John Sinclair 1602 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-4373-8 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!
Wer ist diese Frau, deren Gesicht einen so grausamen Anblick bietet? Zur einen Hälfte ist es normal, zur anderen nur mehr ein Skelett.
Ich wurde mit ihr konfrontiert, als mich die Detektivin Jane Collins um Hilfe bat. Sehr bald musste ich erkennen, dass sie keine normale Frau war, sondern eine Person, die aus Leichenteilen bestand ...
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Die Lady aus der Hölle
Plötzlich erschien das Gesicht und war einen Augenblick später wieder verschwunden.
Richard Lester fuhr hoch. Er hatte es nur aus den Augenwinkeln gesehen, aber die kurze Zeitspanne hatte ausgereicht, dass er vor Entsetzen erstarrte.
Er war davon überzeugt, kein richtiges Gesicht gesehen zu haben. Zwar hatte es einem Menschen gehört, sogar einer Frau, aber wer lief schon mit einem Gesicht herum, das zur einen Hälfte skelettiert war? Denn deutlich hatte er die bleichen Knochen gesehen, auch wenn sie durch das künstliche Licht bläulich geschimmert hatten …
Lester wusste nicht genau, wie er die Entdeckung einstufen sollte. Er fragte sich, ob er diesen Schädel überhaupt gesehen hatte oder ob er nicht einer Einbildung erlegen war. Der Bildschirm des Computers, vor dem er saß, konnte ihm ebenfalls keine Antwort geben, auf ihm waren nur Zahlenkolonnen zu sehen, aber nicht diese Fratze.
Er drehte den Kopf, um einen Blick in das Nachbarbüro zu werfen. Das gelang ihm ohne Mühe, denn in dem Bereich, in dem er arbeitete, war alles gläsern.
Es gab zwar einzelne Büros, sie hatten aber keine normalen Mauern, sondern gläserne Wände. So konnte jeder seine Kollegen sehen, wenn sie vor ihren Bildschirmen saßen.
Im Moment saß niemand dort, abgesehen von Richard Lester. Und auch er hätte eigentlich nicht hier sein sollen, aber er hatte es seinen Auftraggebern versprochen. Es ging um sehr viel Geld, das man ihm geboten hatte. Die Hälfte der Summe hatte er bereits erhalten, die zweite würde folgen, wenn die Informationen komplett waren.
Das würde in einigen Minuten so weit sein. Mit den Zahlenreihen, die nur noch ausgedruckt werden mussten, konnten andere nichts anfangen. Sie waren verschlüsselt, doch seine Auftraggeber waren an den Code herangekommen, das hatte man Lester zumindest gesagt. Jetzt brauchten sie nur noch die Tabellen, um sämtliche Informationen zu haben.
Es lief alles gut. Auch deshalb, weil sich Lester auskannte. Er wusste, dass das Institut auch in der Nacht nicht unbewacht war. Die elektronischen Wachtposten hatte er umgehen können, aber es gab als zusätzliche Sicherung noch die zweibeinigen Wachtposten, die zu bestimmten Zeiten patrouillierten, und genau diese Intervalle musste er ausnutzen.
Das hatte er geschafft.
Es blieben ihm noch knappe fünf Minuten, dann musste er weg. Es sollte kein Problem für ihn werden. Er musste die Infos nur noch ausdrucken, dann war die Sache gelaufen.
Und jetzt war das Gesicht erschienen!
Lester wusste nicht, wie er es einschätzen sollte. Hatte er sich geirrt? War das Gesicht irgendein Spiegelbild gewesen, eine Halluzination, ein Hologramm? Oder gab es tatsächlich einen Menschen, der so aussah?
Das wollte er nicht glauben. Niemand konnte so existieren. Halb Mensch und halb Skelett.
Egal wie oder was, Lester musste die Entdeckung aus seinen Gedanken verdrängen. Er hatte andere Dinge zu tun. Die ausgedruckte Liste nehmen und verschwinden.
Wenn sich jemand auf seine Menschenkenntnis berufen hätte und man ihn gefragt hätte, wie er Lester einschätzen würde, dann hätte es nur eine nichtssagende Antwort gegeben. Ein grauer Durchschnittstyp, der nicht auffiel. Einer, den niemand beachtete. Recht klein für einen Mann, Haare ohne Farbe. Irgendwie schon blond, aber mehr auch nicht. Hinzu kam das blasse Gesicht mit den farblosen Augen.
Lester hatte andere Eigenschaften. Er war ein Tüftler, ein Computerfreak. In der Firma hörte man auf seinen Rat. Er war angesehen, aber das war ihm nicht genug. Er wäre gern Abteilungsleiter geworden. Das hatte man ihm verwehrt, und darüber ärgerte er sich so sehr, dass er zum Verräter geworden war.
Er würde die geheimen Unterlagen verkaufen und dafür viel Geld kassieren. Und dann war er weg. Untergetaucht im Ausland. Nur nicht ohne Job, denn den hatte er schon so gut wie sicher, auch wenn die Arbeitsstelle außerhalb Europas lag, aber das war ihm egal.
Bisher hatte er sich sicher gefühlt. Es hatte keine Hinweise darauf gegeben, dass man ihm auf die Schliche gekommen war. Bis er eben dieses Gesicht gesehen hatte.
Mehr allerdings nicht. Ein Körper war ihm nicht aufgefallen. Trotzdem musste es ihn geben, und so ging er davon aus, dass er sich nicht allein in dieser Etage aufhielt.
Aber wer war noch da?
Von seinen Kollegen niemand. Die hätten auch nicht so ausgesehen. Von den Sicherheitsleuten auch niemand, ihre Rundenzeiten kannte er. Aber er war keiner Täuschung erlegen. Das gespenstische Gesicht hatte sich gezeigt und war einen Moment später wieder verschwunden gewesen.
Das summende Geräusch des Druckers erzeugte bei ihm ein zufriedenes Gefühl. Er schaute nach rechts. Die Seiten wurden ausgespuckt, und Lester steckte sie in einen Umschlag.
Die letzte Seite!
Es hätte ihm eigentlich ein Stein vom Herzen fallen müssen, doch seine Unsicherheit blieb. Ihm würde es erst besser gehen, wenn er das Haus verlassen hatte.
Schweiß bildete sich auf seiner Stirn. Er spürte ihn auch in den Achselhöhlen. Was er hier getan hatte, das war so verdammt endgültig gewesen. Er wusste, dass es keinen Weg zurück gab. Wenn man ihn jetzt erwischte, gab es keine Ausrede mehr.
Lester steckte den Umschlag ein. Die Innentasche seiner Jacke war geräumig genug. Jetzt musste er nur die paar Schritte zur Tür gehen und dann verschwinden.
Es war alles so einfach. Niemand hatte ihn gesehen, niemand würde ihn sehen.
Das dachte er …
Er wäre nie auf den Gedanken gekommen, dass man ihm bereits auf der Spur war. Er war eben zu gut, ein Perfektionist. Er wusste auch, wo sich die Kameras befanden.
Dass zusätzliche Sicherungen eingebaut sein könnten, daran dachte er nicht. Es hatte in seinem beruflichen Leben bisher alles geklappt, und das hier sollte der große Coup werden.
Er wandte sich dem Ausgang zu. Es war eine Tür aus Glas. Dahinter lag ein Flur. Von dort waren es nur wenige Schritte bis zu einem der Lifts. Drei Etagen musste er hinter sich lassen, dann war die Sache so gut wie gelaufen.
Er ging auf die Tür zu.
Und da geschah es.
Plötzlich sah er wieder das Gesicht. Aber nicht nur das. Auch der Körper war zu sehen. Ein heißer Schreck durchfuhr ihn. Es war eine Frau, und ihr Gesicht war etwas Besonderes und Widerliches.
Die rechte Seite bestand aus Knochen.
Sein Atem stockte. Wie nebenbei nahm er den Körper wahr. Er war mit einem Kleid bedeckt, dessen Saum die Knie umspielte. Ob auch die Gestalt aus Knochen war, sah er deshalb nicht, aber ihm fiel etwas anderes auf.
In der Hand hielt die Person ein Messer.
Und dessen Spitze zeigte genau auf ihn!
*
Der Raum hatte keine Fenster. Es gab Betonwände, ein eher indirektes Licht und verschiedene Monitore, die die Bilder wiedergaben, die von den Augen der Kameras geliefert wurden.
Büros wurden überwacht. Leere Räume in der Regel, wobei es bei einem Raum nicht der Fall war. Denn dort befand sich ein Mann namens Richard Lester.
Um ihn ging es.
Und um eine Frau, die Jane Collins hieß und vor einem der Monitore saß, um einen Mann zu beobachten, der sich nicht wie ein Dieb verhielt, sondern ganz normal vor dem Bildschirm saß und arbeitete. Nur hatte er um diese Zeit da nichts zu suchen. Er besorgte sich Informationen auf eine noch altmodische Art und Weise, denn der Drucker spuckte das aus, was nicht für fremde Augen bestimmt war.
Jane Collins dachte daran, dass dieser Mann irgendwie verrückt war. Er war Angestellter dieser Firma, aber er wollte sie hintergehen und Unterlagen stehlen.
Genau das hatten gewisse Leute vorausgesehen und Jane Collins engagiert. Sie verdiente ihr Geld als Detektivin und nahm die verschiedensten Aufträge an.
Hier ging es um Industriespionage. Ein gewisser Richard Lester sollte auf frischer Tat ertappt werden. Nur wollte die Firmenleitung das nicht allein dem Sicherheitspersonal überlassen. Man hatte noch eine Detektivin engagiert, und Jane war dies gar nicht mal so unrecht gewesen, denn die Arbeit wurde gut bezahlt und war mal wieder was Neues, auch wenn sie stundenlang im Überwachungsraum hocken musste, zusammen mit den vier Männern vom Sicherheitspersonal. Sie waren eingeweiht und konnten sich nur darüber wundern, dass Jane noch als zusätzliche Detektivin engagiert worden war. Zuerst hatten sie gedacht, dass sie kontrolliert werden sollten oder man sie nicht für fähig genug hielt, aber ein Telefonanruf aus der Firmenzentrale hatte sie beruhigt.
Der Chef der kleinen Truppe hieß Marc Burton. Er stand hinter Jane Collins. Mit seinem breiten Körper und dem knochigen Gesicht konnte er Menschen schon Furcht einjagen. Hinzu kam die dunkle Uniform, die für einen gewissen Respekt sorgte.
»Der ist doch blöd«, zischelte Burton. »Der weiß doch, dass er unter Kontrolle steht.«
»Vielleicht auch nicht.«
»Wieso? Er muss sich hier auskennen.«
»Schon klar. Möglicherweise fühlte er sich zu sicher. Wer kann schon in den Kopf eines Menschen hineinschauen?«
»Jedenfalls ist er für mich durchgedreht.«
»Klar. Wer ist das nicht?«, murmelte Jane. Irgendwie gab sie dem Mann recht. Durchgedreht waren viele Menschen, und es wurden immer mehr, das stand auch fest.
Die Welt war verrückt. Davon konnte gerade eine Frau wie Jane Collins ein Lied singen.
Die anderen drei Männer konzentrierten sich auf die übrigen Monitore. Es war auf den Bildschirmen alles okay. Niemand schlich durch die Büros und geriet in den Bildausschnitt der Kameras.
Es wollte ihr einfach nicht in den Kopf, dass sich jemand so verhielt. Das war nicht zu fassen. Da hatte...
| Erscheint lt. Verlag | 20.1.2016 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-4373-3 / 3838743733 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-4373-8 / 9783838743738 |
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