Jerry Cotton Sonder-Edition 19 (eBook)
80 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-7325-2469-3 (ISBN)
Zwei Tote führten uns auf die Spur einer Erpresserband, aber so sehr wir uns auch bemühten, wir bekamen sie nicht zu fassen. Ein letzter Ausweg blieb uns noch, wir mussten jemand in die Bande einschleusen. Ich ging als G-man Jerry Cotton ins Gefängnis und kam kurz darauf als Jack Fenton, ein Spezialist für Erpressungen, wieder heraus ...
1
Ich saß an diesem Abend endlich wieder einmal vor meinem Fernseher und sah mir einen spannenden Film an.
»Verdammt«, knurrte ich, als es an meiner Wohnungstür läutete.
Ich riss sie auf. Mein erster Blick fiel auf eine Blutlache, die bis zu meiner Tür reichte. Und dann sah ich den Mann, der hier verblutet war. Gleichzeitig hörte ich die aufgeregte Stimme von Mr Sullivan, meinem Nachbarn, der am ganzen Leib zitterte und kaum ein klares Wort hervorbrachte.
»Mister Cotton, eine Leiche vor Ihrer Tür!«
»Das sehe ich.« Ich beugte mich einen Augenblick über den leblosen Körper. Es genügte, um mir Klarheit zu verschaffen, dass dieser Mann tot war. Ich drehte den Kopf, der schlaff auf die linke Seite gefallen war, und stieß einen erstaunten Ruf aus.
»Kennen Sie ihn?«, stammelte Sullivan aufgeregt.
»Es ist John Carmichel. Er hat das Delikatessengeschäft zwei Blocks weiter.«
»Schrecklich«, jammerte Sullivan. »Und genau vor Ihrer Tür! Haben Sie nichts gehört?«
Ich antwortete nicht auf die Frage, sondern bat ihn, hier zu warten und alles unverändert zu lassen. Inzwischen trat ich in meine Wohnung und rief die Mordkommission an.
Ich hatte keinen Schuss gehört, obwohl er unmittelbar vor meiner Tür abgefeuert worden sein musste. Es war unmöglich, dass sich Carmichel noch weit geschleppt haben konnte.
»Haben Sie denn etwas gehört, Sullivan?«, fragte ich zurück. »Bei mir war der Fernsehapparat so laut eingestellt.«
»Ich war gar nicht zu Hause«, murmelte er. »Als ich aus dem Lift trat, sah ich ihn liegen.«
Ich holte Sullivan einen Whisky, der ihm half, den ersten Schock zu überwinden.
»Haben Sie niemand unten im Haus getroffen?«, fragte ich. »Vermutlich ist der Mörder mit dem Lift hinuntergefahren.«
Sullivan schüttelte den Kopf.
Aber die Erwähnung des Lifts brachte mich auf eine Idee. Ich drückte auf den Knopf und holte mir die Kabine heran, die inzwischen schon wieder durch die Stockwerke geschwirrt war. Vielleicht hatte Carmichels Mörder eine Spur hinterlassen. Vielleicht gab uns ein Tropfen Blut einen Fingerzeig, dass der Mord im Lift geschehen war.
Doch obwohl ich den Lift genau absuchte, fand ich nichts außer Straßenschmutz und ein paar Fetzen Papier.
Inzwischen war die Mordkommission erschienen. Ich kannte Lieutenant Murphy, der sie leitete.
»Haben Sie ihn in Notwehr erschossen, Jerry?«, fragte Murphy.
Ich schüttelte den Kopf. »Habe keine Ahnung, wie er hierher kommt.«
»Sie kennen den Mann?«
Ich gab ihm den Namen von John Carmichel und erzählte Murphy, was ich über den Kaufmann wusste.
»Verheiratet?«, fragte der Lieutenant.
»Ja«, sagte ich und dachte daran, dass die Ehe der Carmichels auf mich immer einen sehr glücklichen Eindruck gemacht hatte.
»Es sieht doch ganz so aus, Jerry«, stellte Murphy fest, während die Männer der Mordkommission mit Blitzlichtern und Messungen die übliche Routinearbeit durchführten, »als ob Carmichel zu Ihnen wollte.«
Auf diese Idee war ich auch schon gekommen. Carmichel hatte gewusst, dass ich G-man bin. Aber ich konnte mir nicht vorstellen, was er bei mir gewollt hatte.
»Jemand wollte verhindern, dass Carmichel mir etwas anvertraute. Deshalb erschoss er ihn, bevor er an meiner Tür läuten konnte.«
»So muss es gewesen sein, Jerry.«
»Merkwürdig, dass ich keinen Schuss gehört habe.«
»Vielleicht hat der Täter einen Schalldämpfer benutzt«, meinte Murphy.
Das klang wahrscheinlich. Bei dem Lärm des Fernsehers hatte ich dieses Geräusch bestimmt überhört, obwohl ich für Schüsse von Berufs wegen einen sechsten Sinn habe.
Murphy wechselte ein paar Worte mit seinen Leuten, die die Spuren untersucht hatten. Dann kam er zu mir zurück.
»Sieht ganz so aus«, berichtete er, »als ob Carmichel die Treppen hinaufgelaufen ist. Er hat vielleicht 80 Sekunden für den Weg benötigt. Inzwischen muss der Mörder den Lift genommen haben. Er ließ ihn hier halten, und als Carmichel nichtsahnend um die Ecke kam und auf Ihre Tür zuging, lief er genau in den Tod.«
»So wird es wohl gewesen sein«, stimmte ich zu. »Wenn ich nur die geringste Vermutung hätte, was er bei mir gewollt hat.«
»Bestimmt eine mächtig faule Sache, in der er sich mit Ihnen privat beraten wollte. Das ist meine Idee. Aber da war jemand, der von diesem Gespräch eine Enthüllung befürchten musste.«
»Stimmt auffallend – nur: Was für eine Enthüllung? Wenn wir das wüssten, hätten wir auch den Mörder.«
Inzwischen hatten sie Carmichels Leiche auf eine Bahre gelegt und in den Lift getragen. Spuren gab es nicht.
Lieutenant Murphy verabschiedete sich.
»So long.« Ich winkte ihm zu und schloss die Tür hinter mir. In meiner Wohnung goss ich mir einen großen Whisky ein und dachte lange nach.
***
Mitten in der Nacht wurde ich von einem gellenden Läuten an meiner Wohnungstür aus dem Schlaf gerissen. Nachdem ich die Nachttischlampe angeknipst hatte, stellte ich fest, dass es drei Uhr morgens war, also nicht gerade die Zeit, in der man von Freunden besucht wird.
Ärgerlich trabte ich im Bademantel zur Tür. »Wer ist da?«, fragte ich.
»Polizei. Öffnen Sie, Mister Cotton!«
Es waren zwei Cops vom nächsten Revier, die vor der Tür standen.
»Kommen Sie herein!«, forderte ich sie auf, nachdem ich die Tür geöffnet hatte.
Die beiden verhielten sich ganz dienstlich. Ich kannte sie nicht, und allem Anschein nach hatten sie keine Ahnung, wer ich war.
»Gehört der rote Jaguar vor dem Haus Ihnen?«, fragte der eine der beiden mit strenger Stimme.
»Wenn Sie nichts dagegen haben.«
»Dann muss ich Sie bitten, mir den Kofferraum Ihres Wagens zu öffnen.«
Ich starrte den Uniformierten verblüfft an. »Und deshalb kommen Sie mitten in der Nacht? Was sollen solche Scherze?«
»Ziehen Sie sich an und kommen Sie mit!«, ordnete der Cop an.
»Wie lange haben Sie schon geschlafen?«, fragte der andere.
»Gut drei Stunden«, sagte ich wahrheitsgemäß. »Was wollen Sie eigentlich? Worauf soll das alles hinaus?«
»Das werden Sie noch rechtzeitig erfahren, Mister Cotton. Falls Sie es nicht schon selbst wissen.«
Sie ließen mich nicht aus den Augen, während ich mich anzog und ihnen auf die Straße folgte. Ich hatte beschlossen, erst einmal abzuwarten und ihnen meinen Dienstausweis erst dann unter die Nase zu halten, wenn es erforderlich wurde.
Sie machten es ganz wichtig. Einer von den Cops lief an meiner Seite, der andere hinter mir. Ich wette, er hatte sogar die Hand an seiner Pistole.
Ich zog den Wagenschlüssel aus meinem Sakko und öffnete den Kofferraum.
»Bitte, Gentlemen«, sagte ich einladend, während ich die Haube des Kofferraumes gelassen öffnete.
Was ich erblickte, gab mir mindestens den gleichen Schock wie den beiden Cops, die etwas Ähnliches schon vermutet hatten.
Zum zweiten Male innerhalb von fünf Stunden sah ich mich einer Leiche gegenüber. Der Mann im Kofferraum meines Jaguar war tot. Die bläuliche Färbung seines Gesichts ließ erkennen, dass er erdrosselt worden war.
»Wer ist das?«, stieß ich hervor.
»Das wollen wir gerade von Ihnen wissen«, sagten die Cops unheilvoll. »Wer ist der Mann?«
»Ich habe keine Ahnung«, sagte ich wahrheitsgemäß, während ich überlegte, wie die Leiche in meinen Kofferraum gekommen war.
»Und Sie wissen natürlich auch nicht, wie er da hingekommen ist?«, fragte einer der Cops.
»Nein, bestimmt nicht.«
»Wer verfügt außer Ihnen über die Schlüssel für den Kofferraum?«, fragte der andere Polizist.
Die Art ihrer Fragen ließ keinen Zweifel, dass sie mich mit ziemlicher Sicherheit für den Mörder hielten.
»Niemand außer mir«, sagte ich und wollte in die Tasche fassen, um ihnen meinen Dienstausweis zu präsentieren.
Aber dazu ließen sie es nicht kommen.
»Hands up!«, befahlen sie.
»Machen Sie keinen Unsinn! Ich bin G-man.«
»Auf den Leim gehen wir Ihnen nicht«, sagte einer der Cops. »Sie kommen jetzt mit aufs Revier, und dann werden wir sehen, was an Ihren Ausreden dran ist.«
So kam es, dass ich in dieser Nacht zum zweiten Mal die Freude hatte, Lieutenant Murphy zu sehen.
»Was ist denn mit Ihnen los, Jerry?«, fragte er, als er sah, dass die Cops mich nicht losließen.
»Mordverdacht«, erklärte einer von ihnen.
»Unsinn«, knurrte Murphy die beiden an. »überlegt ein bisschen, bevor ihr einen G-man unter Mordverdacht stellt!«
Sie blickten ziemlich betreten vor sich hin, als Murphy ihnen auseinander setzte, wer ich war. Jetzt rückten sie auch mit dem heraus, was geschehen war.
Sie hatten im Revier einen anonymen Anruf bekommen, dass in dem roten Jaguar, der einem Mr Cotton gehöre, eine Leiche zu finden sei.
Ganz hatten sie die Nachricht nicht geglaubt. Aber als sie stimmte, mussten sie mich natürlich für verdächtig halten. Ich konnte es ihnen nicht übel nehmen.
»Kennen Sie diesen Toten?«, fragte mich Murphy.
Aber diesmal musste ich es verneinen. Ich hatte ihn noch nie gesehen.
»Viele Leichen in Ihrer Nähe, Jerry«, sagte Murphy. »Sieht so aus, als ob die Gangster Ihnen einen Mord in die Schuhe schieben wollen.«
Der Arzt hatte die Untersuchung des Toten beendet. »Erdrosselt«, stellte er fest und bestätigte meine eigene...
| Erscheint lt. Verlag | 2.2.2016 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Jerry Cotton Sonder-Edition | Jerry Cotton Sonder-Edition |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Krimi / Thriller |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | 2017 • 2018 • Abenteuer • alfred-bekker • Bastei • Bestseller • Dedektiv • Detektiv • Deutsch • Deutsche Krimis • eBook • E-Book • eBooks • Ermittler • erste-fälle • gman • G-Man • Hamburg • Horst-Bosetzky • international • Kindle • Komissar • Kommisar • Kommissar • Krimi • Krimiautoren • Krimi Bestseller • Kriminalgeschichten • Kriminalroman • Krimis • krimis&thriller • letzte fälle • martin-barkawitz • Mord • Mörder • nick-carter • Polizei • Polizeiroman • Polizist • Reihe • Roman-Heft • schwerste-fälle • Serie • Soko-Hamburg • spannend • spannende Krimis • Spannung • Spannungsroman • stefan-wollschläger • Tatort • Terror • thomas-herzberg • Thriller • uksak • Verbrechen • Wegner |
| ISBN-10 | 3-7325-2469-8 / 3732524698 |
| ISBN-13 | 978-3-7325-2469-3 / 9783732524693 |
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