John Sinclair 1441 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-4212-0 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!
Der Seelenfluss - auch wir konnten zunächst kaum glauben, dass es ihn gab. Aber er war da, und er verschlang seine Opfer, die ihm ein alter Schamane brachte, um die Seelen der Ahnen zu beruhigen.
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Der Seelenfluss
Ich wusste, dass mich Schreckliches erwartete. Nur was es genau war, konnte ich nicht sagen.
Das angststarre Gesicht des Mannes vor der breiten Tür jedenfalls gab keine konkrete Antwort, auch wenn sich die Lippen zitternd bewegten und er mir fast vor Schwäche in die Arme gefallen wäre.
Seine Worte waren nur schwer zu verstehen. Erst als ich ihn noch näher zu mir heranzerrte, da wurde mir klar, was er sagte.
»Monster – Monster …«
Er wiederholte das Wort immer wieder.
Ich roch seinen Schweiß, spürte sein heftiges Zittern und drückte ihn vor mir weg. Mit den langen, grauen Haaren und dem verbeulten Hut auf dem Kopf wirkte der Mann auf mich wie aus einer Filmkulisse entsprungen.
Er schaute hoch und deutete in die Höhe.
»Monster …«
Ich blickte zum Nachthimmel. Er war nicht schwarz. Für mich zeigte die Farbe ein tiefes Blau, und in dieses Blau war ein kreisrundes Loch geschnitten, aus dem das bleiche Mondlicht schien und die kalte Nacht irgendwie verzauberte.
Dass wir uns in der Nähe von London befanden, war kaum zu spüren. Wir hätten auch irgendwo in der Einsamkeit des schottischen Hochlands stehen können, denn weitere Gebäude waren nicht zu sehen.
Der Mann atmete und schluckte. Er wischte über seine feuchten Lippen und deutete wieder an der Wand des Gebäudes hoch, das eher nach einer Scheune als nach einem Wohnhaus aussah.
»Ich sehe keine Monster«, erklärte ich.
»Aber sie sind …«
»Es ist nur der Himmel.«
Er starrte mich für eine Weile an. Wie jemand, der erst über etwas Bestimmtes nachdenken muss. Schließlich begriff er. »Im Haus – in diesem verdammten Haus.«
Ich holte tief Luft. Jetzt war alles klar. Ich sollte in dieses Gebäude, das ziemlich baufällig wirkte.
Es stand frei. Hinter dem Bau gab es eine Erhebung. Es war ein Damm, auf dem Gleise glänzten, die das Mondlicht reflektierten. Ein Weg führte nicht zu diesem alten Haus. Ich war querfeldein gefahren, um an diesen Ort zu gelangen.
In meinem Rücken schützte mich der Wald gegen den scharfen Wind, und ich stellte die nächste Frage.
»Was steckt in diesem Haus?«
»Monster!«, schnappte er.
Ich schloss für einen Moment die Augen. »Okay, ich habe verstanden. Es sind Monster. Aber können Sie sie genauer beschreiben?«
Er duckte sich etwas. Dabei hob er die Arme und ließ sie schwingen. Er imitierte damit den Flug eines Vogels.
Und so fragte ich auch: »Vögel?«
»Nein, schlimmer – Monster.«
Mir schoss etwas durch den Kopf. »Vielleicht Fledermäuse?«
»Weiß nicht.«
Ich schaute an dem Mann vorbei, der Paul hieß – mehr wusste ich nicht –, und konnte nichts Auffälliges entdecken. Das Schreckliche war bisher nicht erschienen, und mich überkam das Gefühl, grundlos hier in der Kälte zu stehen.
Ich öffnete die Tür noch nicht, denn ich wollte erst warten, bis Suko zu mir gekommen war. Er hatte sich auf der anderen Seite des Gebäudes umsehen wollen.
Da kein Nebel herrschte und das Mondlicht zusätzlich für eine klare Sicht sorgte, sah ich ihn sehr bald. Er ging durch das hohe Gras und schüttelte dabei den Kopf.
»Alles ruhig, John.«
»Hier auch.«
»Aber da ist was!«, flüsterte Paul. »Das weiß ich genau.«
Suko schaute dem Mann direkt in die Augen, der unter seinem scharfen Blick zurückwich. Ich hielt mich raus, denn letztendlich war es Sukos Sache. Er hatte mich mitgenommen, weil er von Paul einen Tipp erhalten hatte.
Paul war ein Halbchinese. Sein Vater stammte aus Hongkong, seine Mutter aus Schottland. Viel mehr wusste er über seine Eltern nicht. Er hatte sich allein durchs Leben schlagen müssen. Als Kind war er bei einem entfernten Verwandten seines Vaters untergekommen. Er hatte dort schuften müssen und war für das weitere Leben hart gemacht worden. Es wäre bei ihm auch so weitergegangen, wenn eine Bombe nicht die Hälfte seiner Adoptivfamilie ausgelöscht hätte. Da war er schon fünfzehn gewesen und hatte sich von nun an allein durchs Leben schlagen müssen. Was ihm recht gut gelungen war. Er hatte Lesen und Schreiben gelernt und auch eine andere Fähigkeit an sich entdeckt.
Paul konnte malen. Und damit hatte er von nun an sein Geld verdient. Er malte für Touristen, schuf auch Bilder für Einheimische. Er lebte auch weiterhin in seiner Umgebung und hielt dort die Augen und Ohren auf. Irgendwann war er dann abgestürzt. Wahrscheinlich zu viel Alkohol und andere Drogen. Alles war bei ihm kaputt gegangen. Er hatte vor dem Nichts gestanden. Aber er war jetzt clean. Zumindest nahm er kein Rauschgift mehr. Paul schlug sich wieder mit Gelegenheitsarbeiten durchs Leben und hatte irgendwann mal Suko getroffen.
Nach einigen Gesprächen hatte mein Freund Paul überzeugen können, für Scotland Yard zu arbeiten. Natürlich in inoffizieller Mission, und so hatten wir einen V-Mann gewonnen.
Im Londoner Chinesenviertel passierte viel. Das meiste drang nicht nach außen. Es ging uns auch nichts an, aber Paul war auf gewisse Dinge angesetzt worden, und nun hatte er Suko den Tipp gegeben, dass in dem Gebäude vor uns etwas Schreckliches geschah.
»Was ist hier wirklich los, Paul?«
Der V-Mann schaute meinen Freund an und hob die Schultern. »Monster sind hier.«
»Ich habe nichts gehört.«
»Ihr müsst hineingehen.«
»Und uns die Monster ansehen?«
»Ja.«
»Kannst du uns beschreiben, wie sie aussehen?«
»Ich habe sie noch nie gesehen.«
»Aber du weißt, dass es Monster sind?«
»Ja.«
»Woher?«
»Man spricht davon. Es hat auch Tote gegeben. Davon wisst ihr natürlich nichts, aber ich glaube daran.« Er deutete über seine Schulter hinweg. »Da haben sie sich versteckt.«
»Die Toten?«, fragte ich.
»Ja und nein. Die Toten sind auch Opfer.«
»Rede nicht so einen Mist!«, fuhr Suko Paul an. »Monster, Tote und Opfer. Bringst du da nicht einiges durcheinander?«
»Nein, das glaube ich nicht. Es passt. Es sind Menschen gestorben, das weiß ich.«
»Und die finden wir in diesem Haus?«
»Kann sein. Aber sie sind nicht gestorben. Man hat sie einfach umgebracht.«
Ich räusperte mich. »War es das Monster? Oder waren es die Monster?«
Paul hob die Schultern. »Ich kann das alles nicht so genau sagen.« Er war trotz der Kälte ins Schwitzen geraten. »Ich habe in der letzten Zeit gehört, dass immer wieder die Rede von Wu, dem Schamanen, war.«
»Wer ist das denn?«, fragte ich.
»So etwas wie ein Gott«, sagte Suko.
»Du kennst ihn?«
Mein Freund grinste. »Nicht persönlich. Aber ich kenne Menschen, die ihn verehren …«
» … und ihm Opfer bringen«, fügte Paul hinzu. Er nickte danach.
Er machte auf mich den Eindruck, als wollte er nichts mehr sagen. Damit fand ich mich ab. Außerdem hatte ich den Eindruck, dass wir schon viel zu lange hier herumstanden. Da war es besser, wenn wir uns das scheunenartige Gebäude mal von innen anschauten.
Auch Suko war meiner Ansicht.
»Dann sehen wir uns am besten mal selbst um.«
»Ich nicht!«, flüsterte Paul.
»Warum nicht?«
»Wenn er dort ist, dann wird er mich töten. Man darf seine Ruhe nicht stören.«
Suko fing an zu lachen.
»Und bei uns spielt das keine Rolle?«, fragte er.
»Du kannst dich doch wehren gegen Wu. Er ist wieder da. Jeder im Viertel spürt es. Jemand hat ihn beschworen. Die Menschen haben Angst. Das habe ich dir bereits gesagt.«
Da hatte Paul nicht gelogen. Und er hatte recht überzeugend gesprochen. Sonst hätten wir uns hier nicht mit ihm verabredet.
»Dann lass uns gehen«, schlug Suko vor. »Bin gespannt, ob wir diesen Mr Wu finden.«
»Vorsicht vor dem Monster«, warnte Paul. »Wenn ihr ihn tatsächlich seht, müsst ihr euch schnell etwas einfallen lassen, sonst wird er euch zerreißen.«
»Danke, wir passen schon auf«, erwiderte ich.
Eine Sekunde später befanden wir uns auf dem Weg zur Tür.
»Glaubst du ihm?«, fragte ich.
»Aus Spaß hat er das alles nicht gesagt. Und ich weiß, dass bei meinen Vettern in der letzten Zeit eine gewisse Unruhe geherrscht hat. Man kann sogar von Furcht sprechen. Ich habe nachgefragt, aber keine konkrete Antworten erhalten. Ich habe nur Menschen erlebt, die sehr traurig waren, aber Antworten bekam ich keine. Alles wurde unter der Decke gehalten, was nicht gut ist.«
»Dann rechnest du also damit, dass wir wirklich etwas Schreckliches erleben werden?«
Er hob nur die Schultern.
Ich kannte ihn gut genug. Wenn Suko so etwas tat, dann war er fast schon von einer Sache überzeugt …
*
Die Tür hatten wir nicht aufzubrechen brauchen. Im Haus war es finster, aber nicht völlig dunkel. Und wir sahen die Leere nicht, sondern spürten sie nur.
Von außen hatten wir Fenster gesehen. Hier drinnen waren sie kaum zu erkennen. Nicht mal das Mondlicht drang hindurch. Es malten sich nur die Umrisse der Fenster oben in der Wand vor uns ab.
Suko, der neben mir stand, schüttelte den Kopf und fragte: »Wo versteckt sich das Schreckliche?«
»Du meinst Wu?«
»Kann sein.«
»Was weißt du über ihn?«
»Er ist ein Geist oder ein Götze«, erwiderte Suko. »Mehr kann ich dir auch nicht sagen. Abgesehen davon, dass er recht alt ist und zu den Urgöttern gehört.«
»Und – weißt du noch mehr?«
»Stell mir bitte keine weiteren Fragen. Wir können uns auch darauf einigen, dass er ein Schamane ist, wenn dir das besser...
| Erscheint lt. Verlag | 9.12.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-4212-5 / 3838742125 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-4212-0 / 9783838742120 |
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