John Sinclair 1408 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-4173-4 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!
Lautlos bewegte sich das Grauen durch die Nacht. Dieses Grauen war nicht abstrakt, es hatte den Körper eines Menschen, der jedoch perfekt mit der Dunkelheit verschmolz.
Und das Grauen hatte ein Ziel: ein Haus. Doch das war nicht das einzige Ziel der Kreatur, denn in diesem Haus lebten Menschen, die etwas Bestimmtes aufbewahrten - einen Toten, der aufgebahrt in ihrem Wohnzimmer stand!
Die unheimliche, düstere Gestalt, die sich dem Haus näherte, wollte diesen Toten, denn sie war der Totenholer.
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Der Totenholer
Lautlos bewegte sich das Grauen durch die Nacht!
Es war nicht irgendein abstraktes Gebilde. Es hatte den Körper eines Menschen, der perfekt mit der Dunkelheit verschmolz.
Und das Grauen hatte ein Ziel.
Ein Haus. Doch das war nicht das einzige Ziel der Kreatur, denn in diesem Haus lebten Menschen, die etwas Bestimmtes aufbewahrten …
So wächsern konnte nur das Gesicht eines Toten sein!
Der alte Mann lag bereits in seinem Sarg. Der stand nicht in einem Beerdigungsinstitut, das wäre für Harriet und Jack Melrose zu unpersönlich gewesen.
Der Bestatter hatte ihnen den Sarg ins Haus gebracht, und seinen Platz hatte er im Wohnraum des Ehepaars gefunden. Dafür war der Tisch zur Seite gerückt worden.
Totenwache wollten sie halten. Abel Melrose hatte bei seinem Sohn und der Schwiegertochter die letzten Tage seines Lebens verbracht, bis ihn der Tod zu sich geholt hatte.
Es war für das Ehepaar eine schlimme Zeit gewesen, denn Jacks Vater war sehr qualvoll gestorben. Der verfluchte Krebs hatte ihn innerlich förmlich aufgefressen. Er hatte stark an Gewicht verloren, zum Schluss war er nur noch ein Skelett mit Haut gewesen.
Das Licht brannte. Nur sehr gedämpft. Niemand wollte den grausamen Anblick zu direkt sehen. So breitete sich das weiche Licht aus und ließ das Gesicht nicht ganz so schaurig erscheinen.
Jack Melrose hatte seinem Vater die Augen geschlossen. Es wäre für ihn nicht zu ertragen gewesen, diesen leeren und schrecklichen Blick zu sehen, aber bei ihm bleiben musste er. Der Stuhl, auf dem er saß, war recht hart. Jack merkte die Harte nicht. Er schaute gegen das Gesicht des Toten, und sehr viel ging ihm durch den Kopf. Er dachte an seine Kindheit, an die Jugend, aber auch an seine Mutter, die viel zu früh verstorben war.
Jetzt gab es den Vater nicht mehr. Und Jack, der bereits über fünfzig war, fühlte sich wie ein Waise.
Hin und wider trank er einen Schluck Wasser. Immer dann, wenn er das Glas wieder absetzte, glitt sein Blick nach vorn und über den offenen Sarg hinweg zum Fenster, das von der Decke bis zum Boden reichte. Dahinter breitete sich der Garten aus, über den die Dunkelheit ihr Tuch ausgebreitet hatte.
Er sah nicht viel. Ein Feld, dahinter eine Straße, aber keine anderen Häuser. Ihr Haus stand einsam, und hier hatten Harriet und Jack seit ihrer Heirat vor fast dreißig Jahren gewohnt.
Von nun an allein, auch wenn der Vater als schreckliche Horrorgestalt in seinem Sarg lag. Es war für beide noch immer nicht begreifen, dass ein Mensch derartig zusammenfallen konnte, sodass er den Namen nicht mehr verdiente. Ein schneller Tod wäre eine Gnade gewesen, aber die war Abel Melrose leider nicht vergönnt gewesen.
Tränen hatte Jack nicht mehr. Die letzten Tage waren einfach zu schlimm gewesen. Er hatte die Lippen zusammengepresst und konnte nur durch die Nase atmen.
Mitternacht war vorbei. An diesem Tag würde Abel abgeholt werden. Zwei Tage später war dann die Beerdigung. Danach mussten die beiden Melroses ihr Leben neu einrichten.
Wieder schaute er aus dem Fenster. Das Land dahinter konnte man als Feld ansehen. Ein kleiner Garten gehörte ebenfalls zum Haus. Allmählich erwachte in ihm auch der Frühling. Die lange klare Winterzeit war nun endgültig vorbei.
Hinter ihm wurde die Tür geöffnet. Sehr leise, als wollte die eintretende Person die Totenruhe nicht stören. Jack Melrose drehte sich nicht um. Er wusste, dass seine Frau das Zimmer betrat, denn eine andere Person gab es nicht mehr im Haus.
Sie kam zu ihm, blieb hinter ihm stehen und legte ihm beide Hände auf die Schultern.
»Jack …«
»Was ist?«, fragte er müde.
»Wie lange willst du noch hier sitzen?«
»Ich weiß es nicht«, murmelte er und schüttelte dabei den Kopf. »Eigentlich habe ich mir vorgenommen, die ganze Nacht über Totenwache zu halten. Das bin ich meinem Vater schuldig.«
»Ich weiß. Aber du solltest auch an dich denken.«
Jack winkte nur ab.
»Doch, das solltest du, mein Lieber. Auch uns stehen schwere Zeiten bevor. Die Beerdigung und …«
»Ich weiß, Harriet, aber …«
»Leg dich hin.«
Jack musste lachen. »Meinst du, dann ginge es mir besser? Ich werde keinen Schlaf finden.«
»Es käme auf einen Versuch an. Ich denke, dass du kein schlechtes Gewissen haben musst.«
Jack hob beide Arme an und legte die Hände auf die der Frau. »Ich weiß ja, dass du es gut meinst, aber …«
»Bitte, keine Ausreden.«
Jack Melrose schloss die Augen. Die Gedanken jagten durch seinen Kopf. Sollte er den Platz verlassen? Sollte er bleiben? Die Vernunft sprach dagegen, und sie siegte schließlich.
»Gut, Harriet, ich werde es versuchen.«
»Dann komm.«
Mühsam stand er auf. »Der Sarg bleibt offen – ja?«
»Wenn du es willst.«
»Ja, und das Licht lasse ich auch brennen.«
»Natürlich.«
Jack warf noch einen letzten Blick auf seinen Vater. Er wollte ihm etwas sagen, doch er brachte kein Wort hervor. Irgendwie war seine Kehle zugeschnürt.
Mit einer etwas mühsamen Bewegung stand er auf. Er hatte sich lange nicht bewegt, jetzt waren seine Muskeln etwas steif geworden. Es tat ihm gut, als er wenig später eine lebende Person anschaute und nicht mehr auf einen Toten blickte.
Harriet war knapp fünfzig. Das Haar hatte sie leicht rötlich gefärbt und trug es hochgesteckt. Der etwas füllige Körper wurde von einem Morgenmantel umschlungen, und als Harriet lächelte, wirkte es verkrampft.
»Er hat ein langes Leben gehabt, Jack, daran solltest du denken.«
»Ich weiß. Aber er hat auch einen schrecklichen Tod hinter sich. Das muss ich mir auch immer vor Augen halten.«
»Sicher.« Sie räusperte sich. »Aber das ist alles vorbei. Lass uns schlafen.«
»Klar.«
Sie verließen das Zimmer. Harriet wusste, wie schwer es ihrem Mann fallen würde, etwas Ruhe zu finden. Aber sie sah keine andere Möglichkeit. Sie konnten sich nicht aufreiben. Es wäre einfach zu stressig für beide gewesen. Irgendwann mussten auch sie zur Ruhe kommen und all das vergessen, was hinter ihnen lag.
Ihr Herz schlug schneller, als sie sich auf den Weg zum Schlafzimmer machte. Eigentlich hätte sie gedacht, dass Jack ihr folgen würde, aber er blieb auf der Schwelle stehen und schaute zurück in das Totenzimmer.
»Was ist denn?« Fast hätte ihre Stimme ärgerlich geklungen, aber sie riss sich zusammen. Er deutete nach vorn. »Ich weiß nicht …«
Da Jack keine weitere Erklärung mehr gab, ging sie wieder zu ihm zurück.
»Bitte, du musst dich doch mal lösen und …«
»Das ist es nicht.«
»Sondern?«
Er räusperte sich. »Ich … ähm … ich habe da draußen etwas gesehen, glaube ich.«
»Was denn?«
Mit einer leicht zaghaften Bewegung deutete Jack auf die Scheibe. »So genau kann ich dir das nicht sagen. Es ist auch zu dunkel, aber ich denke nicht, dass ich mich geirrt habe.«
»Genaueres kannst du nicht sagen?«
»Nein, kann ich nicht.«
»Deine Fantasie hatte dir einen Streich gespielt.«
Jack gab die Antwort auf seine Art und Weise. Er wollte sich Gewissheit verschaffen. Mit schnellen und auch langen Schritten näherte er sich der Scheibe, um einen Blick nach draußen zu werden. Man konnte ihn auslachen oder nicht, aber er hatte etwas gesehen. Eine flüchtige Bewegung, nicht mehr. Und sie stammte auch nicht von einem Vogel, sondern von einem Menschen.
Von einem Menschen?
Nein, auch da war er sich nicht sicher.
Er stellte sich dicht vor die Scheibe und warf einen langen Blick in den Garten.
Da lag nur die Dunkelheit. Sie war wie ein schwarzer Teppich, der über dem Land lag und alles verschluckte.
»Und?«
»Ich weiß nicht.«
»Dann hast du dich geirrt«, sagte Harriet. »Mein Gott, Jack, wir leben seit einiger Zeit unter sehr extremen Bedingungen. Da kann es schon mal vorkommen, dass einem die Fantasie einen Streich spielt und man Dinge sieht, die es nicht gibt. Man bildet sie sich einfach ein. Da drehte die Fantasie durch.«
Jack Melrose wollte sich auf keinen Streit mit seiner Frau einlassen. Er nickte und drehte sich zugleich um. »Wahrscheinlich hast du Recht. Lass uns zurückgehen.«
»Das meine ich auch. Etwas Schlaf wird uns gut tun.«
Mit gesenktem Kopf passierte Jack den Sarg. Er schaute nicht mehr hinein. Zugleich stellte er fest, dass seine Augen wieder feucht geworden waren. Hart musste er schlucken, und trotzdem war er beunruhigt. Diese Bewegung im Garten wollte ihm nicht aus dem Kopf. Er hatte etwas gesehen, und er wusste, dass es kein Tier gewesen war. Dann hätte die flüchtige Gestalt schon ein Bär sein müssen, so groß war sie gewesen.
Er folgte seiner Frau in das Schlafzimmer. Es lag auf derselben Ebene. Zwar gab es noch eine erste Etage, aber dort hatte sich das Zimmer des Vaters befunden, neben einem Bad und einem kleinen Gästezimmer. Früher war es von ihrem Sohn bewohnt worden. Der aber lebte längst nicht mehr zu Hause.
Harriet hatte das Licht an ihrer Bettseite eingeschaltet. Der Schein glitt über eine verblichene Tapete hinweg. Sie hing schon zu lange an der Wand. Jetzt hatten sie die Zeit, hier einmal neu zu tapezieren.
Jack setzte sich auf die Bettkante und rutschte aus seinen flachen Schuhen.
»He, willst du dich nicht ausziehen?«
»Nein, nein, lass mal.«
»Warum nicht?«
Jack legte sich hin. Er verschränkte die Hände dabei hinter seinem Kopf.
»Ich habe dich was gefragt, Jack!«
»Ja, ich weiß. Ich bin...
| Erscheint lt. Verlag | 9.12.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-4173-0 / 3838741730 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-4173-4 / 9783838741734 |
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