John Sinclair 1470 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-4241-0 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!
Der Wechselbalg.
Seth war auf der Flucht vor den Gesichtlosen. Er schaffte es, sich während eines Unwetters in einer Scheune zu verkriechen, aber sein Plan ging nicht ganz auf. Er wurde entdeckt. Es war ausgerechnet Wayne Rooney, ein Polizist, der den fast nackten Jungen mit den beiden Flügeln auf dem Rücken fand und glaubte, einen gefallenen Engel vor sich zu haben. Aber Seth war kein Engel. Das stellten auch Suko und ich fest, denn der Kollege hatte uns alarmiert.
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Der Wechselbalg
Das Gewitter hatte die Welt in eine Hölle verwandelt!
Blitze zuckten wie Speere aus einem Himmel, der aus einer kochenden und brodelnden Masse bestand. Die heißen, schwülen Tage waren schrecklich gewesen. Menschen und Tiere hatten gleichermaßen darunter gelitten, und jetzt öffnete die Natur ihre Schleusen. Selbst gläubige Menschen hätten dieses Unwetter für ein Strafgericht Gottes halten können, das über die Welt kam, um den Beginn des Jüngsten Gerichts anzukündigen.
Die Welt war zu einer grauen, krachenden und heulenden Hölle geworden. Durch den starken Regen verschwamm alles. Starke Orkanböen wuchteten die langen Regenschleier heran, und obwohl die Nacht noch längst nicht angebrochen war, hatte die Dämmerung das Regiment übernommen. Nur die starken Blitze hatten noch die Kraft, diesen Hexenkessel zu durchdringen. Ansonsten existierten keine Unterschiede mehr …
Ob Stadt, ob Land. Das Unwetter ließ nichts aus. Immer wieder erfüllten krachende Donnerschläge die Luft, als wollten sie das zerstören, was sich die Menschen aufgebaut hatten.
In den Städten heulten die Sirenen von Feuerwehr und Polizei. Es gab Einschläge, aber es wurden auch Bäume geknickt, als wären sie nichts anderes als gewaltige Streichhölzer. Wer nicht unbedingt fahren musste, blieb im Haus, und die wenigen Fahrzeuge, die sich in den Zentren der Unwetter befanden, waren von ihren Lenkern angehalten worden, um nicht weiter in diese Hölle hineinfahren zu müssen.
Es befand sich kaum ein Lebewesen im Freien. Die Menschen hatten sich zurückgezogen. Die Tiere hatten sich verkrochen, alle wollten das Ende des Unwetters abwarten.
Und doch gab es eine Gestalt, die sich durch die Regenmassen kämpfte. Es war ein seltsames Wesen, das hin und wieder mit langen Schritten über den nassen weichen Boden lief und sich dann, wenn sich die Gelegenheit bot, in die Luft erhob, was ihm nicht leicht fiel, denn seine Flügel waren durch das Wasser schwer geworden.
Ein noch junger Mensch. Fast ein Kind. Auf dem Rücken wuchsen Flügel wie bei einem großen Vogel.
Aber es war kein Vogel, der sich da durch das Unwetter kämpfte.
Der fast nackte Oberkörper war den Regenmassen ausgesetzt. Die Tropfen prasselten wie schwere Hagelkörner auf ihn nieder. Immer dann, wenn der Junge seine Flügel bewegte, um in die Höhe zu starten, wurde er durch die Gewalt des fallenden Wassers wieder zu Boden gedrückt.
Der Junge gab nicht auf. Er kämpfte sich weiter voran. Er wusste nicht, wie lange das Unwetter andauern würde, aber er hatte ein Ziel. Er musste ein Versteck finden, um seinen Verfolgern zu entkommen. Gelang ihm das nicht, war er tot.
Der helle Körper schimmerte wie Metall auf, wenn der Junge an eine hellere Stelle geriet. Obwohl er ein so ungewöhnliches Wesen war, reagierte er sehr menschlich. Er fror, er zitterte, er hatte Angst, und manch starke Bö schleuderte ihn zur Seite, sodass er immer wieder einen neuen Anlauf nehmen musste.
Es war zu gefährlich, weiterhin durch den Wald zu laufen. Der Junge dachte noch jetzt mit Schrecken daran, wie der Blitz nicht weit von ihm entfernt in einen Baum eingeschlagen und ihn gespalten hatte. Er hatte sogar für einen Moment kleine Flammen tanzen sehen, die rasch wieder vom Regen gelöscht worden waren, aber es war für ihn Warnung genug gewesen. Er hatte den Wald verlassen und war über das freie Feld gelaufen.
Jetzt auch noch.
Aber immer wieder mit dem Bemühen verbunden, sich in die Luft zu erheben. Seine Flügel waren unter dem prasselnden Regen nur schwer zu bewegen. Er hob sie immer wieder an und versuchte, durch das Fliegen schneller voranzukommen.
Es klappte nicht.
Der Regen war zu heftig, und so musste sich die fast nackte Gestalt weiter zu Fuß durch diese Hölle kämpfen. Der Junge lief einfach geradeaus. Er konnte nur auf sein Glück vertrauen. Irgendwann würde er auf eine menschliche Ansiedlung treffen und dort für eine Weile Schutz finden. Möglicherweise hätte er auch längst eine entdeckt, doch nicht in dieser Suppe aus Dunst und Wasser.
Weiter! Nicht aufgeben. Keine Pause einlegen.
Es gab auch kein Versteck, das ihm Schutz geboten hätte. Er musste durch. Das Wasser peitschte auf ihn nieder. Der Boden konnte die Massen nicht fassen. Da sickerte nichts ein. Das Wasser gurgelte an ihm vorbei, weil es leicht bergab ging. So wurde er von den kleinen Strömen begleitet, deren Schmatzen und Gurgeln er hörte.
Manchmal schaute er zum Himmel. Bisher hatten ihn die Blicke nur entmutigt, aber jetzt, als er kurz anhielt, erlebte er so etwas wie einen Hoffnungsschimmer. Weit im Westen erkannte er den hellen Streifen. Dort war eine Macht dabei, das Unwetter zur Seite zu schieben und wieder für einen klaren Himmel zu sorgen.
Der Junge lächelte.
Die Entdeckung hatte ihm Kraft verliehen. Er glaubte auch, den Regen nicht mehr so stark aufprallen zu spüren und sah für sich den Zeitpunkt gekommen, mal wieder einen Versuch zu starten.
Er nahm einen Schritt Anlauf. Als er einen günstigen Startpunkt erreicht hatte, bewegte er seine Flügel, die nass und sehr schwer waren, weil die Federn nicht eingefettet waren wie bei den Vögeln. Sie hatten sich mit Wasser voll gesogen, und der Junge schrie vor Wut auf. Er machte trotzdem weiter. Wenn er erst mal einen bestimmten Punkt überschritten hatte, würde alles besser laufen.
Er musste sich nicht gegen den Wind stemmen. Der peitschte gegen seinen Rücken und erleichterte ihm den Start.
Er hob ab.
Ein Schrei des Glücks stieg aus seiner Kehle. Zum ersten Mal nach langer Zeit hatte er es wieder geschafft, den Boden unter seinen Füßen zu verlieren.
Aber es war nicht wie sonst. Kein lockeres Fliegen, kein Dahingleiten. Er musste sich schon sehr anstrengen, um in der Luft zu bleiben. Es kostete ihn Kraft, seine Flügel zu bewegen, und auch heftigste Bewegungen wurden durch den Regen erschwert.
Der Junge gab trotzdem nicht auf.
Er wollte sein Ziel erreichen, von dem er nicht wusste, wie es aussah. Aber er würde es schaffen.
Sein Kampf ging weiter. Über dem Boden führte er ihn aus, blieb in der Luft, auch wenn er hin und wieder die Windböen wie Schläge abbekam, sodass er oftmals wieder zu Boden gedrückt wurde und er dies nur durch heftige Schwingenbewegungen ausgleichen konnte.
Das Ziel rückte näher. Er wusste es. Irgendwann würde er es finden und er musste dabei schneller sein als seine Häscher. Sein Vorteil war, dass auch sie mit den Folgen des Unwetters zu kämpfen hatten. Der Regen hatte seine Spur gelöscht. Das hoffte er zumindest.
Der Kampf ging weiter, und der Junge schaffte es tatsächlich durch heftige Flügelbewegungen, in der Luft zu bleiben. Seine Augen glänzten dabei.
Und dann sah er das Licht!
Nein, nur einen Schimmer in der grauen Wand aus Regen und Nebel. Für ihn allerdings war dieser helle, verwischte Fleck ein Ort der Hoffnung. Wo Licht schimmerte, befanden sich auch Menschen, und wo Menschen waren, gab es ein Versteck.
In der Großstadt hätte er keine Chance gehabt, aber hier sah es anders aus. Es gab keine Häuser, die dicht beisammen standen. Einzelne Häuser und Wiesen, Gehöfte, Äcker und Wälder wechselten sich ab.
Und dann war da das Licht!
Zum ersten Mal nach langer Zeit konnte er wieder lachen. Aus seinem Mund drang dabei ein kieksender Laut der Freude. Er bewegte die Schwingen heftiger, was ihm überraschend gut gelang, denn jetzt und wie nebenbei stellte er zwei Dinge fest.
Es regnete nicht mehr so stark. Und der Himmel hatte seine graue Farbe verloren. Es wurde wieder heller. Die Natur zeigte an, dass es noch nicht Nacht war. Die grauen Wolkenungetüme wurden weggeschoben. Wenn ihn nicht alles täuschte, hatte sich sogar für einen Moment ein Sonnenstrahl freie Bahn geschaffen, und das war wie ein Surfbrett der Hoffnung, auf dem der Junge dann weiter ritt.
Er flog mit der Sonne. Noch immer regnete es. Im Vergleich zu dem Unwetter war es nicht mehr als ein Tröpfeln. Die Luft war mit Feuchtigkeit voll gesättigt. Dunstschwaden krochen nicht nur über den Boden, sie trieben auch schwerfällig in die Höhe, aber sie konnten ihm nicht mehr den Blick auf das Licht verwehren.
Es gehörte zu einem Haus oder einem kleinen Gehöft, das einsam stand. Genau diese Einsamkeit hatte er gesucht.
Er flog schneller, bewegte seine Flügel heftiger, aus denen sich zahlreiche Tropfen lösten. Das Haus hatte den Sturm ohne Schaden überstanden. Das Gleiche galt auch für das Nebengebäude, einem scheunenartigen Bau.
Menschen sah der Junge nicht. Um ganz sicher zu sein, flog er noch näher an das Haus heran. Jetzt sah er, dass hinter mehreren Fenstern Licht brannte, und er glaubte auch, Umrisse von Menschen zu sehen, die sich dort bewegten.
Der Junge tauchte ab.
Ins Haus wollte er nicht. Das Nebengebäude lockte ihn mehr. Dort konnte er sich ausruhen und verstecken. Wie es anschließend mit ihm weiterging, stand in den Sternen. Jetzt war es wichtig, einen Platz zu finden, und genau den visierte er an.
Der Junge ließ sich langsam zu Boden gleiten. Als er ihn berührte, lief er über den weichen Untergrund und duckte sich dabei. Seine Flügel falteten sich zusammen. Dabei ließ er das Nebengebäude nicht aus den Augen. Jetzt, wo er es genauer sah, stellte er fest, dass es größer war als das Haus, in dem ihm das Licht aufgefallen war.
Und das war gut. So hatte er mehr Platz, an dem er die Zukunft abwarten konnte.
Die breite und hohe zweiflügelige Holztür des Eingangs bildete noch ein Hindernis. Er musste einen Balken zur Seite schieben, um sie zu öffnen.
Der Geruch nach nassem Heu drang in seine...
| Erscheint lt. Verlag | 16.12.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-4241-9 / 3838742419 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-4241-0 / 9783838742410 |
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