John Sinclair 1468 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-4239-7 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!
Tanz im Totenreich (1. Teil).
Als Marietta Abel, die junge Tänzerin, durch einen Amokläufer getötet wurde, ahnte niemand, dass sie selbst als Tote noch eine Aufgabe zu erledigen hatte. Sie geriet in die Sphäre eines Engels mit dem Namen Raniel. Er fand an ihr Gefallen und schickte sie als seine Botschafterin wieder zurück in ihre Welt. Aber auch ihr Mörder hatte durch die Kraft der Hölle seinen Weg zurück gefunden, und so standen sich beide schließlich als 'Tote' gegenüber ...
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Tanz im Totenreich (1. Teil)
Wie schön kann der Tod sein – wie schön …
Ich sehe die Wiese, ich rieche den Duft der Blumen, ich genieße die klare Luft, und ich kann tanzen – tanzen – tanzen …
Marietta war glücklich in dieser wunderbaren Umgebung, in die sie hineintanzte. Wenn sie ihr Gefühl für diese Umgebung hätte beschreiben müssen, wäre stets das Wort Frieden herausgekommen. Diese Welt war erfüllt mit Frieden, und sie tanzte hinein.
Aber das konnte nicht sein.
Ich bin tot!, dachte sie. Ich lebe nicht mehr. Und trotzdem kann ich tanzen und die Welt genießen. Es war ein schöner Tod, der sie tanzen ließ und sie in eine besonderes Welt gebracht hatte, wobei sie plötzlich an das Paradies dachte …
Marietta tanzte weiter. Sie trug ein wunderschönes weißes Kleid mit ausgestelltem Rock. Sie hatte Platz genug, sich bewegen zu können, denn es war nichts da, was ihre Schritte und Bewegungen eingeengt hätte
Und dann die Luft. Sie zu erleben war einmalig. Der Geruch der Blüten, der Duft der Gräser – für sie war es ein besonderer Duft, der da mitschwang.
Man musste es einfach genießen, sich diesem Traum hingeben zu können, egal, ob man tot oder lebendig war.
Ich fühle mich nicht tot!, jubelte es in Mariettas Innerem. Ich bin so springlebendig. Ich bin einfach da. Ich fühle mich wie ein Geschenk des Himmels. Ja, der Himmel, der mich unter seine Fittiche genommen hat. Das Paradies, dessen Tür für die Gerechten weit offen steht.
Ich bin dort. Ich bin angekommen. Ich wiege mich im Rhythmus der Musik, die mir so viel gibt. Dabei weiß ich nicht mal, woher sie kommt. Sie ist einfach da, und ich fühle mich von ihr wie weggetragen und sehr beschwingt.
Leichtfüßig lief Marietta weiter. Immer tiefer hinein in dieses Paradies, dessen Grenzen sie nicht kannte und auch nicht kennen wollte. Ihrer Meinung nach sollte es überall so sein. Wo sie sich auch aufhielt, sie wollte immer davon umgeben sein.
Und so tanzte sie weiterhin hinein in diese mit bunten Streublumen bedeckte Wiese. Butterblumen, Gänseblümchen, wilde Rosen, Löwenmäuler und blühender Klee, diese Mischung von Wohlgerüchen, in denen sie sich badete, was sie einfach als wunderbar empfand. Es war herrlich, darin zu »schwimmen« und sich dem Geruch hinzugeben, der sie auch weiterhin umschmeichelte. Sie sah keinen Anfang und auch kein Ende.
Irgendwo befanden sich die gefiederte Freunde. Marietta sah sie nicht, aber sie hörte sie. Wahrscheinlich hielten sie sich in den wenigen Bäumen versteckt, die auf der Sommerwiese wuchsen. Sie waren mit Obst dicht behängt. Das Rot der Kirschen hob sich deutlich vom Grün der Blätter ab.
Und dabei bin ich tot!
Immer wieder kam ihr dieser Gedanke. Er war da, es war eine Tatsache, die sie akzeptieren musste. Hineinfliegen in diese andere Welt, um dort das große Wunder zu erleben. Es war so herrlich.
Marietta lief und tanzte. Keine ihrer Bewegungen war abgehackt, die eine ging in die andere über. Einige Schritte laufen, sich dann drehen, wieder laufen und keinen Schwindel zu spüren, sondern sich von einem Gefühl der Glückseligkeit durchströmen zu lassen, denn dieses sorgte dafür, dass sie über dem Boden schwebte.
Sie wurde von ihrer eigenen Euphorie getragen, sie spürte keinerlei Schwäche. Es war alles so wunderbar. Wie auf Schienen glitt sie dahin. Über ihr öffnete sich etwas, unter ihr floss die Wiese mit den Blumen hinweg.
Was wollte sie mehr?
Und dann gab es noch diese Musik. Sie kam aus dem Hintergrund, war aber deutlich zu hören. Marietta genoss sie, denn die Musik trieb sie weiter.
Sie summte die Melodien mit. Sie tanzte in deren Takt, sie drehte sich, sie huschte durch die Blumen, die sich vor ihr zu verneigen schienen, und abermals kam ihr der Gedanke, dass der Tod etwas Wunderbares war.
Er hatte sie in eine Welt des Glücks versetzt und hinein in ein Gefühl, das sie als Mensch nie erlebt hatte.
So leicht, so schwerelos, einfach einmalig. Hier erfüllten sich die Wunder, von denen die Menschen sonst nur träumten. Eine Welt, die ohne Ende und ohne Anfang war. Sie war einfach da für die Verstorbenen, damit sie glücklich wurden.
Auf einmal sangen die Vögel nicht mehr.
Plötzlich verdunkelte sich der Himmel.
Etwas fraß das Licht auf.
Die Blumen der Wiese sahen immer trauriger aus. Sie ließen die Köpfe hängen, und man konnte zuschauen, wie sie verwelkten.
Marietta tanzte nicht mehr.
Sie war irritiert. Ohne Übergang hatte sie die Veränderung erlebt. Durch nichts war sie zuvor angekündigt worden, und sie merkte, dass sie ihren Lauf veränderte. Sie bewegte die Beine nicht mehr so leicht, sie lief jetzt langsamer. Das war wie ein Motor, der ins Stottern geraten war, immer weniger Saft bekam und sich schließlich gänzlich abschaltete.
Ein kalter Windstoß erfasste sie und ließ ihr Kleid flattern. Auch die langen braunen Haare wurden durch den Wind angehoben und durcheinander geweht. Das Gesicht der jungen Frau verlor das Lächeln. Es gab die Musik nicht mehr. Es war alles so still geworden. Ihr fehlte auch das Zwitschern der Vögel.
Marietta drehte sich um.
Sie sah die Wiese vor sich, aber sie hatte sich verändert. Es war nicht mehr das Aussehen, das sie sich gewünscht hätte. Über der natürlichen Farbenpracht lag ein grauer Schleier. Wie Nebel zog er sich dahin, und Marietta erlebte den Rückzug der Wärme. Es kam zu einem Luftaustausch, wobei sie deutlich die Kälte spürte, die über ihre Haut kroch. Für sie war sie die Botschaft, dass die Wende dicht bevorstand und sie etwas anderes erleben würde.
Mit beiden Händen hielt sie den Rock fest, damit er nicht durch den kalten Wind in die Höhe geweht wurde. Der Himmel hatte sich mit Wolkenbergen gefüllt, die übereinander getürmt hoch über ihrem Kopf schwebten und sich nicht von der Stelle bewegten.
Der Wind fuhr unter den Wolken her. Er brachte die Veränderung. Er brachte das Böse an die Schwelle dieses Paradieses. Die Hölle hatte ein Tor geöffnet, um der neuen Kraft freie Bahn zu schaffen, damit sie das Paradies eroberte.
Marietta stand auf der Stelle und fror. Aber es war kein Frieren, wie sie es früher als normaler Mensch empfunden hatte, trotz der Gänsehaut auf dem Körper. Dieses Frieren kam von innen. Sie fühlte sich an ihrer Seele verletzt, und genau das war schlimm.
Und trotzdem lief sie nicht weg. Sie schaute nach vorn, dem Bösen entgegen. Es hatte sich dort gesammelt und brachte die Kälte mit, wie sie nur den Tod begleiten konnte.
Schlimme Gedanken überkamen Marietta. Sie schüttelte immer wieder den Kopf und streckte dabei sogar abwehrend ihre Arme aus, um das Böse zu stoppen.
Doch das gelang ihr nicht.
Es schwebte näher.
Es war noch nicht konkret, aber sie spürte schon, dass sich etwas in ihren Kopf bohrte und allmählich ihre Gedanken übernahm. Die Fröhlichkeit war dahin, und Marietta wusste nicht, ob sie je wieder zu ihr zurückkehren würde.
Sie stand nahe am Jenseits. Es war die Schwelle zwischen Gut und Böse, die große Grenze, und aus weit geöffneten Augen schaute sie nach vorn. Dort lauerte das Grauen. Da hatte sich das Böse manifestiert, und sie glaubte, innerhalb der grauen Wand ein schreckliches Monstrum zu sehen. Es hatte sich wie ein mächtiges Nebelgebilde erhoben und war bereit, diese Welt zu übernehmen.
Angst hatte sie erfasst.
Marietta zitterte.
Der Tod war doch nicht so schön. Oder nicht überall. Das Paradies hatte seine Tücken.
Sie stöhnte. Der Druck auf sie verstärkte sich immer noch. Sie schüttelte den Kopf, und ihr Gesicht verschloss sich allmählich und zeigte die kalte Angst, die in ihr aufstieg.
Die andere Welt hatte sich für sie geöffnet. Sie schaute tief hinein. Sie sah etwas, das sie ängstlich und schwermütig werden ließ. Menschen, die alles andere als glücklich waren und sterben mussten. Sofort oder in nächster Zeit, das wusste sie nicht.
Frauen und Männer lagen in ihrem Blut. Die Orte wechselten blitzschnell. Mal in einem Gebäude, dann wieder unter freiem Himmel.
Und immer floss Blut.
Immer wieder hauchten Menschen ihr Leben aus. Sogar vor Kindern wurde nicht Halt gemacht. Sie starben ebenfalls, und sie sah die trauernden, aber auch die triumphierenden Menschen, von deren Händen Blut tropfte.
Das verfluchte Sterben war so schrecklich. Obwohl nichts von einem Ton untermalt wurde, hatte sie das Gefühl, Schreie zu hören, die durch ihren Kopf schnitten.
Es war eine schreckliche Qual für sie. Am schlimmsten empfand sie die Tatsache, dass sie nicht eingreifen konnte. Sie war frei, aber trotzdem eingesperrt und gefesselt.
Marietta konnte das Elend nicht länger mit ansehen. Sie schlug die Hände vor ihr Gesicht und wankte zurück. Bei jedem Schritt stolperte sie. Es war ihr Glück, dass sie nicht fiel. Sie ruderte mit den Armen, um sich halten zu können, und wenig später erfasste sie ein böiger und kalter Windstoß, der ihr durch die Haut bis auf die Knochen schnitt, sodass sie wie irrsinnig zu zittern begann.
Marietta konnte die Bilder nicht ertragen. Das Böse so zu erleben, war einfach zu viel für sie. Sie wollte damit nicht mehr konfrontiert sein, aber trotzdem versuchen, es mit ihren bescheidenen Mitteln zu bekämpfen.
Marietta wusste nicht, ob sie es schaffen konnte. Sie wollte es zumindest versuchen. Und so machte sie auf dem Absatz kehrt und rannte in die Richtung zurück, aus der sie gekommen war.
Nur weg von dem Grauen!
Marietta erlebte die kalten Windböen, die gegen ihren Rücken stießen. Sie drehte sich nicht einmal mehr um. Sie wollte...
| Erscheint lt. Verlag | 16.12.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-4239-7 / 3838742397 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-4239-7 / 9783838742397 |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
| Haben Sie eine Frage zum Produkt? |
Digital Rights Management: ohne DRM
Dieses eBook enthält kein DRM oder Kopierschutz. Eine Weitergabe an Dritte ist jedoch rechtlich nicht zulässig, weil Sie beim Kauf nur die Rechte an der persönlichen Nutzung erwerben.
Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belletristik und Sachbüchern. Der Fließtext wird dynamisch an die Display- und Schriftgröße angepasst. Auch für mobile Lesegeräte ist EPUB daher gut geeignet.
Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise
Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.
aus dem Bereich