John Sinclair 1576 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-4347-9 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!
'Das ist eine meiner letzten Fahrten', erklärte Jack Benson. Er schlug die Heckklappe des Leichenwagens zu und nickte. Sein Kollege Brian Penn warf die Kippe zu Boden. Er trat sie aus und grinste. Die Sprüche kannte er, und die Fragen, die er dann stellte, ähnelten sich auch.
'Hast du keine Lust mehr?'
'Das ist es nicht. Ich mag den unregelmäßigen Dienst nicht. Wie oft müssen wir in der Nacht raus und Tote abholen. Das ist nicht mehr mein Ding, verdammt.'
'Was willst du dann?', fragte Penn.
'Weiß ich nicht genau. Außerdem stört mich die beschissene Bezahlung, wenn ich ehrlich bin. Und für einen zweiten Job nebenbei fehlt mir die Lust. Ich will nicht kellnern so wie du.'
'Musst du auch nicht.' Penn grinste seinen Kollegen an. 'Aber heute Nacht fährst du noch - oder?'
'Ja. Und morgen auch.'
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Die Leichengasse
»Das ist eine meiner letzten Fahrten«, erklärte Jack Benson. Er schlug die Heckklappe des Leichenwagens zu und nickte.
Sein Kollege Brian Penn warf die Kippe zu Boden. Er trat sie aus und grinste. Die Sprüche kannte er, und die Fragen, die er dann stellte, ähnelten sich auch.
»Hast du keine Lust mehr?«
»Das ist es nicht. Ich mag den unregelmäßigen Dienst nicht. Wie oft müssen wir in der Nacht raus und Tote abholen. Das ist nicht mehr mein Ding, verdammt.«
»Was willst du dann?«, fragte Penn.
»Weiß ich nicht genau. Außerdem stört mich die beschissene Bezahlung, wenn ich ehrlich bin. Und für einen zweiten Job nebenbei fehlt mir die Lust. Ich will nicht kellnern so wie du.«
»Musst du auch nicht.« Penn grinste seinen Kollegen an. »Aber heute Nacht fährst du noch – oder?«
»Ja. Und morgen auch.«
Die beiden Männer hatten einen Teil ihres Jobs erledigt und einen toten Mann abgeholt. Es war eine nicht eben stark bewohnte Gegend, und das Haus, das sie hatten anfahren müssen, stand recht einsam. Um es zu erreichen, hatten sie sich den Weg durch einen Vorgarten bahnen müssen. In ihm wuchsen hohe Bäume, und hätte es kein Licht hinter den Fenstern gegeben, wäre das Haus gar nicht zu sehen gewesen.
Brian Penn setzte sich hinter das Steuer.
Die Nacht hatte einen Vorteil. Auf den Straßen herrschte nicht mehr viel Verkehr. Sie würden gut durchkommen, zur Firma fahren, den Toten dort in eine Kühlbox legen und in den kleinen Kantinenraum gehen, um dort die Zeit totzuschlagen.
Falls nicht noch eine Fuhre anfiel.
Ihr Chef stand vierundzwanzig Stunden bereit, und das wurde auch ausgenutzt. Besonders von Altenheimen. Da starben viele Menschen.
Das war auch hier der Fall gewesen. Sie hatten den Mann aus einem Heim geholt, das so einsam lag und wo sich die Menschen schon zu Lebzeiten begraben fühlen konnten.
Brian Penn wollte gar nicht daran denken, dass es ihm irgendwann auch so ergehen könnte.
Die Zufahrtsstraße war mehr eine Piste, über die sie fahren mussten, und so manches Mal wichen sie Schlaglöchern aus.
Penn fuhr konzentriert, während Jack Benson neben ihm saß und die Augen geschlossen hielt.
»He, schlaf nicht ein.«
»Warum nicht?«
»Weil ich sonst auch müde werde.«
»Soll ich das Radio anstellen?«
»Nein.«
»Was willst du dann?«
»Dass du nicht einschläfst, Mann.«
»Meine Güte. Hast du wieder eine Laune.«
Penn lachte. »Darauf bin ich auch stolz. Und ich freue mich schon auf das Wochenende.«
»Warum?«
»Dann habe ich frei und lasse die Sau raus.«
Benson grinste. »Wie machst du das denn?«
»Indem ich mich volllaufen lasse. Ich habe mich mit ein paar alten Spezis verabredet. Wir lassen mal wieder richtig die Puppen tanzen. So wie früher. Da sind dann Leichen kein Thema.«
»Und was sagt dein Weib dazu?«
»Meine Frau ist bei ihrer Mutter. Sie wird dort ein langes Wochenende verbringen.« Er rieb seine Hände. »Freie Bahn wie in alten Zeiten.«
»Viel Spaß.«
Brian Penn nickte. »Werde ich haben. Und was hast du vor?«
»Keine Ahnung. Ich lasse alles auf mich zukommen. Vielleicht schlafe ich viel. Kommt ganz darauf an, wie das Wetter wird. Aber das wird sich noch alles ergeben.«
»Klar.«
Es war eine ziemlich dunkle Nacht. Sie passte nicht in den Sommer. Seit Tagen schon waren die Temperaturen gesunken. Viel zu kalt für diese Jahreszeit, und es war noch der viele Regen hinzugekommen.
In dieser Nacht regnete es nicht. Nur hing der Himmel voller Wolken, und irgendwelche Lichter gab es nicht in ihrer Nähe. Nur in der Ferne lag eine helle Glocke über der Millionenstadt London, in die sie zum Glück nicht fahren mussten.
Ihre Firma lag in einem kleinen Ort am Rande der Stadt. Dort gab es noch eine Schreinerei, in der die beiden ab und zu – wenn sie Tagdienst hatten, und nichts zu tun war – Hilfsarbeiten durchführen mussten.
Jack summte ein Lied vor sich hin und konzentrierte sich dabei auf die Straße, über die das bleiche Licht der Scheinwerfer wanderte.
Um sie herum breitete sich Brachland aus. Zumeist feuchte Wiesen und mit Sträuchern und hohen Gräsern bewachsenes Terrain, um das sich niemand kümmerte.
Bevor sie ihr Ziel erreichten, senkte sich die Fahrbahn, und sie mussten unter einer Brücke hindurchfahren. Über ihnen rollte der Regionalverkehr zwischen London und der Südküste.
»Und wenn ich ein paar Monate arbeitslos bin, ich habe keinen Bock mehr auf den Job.« Jack Benson nickte sich selbst zu, als wollte er sich bestätigen.
»Du wirst dich noch nach der Leichenfahrerei zurücksehnen«, erklärte Penn.
»Sollen wir wetten?«
»Lieber nicht.«
Das Fernlicht erfasste bereits die Brücke.
Wie ein hoher Wall baute sich die Böschung mit den Geleisen vor ihnen auf. Tagsüber fuhren zahlreiche Züge über die Strecke. In der Nacht war es dagegen ziemlich ruhig.
Der Leichenwagen schaukelte über einige Unebenheiten hinweg, bevor sie den kurzen Tunnel durchfuhren. Das Licht strahlte hindurch und malte ein helles Gebilde auf die Fahrbahn.
Hinter der Brückendurchfahrt führte die Straße wieder leicht bergauf. Es war alles normal, und keiner der beiden dachte an etwas Böses.
Die Überraschung traf sie wenig später.
Plötzlich erfasste das Licht ein Hindernis.
Es sah im ersten Augenblick aus wie ein Kasten und stand quer auf der Straße.
»Was ist das denn?« Brian Penn hatte den Transporter mit der geschlossenen Ladefläche im letzten Augenblick gesehen. Er musste scharf bremsen, um nicht in dessen Seite zu fahren.
Sie standen. Sie schauten sich an. Sie schüttelte die Köpfe.
Brian Penn drosch mit der flachen Hand auf das Lenkrad.
»Hast du eine Ahnung, was das zu bedeuten hat? Wer stellt denn mitten in der Nacht so ein Ding mitten auf die Straße?«
»Ich habe keine Ahnung.«
»Und jetzt?«
Benson lachte. »Du kannst fragen. Steig lieber aus und schau mit mir zusammen nach, ob wir da vorbeikommen.«
»Auf der Straße nicht.«
»Dann eben über die Wiese oder so.«
»Okay, wie du willst.«
Beide stiegen aus, und sie fühlten sich dabei alles andere als wohl in ihrer Haut. Sie waren nicht besonders ängstlich, aber was sie hier sahen, das gefiel ihnen nicht. Das war einfach unnatürlich.
Wer stellte schon einen Transporter quer auf die Straße, damit kein anderes Fahrzeug passieren konnte? Das war mehr als unnormal, und da konnte man schon auf komische Gedanken kommen.
Es brannte kein Licht am Fahrzeug. Es gab keine Bewegung.
Die Männer traten auch von der gegenüber liegenden Seite an das Fahrerhaus heran, warfen einen Blick hinein und mussten feststellen, dass dort weder ein Fahrer noch ein Beifahrer saß.
»Wir müssen über die Wiese fahren«, erklärte Jack Benson fluchend. »Los, steigen wir wieder ein.«
Brian Penn nickte und wandte sich ab, um zum Leichenwagen zurückzugehen. Er machte sich seine Gedanken und ging schließlich davon aus, dass dies alles kein Zufall war.
Der Fahrer des abgestellten Transporters konnte sein Gefährt nicht einfach vergessen haben.
Dahinter steckte mehr.
Das mulmige Gefühl in ihm verstärkte sich.
Und er sollte recht behalten.
Beide Männer waren um den Transporter herumgegangen und hatten gerade das Heck erreicht, als dessen beide Türhälften plötzlich nach außen flogen.
Und dann waren sie da.
Sie kamen wie Schattengestalten. Sie sprangen aus dem Fahrzeug.
Sie hatten nur Körper und keine Gesichter und sie fielen wie hungrige Wölfe über die beiden Männer her …
*
Brian Penn hatte sich noch nach links gedreht, um mehr sehen zu können. Genau das war sein Fehler. Auf einmal war der Schatten dicht vor ihm und schlug zu.
Ein Stein schien Brian Penn in der Körpermitte zu erwischen. Etwas stieg von seinem Magen hoch. Er fing an zu würgen und die dunkle Welt begann sich vor seinen Augen zu drehen.
Da traf ihn der nächste Hieb. Er glaubte sogar, ihn heranrauschen zu hören, was gar nicht mal so unwahrscheinlich war, denn er wurde am Hals dicht unter dem Ohr getroffen.
Es war das Aus für ihn. Auf der Stelle sackte der Mann zusammen und rührte sich nicht mehr.
Jack Benson hatte einem ersten Angriff ausweichen können. Er versuchte nun, den Leichenwagen zu erreichen, um sich dort einzuriegeln. Panik erfüllte ihn, denn er hatte aus den Augenwinkeln gesehen, wie die Schattentypen seinen Kollegen zu Boden geschlagen hatten.
Er kam noch bis zur Fahrertür, da erwischte es auch ihn. Etwas prallte gegen seinen Rücken. Für ihn war es wie eine gewaltige Kralle, die ihn da gepackt hatte.
Er wollte sich nach vorn werfen, doch es war zu spät, denn die Kralle zerrte ihn zurück.
Hart wurde er zu Boden geworfen. Trotz seiner miesen Lage hielt er die Augen offen. Er sah etwas von oben auf sich zusausen, und dann explodierte etwas in seinem Kopf.
Jack Benson hatte das Gefühl, in mehrere Teile zerrissen zu werden und wegzufliegen.
Hinein in ein Dunkel, das er bisher in seinem Leben noch nicht gekannt hatte …
*
Die Kühle war in Brian Penns Körper gekrochen, und wahrscheinlich hatte sie auch dabei mitgeholfen, ihn aus dem Zustand der Bewusstlosigkeit hervorzuholen.
Er kehrte langsam wieder zurück in die normale Welt, öffnete auch die Augen, verspürte die scharfen Stiche im Kopf, und wäre die Kälte nicht gewesen, hätte er am liebsten...
| Erscheint lt. Verlag | 30.12.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-4347-4 / 3838743474 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-4347-9 / 9783838743479 |
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