John Sinclair 1527 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-4298-4 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!
Von irgendwoher erklang ein Grummeln. Nicht laut, fast einschläfernd, mehr wie ein leichter Trommelwirbel. Doch das Geräusch nahm an Stärke zu, und das Grummeln wurde zu einem Donnern.
Hätte es jetzt ein Mensch gehört, er wäre in wilder Panik geflohen, denn in der Erde bahnte sich etwas an, etwas Fürchterliches ...
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Phantom der Hölle (1. Teil)
Von irgendwoher erklang ein Grummeln. Nicht laut, fast einschläfernd, mehr wie ein leichter Trommelwirbel.
Das Geräusch nahm an Stärke zu. Aus dem Grummeln wurde ein Donnern.
Hätte es jetzt ein Mensch gehört, er wäre in wilder Panik geflohen, denn in der Erde bahnte sich etwas an, etwas Fürchterliches …
Es sollte eine kleine Feier werden, aber irgendwie hatte es sich herumgesprochen, dass Harry Stahl einen runden Geburtstag feierte. Und so waren es doch mehr Gäste geworden. Harry hatte Glück, dass er in einem Raum feierte, in dem genügend Platz war.
Er hatte sich für einen Brunch entschieden und war jetzt froh, dass man die Tafel recht großzügig gefüllt hatte, sodass das Dutzend Gratulanten trotzdem satt werden konnte.
Es gab auch einen Gast, der extra aus London gekommen war.
Und das war ich, John Sinclair.
Da ich dienstlich nicht eingespannt war, hatte ich es einfach als meine Pflicht angesehen, der Einladung zu folgen. Wenn man fünfzig Jahre alt wird, ist das immerhin ein Ereignis, und der Trip von London nach Frankfurt war nichts weiter als ein Katzensprung.
Mit einem Regionalzug war ich weiter bis Wiesbaden gefahren, und von dort hatte mich ein Taxi an der Ort der Feier gebracht.
Ich war gewissermaßen als Überraschungsgast gekommen. Das hatte ich mit Dagmar Hansen, Harrys Partnerin, abgesprochen. Sie hatte ihren Freund damit überraschen wollen, und genau das war ihr gelungen, denn Harry hatte sich wahnsinnig gefreut. Sogar Tränen der Freude waren ihm in die Augen gestiegen.
Wir hatten wirklich gut gegessen und getrunken.
Das Wetter spielte ebenfalls mit. Es war nicht zu warm, und trotzdem schien die Sonne, und so konnten die Gäste auch auf die Terrasse treten.
Da das Lokal am Hang lag, hatte man von diesem Platz aus einen herrlichen Blick über die hügeligen Weinberge bis in den Taunus hinein, und mit jedem Atemzug konnte man die laue Luft genießen.
Es waren die Kollegen gekommen, um zu gratulieren. Die meisten gehörten dem BKA an, aber es gab auch welche, die aus den neuen Bundesländern eine längere Reise als ich unternommen hatten, denn auf den deutschen Autobahnen war es nicht anders als auf den englischen: Man musste immer mit Staus rechnen.
Ich hatte ein Glas Rheingauer Riesling mit auf die Terrasse genommen und genoss die Aussicht. Außerdem brauchte ich frische Luft, um mit ihr gegen das Völlegefühl in meinem Magen anzukämpfen. Wahrscheinlich hatte ich zu viel gegessen, aber es hatte auch zu gut geschmeckt. Leider musste ich das Dessert stehen lassen.
Lange stand ich nicht allein auf der Terrasse. Jemand hatte mich entdeckt und kam zu mir.
Es war Dagmar Hansen, die Frau mit den naturroten Haaren, die auf mich zuschlenderte und mich anlächelte. Das grüne Sommerkleid aus Leinen stand ihr gut. Es passte perfekt zur Farbe ihrer Augen.
Der warme Wind fing sich in ihren dichten Haaren, und als sie neben mir stehen blieb und mich aus ihren klaren Augen anschaute, nickte ich.
»Was meinst du, John?«
»Das hast du perfekt hingekriegt.«
»Danke. Harry hat sich auch wahnsinnig gefreut. Du bist so etwas wie ein Ehrengast.«
»Ach, hör auf.«
»Doch, John, doch. Und auch dass die Kollegen so zahlreich gekommen sind, hat ihn gefreut. Du weißt selbst, welche Probleme er in früheren Zeiten gehabt hat, anerkannt zu werden.« Sie hob die Schultern. »Er war jemand aus dem Osten. Beruflich fiel er in ein tiefes Loch, wovon er mir heute noch manchmal erzählt. Dann hast du ihm geholfen, ebenso wie Bill Conolly, den er auch hier gern gesehen hätte.«
»Das war leider nicht möglich. Bill hat sich eine Sommergrippe zugezogen. Er muss im Bett bleiben.«
»Ja, ich weiß.« Sie strahlte mich an. »Aber du bist hier, und das ist die Hauptsache.«
Ich winkte mit der freien Hand ab. »Nun mach mal keinen Personenkult aus mir, Dagmar. Da es meine Zeit erlaubte, war es für mich Ehrensache, dass ich hier erscheine.«
»Und wann fliegst du wieder zurück nach London?«
Ich atmete tief ein und wusste, dass ihr meine Antwort nicht passen würde. »Heute Abend noch.«
»Nein!«
»Doch.«
Sie zeigte einen betrübten Gesichtsausdruck. »Nein, John, kannst du dir das nicht noch mal überlegen?«
»Der Flug ist gebucht.«
»Lass ihn sausen. Buche um. Harry und ich haben uns auf einen schönen Abend mit dir gefreut. Ein Hotelzimmer zu bekommen ist kein Problem. Wir sehen uns so selten, und wenn, dann gibt es immer Ärger mit irgendwelchen Dämonen. Morgen ist auch noch ein Tag, und die Feinde laufen uns bestimmt nicht weg.«
»Das weiß ich selbst, aber London wartet auf mich und …«
Sie ließ mich nicht ausreden. »Wann hast du denn zum letzten Mal Urlaub gemacht, John?«
Ich musste lachen. »Urlaub? Was ist das?«
»Eben. Ich glaube nämlich, dass du gar keinen Urlaub gemacht hast und dir noch zahlreiche Tage zustehen. Ich glaube, du könntest ein volles Jahr freimachen.«
»So ähnlich.«
»Da kommt es doch auf einen Tag nicht an. Harry würde sich wirklich freuen.« Sie streichelte meine Wange. »Und ich natürlich auch, das versteht sich.«
Ich trank einen Schluck Wein, der gut gekühlt und leicht prickelnd durch meine Kehle rann. »Mal sehen …«
Dagmar ließ nicht locker.
»Heißt das ja?«
Ich verdrehte die Augen. »Himmel, du kannst einen armen Mann ganz schön ins Schwitzen bringen.«
»Also bleibst du?«
Ich winkte ab und gab schon nach, obwohl sie keine konkrete Antwort von mir bekam.
»Das ist doch immerhin etwas. Komm mit rein, du hast noch nichts von dem leckeren Dessert probiert.«
»Ich kann nicht mehr.« Ich legte die linke Hand auf den Bauch. »Du glaubst gar nicht, wie es darin aussieht.«
»Zu viel gegessen?«
»Klar.«
»Dagegen kann man etwas tun.«
Ich schaute Dagmar skeptisch an. »Und was, bitte?«
»Komm mit rein, dann sorge ich dafür.«
Ich warf noch einen letzten Blick über die von Weinbergen geprägte Landschaft und trat durch die breite offene Tür in den Raum hinein, in dem gefeiert wurde.
Natürlich stand Harry Stahl im Mittelpunkt. Er musste sich mit jedem Gast unterhalten, was schon wieder in leichten Stress ausartete. Dagmar führte mich in den Gastraum, wo wir an der Theke stehen blieben.
Hier residierte eine Wirtin, die einige Pfunde auf die Waage brachte und deren Wangen rosig waren. Ich hatte den Eindruck, dass sie nach Wein duftete.
»Was kann ich für Sie tun?«
»Meinem Freund geht es nicht besonders«, sagte Dagmar. »Er hat, so denke ich, wahrscheinlich zu viel gegessen.«
Sie lachte. »War das Essen so gut?«
»Noch besser«, sagte ich.
»Dann habe ich etwas für Sie.« Die Frau bückte sich und suchte etwas unter der Theke. Als sie wieder hoch kam, hielt sie eine Flasche in der Hand, auf der kein Etikett klebte. Dafür schwamm in ihr eine dunkle Flüssigkeit.
»Und das soll ich trinken?«
»Klar.« Sie goss bereits ein Schnapsglas voll. Und das noch bis zum Rand. Man durfte nicht zittern, wenn man es anhob. »Trinken Sie das, und Sie werden ein Erlebnis haben, das Sie nie in Ihrem Leben vergessen können. Darauf können Sie sich verlassen.«
»Wenn Sie das meinen?«
»Meine ich.«
Ich hob das Glas und schaffte es, nichts von dem Getränk zu verschütten.
»Auf dein Wohl«, sagte Dagmar.
Ich gab keine Antwort und kippte das Zeug auf einmal in meine Kehle. Das hätte ich besser nicht getan. Es erinnerte mich an die Obstbrände, die ich früher bei Frantisek Marek in Rumänien getrunken hatte. Auch er hatte sich immer auf die Schnäpse verlassen, die irgendwelche Leute selbst hergestellt hatten.
Ich klammerte mich am Handlauf der Theke fest und konnte den Weg des Magenschnapses genau verfolgen. Irgendwann war Schluss, da hatte er sein Ziel erreicht.
»Und jetzt müssen Sie einige Minuten warten«, empfahl die Wirtin. »Dann fühlen Sie sich wieder wie neu geboren. Und ich kann mir vorstellen, dass Sie dann sogar wieder Hunger verspüren.«
»Ihr – ihr – wollt mich vergiften«, keuchte ich.
Beide Frauen lachten. Ich lachte nicht, aber ich merkte schon, dass der erste Schock vorbeiging. In meinen Eingeweiden verbreitete sich die Wärme, und ich fühlte mich wieder recht wohl.
Das Zeug schaffte wirklich Platz in meinem Magen. Das Glas war leer. Ich stellte es weg und schüttelte mich noch mal.
»Na, wie war’s?«, fragte Dagmar.
»Teuflisch«, flüsterte ich.
»Das habe ich mir gedacht.« Sie grinste. »Manchmal kann das Teuflische auch gut sein.«
»Hoffentlich.«
Die Hoffnung war nicht unbegründet, denn das Getränk schaffte es tatsächlich, mir den Magendruck zu nehmen. Ein erneutes Hungergefühl bekam ich zwar nicht, aber mir ging es besser, und nur das zählte.
Ich stieß noch einige Male die Luft aus und nickte Dagmar und der Wirtin zu.
»Noch einen?«, fragte diese.
Ich riss beide Arme hoch. »Um Himmels willen, nein, nur das nicht. Aber er war gut. Was ist denn darin? Ich meine …«
Die Frau schüttelte heftig den Kopf. »Das werde ich Ihnen nicht verraten, mein Herr.«
»Warum nicht?«
»Lieber nicht«, flüsterte sie.
»Verstehe. Mir würde sonst übel werden.«
»Das haben Sie gesagt.«
Ich bedankte mich trotzdem für den Drink. Danach gingen Dagmar und ich zurück zu den anderen Gästen.
»Nun, hast du es dir überlegt?«
»Was bitte?«
»Ob du noch bis...
| Erscheint lt. Verlag | 23.12.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-4298-2 / 3838742982 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-4298-4 / 9783838742984 |
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