John Sinclair 1426 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-4196-3 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!
Ein Hauch von Hölle streifte mich, als ich erfuhr, dass ein Killer unterwegs war, der es auf mich abgesehen hatte.
Zugleich explodierten in London mehrere Bomben und verursachten ein Chaos. Genau das kam dem Killer entgegen. In der Stadt ging nichts mehr, aber er kam durch und holte mich vor seine Mündung ...
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Ein Hauch von Hölle
»Wie lange waren Sie bei uns?«
»Zu lange.«
»Kann ich mir denken, aber Sie haben die Strafe von fünfzehn Jahren verdient gehabt.«
Leo Ganero sagte nichts, obwohl er seinem Gegenüber am liebsten die Faust bis tief in den Rachen gerammt hätte. Dafür starrte er ihm in die Augen.
Der grauhaarige Mann, der im Laufe seiner Dienstjahre einiges gewöhnt war, drehte lieber den Kopf zur Seite.
»Gehen Sie, Ganero, gehen Sie!«
»Das werde ich auch.«
Wenig später stand er außerhalb der hohen Gefängnismauer. Das Geräusch, mit dem das dicke Eisentor der Anstalt hinter ihm zurollte, hinterließ auf den Lippen des Mannes ein kaltes Lächeln, das zugleich wie ein Versprechen wirkte.
Der Beamte, von dem er sich auf seine Art und Weise verabschiedet hatte, atmete sichtlich auf. Er war froh, Leo Ganero nicht mehr sehen zu müssen. Zuletzt hatte er das Gefühl gehabt, von einem Hauch von Hölle gestreift worden zu sein …
Die Anstalt lag in einer recht einsamen Gegend. Ein wuchtiger Klotz, der für jeden bedrohlich wirkte, der sich ihm näherte. Wer als zukünftiger Insasse hier eintraf, der musste schon beim Anblick schlucken, denn hier kam man nur wieder raus, wenn es andere wollten oder die Strafe bis zur letzten Stunde abgesessen war.
Leo Ganero nahm den Fußweg bis zur Straße. Er fühlte sich alles andere als überschwänglich. Die langen Jahre hinter den Gittern und Mauern hatten ihm Gefühle wie dieses geraubt. In seinem Innern gab es nichts als Kälte.
Er war immer ein Einzelgänger gewesen. Auch im Knast hatte er in den langen Jahren kaum Kontakt mit irgendwelchen Mitgefangenen gehabt. Zu Beginn hatte er auf drastische Art und Weise bewiesen, wer hier das Sagen hatte und dass man ihn in Ruhe lassen sollte.
Daran hatten sich alle gehalten. Selbst die härtesten Wärter hatten nur das Nötigste mit ihm gesprochen.
Fünfzehn Jahre waren eine lange Zeit. Er hatte sie nicht verschlafen wie viele andere, sondern sich für alles interessiert, was in der Welt geschah. Er wollte nicht wie ein Idiot dastehen, wenn er wieder draußen war.
Von seinem verdienten Geld hatte er sich auch neue Kleidung bestellt. Er wollte auf keinen Fall in seinen alten Klamotten auffallen. Früher hatte man die Hemden in der Hose getragen, heute hingen sie über den Hosenbund.
Es war heiß geworden. Schon am frühen Morgen brannte die Sonne auf die Erde nieder. Deshalb hatte Ganero seine dünne Jacke auch in die Reisetasche gepackt, in der sich ansonsten nur seine persönlichen Dinge befanden. Unterwäsche und Kosmetikartikel.
Leo erreichte die Hauptstraße. Er verengte die Augen etwas und schaute nach links und nach rechts. Es war eine Straße, die als graues Band einige Felder durchschnitt. Sie schien keinen Anfang und kein Ende zu haben und verlor sich in der flachen Weite.
Der riesige Mähdrescher eines Bauern in der Ferne kam ihm klein wie ein Spielzeug vor. Die Gerste war reif und konnte geerntet werden. Wo die Maschine sich ihren Weg bahnte, schwebte eine Staubwolke in der Luft.
Er wandte sich nach links.
Fast alle gingen nach links, denn in der Richtung erreichte man nach ungefähr einem Kilometer eine Bushaltestelle. Zweimal am Tag hielt hier der Bus. Am Vormittag und am Nachmittag.
Die Gefangenen wurden so entlassen, dass sie den ersten Bus bequem erreichen konnten. Das war auch bei Ganero der Fall. Er würde hingehen, sich in den Bus setzen und zur nächsten Bahnstation fahren. Von dort fuhren Züge in alle Himmelsrichtungen. Wohin er genau wollte, darüber hatte er sich noch keine konkreten Gedanken gemacht. Er wollte sich spontan entscheiden.
Wahrscheinlich nach Norden, weil dort ein Mann lebte, dem er unbedingt einen Besuch abstatten wollte, und er würde ihm nicht als freundlicher Mensch gegenübertreten, das stand fest.
Es gab keine Deckung auf der Straße und auch nicht auf den beiden schmalen Gehwegen, die von vertrocknetem Gras gesäumt wurden.
Dieser Juli war ein verdammt heißer Monat, das hatte er auch in seiner Zelle gemerkt. Aber hier konnte er sich wenigstens bewegen. Seine Schritte waren noch immer elastisch und federnd. Dass er in Form blieb, dafür hatte er im Knast gesorgt.
Ab und zu kam ihm ein Auto entgegen. Auch wurde er überholt. Die Wagentypen betrachtete er jeweils mit großem Interesse, denn er kannte sie bisher nur vom Bildschirm und aus den Zeitungen.
Die Autos gefielen ihm, und für ihn stand fest, dass er sich so schnell wie möglich ein Fahrzeug besorgen würde. Innerlich hatte er sich bereits für einen Geländewagen entschieden. Die gefielen ihm am besten. Damals hatte es sie in dieser Vielfalt noch nicht gegeben.
Aber alles der Reihe nach. Im Knast hatte er gelernt, dass man nur etwas erreichte, wenn man sich genügend Zeit ließ. Nur nichts überstürzen. Nachdenken, abwägen und abwarten. Nur so gelangte man ans Ziel.
Ich bin in Form! Ich habe nichts vergessen! Ich werde mir alles zurückholen …
Jahrelang hatte er sich auf diese Art und Weise fit gehalten und Mut gemacht. Er zählte jetzt zwar vierzig Jahre, war aber immer noch in Topform. Auf seinen gestählten Körper konnte er sich verlassen. Auch in der neuen Umgebung würde er sich zurechtfinden, denn die alten Regeln galten noch immer.
Wieder schaute er über das graue Band der Straße hinweg, die vor ihm eine Linkskurve beschrieb. Noch vor der Kurve befand sich die Haltestelle. Etwa eine knappe Viertelstunde würde er noch warten müssen, dann würde der Bus kommen.
Zuvor rollte ihm ein Wagen entgegen. Obwohl das Fahrzeug noch weit entfernt war, sah er, dass es sich um eine dunkle Limousine handelte, nicht um einen Geländewagen.
Er behielt sie im Blick. Der Fahrer fuhr ziemlich dicht am Straßenrand, er fuhr auch nicht besonders schnell, wurde sogar langsamer, und so erkannte Leo sehr schnell die Marke.
Ein Mercedes der Oberklasse. Er schlich dahin, was ihm seltsam vorkam, und Ganero, der den Instinkt eines Raubtiers besaß, wusste plötzlich, dass dieser Wagen ihn als Ziel hatte. Deshalb blieb er stehen.
Angst verspürte er nicht.
Er wartete ab. Dass man ihn aus einem fahrenden Wagen heraus erschießen würde, daran glaubte er nicht. Dafür war er zu lange aus dem Geschäft. Aber er wusste auch, dass die anderen ihn nicht vergessen hatten oder nicht vergessen konnten, dazu war er zu sehr in die Dinge verstrickt gewesen.
Der dunkle Mercedes mit seinen abgedunkelten Fondscheiben rollte noch langsamer und hielt tatsächlich.
Eine Fondtür schwang auf. Ein Gesicht erschien wie eine kurze Projektion in seinem Blickfeld.
»Steig ein!«
Die Stimme hatte Leo noch nie gehört. Trotzdem zögerte er keine Sekunde. Zuerst warf er die Reisetasche in das Auto, schlängelte sich selbst hinein und ließ sich auf dem Sitz nieder, der sich kühl anfühlte, denn dafür sorgte die Klima-Automatik.
Kaum dass er die Tür wieder geschlossen hatte, rollte der Wagen an. Die beiden Vordersitze waren besetzt. Von den Männern sah er nur die Hinterköpfe, das war alles.
Aber es gab noch einen Dritten, der an seiner linken Seite saß. Er war dunkel gekleidet und hatte ein Jackett übergestreift. Leo sah ein hartes Profil und einen Kopf ohne Haare, weil der Schädel von einer flachen Mütze verdeckt wurde.
Der Mann sagte nichts. Erst als sie am Knast vorbeigerollt waren, begann er zu sprechen.
»War’ne lange Zeit, nicht?«
»Klar.«
»Wir haben dich nicht vergessen.«
»Soll ich mich darüber freuen?«
»Warum nicht? Andere müssen sich in einen heißen Bus setzen.«
»Danke, ihr Wohltäter, danke.«
»Keine Ursache.«
»Und nun?«
»Lass dich überraschen.«
»Es geht also weiter?«
»Wir sind immer noch dabei, Leo.«
»Wie schön. Du kennst meinen Namen. Wie heißt du?«
»Das ist jetzt unwichtig. Tatsache ist, dass wir uns um dich kümmern. Wunderbar, würde ich an deiner Stelle sagen.«
Ganero lachte nur.
»Hast du Geld?«
»Nein. Oder nur etwas.«
»Du wirst was bekommen.«
»Soll ich danke sagen?«
»Nein, nicht nach so langer Zeit hinter Gittern. Gibt es sonst noch irgendwelche Bedürfnisse, die wir erfüllen können?«
»Wie weit darf ich denn gehen?«
»Wir hören es uns an.«
Leo lächelte scharf. Er schaute aus dem Fenster und sah, dass sie durch eine Ortschaft rollten. Die Häuser sahen noch so aus wie damals. Die Zeit hinter Gittern schien es nicht gegeben zu haben.
Leo erfreute sich an der Szenerie, aber ihm wurde doch bewusst, was er alles verloren hatte. Für einen Moment stieg das Gefühl von Hass in ihm hoch, und er dachte an den Mann, dem er alles zu verdanken hatte.
»Ihr habt also einen Job für mich.«
»Könnte sein.«
»Was gesteht ihr mir zu?«
»Sag, was du willst.«
Leo Ganero sprach von einem Geländewagen und natürlich von einer Ausrüstung, die er unbedingt benötigte.
Der Mann neben ihm nickte. »Das lässt sich alles machen, Leo. Kein Problem.«
»Und das bekomme ich umsonst?«
»Nein, du wirst wieder für uns einsteigen.«
»Wann?«
»Das wirst du noch früh genug erfahren. Wir sind ja keine Unmenschen und genehmigen dir erst mal einen kurzen Urlaub. Einige Tage hast du Zeit, deine Angelegenheiten zu richten.«
Ganero drehte den Kopf. Der Typ neben ihm sprach nicht davon, wie das Richten der Angelegenheiten aussehen sollte, was Leo wunderte. Er nahm es trotzdem hin und deutete zum Zeichen seines Einverständnisses ein Nicken an.
»Alles lässt sich...
| Erscheint lt. Verlag | 9.12.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-4196-X / 383874196X |
| ISBN-13 | 978-3-8387-4196-3 / 9783838741963 |
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