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John Sinclair 1956 (eBook)

Als Engel in der Hölle

(Autor)

eBook Download: EPUB
2016 | 1. Aufl. 2016
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-7325-2472-3 (ISBN)

Lese- und Medienproben

John Sinclair 1956 - Jason Dark
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Ein einsamer Küstenort in Schottland. Name: Invergordon. Menschen, die nicht ahnten, dass sich etwas Teuflisches in ihrer Nähe zusammenbraute. Und niemand hätte je geglaubt, dass sich das Schreckliche ausgerechnet in einem Mädchen-Internat manifestieren würde.

Aber das war ein Irrtum. Dort hatte sich das Böse schon einen Platz erobert. Und an der Spitze stand Luzifers erster Diener Matthias ...

Und Lara hatte innerlich zugestimmt. Sie musste so reagieren. Sie konnte nicht mehr länger in diesen Mauern bleiben. Da draußen wartete das Leben, lauerte die Macht, die Welten versetzen konnte, so hatte man es ihr gesagt.

Und sie hatte ihn auch gesehen. Ein Traum von einem Mann, der das Blut der Achtzehnjährigen ins Wallen gebracht hatte. Er hatte ihr alles versprochen. Er wollte sie aus dem Internat holen und ihr dann die große Welt zeigen.

Die Haustür des Baus wurde am Abend stets abgeschlossen. Aber es gab ein Schlupfloch. Das war die Seitentür, die den Schülerinnen verschlossen blieb und nur durch die Lehrer geöffnet wurde.

Das stimmte nicht mehr.

Auch Lara würde die Tür öffnen können, denn sie hatte es geschafft, sich einen Ersatzschlüssel zu besorgen und wusste auch, dass er passte. Sie hatte schon einen Versuch unternommen, war aber dann doch im Internat geblieben.

Nicht aber an diesem Abend. Das hatte sie ihrem Geliebten versprochen, der so oft mit seinen Gedanken bei ihr war. Dann hörte sie seine Stimme in ihrem Kopf, aber auch normal war sie zu verstehen, als würde er direkt neben ihr stehen.

Sie kannte nicht mal seinen Namen. Für Liebende spielte das keine Rolle, hatte er gesagt, und sie hatte ihm geglaubt. Sie glaubte alles. Er war ein wunderbarer Mensch. Er schmeichelte ihr. Er machte ihr Komplimente und war so zärtlich über ihre Haut gefahren, dass es sie jetzt noch schauderte, als sie daran dachte.

Noch war die Tür zu. Noch musste Lara die drei Stufen nach unten gehen, um sie zu erreichen, und sie brachte sie hinter sich. In der großen Schule war es ruhig. Es kratzte etwas, als sie den Zweitschlüssel im Schloss drehte.

Dabei war ein Leuchten in ihren Augen zu sehen. Die normalen Schließgeräusche waren für sie reine Musik. Endlich konnte sie rausgehen, und sie würde nicht mehr in dieses Gefängnis zurückkehren, in dem die Strenge bewusst über allem stand. Man nahm keine Rücksicht auf die pubertären Empfindlichkeiten der Mädchen.

Als die Tür anfing leise zu knarzen, hielt sie den Atem an und schob sie auch nicht weiter auf. Es passierte nichts. Sie blieb allein. Niemand hatte etwas gehört, und eine Alarmanlage gab es nicht.

Lara schob die Tür gerade so weit auf, dass sie durch den Spalt ins Freie schlüpfen konnte. Sie spürte sofort, dass der Sommer vorbei war und der Herbst sein Kleid über die Natur geworfen hatte. Der kühle Wind brachte den Geruch von feuchter und schwerer Erde, aber auch den von Wasser, das leicht salzig schmeckte.

Sie war draußen – hatte es geschafft. Und letztendlich war es einfacher gegangen, als sie es sich vorgestellt hatte. Nun konnte ihr neues Leben beginnen.

Das Haus lag in einem Park. An ihm und dem Gelände hatte sich seit langen Jahren nichts verändert. Das wollte man so, das sollte auch so bleiben.

Kein Abschiedsblick mehr. Nein, ganz und gar nicht. Sie hätte vielleicht gegen das Mauerwerk getreten oder gespuckt, mehr hatte sie dafür nicht übrig. Sollte das Alte sterben, dann war man bereit für das wunderbare Neue.

Lara ging ein paar Schritte von der Hauswand weg, wandte sich nach rechts und lief auf den Hauptweg zu, der weg vom Haus führte und den Park in zwei Hälften teilte. Später würde sie dann auf die normale Straße gelangen.

Es gab die eine oder andere Laterne. Keine davon brannte, sie waren nicht mehr als Dekoration.

Im Haus war es warm gewesen. Hier draußen nicht. Zwar pfiff kein starker Wind. Aber von der Temperatur her war es doch recht kühl geworden, und auch die Luft war nicht besonders klar, denn dicke Dunstwolken breiteten sich an manchen Stellen aus.

Lara wusste, wohin sie zu laufen hatte. Am Ende des Grundstücks stand das alte Haus, in dem Holz aufbewahrt wurde. Es war so etwas wie eine Notration, wenn es mal knapp in der Schule wurde. Genau dort würde er warten, und wenn sie an ihn dachte, dann klopfte ihr das Herz viel stärker. Er hatte ihr zudem versprochen, ihr seinen Namen zu verraten, was sie als sehr wichtig empfand.

Die ersten Meter war sie gerannt. Sie wollte weg vom Gemäuer. Das lag jetzt hinter ihr, und sie ging langsamer, um wieder zu Atem zu kommen. Bis zum Treffpunkt war es nicht weit.

Trotz der Kühle lag Schweiß auf ihrem Gesicht. Das führte sie auf die innere Aufregung zurück. Sie ging vom Weg ab in eine bestimmte Richtung. Unter ihren Füßen gab das Laub schabende Geräusche ab, die verstummten, als Lara den Treffpunkt erreicht hatte.

Vor ihr baute sich das Haus auf. Es stand schief und schien beim nächsten Windzug in sich zusammenzufallen. Aber das war ein Irrtum. Dieses Haus hatte schon Jahrzehnte auf dem Buckel.

Es gab eine Tür, die erst noch geöffnet werden musste. Das verkniff sich Lara. Sie wollte draußen und auch direkt vor dem Haus auf ihn warten. Es war so wahnsinnig aufregend. Sie hätte nie damit gerechnet, dass sie so etwas für einen Mann tun würde. Aber schon beim ersten Zusammentreffen war es um sie geschehen gewesen.

Und er dachte ebenso.

Daran glaubte sie auch, denn ihr fiel kein Grund ein, sie anzulügen. In den nächsten Minuten würde sich einiges klarstellen lassen. Lara freute sich darauf.

Das war die eine und völlig natürliche Seite. Aber es gab noch eine zweite. Man konnte sie als Gewissen oder innere Warnung einstufen. Und so fragte sie sich auch, ob sie alles richtig gemacht hatte.

Ja, das habe ich. Ja. Ja. Und ja!

Sie hämmerte sich das eine Wort ein, bis sie es nicht mehr aus dem Kopf bekam. Dann hob sie den Arm und schaute auf ihre Uhr am Handgelenk. Eine Stunde nach Mitternacht war ihr gesagt worden. Und die war in zwei Minuten vorbei. Dann würde er kommen, und sie wusste, dass er pünktlich war. Das hatte er immer so gehalten.

Lara Moore wollte sogar die Sekunden zählen, als es passierte. Sie hörte ein Geräusch nicht weit von ihr entfernt. Einordnen konnte sie es nicht, aber es war da.

Vielleicht Schritte?

Da kam jemand.

Eine Gestalt malte sich in der Dunkelheit ab, und Lara erkannte, dass es eine männliche war. Plötzlich schlug ihr Herz wie verrückt. Hätte sie jetzt etwas sagen sollen, es wäre ihr nicht gelungen, so aufgeregt war sie inzwischen.

Er kam näher.

Er ging. Doch Lara hatte den Eindruck, er würde über den Boden schweben. Jetzt war nichts mehr von ihm zu hören, und er blieb stehen, als er Lara fast erreicht hatte.

Sie schaute ihn an. Sie atmete heftig. Ein leichter Schwindel hatte sie erfasst. Der männliche Ausdruck seines Gesichts war in der Dunkelheit nicht zu erkennen, aber Lara wusste ja, wie er aussah.

Er begann zu sprechen. »Willkommen«, sagte er. »Ich heiße dich willkommen.«

»Danke, danke.« Jetzt nahm Lara allen Mut zusammen und stellte ihm eine Frage. »Wolltest du mir nicht deinen Namen sagen, wenn wir uns heute Nacht hier treffen?«

»Ja, das habe ich auch nicht vergessen.«

Sie freute sich über den kleinen Erfolg. »Und darf ich wissen, wie dein Namen lautet?«

»Gern. Ich heiße Matthias …«

***

Jetzt war es heraus. Lara wusste Bescheid. Nur gab sie keinen Kommentar ab. Sie musste schlucken, denn sie hatte nicht erwartet, dass er Matthias hieß. Es war ein so normaler und schlichter Name, der gar nicht zu ihm passte. Er sah einfach zu gut aus. Das Gesicht war nicht genau zu erkennen, es lag zum Teil in Schatten.

Erst lächelte er, dann lachte er leise und fragte: »Was ist mit dir?«

Röte stieg in Laras Gesicht. Sie war froh, dass der Mann vor ihr es nicht sah.

»Es ist der Name«, sagte sie.

»Und?«

»Er passt nicht zu dir.«

»Dann würdest du einen anderen wählen?«

Lara Moore nickte. Es war ihr peinlich, dass sie sich so weit aus dem Fenster gelehnt hatte, aber der Mann vor ihr erklärte, dass Matthias ein besonderer Name wäre, denn sogar einer der Evangelisten hatte ihn getragen.

Bei Lara machte es Klick. »Ja, ich erinnere mich. Das ist wohl wahr. Kannst du mir noch mal verzeihen?« Sie presste die Hand gegen ihre Lippen.

»Aber sicher. Ich verzeihe dir alles. Das muss ich einfach bei einer so wundervollen jungen Frau, wie du es bist.« Er ging jetzt auf sie zu und stand ihr ganz nahe.

Lara spürte ihren Herzschlag, der stärker geworden war. Sie rechnete damit, dass sie geküsst wurde. Das trat nicht ein. Galant griff Matthias nach ihrer Hand. Er hob sie an und deutete einen Kuss an.

Lara schauderte. Aber nicht wegen des Kusses und einer bestimmten Erwartung, sondern weil es an der Hand lag. Lara hatte damit gerechnet, dass die Hand eine normale Temperatur aufwies, aber das war nicht der Fall. Diese Hand war kalt – eiskalt!

Die junge Frau schnaufte, sagte aber nichts, sondern presste nur die Lippen zusammen. Dafür stellte Matthias eine Frage, ihm war ihr Verhalten wohl aufgefallen.

»Was hast du denn? Sei ehrlich.«

»Ja, das will ich sein. Es geht um die Hand, um deine Hand. Sie ist mir so kalt vorgekommen. Fast eisig. Etwas anderes kann ich nicht sagen.«

Er blickte sie lächelnd an und nickte. »Ja, du hast recht. Meine Hand ist nicht so warm.«

»Wie kommt das?«

»Ach, das ist eine alte Geschichte.«

Lara blieb am Ball. »Wie tot«, sagte sie flüsternd. »Einfach wie totes Fleisch.«

Matthias hatte sie beobachtet. »Ist dies denn so schrecklich? Muss man immer perfekt sein?«

»Nein, das nicht. Es stört mich auch nicht. Ich habe mich nur gewundert.«

»Das darfst du auch. Aber etwas anderes. Ich denke, dass wir uns jetzt auf den Weg...

Erscheint lt. Verlag 5.1.2016
Reihe/Serie John Sinclair
John Sinclair
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies
ISBN-10 3-7325-2472-8 / 3732524728
ISBN-13 978-3-7325-2472-3 / 9783732524723
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