John Sinclair 1490 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-4261-8 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!
Das Rätsel der Leichenvögel.
Der eine Vogel hatte die Augen eines Mannes. Ein anderer sprach mit der Stimme einer verstorbenen Frau, und ein dritter mit der eines ebenfalls verstorbenen Mannes.
Ein Mensch kannte die Wahrheit und wusste, was dahinter steckte. Es ging um den kollektiven Selbstmord einer Sekte, deren Gräber inmitten eines Waldes standen, der zugleich der Startplatz der grünen Leichenvögel war ...
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Das Rätsel der Leichenvögel
Der schwarze Vogel war Elliot Wells suspekt!
Der Mann, der im Londoner Norden eine Gärtnerei betrieb, beobachtete die Saatkrähe bereits seit einigen Stunden. Er hatte im Gewächshaus zu tun. Immer, wenn er von seiner Arbeit aufschaute, hockte der Vogel in seiner Nähe.
Wells konnte sich nicht daran erinnern, ihn in das Innere des Gewächshauses fliegen gesehen zu haben, aber er war da und das irritierte den Mann.
Wells fühlte sich von den starren Augen der Krähe beobachtet und kontrolliert …
Der Mann war damit beschäftigt rote und weiße Weihnachtssterne auf Paletten zu stapeln, die ein Mitarbeiter mit einem Gabelstapler morgen am Montag abholen würde. Heute hatten seine Leute frei. Es war auch die letzte Fuhre, die vor Weihnachten noch raus musste, dann war es mit den Weihnachtssternen vorbei, und er konnte wieder bis zum nächsten Jahr warten.
Zuerst hatte ihn der schwarze Vogel ja nicht gestört. Das änderte sich, je mehr Zeit verging und die Krähe immer frecher wurde. Sie hüpfte in seiner Nähe herum. Er hörte ihr Krächzen und hatte das Gefühl, als wollte sie mit ihm in ihrer Vogelsprache reden, was natürlich Unsinn war.
Wells packte seine Weihnachtssterne je zwei auf einmal und hob sie auf die Palette. Er musste schon sehr genau schauen, um noch einen freien Platz zu finden. Zudem sollten die Gewächse nicht zu sehr gedrückt werden, das tat ihnen nicht gut.
Alles lief glatt, wäre nicht der Vogel gewesen. Sein Geflatter klang viel lauter als zu Beginn. Es lag daran, dass sich das Tier immer näher an den sitzenden Mann heranwagte und plötzlich auf die Palette flog und dort sitzen blieb. Er fand in einer bestimmten Höhe Platz auf einer freien Fläche am äußeren Holzrand. Und er traf keinerlei Anstalten, sich wieder zu entfernen, auch nicht, als Wells zwei Weihnachtssterne in seiner Nähe abstellte.
»Hau endlich ab, du verdammtes Vieh!«
Den Vogel kümmerte es nicht.
Wells trat wütend mit dem rechten Fuß auf. Er wollte das Tier erschrecken, das sich überhaupt nichts anmerken ließ und einfach sitzen blieb.
Die Krähe hockte zum Greifen nah vor ihm. Der Mann hätte nur die Hand auszustrecken brauchen, um sie zu greifen, doch genau das traute er sich nicht. Er schaute den Vogel an, er sah den leicht gebogenen Schnabel und richtete seinen Blick auf die Augen.
Elliot Wells erstarrte.
»Nein«, flüsterte er, »nein – das kann nicht wahr sein. Da muss ich mich täuschen.«
Aber es war kein Irrtum.
Er schnappte nach Luft. Sein Herz schlug nicht nur schneller, es raste schon. Dafür gab es einen einfachen Grund. Dieser Vogel hatte keine normalen Augen, es waren tatsächlich die Augen eines Menschen. Nur war das nicht alles.
Elliot Wells kannte den Blick oder die Augen.
Sie gehörten seinem toten Vater!
*
Der Mann erlebte eine Zeitspanne wie nie zuvor in seinem Leben. So etwas hatte er noch nie gesehen. Er hatte nicht mal daran gedacht, dass es dies geben könnte. Wie vor den Kopf geschlagen stand er da und schaute in die Vogelaugen.
Nein, Menschenaugen!
»Das ist nicht wahr!«, flüsterte er. »Verdammt noch mal, das kann nicht stimmen …«
Elliot wollte den Kopf zur Seite drehen, was er nicht schaffte. Der Kopf des Vogels zog ihn in seinen Bann, und da waren es die Augen, deren starrer Blick ihn nicht loslassen wollte.
Braune Augen. Gesprenkelte Pupillen. Solche Augen hatte auch sein Vater gehabt. Aber der lebte nicht mehr. Er hatte sich selbst umgebracht, ebenso wie seine Frau.
Und jetzt …?
Elliot Wells hörte sich stöhnen. Er fing an zu zittern, und er traute sich nicht, seinen Arm nach vorn zu strecken, um den Vogel zu berühren. Er fürchtete sich davor, dass die Krähe mit den menschlichen Augen plötzlich zuhacken konnte.
Wells wich zurück. Nicht sehr weit, aber ein wenig Abstand zu halten, war schon besser. Er konnte sich leicht vorstellen, dass der Vogel ihn plötzlich angriff. Schnabelhiebe konnten üble Verletzungen verursachen.
Auf die Frage, wie er sich verhalten sollte, wusste er keine Antwort. Er konnte alles auf sich beruhen lassen und von einer Täuschung sprechen, aber irgendwie war das nicht der richtige Weg. Der Selbstmord seines Vaters war für ihn nur schwer zu verkraften gewesen, und nun musste er etwas erleben, das unglaublich und nicht zu erklären war.
Eine menschliche Seele hatte ihren Platz im Körper eines Vogels gefunden und hatte ihn übernommen.
Er stöhnte auf. Die Gärtnerei gehörte ihm, dem Jungen. Er hatte sie nach dem Tod seines Vaters übernommen und auch gut in den Griff bekommen. Es war zwar viel Arbeit, aber Elliot konnte von seinen Einkünften gut leben. An die Vergangenheit, so schlimm sie auch war, hatte er nie mehr gedacht. Für ihn waren sein Vater und auch seine Mutter, die noch vor dem Selbstmord des Vaters einfach verschwunden war, auch in der Erinnerung gestorben.
Dieser Anblick allerdings wühlte ihn auf. Da hatte er das Gefühl, als wäre sein verstorbener Vater erschienen, um ihn zu besuchen.
Elliot schaute sich in seinem Treibhaus um. Es war recht groß. Er betrieb zwei davon. Das zweite war erst im letzten Jahr fertig geworden. Er hatte sich damit zwar hoch verschuldet, doch die Investition hatte sein müssen.
Die harte Arbeit hatte ihn das schlimme Schicksal vergessen lassen.
Simone hatte er erst nach dem Tod seines Vaters kennen gelernt. Sie war Deutsche, stammte aus dem Ruhrgebiet, war ebenfalls Gärtnerin und hatte auf der Insel eigentlich nur ein dreimonatiges Praktikum machen wollen. Daraus waren inzwischen zwei Jahre geworden, und sobald es die Zeit zuließ, wollten sie auch heiraten.
Simone wusste, was mit seinen Eltern geschehen war, und es hatte ihr nichts ausgemacht, bei Elliot zu bleiben. Auch an diesem Sonntag hatte sie ihm helfen wollen, aber er war dagegen gewesen. Es war besser, wenn sie im Haus blieb und noch einige Vorbereitungen für die Jahresabschlussrechnungen traf.
Wenn er ihr erzählte, was er erlebt hatte, würde sie ihn auslachen. Deshalb wollte er ihr gegenüber den Mund halten.
Die Palette war so gut wie voll. Die letzten Weihnachtssterne konnten auch am frühen Morgen aufgestellt werden. Zudem fühlte er sich hier alles andere als wohl. So ging er mit langen Schritten zurück. Er folgte einem plötzlichen Gefühl und ließ die verdammte Saatkrähe nicht aus den Augen.
Sie tat nichts. Wie festgeleimt blieb sie auf dem Weihnachtsstern hocken, aber die Augen waren in Elliots Richtung gedreht. Er wurde bei seinem Rückzug beobachtet. Es war ihm auch nicht klar, was der Vogel vorhatte. Ob er weiterhin im Gewächshaus blieb oder wieder nach draußen flog, wo er hergekommen war.
Elliot suchte nach einer Stelle, durch die der Vogel ins Gewächshaus hatte eindringen können. Die Wände bestanden aus Glas. Dazwischen gab es mehrere Fenster, die auch gekippt werden konnten. Zwei davon standen schräg, wie Elliot jetzt erkannte. Nun wusste er, wie der Vogel ins Gewächshaus gelangt war. Er traf immer noch keine Anstalten, sich von seinem Platz fortzubewegen. Er hockte auf dem Weihnachtsstern wie eine Dekoration, und Elliot wollte es ihm leichter machen. Er öffnete das große der beiden Tore, durch die auch ein Lastwagen fahren konnte. So wollte er das Tier locken, ins Freie zu flüchten.
Es war windig geworden. Und auch kühler. Die kalte Luft strömte in das Gewächshaus und hinterließ auf Elliots Rücken einen leichten Schauer. Den Vogel behielt er im Blick und wartete darauf, dass dieser endlich reagierte.
Das tat er noch nicht. Nicht mal die Flügel bewegte er. Er hatte auch seinen Kopf nicht gedreht. Er schien den Mann auf keinen Fall aus dem Blick lassen zu wollen.
Elliot schrak zusammen, als er die Melodie seines Handys hörte. Sie bestand aus wilden Trompetenstößen, die auch bei einem großen Lärm nicht überhört werden konnten.
Aus der Tasche der grünen Schürze holte er den flachen Apparat hervor. Seine Freundin wollte etwas von ihm.
»Was gibt’s, Simone?«
»Ich wollte nur wissen, wie lange du noch bleiben willst.«
»Warum?«
»Weil ich Kaffee oder Tee kochen möchte. Außerdem habe ich noch etwas Gebäck …«
»Kaffee.«
»Gut. Und wann kommst du?«
»Gleich.«
Das Gespräch hätte eigentlich beendet sein müssen, war es aber nicht, weil Simone noch eine Frage hatte. Ihr war etwas aufgefallen, das sie nicht für sich behalten konnte.
»He, was ist los mit dir?«
»Was – was soll denn sein?«
»Du sprichst so seltsam.«
»Ich?«
»Ja, wer sonst?«
»Keine Ahnung, was du meinst.«
»Deine Stimme hört sich jedenfalls nicht so an wie sonst.«
»Ich habe gearbeitet.«
»Aber deine Stimme ist trotzdem anders als sonst. Als wäre dir etwas passiert, das du nicht begreifen kannst.«
»Ich – ich komme gleich.« Er schaltete das Handy ab, denn er hatte keine Lust auf lange Erklärungen. Darüber konnte er später noch mit Simone reden, wenn sich die Gelegenheit ergab. Aber sie war auch eine Frau, die das Gras wachsen hörte. Bei ihm stimmte wirklich nicht alles, da hatte sie schon recht.
Nach wie vor stand die Tür offen, und nach wie vor saß der Vogel an seinem Platz, ohne etwas zu tun. Er bewegte sich nicht. Er starrte mit seinen menschlichen Augen nur nach vorn, als wollte er den weiter entfernt stehenden Mann hypnotisieren.
Elliot Wells wollte raus. Er überlegte, ob er die Tür offen lassen sollte, um dem Vogel die Chance zur Flucht zu lassen. Andererseits war er auch reingekommen, ohne eine offene Tür vorgefunden...
| Erscheint lt. Verlag | 16.12.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-4261-3 / 3838742613 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-4261-8 / 9783838742618 |
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