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Königin des Südens (eBook)

Thriller
eBook Download: EPUB
2016 | 1. Auflage
546 Seiten
Suhrkamp (Verlag)
978-3-518-74276-1 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Königin des Südens - Arturo Pérez-Reverte
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Pérez-Revertes Welterfolg über den mexikanischen Drogenkrieg Als das Telefon klingelt, ist ihr klar, dass man sie töten will. Bis zu dem Moment lebte Teresa Mendoza das leichte Leben in der Sonne von Culiacán, immer an der Seite ihres Freundes, der fürs Juárez-Kartell Koks über die Grenze fliegt. Doch der ist jetzt tot, und Teresa muss mit dem, was sie von ihrem alten Leben in eine Tasche stopfen kann, verschwinden. Sonst liegt sie schon morgen neben anderen Leichen in der mexikanischen Wüste. Eine jahrelange Flucht beginnt, und Teresa verwandelt sich von der unschuldigen Schönheit aus der Provinz in eine Frau, die jeder fürchtet ... Königin des Südens ist ein temporeicher Thriller über den Aufstieg einer kompromisslosen Frau. Auf überwältigende Weise lässt Arturo Pérez-Reverte die dunkle Wirklichkeit Mexikos lebendig werden. Und am Ende steht ein Pageturner über Gewalt, Sehnsucht und Verrat am gefährlichsten Ort der Welt.

<p>Arturo Pérez-Reverte, geboren 1951 im spanischen Cartagena, ist einer der erfolgreichsten Autoren Spaniens. Sein Werk wurde in 41 Sprachen übersetzt, sein Roman <em>Der Club Dumas</em> ist ein Weltbestseller und wurde von Roman Polanski mit Johnny Depp in der Hauptrolle unter dem Titel <em>Die neun Pforten</em> verfilmt. Arturo Pérez-Reverte arbeitete 21 Jahre als Kriegsreporter. Seit 2003 ist er Mitglied der Real Academia Española.</p>

2
Die Gesetzeshüter haben sie gesehen, aber kalte Füße gekriegt


Ich erwähnte bereits, dass ich zu Beginn meiner Recherchen Culiacán, die Hauptstadt von Sinaloa, besucht hatte, einige Monate bevor ich Teresa Mendoza persönlich kennen lernte. Dort, wo der Drogenhandel sich schon seit langem nicht mehr im Verborgenen abspielt, sondern zu einer sozialen Realität geworden ist, haben ein paar gut platzierte Dollarscheine mir Rückendeckung in den einschlägigen Kreisen gegeben; einem neugierigen Fremden ohne verlässliche Bürgschaft kann es sonst durchaus passieren, eines Morgens mit einer Kugel im Kopf im Humaya oder im Tamazula zu treiben. Ich gewann dort auch zwei gute Freunde: Julio Bernal, Kulturbeauftragter der Stadt, und den sinaloensischen Schriftsteller Élmer Mendoza, dessen glänzende Romane Un asesino solitario und El amante de Janis Joplin ich zur Einstimmung gelesen hatte. Es waren vor allem Élmer und Julio, die mich durch das lokale Labyrinth führten; keiner von beiden hatte persönlichen Kontakt mit jener Teresa Mendoza vom Anfang dieser Geschichte gehabt – sie war zu der Zeit ein Niemand gewesen –, aber sie kannten den Güero Dávila und andere Persönlichkeiten, die auf die ein oder andere Weise damals die Fäden gezogen hatten. So fand ich einen guten Teil dessen heraus, was ich jetzt weiß. In Sinaloa ist alles eine Frage des Vertrauens; in einer so gnadenlosen, komplexen Welt sind die Regeln einfach und lassen keinen Irrtum zu. Man wird jemandem von einem Freund vorgestellt, dem dieser jemand vertraut, und damit vertraut er auch dir, weil der andere für dich bürgt. Wenn später irgendetwas schiefläuft, bezahlt der Bürge mit dem Leben und du auch. Peng, peng. Die Grabsteine auf den Friedhöfen im Nordwesten Mexikos sind voller Namen von Leuten, denen irgendjemand irgendwann einmal vertraut hat.

Eines Abends im verqualmten Don Quijote, wo wir bei Musik Bier und Tequila tranken, nachdem wir den unanständigen Witzen des Komikers Pedro Valdez zugehört hatten – vor ihm war der Bauchredner Enrique mit seiner zugekoksten Puppe Chechito aufgetreten –, beugte sich Élmer über den Tisch zu mir und zeigte auf einen korpulenten dunkelhaarigen Mann mit Brille und einem Drink in der Hand, umringt von einer Gruppe jener Typen, die ihre Blousons und Fliegerjacken immer anlassen, als wäre ihnen überall zu kalt; sie trugen Stiefel aus Schlangen- oder Straußenleder, verzierte Ledergürtel zu tausend Dollar das Stück, Stetsons, Baseballkappen mit dem Abzeichen der Tomateros de Culiacán und viel dickes Gold um Hals und Armgelenke. Wir hatten sie aus zwei Ram Charger aussteigen und die Bar betreten sehen, als würde sie ihnen gehören, ohne dass der Türsteher, der sie ehrerbietig begrüßte, auf der üblichen Formalität bestanden hätte, sie wie alle anderen Gäste abzutasten.

»Das ist César Batman Güemes«, sagte Élmer leise. »Ein berühmter Narco.«

»Hat er eigene Corridos?«

»Ein paar«, lachte mein Freund und verschluckte sich fast. »Er hat den Güero Dávila umgelegt.«

Mit offenem Mund schaute ich mir die Gruppe an: dunkle Gesichter, harte Züge, viel Schnurrbart und offensichtliche Gefahr. Sie waren zu acht, standen dort vielleicht seit einer Viertelstunde und hatten einen Vierundzwanzigerpack Bierdosen geleert. Jetzt hatten sie gerade zwei Flaschen Buchanan's und zwei Remy Martin bestellt, und die Tänzerinnen kamen zu ihnen herunter, wenn sie die Tanzfläche verließen, was sonst im Don Quijote nicht üblich war. Eine Gruppe blond gefärbter Homosexueller – zu später Stunde wurde die Bar zu einem Treffpunkt der Gay-Szene, und beide Milieus vermischten sich ohne Probleme – warf ihnen vom Nebentisch bedeutungsvolle Blicke zu. Der besagte Güemes lächelte auf sehr machohafte Art ironisch zurück und rief dann den Kellner, um ihre Drinks zu übernehmen. Ein friedliches Miteinander.

»Woher weißt du das?«

»Ganz Culiacán weiß das.«

Vier Tage später führten César Batman Güemes und ich dank einer Freundin von Julio Bernal, deren Neffe im selben Geschäft war, ein ebenso absonderliches wie interessantes Gespräch. Ich war zum Grillen in eines der Häuser auf den Hügeln von San Miguel im oberen Teil der Stadt eingeladen worden. Dort begannen die Junior-Narcos der zweiten Generation – weniger protzig als ihre Väter, die aus den Bergen erst ins Viertel Tierra Blanca gekommen waren und sich dann die spektakulären Villen der Colonia Chapultepec unter den Nagel gerissen hatten –, in unauffälligere Immobilien zu investieren, deren Luxus sich nur von innen offenbarte und Familie und Gästen vorbehalten war. Der Neffe der Freundin von Julio, Sohn eines legendären Narcos aus San José de los Hornos, der sich in seiner Jugend Schießereien mit der Polizei und befeindeten Banden geliefert hatte – heute sitzt er eine bequeme Strafe im Gefängnis von Puente Grande im Staat Jalisco ab –, war fünfundzwanzig Jahre alt und hieß Ernesto Samuelson. Fünf seiner Cousins und ein älterer Bruder waren von anderen Narcos, der Bundespolizei oder dem Militär erschossen worden, und er zog früh seine Lehre daraus: Jurastudium in den Vereinigten Staaten, Geschäfte im Ausland, nie auf heimatlichem Boden, das Geld wurde in einer ehrenwerten mexikanischen Transportfirma und einigen Garnelenaufzuchten in Panama gewaschen. Er wohnte mit seiner Frau und den beiden Söhnen in einem bescheidenen Haus, fuhr einen schlichten Audi und verbrachte drei Monate im Jahr in einer Wohnung in Miami, mit einem Golf in der Garage. Auf diese Weise lebt man länger, pflegte er zu sagen. In diesem Geschäft ist Neid tödlich.

Es war Ernesto Samuelson, der mich unter dem Palmwedeldach in seinem Garten César Batman Güemes vorstellte, mit einem Bier in der Hand, in der anderen einen Teller mit zu durchgebratenem Fleisch. Er schreibt Romane und Filme, führte er mich ein und ließ uns alleine. Batman Güemes sprach sanft und leise, mit langen Pausen, in denen er seine Gesprächspartner von oben bis unten musterte. Er hatte in seinem Leben kein einziges Buch gelesen, aber er war ein Kinofan. Wir unterhielten uns über Al Pacino – sein Lieblingsfilm war Scarface – und Robert de Niro – Goodfellas, Casino – und darüber, dass diese Hundesöhne von Regisseuren und Drehbuchautoren in Hollywood nie einen blonden Yankee-Narco zeigten, sondern alle Drogenhändler Sánchez hießen und südlich des Rio Bravo geboren waren. Das mit dem blonden Narco machte mir die Überleitung leicht, und ich ließ den Namen Güero Dávila fallen; und während mein Gegenüber mich forschend durch seine Brillengläser ansah, fügte ich noch den von Teresa Mendoza hinzu. Ich bin dabei, ihre Geschichte zu schreiben, sagte ich in dem Bewusstsein, dass an gewissen Orten und bei gewissen Leuten Lügen immer ins Auge gehen. Und Batman Güemes war so gefährlich, hatte man mich gewarnt, dass die Kojoten in den Bergen Signalfeuer anzündeten, damit er ihnen nicht zu nahe kam.

»Das ist verdammt lange her«, sagte er.

Ich schätzte ihn auf unter fünfzig. Er hatte einen sehr dunklen Teint und ein undurchschaubares Gesicht mit ausgeprägten nordmexikanischen Zügen. Später erfuhr ich, dass er nicht aus Sinaloa, sondern aus Alamos, Bundesstaat Sonora, stammte, somit ein Landsmann der Schauspielerin María Félix war, und dass er als Schmuggler und kleiner Handlanger angefangen hatte, dann für das Juárez-Kartell Emigranten, Gras und Schnee in seinem Lastwagen über die Grenze gefahren hatte und schließlich in der Hierarchie aufgestiegen war; erst als Koordinator der Operation ›Herr der Lüfte‹, schließlich als Eigentümer einer Transportfirma und einer privaten Fluggesellschaft, die zwischen den Bergen, Nevada und Kalifornien Schmuggel betrieb, bis die Nordamerikaner die Kontrolle des Luftraums verschärften und fast alle Löcher in ihrem Radarsystem schlossen. Inzwischen lebte er ganz bequem von seinen in sichere Geschäfte investierten Ersparnissen, außerdem kontrollierte er noch einige Dörfer der Kokabauern oben in den Bergen, fast an der Grenze zu Durango. Er hatte eine große Farm in der Gegend von El Salado, mit viertausend Rindern, Do Brasil, Angus, Bravo. Er züchtete auch Rennpferde und Kampfhähne, die ihm bei den Wettkämpfen auf dem Viehzüchterfest im Oktober oder November eine Stange Geld einbrachten.

»Teresa Mendoza«, murmelte er nach einer Weile und schüttelte dabei den Kopf, als erinnerte er sich an etwas Amüsantes. Dann trank er einen Schluck Bier, aß ein Stück Fleisch und trank noch einen Schluck. Er sah mich weiter unbeweglich durch seine Brillengläser an, leicht spöttisch, und gab damit zu verstehen, dass er nichts dagegen hatte, über etwas Verjährtes zu sprechen, und dass das Risiko, in Sinaloa Fragen zu stellen, ausschließlich auf meiner Seite lag. Von Toten zu reden war nicht das Problem – die Narcocorridos waren voll von wirklichen Namen und Geschichten; es wurde nur gefährlich, wenn man mit dem Finger auf die Lebenden zeigte und damit riskierte, für einen Spitzel oder Denunzianten gehalten zu werden. Ich akzeptierte die Regeln des Spiels, und während ich den goldenen Anker – nur unwesentlich kleiner als der der Titanic –, betrachtete, der an einer dicken Kette im offenen Kragen seines karierten Hemds glitzerte, stellte ich ohne große Umschweife die Frage, die mir auf der Seele brannte, seit Élmer Mendoza vier Tage zuvor im Don Quijote auf ihn gezeigt hatte. Ich sagte, was ich zu sagen hatte, und als ich meinen Blick hob, musterte er mich noch genauso wie vorher. Entweder bin ich ihm sympathisch, dachte ich, oder ich habe gleich ein Problem. Nach ein paar Sekunden trank...

Erscheint lt. Verlag 10.2.2016
Übersetzer Angelica Ammar
Verlagsort Berlin
Sprache deutsch
Original-Titel La Reina del Sur
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Drogen • Krimi • La Reina del Sur deutsch • Mexiko • Page Turner • Spannung • ST 4658 • ST4658 • Süd- und Zentralamerika (inklusive Mexiko) Lateinamerika • suhrkamp taschenbuch 4658 • Thriller • Zentralamerika (inklusive Mexiko)
ISBN-10 3-518-74276-0 / 3518742760
ISBN-13 978-3-518-74276-1 / 9783518742761
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