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Verborgene Harmonien (eBook)

Der Alien-Zyklus, Band 2 - Roman

(Autor)

eBook Download: EPUB
2016
Heyne (Verlag)
978-3-641-19152-8 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Verborgene Harmonien - Paul McAuley
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Rebellion im Paradies

Der Planet Elysium ist ein Paradies – oder war es zumindest, ehe die ersten menschlichen Siedler kamen. Er ist fruchtbar, reich an Ressourcen und bewohnt von fremdartigen, aber friedlichen Eingeborenen. Die ersten Kolonisten haben sich die Waffen der Siedlerschiffe gesichert und regieren den Planeten nach ihrem Gutdünken mit eiserner Hand. Menschen wie Eingeborene haben sich ihrem Willen zu fügen, den durchzusetzen die Machthaber nicht zimperlich sind. Richard Florey und Miguel Lucas, zwei Menschen von der Erde, widersetzen sich den Herrschern und werden rasch zu verfolgten Außenseitern. Sie stehen vor der Entscheidung, die Herausforderung anzunehmen und sich an die Spitze einer Revolution zu stellen, aber sie wissen beide, dass dann unweigerlich ein Aufstand der bis dahin friedlichen, aber absolut unberechenbaren Eingeborenen losbrechen würde. Mit dem Paradies wäre es dann für immer vorbei. Elysium wäre eine andere Welt.

Paul McAuley, 1955 im englischen Stroud geboren, arbeitete mehrere Jahre als Dozent für Botanik an der St. Andrews University, bevor er beschloss, sich ganz dem Schreiben zu widmen. 1988 veröffentlichte er seinen ersten Roman, Vierhundert Millionen Sterne, und gewann damit den Philip K. Dick Award. Neben Space Operas, die in der fernen Zukunft angesiedelt sind, befasst er sich in seinen Büchern unter anderem mit Themen wie Nanotechnologien, Biotechnologie und alternativer Geschichte. Er gilt als eine der herausragendsten Stimmen der britischen Science Fiction, für seine Romane wurde er mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnet. Paul McAuley lebt und arbeitet in London.

Die Aliens verstehen


 

Der Rücken des letzten Talhanges befreite sich allmählich von seinem Waldbestand, und vor den drei Reitern dehnte sich die Hochebene. Rotes Gras, so weit das Auge reichte, nur da und dort unterbrochen von windzerzausten, verkrüppelten Dornenbüschen. Im Osten erhoben die Trackless Mountains ihre schneebedeckten Gipfel aus dem farblosen Dunst und reflektierten das gleißende Sonnenlicht.

David de Ramaira zügelte sein Pferd und streckte sich im Sattel. Trotz der Therapie hatte er seine normale Muskulatur noch nicht wiedererlangt, die sich während der Jahre im Kühlschlaf zurückgebildet hatte. Der große, schlanke Mann mit der gebräunten Haut schaute sich mit erfreutem Lächeln um. Sein Herz schlug schneller – wie damals, als er im Aufnahmezentrum erwacht war und sich bewusst wurde, dass er es geschafft hatte.

Eine andere Welt.

»Großartig«, rief er. »Ein herrliches Land!«

Vor seinen Augen erstreckte sich rote Grasebene und leuchtete mit surrealistischer Intensität unter dem wolkenlosen indigoblauen Himmel, der seine Färbung möglicherweise dem Spektrum von Tau Ceti verdankte, einer sanften, orangefarbenen Sonne, in keiner Weise vergleichbar mit dem Gestirn der Erde.

Jonthan Say, der Führer aus Broken Hill, zuckte die Achseln. »Die Scholle ist zu dünn, um daraus brauchbares Ackerland zu machen«, meinte er.

»Wie weit ist es noch bis zum Dorf?«, fragte de Ramaira.

Jonthan zeigte auf eine schimmernde Linie, die im Hitzeglast zwischen der roten Grasfläche und dem dunklen Himmel zu schweben schien. »Das da drüben ist der See. Das Abo-Dorf liegt ein Stück weiter oberhalb am Seeufer.« Sein Haar, ein Kranz gesponnenen Messings, war schweißnass. Schweiß schimmerte auch auf seiner nackten Brust und hatte seine abgewetzten Jeans an den Schenkeln durchnässt, wo sie den Sattel seiner braunen Stute, berührten. Er war fünfzehn oder sechzehn Jahre alt (hier berechneten sie das Alter noch nach Erdjahren), und besaß noch die graziöse Anmut eines heranwachsenden Jugendlichen. Als hätte er de Ramairas Blick bemerkt, ritt er wieder an, um zu Lieutenant McAnders aufzuschließen, die wie üblich nicht auf die anderen wartete. Der Hund des Jungen streifte in weitem Bogen durch das trockene rote Gras.

Nach einem weiteren Augenblick des Sinnens gab de Ramaira seinem Pferd, einem gutmütigen Wallach, die Zügel frei und folgte den anderen zum See hinüber.

Während Jonthan Say das Camp aufschlug, ging de Ramaira am schilfbestandenen Seeufer entlang auf das Dorf zu. Er konnte es kaum erwarten, zum ersten Mal einen Blick auf die Aborigines, die Ureinwohner von Elysium, zu werfen. Lieutenant McAnders bestand darauf, ihn zu begleiten, und obwohl de Ramaira diese erste Begegnung gern allein erlebt hätte, gab er nach. Er wollte keinen Unfrieden. Immerhin stand sie dem Büro für Eingeborenen-Angelegenheiten vor und war damit gleichzeitig auch die Leiterin dieser Expedition. Während sie nun gemeinsam durch das raschelnde Gras stapften, deutete sie auf den Koffer, den er trug, und meinte verärgert: »Sie werden nichts Neues erfahren – selbst mit diesen Dingern da nicht.«

»Warten wir’s ab«, antwortete de Ramaira gleichmütig.

»Zur Hölle mit Ihnen!«, fauchte der Lieutenant. »Sie wissen doch schon alles, oder nicht?« Sie war eine stämmige Frau, wie de Ramaira mit dem weißen Polizeioverall der Hafenbehörden gekleidet, hatte aber zusätzlich eine Pistole im Holster an der Hüfte. Ihr Haar, von undefinierbarer Farbe, war militärisch kurz geschnitten. Meist kaute sie auf einem kalten Zigarrenstummel herum. Ganz allmählich begann de Ramaira diese Frau zu hassen.

Sie arbeiteten sich durch das hohe Gras eines sumpfigen Seearms und umgingen ein dichtes Gestrüpp von Dornenbüschen.

Und dann lag das Dorf plötzlich vor ihnen. Die runden Hütten wuchsen aus einem sanften Hang wie das zufällige Arrangement von mehreren Felsbuckeln. Als sie näher herangingen, vernahm de Ramaira schwach ein hohes, wütendes Sirren – wie das Summen von Wespen, die unter einem Glas gefangen waren. Er blieb stehen, setzte seinen Koffer ab und sah zu den Hütten mit den Kuppeldächern hinüber. Das aufgeregte Summen der Aborigines drang durch die heiße Stille zu ihm. De Ramaira hätte gern hier und dort ein paar Sonden installiert, aber der Lieutenant hatte anderes im Sinn.

»Die sollten Sie sich mal aus der Nähe ansehen. Vielleicht würden Sie dann begreifen, dass sie den ganzen Aufwand kaum wert sind. Der Herrgott weiß, wie oft ich Ihnen das schon gesagt habe.« Damit ließ sie ihn stehen und stapfte mürrisch durch das Gras auf das Dorf zu. Seufzend nahm de Ramaira seinen Koffer wieder auf und folgte ihr.

Die Hütten waren von einem breiten Streifen Brachland umgeben. Das Summen verstummte schlagartig, als die beiden Menschen ihren Fuß auf diese Begrenzungslinie setzten. Als habe jemand einen Schalter umgelegt, dachte de Ramaira. In der freudigen Erwartung seiner ersten Begegnung mit den Eingeborenen bemerkte er erst ziemlich spät, dass er dem ersten Eingeborenen schon seit einigen Sekunden gegenüberstand. Er hielt sich etwas abseits der ersten Hütte, war ein ganzes Stück größer als der Zweimeter-Mann Ramaira und schrecklich mager. Die Haut, braun und schwarz gesprenkelt, schien seine langen Glieder zusammenzuhalten, modellierte deutlich die gewölbten Doppelgelenke und konturierte die pfeilspitzenförmigen Rippen, die vom schmalen Becken bis zum Hals hinaufreichten, der übergangslos in einen schmalen Schädel auslief. De Ramaira umkreiste vorsichtig die Kreatur. Abgesehen von einem ruhelosen Zittern der farnwedelartig gegliederten Schnurrbarthaare, die unter den Nasenhöhlen hervorsprossen, verharrte das Wesen regungslos, durch die Anwesenheit der Menschen wie paralysiert – wie Webster es vorausgesagt hatte. Seine Augen waren kugelrund und völlig schwarz, der Mund wie bei einem Frosch breit und lippenlos. Das Wesen verströmte einen schwachen, fischigen Geruch.

»Bleiben Sie lange genug so vor ihm stehen, und es wird tot umfallen!«, bemerkte der Lieutenant zynisch.

»Ist das wirklich so?«

Die Frau spuckte verächtlich den Zigarrenstummel aus. »Sicher. Sie halten das höchstens zwei Stunden aus, dann bricht ihr Nervensystem zusammen.« Sie ging zu dem Alien und tippte gegen seine niedrige Stirn. De Ramaira zuckte erschrocken zusammen, obwohl das Wesen sich nicht von der Stelle rührte.

»Wissen Sie, was da drin ist? Fast nichts – so ist das. Ich werde Ihnen mal die ›Ursprungshöhle‹ zeigen, wenn Sie wollen, aber da gibt es eigentlich auch nichts zu sehen. Im Moment ist keine Paarungszeit. Außerdem ist es nicht ungefährlich, in dieser Periode hineinzugehen. Die Brüter stürzen sich auf alles, was sich bewegt. Diese leidvolle Erfahrung musste auch schon Webster machen. Wenn Sie die Wahrheit hören wollen: Mein Vater hielt Webster für einen hoffnungslosen Romantiker.«

»Seine Arbeiten sind auf Erde hochangesehen.« Indem er Webster verteidigte, einen Wissenschaftler, den man mit dem Auftrag nach Elysium geschickt hatte, das Leben der Eingeborenen zu studieren, verteidigte de Ramaira auch sich selbst. Er war Phylogenist, ein Wissenschaftler, der die Stammesgeschichte von Lebewesen erforschte. Er war mit dem Auftrag hierhergekommen, Elysiums Fauna und Flora zu erfassen und zu klassifizieren.

Der Lieutenant zuckte die Achseln und zündete sich wieder eine ihrer übelriechenden Zigarren an.

Verärgert fügte de Ramaira hinzu: »Wenn Webster stärker unterstützt worden wäre, hätte er wahrscheinlich eine definitive Antwort auf die Frage nach der Intelligenz der Abos geben können.« Er sah in die rätselhaften Augen des Eingeborenen, pupillenlose schwarze Löcher, die tief in das starre Gesicht eingebettet waren. Er fragte sich, ob diese Regungslosigkeit daher rührte, dass diese Wesen aus Furcht die Existenz der Menschen einfach verleugneten, weil die Eindringlinge von Erde völlig außerhalb ihres Weltbildes standen, oder ob es dafür eine tiefer reichende Ursache gab. Vielleicht war sie auch nur Ausdruck einer unversöhnlichen Abneigung. De Ramaira war eitel genug, um sich innerlich die schwache Hoffnung zu erhalten, dass er diese Mauer irgendwie durchbrechen, die Hand ausstrecken und einen Kontakt zu diesen Wesen herstellen konnte.

 

Der Lieutenant führte de Ramaira um ein Dutzend Hütten, die in größeren Abständen voneinander errichtet waren, herum und zeigte ihm Schüsseln aus Grashalmen, die so dicht geflochten waren, dass sie das Wasser hielten, grobgeschnitzte Speere mit Spitzen aus Stein und die Knochenmesser, die neben dem abgehäuteten Leib eines Sumpfschweins lagen. Die Hütten waren alle identisch, hatten einen Durchmesser von vier oder fünf Metern und waren im höchsten Punkt ihrer kuppelförmigen Dächer etwa halb so hoch. Errichtet waren sie aus geflochtenen Grasmatten und Schilfwedeln, die man mit Lehm abgedichtet hatte.

Hier und da standen oder hockten die Dorfbewohner regungslos herum wie verknöcherte Statuen. Der Lieutenant ignorierte sie völlig. Als de Ramaira fragte, ob es im Dorf keine Kinder oder Jungen gebe, antwortete sie geringschätzig: »Die kleinen Scheißer haben sich alle ins Grasland verzogen. Es lohnt sich nicht, nach ihnen zu suchen.«

»Es bleibt noch ein paar Stunden lang hell. Ich möchte sehen, ob die Kinder zurückkommen, möchte einen Eindruck davon bekommen, wie sich diese Kreaturen bewegen. Werden sie wieder zu ihrem Normalverhalten zurückkehren, sobald wir verschwunden sind?«

Der Lieutenant versicherte ihm, er werde schon sehr bald das Normalverhalten der Aborigines kennenlernen, und ließ ihn allein, damit er, wie sie sich ausdrückte, mit seinen Sonden...

Erscheint lt. Verlag 29.2.2016
Übersetzer Peter Pape
Verlagsort München
Sprache deutsch
Original-Titel Secret Harmonies
Themenwelt Literatur Fantasy / Science Fiction Science Fiction
Schlagworte Alien-Trilogie • diezukunft.de • eBooks • Ferne Zukunft • Paul McAuley • Rebellion
ISBN-10 3-641-19152-1 / 3641191521
ISBN-13 978-3-641-19152-8 / 9783641191528
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
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