicht auch in Zukunft tun?

Khaaria ließ das graue Büßergewand herabgleiten und mehr hatte sie ohnehin nicht mehr am Leib getragen. Schließlich hatte sie ein aufrichtiges Zeichen der Buße zum Namenslosen Gott senden wollen, wie Armatteo es ihr geraten hatte. Unter all den Mitteln, deren tatsächliche Wirkung gegen die Pest höchst zweifelhaft waren, erschien es ihr noch am vielversprechendsten sich auf diese Weise direkt an die höchste Macht selbst zu richten.

Eine Gänsehaut überzog ihren gesamten Körper, als der Arzt an sie herantrat und begann, sie zu untersuchen. Khaaria fühlte tiefe Scham, so den Blicken dieses Fremden ausgesetzt zu sein. Er kam ihr nahe genug, um die Farbe seiner Augen erkennen zu können. Sie waren eisgrau und der Blick wirkte so kalt, dass ihr Schauder über den Rücken jagte. Ein Blick, der alles zu durchdringen schien und vor dem man nichts verbergen konnte. Ein Blick aber auch, dem alles Menschliche zu fehlen schien. Khaaria schob diesen Umstand auf die optische Wirkung der Schnabelmaske, die Kallyari vielleicht so erscheinen ließ. Aber in ihrem tiefsten Inneren ahnte sie, dass es damit nichts zu tun hatte. Selbst wenn er ihren Körper mit Lüsternheit und Begierde gemustert hätte, wie sie zunächst befürchtet hatte, dann wäre darin zumindest eine Spur von Menschlichkeit zu finden gewesen. Die Art und Weise jedoch, wie diese grauen Augen sie betrachteten, war dermaßen unangenehm, dass sie keine Worte gefunden hätte, um es zu beschreiben. Die Tücher, mit denen seine Arme umwickelt waren, strömten den Duft ätherischer Öle aus, in die sie offenbar getränkt worden waren. Ein Geruch, der so stark war, dass Khaaria kaum noch atmen konnte und das Wasser aus Augen und Nase zu laufen begann. Kallyaris behandschuhte Hände tasteten unter ihre Achseln und an den Leistenbeugen. Er ging dabei ziemlich grob vor, sodass Khaaria beinahe schreiend zurückgewichen wäre. Aber sie beherrschte sich. So ähnlich musste es sein, wenn die nackte Menschenseelen in der Hölle von den tierhaften Dämonen gequält wurden. In Maragenua hatte sie Gemälde gesehen, die dies in aller drastischen Deutlichkeit darstellten. „Keine Schwellungen“, murmelte Kallyaris Stimme unter der Schnabelmaske hervor und der dumpfe, fast röchelnde Laut, der dann folgte, mochte vielleicht in Wahrheit ein Aufatmen sein. „Stellt Euch mehr ins Licht!“, verlangte er dann. „Hierhin!“ Er deutete mit dem Zeigefinger auf eine bestimmte Position. Khaaria schritt ein paar Schritte zur Seite, der helle Schein des Kerzenlichts erfasste sie nun noch deutlicher. Kallyari hob ihr Gewand vom Boden auf, ging dann mit schnellen Schritten zum Kamin und warf es hinein. Knisternd begann es zu verbrennen. Dann kehrte er zurück. Aus einer Tasche an seinem Gürtel holte er ein Vergrößerungsglas hervor. Damit begann er nun, ihren gesamten Körper eingehend zu betrachten. Fingerbreit für Fingerbreit schritt er voran und er musste dabei den Schnabel seiner Maske stets gesenkt halten, um eine der Augenöffnungen seiner Maske näher an das Glas halten zu. „Habt Ihr Stiche...

Erscheint lt. Verlag 11.7.2019
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Fantasy / Science Fiction Fantasy
Literatur Fantasy / Science Fiction Science Fiction
Literatur Romane / Erzählungen
ISBN-10 3-7389-0255-4 / 3738902554
ISBN-13 978-3-7389-0255-6 / 9783738902556
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