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Ewiges Licht (eBook)

Der Alien-Zyklus, Band 3 - Roman

(Autor)

eBook Download: EPUB
2016
Heyne (Verlag)
978-3-641-19153-5 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Ewiges Licht - Paul McAuley
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Eine Bedrohung aus der Tiefe des Alls

Nach dem Schrecken eines interstellaren Krieges wird ein geheimnisvoller Stern entdeckt, der aus dem Inneren der Galaxis geradewegs auf unser Sonnensystem zukommt. Der labile Friede ist augenblicklich wieder in Gefahr; politische Gruppierungen und religiöse Eiferer versuchen die sich abzeichnende Katastrophe für ihre Zwecke zu nutzen. Doch wer hat diesen Stern vor einer halben Million Jahre auf die Reise geschickt? Welche Technik steckt dahinter? Und vor allem: weshalb? Eine Gruppe von herausragenden Wissenschaftlern fällt die Aufgabe zu, dieses Rätsel zu lösen, darunter Dorthy Yoshida, die telepathisch begabte Astronomin, Robot, ein revolutionärer Künstler, dessen Gehirn mit der komplexesten Hardware aufgerüstet ist, die die irdische Technologie je hervorgebracht hat, und Talbeck, ein „Goldener“, dessen Organismus so weit verändert wurde, dass er über eine fast unendliche Lebenserwartung verfügt.

Paul McAuley, 1955 im englischen Stroud geboren, arbeitete mehrere Jahre als Dozent für Botanik an der St. Andrews University, bevor er beschloss, sich ganz dem Schreiben zu widmen. 1988 veröffentlichte er seinen ersten Roman, Vierhundert Millionen Sterne, und gewann damit den Philip K. Dick Award. Neben Space Operas, die in der fernen Zukunft angesiedelt sind, befasst er sich in seinen Büchern unter anderem mit Themen wie Nanotechnologien, Biotechnologie und alternativer Geschichte. Er gilt als eine der herausragendsten Stimmen der britischen Science Fiction, für seine Romane wurde er mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnet. Paul McAuley lebt und arbeitet in London.

Es begann, als die Stoßwelle einer nahen Supernova die rote Riesensonne des Alea-Heimatsystems zerriss und zehntausend Sippenvölker zwang, ihre Welt aufzugeben und neue Heime unter den dichtgedrängten Sternen des Kerns der Galaxis zu suchen. Oder es begann, lange nachdem eine Alea-Sippe die meisten anderen hingemetzelt und den Rest gezwungen hatte, zum Kern zu entfliehen, als ein Doppelstern dem Schwarzen Loch genau im Zentrum der Galaxis zu nahe kam. Oder vielleicht begann es eine halbe Million Jahre später, als Alea heimsuchende Asteroiden, in einem Gürtel um den roten Zwergstern BD +20° 2465 eine vorbeifliegende Drohne von Großbrasilien zerstörten, während sie das von ihnen ausgesuchte System passierte. So begann es nun zum Beispiel für Dorthy Yoshida, obwohl es ein Dutzend Jahre vor ihrer Geburt geschah: Der erste Akt in einem sinnlosen Krieg von Missverständnissen, der in einem freiwilligen Krampf von Völkermord endete.

Es gibt ja so viele Anfänge des komplexen Geflechts der geheimen Geschichte des Universums. Kausalketten verschmelzen und trennen sich und bilden Schleifen wie die vielschichtige Geodäsie des Kontraraums, welche die vier Dimensionen der normalen Raumzeit untermauert. Zum Beispiel waren vor einer halben Million Jahre, kurz nachdem der Doppelstern dem Schwarzen Loch im Zentrum der Galaxis begegnet war, die Überbleibsel von dem, was vormals ein unbedeutender Mond eines jupiterähnlichen Riesenplaneten gewesen war, fast nahezu auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt worden und hatten den zweiten Planeten des Sterns Epsilon Eridani gestreift. Dies, das Ende vom Anfang der Gestaltung des modernen menschlichen Schicksals, war das letzte Aufflammen eines Sippenzwistes der Alea, bei dessen Beilegung Dorthy Yoshida zu gegebener Zeit Hilfe leisten würde.

Es gibt kein Ende für Anfänge im grenzenlosen Multiversum und keinen bestimmten Anfang für sein Ende.

Ein zufälliger Anfang …?

Diese Welt wurde durch einen Eisbrocken erschüttert. Die Hälfte ihrer Ozeane schwappte infolge zahlreicher Treffer ins All; der Rest geriet ins Kochen und überspülte die Kontinente unter globalen Gewittern. Dunkle Wolken hüllten ihn ein von Pol zu Pol – außer dort, wo sich noch Trümmer des aufgeprallten Mondes befanden. Aus dem Orbit waren bebende Dampfsäulen zu erkennen, wo weißglühendes Magma aus dem Mantel an die Oberfläche quoll. – Nun eine halbe Jahrmillion weiter in die Zukunft!

Jetzt leben Menschen auf dieser Welt, die sie Nowaja Rossija nennen. Ihre Vorfahren, eine Schar Prominenter, die auf der Flucht vor einem islamischen Glaubenskrieg der untergegangenen russischen Nation entstammten, waren in Kühlsärgen in den Frachträumen von Schiffen mit Staustrahlantrieb aufgestapelt gewesen, die interstellare Materie aufsammelten und nicht die Lichtgeschwindigkeit erreichten. Seit fünfhundert Jahren leben jetzt Menschen auf Nowaja Rossija; aber trotzdem ist sie nur ein Wrack gegenüber der Welt, die sie einst war, ehe eine Clique einer abgespaltenen Alea-Sippe die Zivilisation zu Falle brachte, die sie einst geschaffen hatte.

Um den Äquator dieses Planeten windet sich schräg ein kompliziert verschlungenes Ringsystem aus Trümmermaterial, das durch den Aufprall in Umlaufbahnen geschleudert wurde. Es besteht aus Klumpen von gefrorenem Wasser und Schlamm und kleinen Glasperlen, die dem verdampften Mantel entstammen, sowie gefrorenen Gasen. Man erzählt sich, dass manche Eisklumpen vollkommen erhaltene schockgefrorene Fische enthalten. Dieses Gerücht hält sich, trotz einigen spekulativen und erfolglosen Versuchen, solche sagenhaften Überbleibsel zu bergen. Der Planet ist an sich noch thermodynamisch instabil. Sein Klima schwankt zwischen sengender Sommerhitze, die am Äquator die flachen Meere aus Kohlenwasserstoff verdunsten lässt, und einem wölfischen Winter, in dem diese Meere bis auf den Boden gefrieren. Die Reste von Leben beschränken sich auf die Gebirge und Hochebenen des südpolaren Festlandes, wo es trotz verheerenden Schnee- und Gewitterstürmen überlebt, die hundert Tage andauern, und Erdbeben wie Vulkanismus trotzt, die durch Verlagerung zerbrochener Krustentafeln bewirkt werden, welche sich einer neuen Geometrie anpassen.

Die meisten Leute leben in großen Kuppelbauten. Nur die Zithsa-Jäger durchstreifen frei die Klüfte und Canyons der wilden Landschaft, indem sie den ständigen Wanderungen ihrer Beutetiere folgen. Sie gelten bei der übrigen Bevölkerung als verrücktes Volk.

 

Major Sebastian Artemio Pinheiro saß in seiner klimatisierten unterirdischen Bleibe inmitten der geheimen Aushöhlung an den Hängen von Arrul Terek und fragte sich nicht zum ersten Mal, ob er ebenso verrückt würde, wie man es von den Zithsa-Jägern behauptete. Pinheiro war ein hochgewachsener, kräftiger Mann. Er hockte auf der Kante seines Bettes, das als ein quadratischer Felsblock den meisten Platz in dem kleinen Raum beanspruchte. Er polierte seine kostspieligen Stiefel aus Zithsa-Fell zu den Klängen des himmlischen Chors aus Beethovens Missa Solemnis; und deshalb dachte er über Zithsa-Jäger nach. Und er putzte seine Stiefel deshalb, weil er sich fragte, was er hier draußen im Flachland machte, wo er ein Dutzend angeheuerter Archäologen beaufsichtigte, von denen kaum einer die Sprache des anderen verstand, eingepfercht durch ständige Kontrollen im Umkreis, solange die Expedition dauern würde. Aber es stand auch der Besuch eines seiner vorgesetzten Beamten bevor.

Pinheiro polierte gründlich und war von seiner Tätigkeit voll beansprucht, bis José Velez die Flügeltür der Hütte aufstieß und ihm meldete, dass die vornehmen Besucher soeben den Wachtposten am Pass erreicht hätten.

Pinheiro stellte die Stiefel ab und langte zu dem kleinen Kühlschrank auf dem Fußboden hinunter. »Ein Drink gefällig?«, fragte er Velez.

»Bist du verrückt?«

»So wie eine Wanze«, sagte Pinheiro, schenkte sich einen Schuss gallertartigen Wodkas ein und kippte ihn hinunter. Dann zog er seine engen schwarz schimmernden Stiefel an, stapfte aus dem Zimmer und durch den anschließenden Speiseraum zur Luftschleuse. José Velez folgte ihm dichtauf.

Der untersetzte Bohringenieur sagte: »Sebastian, was es auch ist, ich hoffe, dass du meinen Protest zur Kenntnis nimmst.«

»José, die Besucher sind die letzten Leute, um die du dir Sorgen machen könntest. Weißt du, es sind bloß hochrangige Touristen, die hergekommen sind, um zu gaffen. Reiche deine Beschwerde schriftlich ein!«

»Das habe ich schon getan, sogar zweimal!« Der üppige Schnurrbart von Velez schien zu funkeln, so heftig war seine offene Empörung. Er zog die Luke der Luftschleuse zu und folgte Pinheiro die Wendeltreppe nach oben. Dabei rief er: »Ich brauche Helfer, um die Kerne aus der Tiefe hochzuschaffen! Ich bin Bohringenieur und kein Schwerarbeiter. Die Arbeit, die sie von mir verlangen, ist unter diesen Bedingungen unmöglich. Wir brauchen mehr Leute auf der Ausgrabungsstelle, nicht mehr Wachpersonal!«

Wenn man aus dem Schatten des Treppenschachts hinaustrat, war es so, als ob man in den Gluthauch eines Hochofens käme. Die polare Sonne, eine zusammengedrückte, weiß strahlende Scheibe, hatte sich in ihrem Tageslauf der stumpfen Kuppe von Arrul Terek genähert. Hitze drang durch den Schlackenboden des nahegelegenen Tales. Die gezackten Berge, die sich nach links und rechts anschlossen, schienen über einem wabernden Dunst dick wie Öl zu erzittern.

Die Wohnräume der Archäologen waren tief in den Boden versenkt und durch flache Erdhügel bedeckt und so isoliert, dass sie bis auf das Bündel borstiger Kurzwellenantennen und die kleine Funkschüssel aussahen wie die Grabtumuli der nordamerikanischen Indianer oder von Königen der Eisenzeit. Hangabwärts war die eigentliche Ausgrabungsstätte; und jenseits davon konnte Pinheiro durch Schleier heißen Dunstes am Horizont eben den silbrigen Kopf des Geländefahrzeugs erkennen, das sich aus dem Gebirgspass in einem Kilometer Entfernung seinen Weg bahnte.

Velez zog die Kapuze seines Schutzanzugs hoch und sagte: »Wie viele Wächter haben wir? Fünfzig? Hundert? Hier ist alles verteufelt rückständig.«

»Es ist die Brutzeit der Zithsa«, sagte Pinheiro. »Sie ziehen durch diese Gegend ins Flachland. Extrawachen wären nötig, um Jäger fernzuhalten, die zu nahe herankommen.«

»Manchmal glaube ich, dass du all diesen Unsinn glaubst.«

Pinheiro zuckte die Achseln, weil er das wirklich mehr oder weniger glaubte. Sicherheit musste sein. Sie sorgte für Distanz; und es gab keine Alternative für eine große Arbeitskraft, weil schon das Dutzend Archäologen hier ein Sicherheitsrisiko darstellte, das Pinheiro wie den Korken auf einer Flasche heißen Nitroglyzerins empfand. Das konnte er Velez nicht sagen. Er fühlte aber, dass er dem Ingenieur etwas schuldig war. Velez machte allerhand Lärm, war aber ein unermüdlicher Arbeiter.

»Hab Geduld!«, sagte Pinheiro. »Ich werde sehen, was ich tun kann. Aber ich kann nicht versprechen, dass es etwas bringen wird. Die Dinge sollten besser im Boden bleiben, als dass die Leute außerhalb unseres magischen Kreises von ihrer Existenz erfahren.«

»Das weiß ich. Aber wenn ich keine Hilfe bekomme, werden die tiefen Kerne im Boden bleiben müssen, okay?« Velez lächelte wieder. »Sebastian, ich weiß, dass du dich bemühst, dein Bestes zu tun. Es ist ein harter Ort hier. Aber höre: Trink nicht zuviel Wodka! Der tut deiner Leber nicht gut.«

»Ihr Leute meckert bloß, wenn prominente Besucher fällig sind; und wenn sie dann aufkreuzen, könnt ihr euch nicht genug damit tun, eure Arbeit vorzuzeigen. Was mich angeht, so muss ich die ganze Zeit höflich und charmant sein. Darum brauche ich etwas für meine Nerven.«

»Sage...

Erscheint lt. Verlag 29.2.2016
Übersetzer Winfried Petri
Verlagsort München
Sprache deutsch
Original-Titel Eternal Light
Themenwelt Literatur Fantasy / Science Fiction Science Fiction
Schlagworte Aliens • Alien-Trilogie • diezukunft.de • eBooks • Ferne Zukunft • Paul McAuley • Telepathie
ISBN-10 3-641-19153-X / 364119153X
ISBN-13 978-3-641-19153-5 / 9783641191535
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