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John Sinclair 1526 (eBook)

Mirandas Schutzengel

(Autor)

eBook Download: EPUB
2015 | 1. Aufl. 2015
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-4297-7 (ISBN)

Lese- und Medienproben

John Sinclair 1526 - Jason Dark
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Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!

Von Schutzengeln träumen wohl viele Menschen und besonders Kinder. Es gibt kaum unsichtbare Wesen, die so geliebt werden wie sie. Aber auch unter ihnen gibt es Unterschiede, und die Mächte der Finsternis hatten sich darauf eingestellt und besondere Schutzengel geschaffen. Sie waren für eine junge Frau bestimmt, die ihre Mutter verloren hatte. Nur kamen diese Engel nicht aus dem Himmel, sondern mitten aus der Hölle ...

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Mirandas Schutzengel


Miranda Zanussi erlebte den letzten Atemzug ihrer Mutter Elisa, und die Augen der jungen Frau füllten sich mit Tränen.

Es war ein lang gezogenes schreckliches Röcheln, das einfach nicht mehr aufhören wollte. Es schien, als wollte die Sterbende durch diesen Atemzug noch einmal ihr Leben zurückholen, das voller Höhen und Tiefen gewesen war.

Das Gesicht, schon fast mit dem eines Skeletts zu vergleichen, verzog sich dabei so stark, dass die dünne Haut zu platzen drohte. Aber sie hielt. Und sie hielt auch dann, als kein Leben mehr in den weit geöffneten Augen war.

Es war Elisas Ende, und Miranda weinte …

Wie von selbst rannen die Tränen aus ihren Augen. Sie schluchzte dabei, und ihre Schultern zuckten in unregelmäßigen Abständen. Ihre Wangen wurden nass und das Gesicht der Toten verschwamm immer mehr vor ihren Augen.

Dass es im Totenzimmer stickig und die Luft zum Schneiden dick war, merkte Miranda nicht. Sie kam sich verloren vor, als hätte sie auf dieser Welt nichts mehr zu suchen.

Genau das stimmte nicht. Es gab noch Aufgaben für sie. Sie musste das für ihre Mutter tun, was schon die Vorfahren getan hatten. Sie ankleiden, schön machen für den Sarg. Das war wichtig, denn einige Menschen würden ihr noch die letzte Ehre erweisen wollen, und da durfte sie nicht so aussehen wie jetzt. In ein altes, fleckiges Nachthemd gehüllt und unter der Decke verborgen.

Sie drehte sich von der Leiche weg, holte ein Taschentuch hervor, putzte sich die Nase und wischte die Tränenflüssigkeit aus ihrem Gesicht. Danach nickte sie, als wollte sie den Tod ihrer Mutter bestätigen.

Elisa war mehr als achtzig Jahre alt geworden, dann war der Krebs stärker gewesen. Schon einige Male hatte sie kurz davor gestanden, ihr Leben aufzugeben, doch sie hatte sich immer wieder erholt und war dem Gevatter Tod aus den Armen geglitten, wie sie selbst gesagt hatte.

Und sie hatte danach immer wieder so seltsam gesprochen. Nur Miranda hatte sie gewisse Dinge erzählt, über die die blondhaarige Frau des Öfteren nachgedacht hatte.

Nach dem Tod sollte sie sich keine Sorgen machen. Sie würde nicht allein sein. Es würde immer jemand in ihrer Nähe wachen, auch wenn es nicht die Mutter war.

Diese Erklärungen waren ihr seltsam vorgekommen, und sie hatte mehrmals nachgefragt. Aber Elisa hatte nur den Kopf geschüttelt und geschwiegen.

Dabei war Elisa nicht ihre richtige Mutter. Sie wäre viel zu alt für die Fünfundzwanzigjährige gewesen. Miranda war ein Adoptivkind. Elisa Zanussi hatte sie aus einem Heim geholt, aber Miranda hatte die Frau stets als ihre Mutter angesehen. Ihre wahren Eltern kannte sie nicht, und sie hatte sich auch nie bemüht, sie kennen zu lernen. Eine so tolle Frau wie Elisa als Mutter reichte ihr. Beide waren ein Herz und eine Seele gewesen, umso schwerer fiel ihr jetzt Elisas Tod.

Miranda wusste genau, was sie zu tun hatte. Sie trat an den Kleiderschrank und öffnete beide Türen. Auf den Bügeln an der Stange hingen die Kleidungsstücke der Verstorbenen. Blusen, Kleider und Mäntel.

Miranda konzentrierte sich auf die Kleider. Es gab einige, die Elisa gern getragen hatte, und so schaute sie über die hinweg, die sie so geliebt hatte.

Ein schwarzes Kleid mit weißen Tupfen schwang ihr förmlich entgegen, als wollte es sich von allein empfehlen. Elisa lächelte. In ihren Augen stand ein Glanz, der ihre Zufriedenheit ausdrückte.

Ja, das war es doch. Genau so ein Kleid musste es sein. Es war unmodern, aber Elisa hatte es immer sehr gern getragen, allerdings nur an Sonntagen und zu besonderen Anlässen. Jetzt war so ein Anlass.

Sie holte es aus dem Schrank, strich es noch glatt, nahm es vom Bügel und hängte es über einen Stuhl. Danach trat sie an das Bett heran. Sie schlug die Decke zurück und sah die knochige Gestalt, die sich unter dem Laken abzeichnete.

Was folgte, war eine schwere Aufgabe, doch sie durfte sich davor nicht drücken. Zu viel Gutes hatte Elisa ihr während ihres Lebens gegeben. Ohne ihre Adoptivmutter wäre sie ein Nichts gewesen.

Und so begann sie die Tote zu entkleiden, um ihr danach das Kleid mit den weißen Tupfen anzuziehen. Sie weinte dabei. Sie betete auch, und ihre Worte wurden immer wieder von schluchzenden Lauten unterbrochen.

Obwohl sie sich auf die Arbeit konzentrierte, schossen andere Gedanken durch ihren Kopf. Da liefen viele Stationen ihres Lebens vor ihrem geistigen Auge ab, und immer wieder spielte dabei Elisa eine Rolle.

Sie war der Zielpunkt im Leben der Elisa Zanussi gewesen. Elisa hatte ihr alles beigebracht und dafür gesorgt, dass sich Miranda emanzipierte und sich von niemandem etwas sagen ließ. Auch von den Kerlen nicht.

Verheiratet war Elisa nie gewesen. Aber sie hatte ein Kind angenommen. Das war für sie das höchste Glück gewesen.

Das Lokal gehörte ihrem viel jüngeren Bruder Bruno, der gerade mal sein zweiundsechzigstes Lebensjahr erreicht hatte. Er würde den Laden auch ohne Elisa weiterführen, denn sein Lokal »Da Bruno« war bekannt für seine gute Küche.

Auch Miranda war eingespannt. Sie arbeitete als Einkäuferin und half bei Hochbetrieb im Service aus. Auch Elisa hatte noch bis vor einem Jahr in der Küche gestanden und ihr berühmtes Risotto zubereitet. Das Rezept hatte sie an Maria, Brunos Frau, weitergegeben. Sie schwang jetzt das Zepter in der Küche.

Miranda hatte der Toten das Kleid übergestreift und es ihr bis zum Hals zugeknöpft. Jetzt musste sie nur noch die Lage der Toten verändern. Sie wollte nicht, dass die Arme wie Stöcke an den Seiten des starren Körpers nach unten hingen.

Noch war die Totenstarre nicht eingetreten. Die Arme konnten bewegt werden, ebenso die Finger.

Schließlich lagen die Hände gefaltet auf der Brust der Toten. Als Letztes schloss Miranda ihrer Mutter die Augen. Mehr konnte sie nicht für sie tun.

Sie stand am Bett und schaute noch einmal in das starre Gesicht. »Werde glücklich, wo du bist, Mama. Ich wünsche es dir. Du hast es verdient, dich von den Engeln tragen zu lassen, um die Glückseligkeit zu erlangen. Irgendwann sehen wir uns wieder …«

Nach diesen letzten Worten drehte sie sich um und ging mit langsamen Schritten zur Tür. Ihr Gesicht war starr. Die naturroten Lippen waren blass geworden, so hart lagen sie aufeinander.

Miranda spürte die Schwere ihres Körpers und auch die in ihrem Kopf. Ihre Beine schienen mit Blei gefüllt zu sein, und sie hatte Mühe, die Füße anzuheben.

Sie wollte die Tür öffnen, denn sie musste den anderen Mitgliedern der Familie Bescheid geben. Sie wusste, dass ihr ein schwerer Gang bevorstand.

Es blieb beim Versuch, denn plötzlich geschah etwas, das sie aus ihren Gedanken riss und das sie nicht begriff.

»Willst du mich allein lassen, Kind?«

Fast hätte sie geschrien, denn sie kannte die Stimme, die in ihrem Rücken aufgeklungen war.

Sie gehörte ihrer toten Mutter!

*

In Momenten wie diesem war es für einen normalen Menschen unmöglich, einen klaren Gedanken zu fassen oder sich über irgendwelche Folgen klar zu werden. So erging es auch Miranda.

Die Stimme!

Himmel, das war die Stimme ihrer verstorbenen Mutter gewesen!

Aber das konnte nicht sein. So etwas war unmöglich. Tote können nicht mehr sprechen, und Miranda tat nichts weiter, als stehen zu bleiben und die Hand auf die Klinke zu legen.

Stimmte das? Oder hatte sie sich geirrt?

Sie wartete ab und hoffte darauf, dass sich die Stimme wiederholte. Es konnte auch sein, dass der Stress für sie zu groß gewesen war und sie sich die Stimme nur eingebildet hatte.

Die Sekunden dehnten sich, und dann hörte sie erneut das Flüstern.

»Willst du wirklich weggehen?«

Miranda stöhnte auf. Sie schloss für einen Moment die Augen. Sie wollte nichts mehr hören und sehen. Sie war einfach wie vor den Kopf geschlagen. So etwas durfte es nicht geben. Nein, das konnte nicht sein. Ihre Mutter war tot und …

»Komm her!«

Erneut erschrak die blonde Frau bis ins Mark. Sie hatte das Gefühl, einen Stich ins Herz bekommen zu haben. Die nahe Tür schwankte vor ihren Augen, und sie glaubte, den Boden unter den Füßen zu verlieren.

War Elisa nicht tot? War sie nur scheintot? Hatte sie sich beim Betrachten der Leiche geirrt?

Ihr schoss so viel durch den Kopf, dass sie keinen klaren Gedanken mehr fassen konnte. Aber sie wusste, dass sie nicht die Nerven verlieren durfte. Sie durfte sich auf keinen Fall verrückt machen lassen und musste die Nerven bewahren.

Obwohl sie sich das vorgenommen hatte, fiel es ihr sehr schwer, sich umzudrehen. Doch da war etwas in ihrem Innern, das sie dazu zwang, und schließlich schaute Miranda auf die Tote im Bett, die ihre Haltung nicht verändert hatte.

Die Augen waren geschlossen, der Mund stand auch nicht offen. Wenn sie tatsächlich gesprochen hatte, dann hätte sie es mit geschlossenen Lippen tun müssen.

Und so etwas gab es nicht.

Aber wer hatte dann geredet?

»Bitte, mein Kind, komm – komm an mein Bett, ich muss dir etwas sagen.«

»O Gott, nein!«, stöhnte Miranda. Sie hatte die Botschaft gehört und dabei gesehen, dass sich Elisas Lippen nicht bewegt hatten. Und trotzdem war es ihre Stimme gewesen.

Miranda handelte wie unter Zwang. Sie selbst wollte eigentlich nicht gehen, doch es gab eine Kraft, die sie nach vorn auf das Totenbett zu trieb, neben dem sie stehen blieb.

Miranda war nie sehr gläubig gewesen. In der Kirche hatte man sie weniger gesehen, denn sie hatte immer wieder etwas vorgeschoben. Sie hatte sich in ihrem Alter auch nie Gedanken über den Tod gemacht und...

Erscheint lt. Verlag 23.12.2015
Reihe/Serie John Sinclair
John Sinclair
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies
ISBN-10 3-8387-4297-4 / 3838742974
ISBN-13 978-3-8387-4297-7 / 9783838742977
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