John Sinclair 1521 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-4292-2 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!
Der nächste bist du, Sinclair! So lautete das Versprechen einer Frau mit dem Namen Leonore. Sie war eine Person, die ich nicht kannte, aber sie hatte ihre Spuren gelegt, sodass ich sie finden musste.
Ich hatte keine Ahnung, warum sie mich töten wollte, und als wir uns endlich gegenüberstanden, erfuhr ich die unglaubliche Wahrheit ...
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Der Nächste bist Du, Sinclair!
Blitze huschten wie grelle Speere über den Himmel, spalteten die Wolkenberge, fuhren zuckend der Erde entgegen und suchten sich Ziele, die ihnen passend erschienen.
Begleitet wurden sie von den krachenden Donnerschlägen, die sich anhörten, als wollten sie die Welt zertrümmern. Es war ein schlimmes Unwetter. Als würde der Himmel Rache nehmen für all die Schandtaten der Menschen.
Das Unwetter hatte sich wie ein Flächenbrand ausgebreitet. Es war gnadenlos, es schlug brutal zu, es sorgte für Brände, für einen Zusammenbruch der Energie in manchen Orten und Stadtteilen, und es gab einfach nichts, was es verschonte …
Es ließ auch das recht einsam stehende Haus nicht aus, das wie ein Zielobjekt wirkte. Die Blitze umtanzten das Haus, sie bildeten einen zuckenden Wirrwarr aus grellen Explosionen, die von den Donnerschlägen gejagt wurden.
Nicht nur die Blitze und der Donner waren da, es gab noch einen dritten Begleiter. Und das war der Sturm. Mit einem schrillen Heulen, dann wieder mit dumpfem Brausen erfasste er alles, was sich ihm in den Weg stellte. Uralte Bäume mussten sich seiner Kraft beugen, und das im wahrsten Sinne des Wortes, während andere, die nicht so fest im Untergrund verankert waren, dem heftigen Ansturm nicht widerstehen konnten und mitsamt dem Wurzelwerk aus dem Erdboden gerissen wurden.
Es war die Hölle. Eine Natur, die den Menschen zeigte, wozu sie fähig war. Grausam hatte sie zurückgeschlagen. Eine Rächerin, die sich nichts mehr gefallen ließ.
Nicht alle zahlten dem Sturm Tribut. Es gab natürlich starke Bauten, die sich ihm entgegenstellten, und dazu gehörte auch das dunkle Haus in der Einsamkeit der Landschaft.
Es sah schwarz aus. Es gab kein Licht hinter den Mauern. Wenn es mal besser zu sehen war, dann lag es an den Blitzen, die immer wieder für wenige Augenblicke die Gegend erhellten.
Der Sturm orgelte um die Ecken. Er erzeugte dabei Geräusche, die unheimlich klangen.
Manchmal wie ein schauriges Orgelspiel, dann wieder war ein hohles Pfeifen zu hören, als wären Unsichtbare dabei, auf Knochenflöten zu spielen.
Donnerschläge schienen das Haus zerschmettern zu wollen. Aber es stemmte sich gegen Blitze, Donner, Regen und Sturm. Als wäre es eine Trutzburg, die in alle Ewigkeit halten sollte.
Es gab noch die alten Fensterläden. Sie klapperten, wenn der Sturm mit seiner Urgewalt dagegen brauste, aber sie wurden nicht abgerissen. Und immer wieder zerrten die Böen auch an der Haustür. Sie wackelte bedenklich, aber sie hielt.
Bis zu dem Augenblick, als sie aufschwang und der Wind endlich freie Bahn hatte, um in das alte Gebäude hineinzustürmen. Er war ein wütender Geselle. Er fauchte, er schlug gegen andere Türen und erwischte auch eine menschliche Gestalt, die sich aus dem Hintergrund löste und auf die offene Tür zuging.
Die Gestalt kam aus dem Dunkel. Sie wurde von Sekunde zu Sekunde deutlicher. Der Wind erfasste ihre Haarflut und schüttelte sie wie einen Vorhang. Er schlug gegen den Körper, der sich nicht zurückdrängen ließ und weiterging.
Schritt für Schritt.
Die Kleidung flatterte, das Gesicht blieb hart, und dann erreichte die Gestalt die Schwelle. Sie verließ das Dunkel des Hauses und trat ein in das Spiel aus grellem Licht und Schatten, sodass sie deutlicher zu sehen war.
Es war eine Frau.
Recht groß und eingehüllt in eine altertümliche Kleidung. Das Gehänge an ihrer linken Körperseite war nicht leer. Aus ihm ragte der Griff eines Schwertes hervor.
Es machte ihr nichts aus, dass sie von den herabfahrenden Blitzen umspielt und auch getroffen wurde. Sie stemmte sich dem Unwetter entgegen und ließ sich durch die Kräfte der entfesselten Natur nicht aufhalten.
Die Frau ging noch einen Schritt vor, um durch die Tür nach draußen zu treten.
So hatte sie Platz genug, um das Schwert zu ziehen, das sie schräg gegen den Himmel reckte.
Auch jetzt wurde ihr braunes Haar durcheinandergewirbelt, was sie nicht weiter störte. Sie schrie gegen den Sturm und den Donner an. Ihre Worte klangen alles andere als freundlich.
»Ich bin wieder da! Und ich werde dich finden, Mann mit dem Kreuz! Ich, Leonore, habe nichts vergessen. Gar nichts …«
Ihren drohenden Worten folgte ein mächtiger Donnerschlag, als wollte er die Worte damit besiegeln …
*
Vor Kurzem hatte der Chef eine Ratte im Vorratsraum gesehen, und jetzt war Enrico dazu ausersehen worden, sie zu fangen oder zumindest die Falle aufzustellen.
Enrico hatte diese kleine Welt nicht eben fröhlich betreten. Er hoffte, dass ihm die Ratte nicht über den Weg laufen würde und er in Ruhe die Falle aufstellen konnte. Und er dachte daran, dass Ratten Herdentiere waren, so musste er damit rechnen, dass auch noch weitere erschienen.
Er wäre nie auf die Idee gekommen, sich zu weigern. Schließlich war er froh, einen Job bekommen zu haben, und wenn er auch das Mädchen für alles spielte, er setzte voll und ganz darauf, dass ihn seine Landsleute behalten würden, die dieses einsam liegende Lokal übernommen hatten und italienische Hausmannskost anboten, die sich aber von den Speisen der Trattorias und Pizzabuden in der Stadt kaum unterschied.
Aber die Gäste mochten es. Sie nahmen weite Wege in Kauf, um bei Simone zu essen. Außerdem hatte sich das Restaurant als Ausflugslokal etabliert.
Enrico hatte oben unter dem Dach ein Zimmer bekommen, für das er keine Miete zu zahlen brauchte. Die Verpflegung war auch frei, und er war auch mit dem geringen Lohn zufrieden.
Jetzt suchte er die Ratte.
Der Vorratsraum lag im hinteren Teil des Hauses. Er war recht geräumig, man konnte in ihm eine Menge lagern. Kartons mit Lebensmitteln standen ebenso hier wie die Kisten mit Wein. Eingeschweißte Würste und andere leicht verderbliche Lebensmittel waren in den beiden großen Kühlschränken untergebracht, zwischen denen noch eine breite Kühltruhe stand.
Die Zeit war noch nicht so weit fortgeschritten. Es war einer dieser Abende, an denen nichts lief. Das lag weniger an den angebotenen Speisen und Getränken, sondern mehr am Wetter, das nicht mitspielen wollte. Ein Sommer zum Wegwerfen, nichts für die Außengastronomie, und deshalb waren dort die Tische und Stühle leer geblieben und wurden zu einer Beute für die Nässe.
Nichts los, dafür ein Gewitter, das auch den letzten Gast vertrieben hatte. Aus diesem Grund hatte der Besitzer sein Lokal auch am frühen Abend geschlossen. Seine Frau hatte sich nach oben in die Wohnung verzogen, das Personal war nach Hause geschickt worden, und nur Enrico tat noch seine Pflicht.
Im hellen Licht der Deckenleuchte suchte er nach dem Nager. Das Unwetter war zum Glück weitergezogen. Es war ihnen auch nichts passiert. Das Haus war glimpflich davongekommen, selbst der befürchtete Stromausfall war nicht eingetreten, und so konnte Enrico die Ratte eben im Licht suchen.
Das kalte Licht der beiden Leuchtstoffröhren spiegelte sich auf dem glatten grauen Boden, und doch gab es noch genügend Ecken, wo sich das Tier hätte verstecken können. Hinter den Regalen oder den Kisten.
Enrico überlegte, ob er die Kisten zur Seite rücken sollte. Er hätte es eigentlich tun müssen, um seiner Aufgabe korrekt nachzukommen, aber er entschied sich für eine andere Lösung. In der Stille blieb er regungslos stehen und wartete darauf, dass etwas passierte und sich die Ratte durch ein Geräusch verriet.
Das trat nicht ein.
Er wartete und hörte sogar manchmal ein dumpfes Grollen in der Ferne. Ein letzter Gruß des abziehenden Gewitters.
Er sprach mit der Ratte. »Bleib nur in deinem Versteck. Komm erst raus, wenn ich weg bin, aber dann lauf in die Falle. Zack, zack, und du bist zerhackt.« Er kicherte albern zu seiner eigenen Dichtung.
Der Chef hatte ihm gesagt, wo er die Falle finden konnte. Sie befand sich in einem Werkzeugschrank mit zwei Türen, der im Hintergrund des Raumes an der Wand hing.
Enrico ging darauf zu. Vor zwei Monaten war er fünfundzwanzig Jahre alt geworden. Ein kleiner und recht stämmiger Mann, der so gar nicht mit einem Strandgigolo von der Adria oder Riviera zu vergleichen war. Seine Heimat war auch Sizilien, das Land, das in diesem Sommer von der gnadenlosen Sonne verbrannt wurde.
»Macht nichts«, murmelte er vor sich hin und näherte sich dem Schrank.
»Was sei muss, das muss sein.«
Er wollte nicht zu lange warten und schnell mit diesem Job fertig werden, weil noch ein anderer auf ihn wartete. Der Boden der Küche musste blank sein, wenn die Chefin am Morgen aufstand und alles kontrollierte.
Enrico kam nicht mehr dazu, den Schrank zu öffnen, denn etwas lenkte ihn ab.
Es war ein Schrei!
Sofort hielt er in seiner Bewegung inne. Die Spannung hatte seinen gesamten Körper erfasst. Er hielt den Atem an, und er gab keinen Laut von sich.
Wer hatte da geschrien? Oder hatte er sich den Schrei nur eingebildet?
Enrico lauschte, aber er drehte sich zugleich zur Seite, denn er wollte in die Richtung schauen, aus der der Schrei gekommen war. Es war ihm schon komisch zumute, so komisch, dass ein leichter Schauer über sein Gesicht lief.
Aus seinem Mund drang der Atem leise und stoßweise, als er sich der Tür näherte. Sollte der Schrei echt gewesen sein, dann war er hinter der Tür aufgeklungen. Da lag der schmale Flur, und an ihn schloss sich der Gastraum an.
Natürlich war seine Neugierde geweckt, aber er wollte nicht so voreilig reagieren und warten, bis der Schrei vielleicht noch einmal aufklang.
In den folgenden Sekunden geschah nichts mehr, und er wollte es schon als eine Täuschung abtun, als er den...
| Erscheint lt. Verlag | 23.12.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-4292-3 / 3838742923 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-4292-2 / 9783838742922 |
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