John Sinclair 1519 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-4290-8 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!
Das Leichenbild bereitete einem Mann Probleme, der unschuldig im Zuchthaus saß. Man hatte ihn wegen Mordes an seiner Frau für acht Jahre hinter Gitter gesteckt, aber Ebby Jackson behauptete, dass der Tod seiner Frau ein Unfall gewesen war und der Teufel zusammen mit ihr im Hintergrund die Fäden gezogen hatte.
Niemand schenkte ihm Glauben. Nur ich wusste, dass mehr hinter dieser Aussage steckte. Und ich sollte auf eine böse und grausame Art und Weise Recht behalten ...
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Das Leichenbild
»Du willst mich killen, Amy? Du willst mich tatsächlich zum Teufel schi-cken, du kleine Schlampe? Das kann ich nicht glauben. Das ist einfach zu hoch für mich.«
Ein blutunterlaufenes Augenpaar starrte den Mann an.
»Ja, das werde ich«, flüsterte Amy Jackson, »und zwar noch heute! Ich habe es lange genug hier ausgehalten.«
Ebby grinste nur. »Dann musst du dich beeilen. In zwei Stunden haben wir Mitternacht.«
Amy Jackson sagte nichts mehr. Zwei, drei Sekunden gönnte sie sich noch Ruhe, dann stand sie auf und verließ das Wohnzimmer mit kleinen, schnellen Schritten. Wenig später wurde die Tür zum Schlafraum mit großer Wucht zugeschlagen. Es klang wie ein Schuss …
Ebby blieb zurück. Er war wütend und zugleich auf eine gewisse Weise auch verzweifelt. Er wusste genau, dass das Ende ihrer Beziehung erreicht war. Amy war nicht mehr bereit, zu einem normalen Menschen zu werden, sie hatte sich auf eine schlimme Art verändert. Keinem anderen Menschen war dies aufgefallen, nur ihm. Amy selbst hatte sich nicht gegen die schleichende Veränderung gewehrt.
Ihr Mann hatte es nicht abwenden können. Ihm blieb einfach nicht die Zeit dafür. Er war Trucker und verdammt oft unterwegs, auch in den Nächten, und so war Amy öfter allein zu Haus, was ihr bestimmt nicht gut tat.
Sie war eine schöne Frau, die auch ein starkes sexuelles Verlangen zeigte, und eigentlich hatte Ebby eher mit einem normalen Fremdgehen gerechnet, wenn er nicht zu Hause war.
Genau das war es nicht.
Amy war nicht auf die normale Art und Weise fremdgegangen. Sie hatte sich in der vielen freien Zeit nur anders orientiert, und das nachzuvollziehen war für Ebby nicht einfach.
Amy hatte in letzter Zeit des Öfteren von einem zweiten Leben gesprochen, und da war sie jetzt voll eingestiegen, wobei dieses Leben offenbar einen Verlauf genommen hatte, den Ebby nicht begriff.
Auch nachdem seine Frau für mehrere Minuten verschwunden war, hatte er sich noch nicht beruhigt. Aus seiner Brusttasche am Hemd holte er eine Packung Zigaretten hervor. Er zündete ein Stäbchen an, stellte sich vor das Fenster, schaute in die Nacht hinein und auf ein Gelände, das nicht dazu angetan war, irgendwelche Besucher anzulocken. Es sah einfach nur trist aus, denn sein Blick fiel auf den Hof einer Getränkefirma, wo die mit leeren Flaschen gefüllten Kisten standen und drei Türme bildeten. Das war kein erhebender Ausblick, aber er konnte nichts daran ändern. Ebby Jackson war froh, die Wohnung überhaupt halten zu können, denn sein Lohn war alles andere als fürstlich.
Ein Aschenbecher stand auf der Fensterbank. Jackson wusste, dass der Rauch seine Frau störte, deshalb öffnete er das Fenster und hielt sein Gesicht in die kühler gewordene Nachluft.
Nach den Unwettern war es kälter geworden, und er musste zugeben, dass er nichts dagegen hatte. Die kurze Hitze, verbunden mit einer Schwüle, war nichts für ihn gewesen. Im Fahrerhaus hatte er sich ebenso unwohl gefühlt wie in seiner Wohnung, und jetzt die frische Luft einzuatmen war der reine Genuss.
Amy!
Der Gedanke an seine Frau wollte ihm nicht aus dem Kopf. Und er hoffte, dass sie sich beruhigte und wieder normal wurde. Nicht mal so normal wie früher, denn dass sie das schaffte, daran konnte er nicht mehr glauben. Aber zumindest normaler. Wenn das eintrat, war schon viel gewonnen. Sie musste doch irgendwann einsehen, dass sie diesen verdammten Weg nicht gehen konnte.
Der Teufel!
Ebby zuckte zusammen, aber nicht, weil er an ihn dachte. Die Glut der Asche war zu nahe an seine Finger herangekommen und hatte dort einen beißenden Schmerz hinterlassen.
Ein leiser Fluch entwich seinem Mund. Die Zigarette fiel in den Ascher.
Er blieb weiterhin vor dem offenen Fenster stehen und schaute in die Dunkelheit.
Wie kann ich Amy wieder auf den rechten Weg bringen?
Genau dieser Gedanke beschäftigte ihn. Er raste durch seinen Kopf, und Jackson suchte nach irgendwelchen Möglichkeiten, doch ihm fiel keine ein.
Er hatte oft auf sie eingeredet. Am Tag und auch in der Nacht, doch es war vergebens gewesen. Seine Worte waren an ihr abgeglitten.
Er stand kurz davor, aufzugeben. Doch einfach alles hinwerfen, das wollte er auch nicht. Schließlich dauerte seine Ehe mit Amy schon sechzehn Jahre. So etwas schweißt zusammen. Aber Amy hatte für einen Riss gesorgt, der wohl nicht mehr zu kitten war.
Jackson dachte darüber nach, ob er seine Frau zurückholen sollte. Es brachte ja nichts, wenn er sie allein im Schlafzimmer ließ, um sie ihren krausen Ideen zu überlassen, die sich mit dem Teufel beschäftigten. Er musste sie irgendwie dazu bringen, wieder normal zu werden, auch wenn er nicht mehr so richtig daran glauben konnte, dass ihm dies gelang.
Eine zweite Zigarette rauchte er nicht. Dafür verschloss er das Fenster und hatte den Griff kaum herumgedreht, als hinter ihm die Tür geöffnet wurde. Er spürte es anhand des Luftzugs, der seinen Nacken berührte, und hörte die scharfe Stimme seiner Frau.
»Dreh dich um, Ebby!«
»Ja, schon gut. Ich wollte sowieso mit dir …«
»Dreh dich einfach nur um!«
Er tat es, und das sogar recht schnell. Seine Frau stand noch an der Tür.
Verändert hatte sie sich nicht, zumindest nicht, was ihr Aussehen anging.
Und trotzdem gab es einen gravierenden Unterschied zu vorhin. In der rechten Hand hielt sie eine Pistole, deren Mündung auf Ebby Jackson zeigte …
*
Es war ein Bild, das Ebby Jackson eigentlich nicht glauben konnte. So etwas wie ein eisiger Schauer rieselte über seinen Rücken. Es war unglaublich. Er hatte noch nie eine Waffe in der Hand seiner Frau gesehen, und jetzt sah sie sogar aus, als könnte sie damit umgehen.
Er sagte nichts. Die Überraschung hatte ihm die Sprache verschlagen. Das war ein schlechtes Schauspiel, was er hier erlebte, und er konnte kaum glauben, dass es der Wahrheit entsprach.
Dennoch hatte er das Gefühl, dass die Waffe zu seiner Frau passte. Ein verrückter Gedanke, aber er setzte sich in seinem Kopf fest.
Das war nicht mehr die Amy, die er damals geheiratet hatte. Sie war zwar noch seine Frau und auch ein Mensch, doch sie hatte eine Veränderung durchgemacht, die er nicht nachvollziehen konnte.
Der Ausdruck in ihrem Gesicht war starr, nur in den Augen stand der Wille, einen bestimmten Vorsatz bis zu seinem Ende durchzuziehen, und dabei stand er im Mittelpunkt.
Trotzdem konnte Ebby es nicht glauben. Er verlor seine Starre und hob die Schultern an. Sogar die Härte in seinem Gesicht löste sich auf. Er zwang sich zu einem Lächeln und deutete ein Kopfschütteln an.
»Das kann nicht wahr sein, Amy. Du mit einer Waffe?«
»Wie du siehst.«
»Und was willst du damit?«
Amy Jackson kicherte. »Muss ich dir das tatsächlich noch sagen? Ich denke nicht. Es ist doch ziemlich eindeutig, was du hier siehst.«
»Du willst schießen. Du – du …« Er brachte die folgenden Worte nur mühsam hervor. »Du willst mich töten?«
»Genau, Ebby.«
»Aber das kann nicht sein. Daran will ich nicht glauben. Das ist doch grauenhaft.«
»Was grauenhaft ist, das musst du mir überlassen, Ebby. All die letzten Jahre sind für mich grauenhaft gewesen. Ich habe gelitten, und ich habe dann, als das Leiden zu stark wurde, einen anderen Weg eingeschlagen, verstehst du?«
»Ich sehe es, aber ich verstehe es nicht. Wir haben uns doch immer gut verstanden und …«
»Das hast du gedacht. Aber es gibt auch andere Wege, die man gehen kann, um einer verfluchten Tristesse zu entfliehen. Genau diesen Weg bin ich gegangen, und ich kann dir sagen, dass es mich nicht reut. Es war einfach wunderbar.«
»Und jetzt?«
Vor ihrer Antwort schickte sie ihm ein leises Lachen entgegen. »Und jetzt bist du der einzige Störfa ktor.«
Jackson schwieg. Er wusste verdammt genau, was seine Frau damit gemeint hatte. Er ärgerte sich darüber, dass er plötzlich so schwitzte, doch er konnte nichts dagegen machen. Das war einfach so, und er presste hart die Lippen zusammen.
Glauben wollte er es nicht, und deshalb verließ er seinen Platz und ging auf Amy zu, die das sehr wohl bemerkte, aber nichts tat und wartete, wie weit ihr Mann wohl gehen würde.
»Bleib stehen, Ebby!«
»Nein!«
Ihre Stimme nahm einen drohenden Klang an, als sie sagte: »Du sollst stehen bleiben, verdammt!«
»Das werde ich nicht, Amy! Ich gehe so weit, wie ich will, hast du verstanden?«
»Ja, ich habe es gehört. Du willst also, dass ich dir eine Kugel in den Kopf jage.«
»Das traust du dir nicht!«
Über diese Antwort konnte Amy nur Lachen. Und genau das tat ihrem Mann weh. Von der eigenen Frau ausgelacht zu werden war mehr als schlimm für ihn. Er rollte mit den Augen, er sah plötzlich einen Schleier auf sich zuwallen und nahm alles nicht mehr so wahr, wie es der Wirklichkeit entsprach.
Dann schrie er auf und sprang nach vorn!
Es war eine Geste der Verzweiflung. Er prallte gegen seine Frau, die mit dieser Aktion nicht gerechnet hatte und voller Wut aufschrie. Sie konnte nicht vermeiden, dass sie nach hinten gestoßen wurde und mit dem Rücken gegen die Wand neben der Tür prallte. Sie wollte den rechten Arm mit der Waffe hochreißen, was ihr jedoch nicht gelang, denn Ebby hatte es durch eine glückliche Fügung geschafft, ihr Handgelenk zu umklammern. Und er ließ es nicht mehr los.
Aus Liebe war Hass geworden. Zumindest bei einer Person. Aber beide kämpften. Die eine wollte töten, der andere wollte überleben und setzte seine ganze Kraft dafür ein.
Das war auch für...
| Erscheint lt. Verlag | 23.12.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-4290-7 / 3838742907 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-4290-8 / 9783838742908 |
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