John Sinclair 1433 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-4204-5 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!
Der einsame Kampf einer Frau gegen die Mächte der Hölle. Drei Personen in einem wahrlich grausamen Spiel mit Emotionen, Tränen und Mord. Aber es gab einen Joker - und der war ich!
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Der Engel, die Witwe und der Teufel
Die Luft war sein Revier und der Himmel die Grenze!
Nur ahnte Sean Finley nicht, dass an diesem späten Nachmittag im September der Tod mit ihm flog.
Finley war Paraglider. Für dieses Hobby gab er alles. Andere lagen in ihrem Urlaub am Strand und ließen sich von der Sonne braten, um den Hautkrebs zu fördern, Sean aber glitt durch die Lüfte.
Der späte Sommer oder der frühe Herbst hatten es ihm angetan. Da war das Wetter beständiger, da wehten genau die Winde, die er für seinen Sport brauchte, und so war diese Zeit für ihn immer als Urlaub reserviert.
Auch jetzt erlebte er wieder das Gefühl, das er selbst nicht beschreiben konnte. Er fasste es allerdings zu einem Begriff zusammen: Freiheit! Ja, das war genau die Freiheit, die er sich wünschte …
Er sprach auch gern mit anderen Menschen darüber und versuchte, ihnen dieses Feeling näher zu bringen.
Viel Erfolg hatte er damit nicht. Paraglider blieben in der Minderheit, und selbst seine Frau hatte er bisher nicht überzeugen können. Kate wehrte sich mit Händen und Füßen dagegen, wenn er sie zu einem Lehrgang überreden wollte. Sie konnte sich einfach nicht vorstellen, wie toll ein solcher Flug war, doch Angst durfte man nicht haben. Das war genau verkehrt, und so hatte Sean es aufgegeben.
Wenn er flog, saß seine Frau des Öfteren auf dem Balkon des Hotelzimmers und schaute ihm zu. Falls sie Lust verspürte. Ob sie ihn jetzt beobachtete oder Kate sich in die Wellness-Oase zurückgezogen hatte, das konnte er nicht sagen.
Es war mal wieder grandios. Er war sehr hoch gestiegen. Unter sich sah er die Grate der Berge, die hier in der Nähe des Achensees nicht so hoch waren.
Er sah die grüne Fläche des Sees, die Straßen, die wie schmale Hosenträger wirkten, und über ihm gab es nur die blaue Unendlichkeit. Von keiner Wolke wurde sie gestört, und Sean erlebte wirklich einen Tag wie gemalt.
Das war Leben und Freiheit pur. Da dachte man an alles, nur nicht an sein Ende.
Und doch traf es ihn wie der Blitz aus heiterem Himmel!
Es gab wirklich keinen Grund für eine Störung. Er flog unter idealen Bedingungen, und Sean Finley wusste nicht, woher die scharfe Bö plötzlich gekommen war, die ihn brutal erwischte und seinen Körper in die Höhe schleuderte. Er überrollte sich. Er verlor die Orientierung. Er wusste nicht, wo oben oder unten war, er hörte ein scharfes Rauschen und zugleich ein seltsames Surren, das ihn sofort an die Seile denken ließ, mit denen möglicherweise etwas geschehen war.
Wieder erwischte ihn der Schlag.
Finley wurde nach vorn getrieben, als hätte ihm jemand eine Faust in den Rücken geschmettert. Seine Beine flogen zwangsläufig in die Höhe. Er kippte dabei nach hinten weg, und in dieser Position gelang ihm der Bodenblick. Mein Gott, ich bin zu hoch!
Sean dachte daran, wie man sich in Notlagen verhalten musste. Er kannte die Regeln, nur war es ihm nicht mehr möglich, sie anzuwenden.
Das Schicksal hatte etwas anderes mit ihm vor.
Eine ungewöhnliche Musik erreichte seine Ohren. Mit hohen Tönen und auf ihre Weise schrill. Sean legte den Kopf in den Nacken, er sah den knallroten Schirm über sich, aber der trieb plötzlich von ihm weg.
Es gab keine Seile mehr, die ihn hielten.
Und Sean fiel!
Wer oder was die Seile zerrissen hatte, das war ihm nicht klar. Zudem hatte Sean andere Sorgen, denn er raste dem Boden entgegen und damit hinein in den Tod.
Fallen – aufschlagen – vorbei!
So würde es sein, und wahrscheinlich erlebte er in den letzten Sekunden seines Lebens das, von dem die Leute immer sprechen. Auf dem Weg in den Tod liefen noch mal die wichtigsten Ereignisse seines Lebens ab, da zogen sich die knappen Sekunden in die Länge, bevor das richtige Aus für ihn kam.
Er hörte das Pfeifen und Brausen der Luft, die ihn umströmte. Er hörte sich auch schreien, weil sich seine Panik einfach freie Bahn verschaffen musste, und in seine Schreie hinein klang plötzlich der ferne, etwas süßliche Gesang.
Sean wusste nicht, ob er sich täuschte, doch dann glaubte er, in der Luft stehen zu bleiben, was bestimmt nicht zutraf, aber es war nun mal so.
An seiner Seite erschien mitten auf dem Weg nach unten eine Gestalt. Sean Finley konnte nicht sagen, ob er sie nun in der Realität sah oder er sie sich als Wunschtraum hingezaubert hatte, jedenfalls blieb sie an seiner Seite.
Sie flog mit ihm nach unten, aber sie sah so anders aus als ein normaler Mensch. Man konnte sie als durchscheinend und feinstofflich bezeichnen. Sie war wie ein Hauch, der sich aus den Resten tief hängender Wolken gebildet hatte.
Sie sprach mit ihm. Ihre Worte drangen in seinen Kopf ein. Sie wollte ihm Mut machen.
»Nicht alles ist mit dem Tod vorbei. Es tut mir Leid für dich, aber du wirst es erleben …«
Sean Finley wusste nicht, ob er träumte. Er hatte seine Angst verloren und fragte sich, ob das, was er hier erlebte, auch der Wirklichkeit entsprach oder er nicht plötzlich in seinem Bett aufwachte.
Seine Augen hielt er so weit wie möglich geöffnet. Er sah etwas weghuschen.
Schnitt!
Sean fiel wieder!
Der Mann erlebte das Grauen der letzten Sekunden mit all der Angst, die einen Menschen erfassen konnte.
Dann schlug er auf!
Es war schlimm. Nur nicht für ihn, denn Sean verspürte es nicht mehr.
Dafür seine Frau, die auf dem Balkon stand und Zeugin dieses Grauens geworden war …
*
Für Kate Finley war alles wie ein böser Traum. Sie war Zeugin des Todessturzes ihres Mannes gewesen, und dann hatte sie aufgehört zu denken. Es gab einen Schnitt in ihrem Leben. Von diesem Zeitpunkt an kam sie sich vor, als würde sie neben sich hergehen. Sie konnte das alles nicht begreifen, und hätten sie nicht Freunde aus dem Club der Paraglider unterstützt, dann wäre sie überhaupt nicht mehr zurechtgekommen.
Aber sie musste begreifen, dass es Sean, ihren Mann, nicht mehr gab. Er war tot. Er war vom Himmel gefallen. Er, der so sichere Glider, der sich in den Bergen auskannte und praktisch über jede Luftströmung Bescheid wusste, ausgerechnet ihn hatte es erwischt.
Das konnte Kate nicht begreifen. Sie hatte den Absturz in all seinen Einzelheiten verfolgen können. Anderen war nichts geschehen, nur ihn hatte es erwischt, was eigentlich nichts mit den Witterungsverhältnissen zu tun hatte, die waren ideal gewesen.
Trotzdem waren die Seile gerissen!
Das hatte man ihr gesagt. Die untersuchenden Polizisten standen vor einem Rätsel. Es war auch unmöglich, dass Sean die Seile selbst durchtrennt hatte.
Niemand konnte es begreifen. Es wurden erneute Untersuchungen angesetzt, und so dauerte es mit der Überführung nach London. Kate Finley wollte ihren Mann nicht allein lassen. Sie sah sich gezwungen, in Pertisau zu bleiben, dieser kleinen Stadt am Südwestufer des Achensees, wo Sean so gern geflogen war. Es gab hier eine Schule, und dort hatte er vor Jahren die Kunst des Gleitschirmfliegens erlernt.
Jetzt flog er nicht mehr.
Kate war im Hotel geblieben. Die Frau mit den blonden krausen Haaren hatte sich im Leben stets als stark angesehen, aber der Verlust ihres Mannes hatte sie in ein tiefes Loch fallen lassen, aus dem sie zunächst nicht wieder herauskam.
Zwei Tage war sie wie betäubt durch die Gegend gelaufen. Erst als sie die Nachricht erhalten hatte, dass die Leiche am nächsten Tag freigegeben werden sollte, hatte sie sich wieder etwas gefangen. Der Leichnam würde dann nach Innsbruck gebracht werden. Von dort sollte er mit dem Flugzeug nach London überführt werden.
Von verschiedenen Seiten hatte man ihr abgeraten, sich Seans zerschmetterten Körper noch einmal anzusehen. Daran wollte sie sich auch halten, aber ohne Abschied konnte sie ihren Mann einfach nicht fliegen lassen, und so hatte sie sich am dritten Tag aufgemacht, um Abschied von ihm zu nehmen.
Der geschlossene Sarg sollte für eine Nacht in der Leichenhalle bleiben. Sie war leer, denn es gab keinen Einheimischen, der in der letzten Zeit gestorben war. Der Pfarrer selbst hatte ihr aufgeschlossen und war dann gegangen. Den Schlüssel würde sie später zu ihm zurückbringen.
In der Halle war es kühl und still. Kate hörte jeden ihrer Schritte, auch wenn sie die Füße noch so behutsam aufsetzte. Wenn sie jetzt hätte sprechen sollen, wäre ihr das nicht möglich gewesen, denn in ihrer Kehle steckte ein dicker Kloß, der das verhinderte.
Der helle Sarg stand etwas erhöht. Die Fenster an den beiden Seiten der kleinen Leichenhalle ließen zwar Licht durch, aber es war sehr trübe, denn das Rauchglas filterte einen großen Teil der Helligkeit. So herrschte in diesem Bau, in dem es auch nach Weihwasser und verwelkten Blumen roch, stets eine schattige Atmosphäre, die irgendwie hierher passte.
Es gab keinen Schmuck. Abgesehen von einem Kreuz an der Schmalwand hinter dem Sarg. Auch das war sehr schlicht. Zwei Balken, keinerlei Verzierungen und auch ohne den Körper des Heilands.
Etwa eine halbe Schrittlänge vor dem Sarg blieb Kate Finley stehen. Sie hatte sich vorgenommen, sich zusammenzureißen und sich nicht gehen zu lassen. Bis hierher hatte sie es auch geschafft, doch nun riss der Faden. Sie konnte nicht mehr normal stehen bleiben. Sie musste sich einfach ihren Gefühlen hingeben.
Es brach aus ihr hervor. Ein großes Weinen, ein verzweifeltes Schluchzen, das von kurzen Schreien begleitet wurde. Der Sarg verschwamm vor ihren Augen, und sie konnte sich plötzlich nicht mehr auf den Beinen halten.
Vor dem Sarg brach sie zusammen, doch sie warf ihren Körper dabei noch so weit nach vorn, dass sie auf...
| Erscheint lt. Verlag | 9.12.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-4204-4 / 3838742044 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-4204-5 / 9783838742045 |
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