John Sinclair 1467 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-4238-0 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!
Landhaus der Leiden.
Der Nebel hatte sich in den frühen Morgenstunden gebildet und kroch wie ein riesiges Gespenst über das Land. Er war ein gewaltiges Leichentuch, das alles verbergen wollte und nur diejenigen lockte, die den Nebel mochten.
Genau dazu gehörte der Green Man. Er war aus dem Sumpf zurückgekehrt, um wieder dort zu wohnen, von wo man ihn vor langer Zeit vertrieben hatte. Es war das Landhaus der Leiden ...
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Landhaus der Leiden
Der Tag war heiß gewesen. In der folgenden Nacht hatte es geregnet. So hatte sich in den frühen Morgenstunden der Nebel bilden können, der als grauweißes, gespenstisches Gebilde über den Boden kroch, in die Wälder glitt und sich auch über den Sumpf legte. Er war wie ein Leichentuch, das alles verbarg und denjenigen Schutz gab, die nicht entdeckt werden wollten.
Dazu gehörte die unheimliche Gestalt, die im Nebel lauerte.
Es war der Green Man!
Dass ich zu den Conollys, meinen Freunden, fuhr, war eigentlich nichts Besonderes. An diesem Tag lag der Fall aber anders, denn Sheila und ihr Mann Bill waren in Urlaub gefahren. Sie hatten sich nach Italien verdrückt, um dort ein paar Tage auszuspannen. Mehr als eine Woche lang sollte der Urlaub nicht dauern. So etwas wuchs dann auf Bills Mist, denn er war kein Typ, der lange am Strand lag oder sich in die Museen schleppen ließ.
Ich fuhr trotzdem hin, denn es gab da noch einen Conolly, und der war zu Hause geblieben.
Johnny, mein Patenjunge. Kind wollte ich nicht mehr sagen. Mittlerweile waren einige Jahre ins Land gegangen, und aus dem Kind war ein junger Mann geworden.
Er hatte mich angerufen und um einen Besuch gebeten. Worum es genau ging, hatte er mir nicht gesagt, doch seine Stimme hatte ein wenig verstört geklungen.
Es war also keine Party, bei der ich auch nur gestört hätte. Ich ging mehr davon aus, dass er mich mit bestimmten Informationen versorgen wollte, und wahrscheinlich war etwas dabei, das für mich interessant werden konnte.
Das Wetter im Juni hatte es bisher gut mit uns gemeint. Auch an diesem Tag schien die Sonne, aber es wehte zum Glück ein frischer Wind, sodass keine Schwüle aufkommen konnte.
Ich rollte mit dem Rover durch den Vorgarten und zugleich durch ein blühendes Stück Sommerlandschaft. Für die Bepflanzung des Gartens war Sheila zuständig, denn sie war eine Frau mit grünem Daumen.
Johnny Conolly stand bereits an der Tür. Er winkte, als er mich anfahren sah, und ich stellte den Rover an der üblichen Stelle vor der großen Doppelgarage ab.
Als ich ausstieg und dabei das Zwitschern der Vögel hörte, schlenderte Johnny mir entgegen. Er grinste von Ohr zu Ohr, und wenn ich ihn so anschaute, dann war das nicht mehr der kleine Junge von früher. Vor mir stand ein junger Mann, fast so groß wie ich, und klatschte mich ab.
»Hi, Geisterjäger.«
»Hallo, Johnny.«
Das braune Haar hatte er von seinem Vater geerbt. Im Gesicht glich er mehr seiner Mutter, besonders um den Mund herum.
»Warum schaust du so?«
Ich hob die Schultern. »Wenn ich da an früher denke …«
»Hör auf, John. So alt bist du noch nicht.«
»Ich weiß. Aber wenn ich dich so anschaue, dann sehe ich, wie die Zeit vergangen ist.«
»Sagt meine Mutter auch immer.« Er ging auf die Haustür zu. »Du kannst es dir aussuchen. Sollen wir uns ins Haus setzen oder auf die Terrasse? Das Wetter ist ja toll.«
»Da bleibt wohl nur die Terrasse.«
»Meine ich auch. Das Bier habe ich in eine Kühlbox gestellt.«
»Für mich nicht. Ich muss fahren.«
»Schade, aber ein Glas …«
»Gut, darauf lasse ich mich ein. Ansonsten würde ich für Mineralwasser plädieren.«
»Ist okay.«
Wir gingen durch das Haus und betraten die Terrasse, auf dem ein in der oberen Hälfte gekippter Sonnenschirm die Strahlen der sich nach Westen neigenden Sonne abfing.
Ich ließ mich auf einen der bequemen Stühle nieder und streckte meine Beine aus.
»Wie geht es deinen Eltern?«
Johnny, der Bier einschenkte, schaute kurz hoch. »Gut, aber es ist trotzdem schrecklich.«
»Warum?«
»Weil Sheila jeden Tag anruft und wissen will, wie es mir geht. Ob ich auch zurechtkomme und mit dem Haus alles in Ordnung ist. Aber das muss ich dir nicht sagen. Du kennst sie ja.«
»Stimmt.«
Johnny hatte die beiden Gläser gefüllt, und wir prosteten uns über den Tisch hinweg zu.
Es war wirklich wunderbar kühl. Ich fühlte mich wohl in dieser kleinen Idylle, die vom Duft der Sommerblumen und vom Zwitschern der Vögel erfüllt war. Ein zum Feierabend passendes Ambiente, in dem man es wirklich Stunden aushalten konnte.
Ich ging davon aus, dass Johnny mich nicht hierher bestellt hatte, weil er Unterhaltung wollte. Er war eben ein Conolly, und die taten nichts ohne Grund.
»Tja, dann rück mal raus mit der Sprache«, sagte ich.
»Wieso?«
Ich lachte ihn an. »Aber bitte, Johnny. Ich bin doch nicht zu dir gekommen, um dir die Langeweile zu vertreiben – oder?«
»Nein, bist du nicht.«
»Das freut mich.«
»Echt?«
»Kommt darauf an, was du zu bieten hast.«
»Ja, das ist so eine Sache«, murmelte er. »Ich weiß nicht, ob ich damit richtig liege, aber ich habe so ein komisches Gefühl, und was wir alles in der Vergangenheit schon erlebt haben, darüber muss ich mit dir ja nicht sprechen.«
»Hat es denn damit zu tun?«
»Eher nicht.«
»Um was geht es denn?«
Johnny schaute mich an und hob dabei etwas vom Boden auf, das neben seinem Stuhl gelegen hatte. Er hielt es so, dass ich es sehen konnte.
»Um dieses Buch.«
Da er es mir nicht überreichte, schaute ich es mir aus einer gewissen Entfernung an.
Es war keine dicke Schwarte, sondern ein schmaler Band mit einem graugrünen Deckel. Der Dicke nach zu urteilen konnte es nicht mehr als 50 oder 60 Seiten haben, und ich war gespannt, was Johnny mir erklären würde.
»Gehört es dir?«
Er nickte mir zu. »Ja, es gehört mir, denn ich habe es auf dem Flohmarkt gekauft.«
»Und?«
Johnny runzelte die Stirn, als er das Buch aufschlug und es durchblätterte. »Was soll ich sagen, es ist die Geschichte vom Green Man.«
»Vom grünen Mann?«
»Genau.«
Ich nahm es locker und sagte: »Aber der ist nicht vom Mars hierher auf die Erde gekommen.«
»Bestimmt nicht.«
Meine Lockerheit übertrug sich nicht auf ihn.
»Der Green Man ist eine verdammt gefährliche Gestalt«, sagte Johnny. »Er tauchte aus den Wäldern auf. Er hat in einem Landhaus in der Nähe sein Unwesen getrieben, und die Geschichte besagt, dass er es gewesen ist, der zahlreiche Menschen verschleppt hat, die nie wieder auftauchten. Das Haus bekam den Spitznamen Landhaus der Leiden, und irgendwann war es dann vorbei. Der Green Man tauchte nicht mehr auf. Aber das Landhaus wurde nicht abgerissen. Es existiert nach wie vor.«
Ich hakte nach. »Der Mörder aber nicht – oder?«
Johnny schwieg und trank einen Schluck Bier.
»Bist du dir nicht sicher?«
Er klopfte auf das Buch. »Hier steht, dass sich der Green Man, wenn er satt ist, zurückzieht. Was nicht heißt, dass er für immer verschwunden ist. Irgendwann wird er wieder erscheinen, und wenn du in der Geschichte weiter liest, wirst du wissen, dass dieses irgendwann passieren wird.«
Ich hatte verstanden und fragte: »Du meinst, dass er wiederkommt?«
»Ja.«
»Und wann?«
»Genau in diesen Tagen …«
*
Die Nacht war vorbei. Der Nebel hatte in einem zähen Kampf versucht, sich wenigstens noch in Bodennähe zu halten, was ihm jedoch nicht gelungen war, denn die Strahlen der Sonne hatten große Lücken in ihn hineingerissen und ihn somit verdampft.
Die Nacht über war er durch den dichten Wald gelaufen. Er war dem Sumpf entkommen, und er hatte in seiner Erinnerung gewühlt, um nur nichts zu verpassen. Die Wege kannte er noch aus früheren Zeiten, aber er musste zugeben, dass sich im Laufe der Jahre schon einiges verändert hatte.
Da war vieles zugewachsen. Es gab die alten Pfade nicht mehr, dafür neue Wege, aber immer wieder hatte sich die Natur dagegen aufgelehnt und sie abermals zuwuchern lassen.
Den Green Man störte das alles nicht. Er fand seinen Weg, und er nickte zufrieden, als er eine bestimmte Straße erreichte, die er von früher her kannte.
Wenn er sie weiterhin benutzte, würde er zu seinem Landhaus gelangen, und genau das wollte er. Das Haus war noch nicht zu sehen, aber er konnte es bereits spüren. Es strahlte etwas aus, das von seinen sensiblen Sinnen wahrgenommen wurde.
Ja, es war da!
Er grinste über sein kantiges Gesicht, das tatsächlich eine grüne Farbe aufwies. Das auch zu seinem Namen geführt hatte, auf den er sehr stolz war, weil er damit Angst und Schrecken verbreitete.
Er hörte den Gesang der Vögel nur aus der Ferne, denn wenn sie ihm zu nahe kamen, machten sie schnurstracks kehrt und flogen davon.
Das störte ihn nicht. Er war auf einem Weg, von dem er nicht mehr abweichen würde. Seine Bewegungen konnte man nicht als leicht und locker bezeichnen, sie waren eher schwerfällig, wie bei einem Menschen, der Mühe hat, sich unter der Last eines schweren Gewichts weiter zu bewegen. Zudem schwankte er bei jedem Auftreten von einer Seite zur anderen. Er trug graue Kleidung – Hemd und Hose schlotterten an seinem Körper, der nicht eben mager war, mehr kantig und irgendwie hölzern wirkend.
Es fuhr keiner über die schmale Straße in Richtung Haus. Und so war der Green Man gespannt, was wohl mit dem Haus in der Vergangenheit passiert war. Er reimte sich die schlimmsten Dinge zusammen. Im schlimmsten Fall hätte es auch zerstört sein können, aber daran wollte er nicht denken. Für ihn stand fest, dass er es übernehmen würde, denn der alte Fluch oder die alte Wahrsagung hatten sich erfüllt.
Er war wieder da!
Und mit jedem Schritt, den er zurücklegte, wurde er kräftiger. Die Energie strömte durch seinen Körper. Seine Augen, die...
| Erscheint lt. Verlag | 16.12.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-4238-9 / 3838742389 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-4238-0 / 9783838742380 |
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