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John Sinclair 1417 (eBook)

Der Würgeengel

(Autor)

eBook Download: EPUB
2015 | 1. Aufl. 2015
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-4182-6 (ISBN)

Lese- und Medienproben

John Sinclair 1417 - Jason Dark
Systemvoraussetzungen
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Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!

Es war ein Mitarbeiter des Schauhauses, der mich auf ein bestimmtes Thema hin ansprach. Es ging um den Tod seiner Mutter, die in einem Seniorenheim an der Küste gestorben war. Angeblich durch einen Herzschlag, aber daran glaubte ihr Sohn nicht.

'Ich habe die Würgemale an ihrem Hals noch gesehen, Mr. Sinclair. Man hat sie ermordet!'

Ich glaubte dem Mann. Zusammen mit Suko besuchte ich das Heim und lernte den wahren Mörder kennen. Es war der Würgeengel.

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Der Würgeengel


Es war kalt im Schauhaus – totenkalt!

Bestimmt kein Ort, den man freiwillig betrat, und auch ich war nicht zum Spaß gekommen, sondern um Abschied zu nehmen. Abschied von einem guten alten Freund, von Frantisek Marek, dem Pfähler.

Umgebracht hatte letztendlich ich ihn, aber ich musste mich nicht als Mörder fühlen, denn er war von mir nur erlöst worden.

Marek war in den letzten Stunden seines Lebens zu einem Vampir geworden.

Noch immer fiel es mir schwer, dies zu glauben. Doch es war eine Tatsache gewesen, und weder Glenda, Suko noch ich hatten ihn vor diesem Schicksal bewahren können.

Da hatte Dracula II, unser mächtiger Gegner und Supervampir, eine Runde gewonnen. Selbst die blonde Blutsaugerin Cavallo hatte da nichts mehr ausrichten können.

Ich war nicht allein. Mich begleitete Luke Russo, ein Mann um die 40, der praktisch das Sagen hier hatte. An diesem Tag hatte er seinen Dienst verlängert, und er hatte auch darauf bestanden, mich zu begleiten.

Wir schritten durch einen langen Gang. Fenster gab es hier nicht. Der Bereich lag unterhalb des Erdbodens, als hätte man hier schon ein großes Grab errichtet, um die Leichen auf das eigentliche Begräbnis vorzubereiten.

Von Luke Russo wusste ich, dass es der letzte Raum war, in dem Frantisek lag. Er hielt ihn allein besetzt, so lenkte mich nichts ab. Man hatte ihn auch nicht in einer der Laden verstaut, sondern auf meinen Wunsch hin auf einen Metalltisch gelegt, und auch nicht nackt, sondern in seiner Kleidung.

Nach der Überführung war die Leiche gewaschen worden. Man hatte ihr ein weißes Hemd übergestreift, die Haare gekämmt, eine schwarze Hose angezogen, auch schwarze Schuhe, aber er trug noch seine alte Jacke, die so etwas wie ein Markenzeichen gewesen war. Was mit seinem Haus in Rumänien geschah, wusste ich nicht. Soviel mir bekannt war, gab es keine Erben. Marek hatte in seinem Leben keine Kinder gezeugt.

»Da sind wir, Mr. Sinclair.«

»Okay, schließen Sie auf.«

In Russos Gesicht fielen die schmalen Lippen auf. Sie passten zu dem hageren Gesicht. Rotblond und dicht wuchs das Haar auf seinem Kopf, und seine Augen besaßen eine blassblaue Farbe. Er schaute den Schlüssel an, den er in der Hand hielt, und traf keinerlei Anstalten, ihn in das Türschloss zu stecken.

Ich sah ihm an, dass er etwas auf dem Herzen hatte, und wollte ihn schon fragen, aber er kam mir zuvor.

»Ich hätte da noch eine Bitte, Mr. Sinclair, wenn Sie gestatten.«

»Gern.«

Jetzt schaute er mich an. »Kann ich Sie, wenn Sie hier fertig sind, noch mal sprechen?«

Mit diesem Wunsch hätte ich nicht gerechnet. Ich blickte ihn ein wenig überrascht an und fragte dann: »Um was geht es denn?«

»Das möchte ich Ihnen schon nachher sagen.«

Es war früher Abend. Ich hatte nichts Berufliches mehr zu tun, und deshalb stimmte ich zu.

»Klar, wir können reden. Wo?«

»Wenn Sie bitte in mein Büro kommen würden. Dort sind wir dann ungestört.«

»Klar, wenn Sie wollen.«

»Danke, Mr. Sinclair. Sie werden den Weg ja sicherlich finden.«

»Das denke ich auch.«

»Dann schließe ich jetzt auf.«

Ich fragte ihn nicht weiter nach den Gründen und machte mir auch keine weiteren Gedanken, denn das, was jetzt leider vor mir lag, war wichtiger. Wir würden Marek hier in London beerdigen, und zwar auf demselben Friedhof, auf dem auch Lady Sarah Goldwyn ihre letzte Ruhestätte gefunden hatte.

»Bitte, Sie können jetzt hineingehen, Sir.«

Ich nickte und betrat den Raum, in dem es noch kälter war. Mich überlief sofort ein Frösteln. Die Tür wurde wieder geschlossen, aber nicht verschlossen, sodass ich sie auch von innen her öffnen konnte.

Frantisek Marek und ich!

Ab jetzt gab es nur uns beide. Aber es gab auch den großen Unterschied. Der eine lebte, der andere nicht.

Es war wirklich ein kleiner Kühlraum, dessen Einrichtung mich nicht interessierte. Ich ging auf den Metalltisch zu, auf dem der Tote seinen Platz gefunden hatte.

Marek war von einem Fachmann für Leichenkosmetik zurechtgemacht worden. Zwar nicht auffällig geschminkt, aber man hatte schon etwas an ihm getan. So war sein Gesicht nicht mehr so schrecklich wächsern. Es hatte etwas Rouge bekommen. Es gab auch kein Blut an seiner Kleidung zu sehen. Der Mund war ebenso geschlossen wie die Augen, und wenn man seinen Zustand hätte beschreiben sollen, wäre man leicht auf den Gedanken gekommen, einen Schlafenden vor sich zu haben.

Das traf allerdings nicht zu. Frantisek Marek würde nie mehr aufstehen. Seine Erlösung hatte er mir zu verdanken, und es war mir verdammt nicht leicht gefallen, ihm die eigene Waffe in die Brust zu stoßen. Mit diesem Pfahl hatte er zahlreiche Vampire gekillt, und zum Schluss hatte es ihn selbst erwischt.

Ich hatte darüber nachgedacht, den Pfahl mit ihm begraben zu lassen, doch meine Freunde hatten Einspruch erhoben und mich gebeten, noch mal darüber nachzudenken.

Okay, das wollte ich tun, aber jetzt war Marek wichtiger. Ich stand neben der Leiche und schaute in das Gesicht, das einen so friedlichen Ausdruck angenommen hatte.

Der Hass, die Gier, der Wille, an das Blut eines Menschen heranzukommen, all das war verschwunden. Hier lag ein Mensch, der vor dem Tod Frieden mit sich und der Welt geschlossen hatte. Zumindest nach außen hin.

In seiner Brust befand sich ein Loch. Der Pfahl hatte es gerissen, als ich ihn hineingerammt hatte. Zu sehen war es nicht mehr. Es wurde durch das Hemd verdeckt, und als ich mich darauf konzentrierte, da tauchte die Szene wieder vor meinem geistigen Auge auf.

Frantisek Marek war scharf auf mein Blut gewesen. Dass er jetzt hier lag, war praktisch von meiner Seite her eine entsprechende Notwehr.

Der Pfähler konnte nicht mehr sprechen, aber ich konnte es, und ich hatte auch den Wunsch, mit ihm zu reden, obwohl ich keine Antworten bekommen würde.

Ich musste etwas loswerden. Ich wollte mich praktisch entschuldigen oder mein Gewissen erleichtern. Das ging nur mich etwas an, und deshalb war ich auch allein gekommen. Das hier war nur etwas, das mich anging.

Er konnte mich nicht mehr hören, und trotzdem erleichterte ich meine Seele. Ich wollte sie von dem Druck befreien. Ich sprach über die alten Zeiten, über die Gemeinsamkeiten. Ich lachte zwischendurch, mir kamen auch mal die Tränen, und ich dachte dabei an seine Frau Marie, die ebenfalls zu einem Vampir geworden war und die ich mit einer geweihten Silberkugel erlöst hatte.

Bei Marek war es der Pfahl gewesen. Letztendlich waren beide auf eine nicht natürliche Art und Weise gestorben.

Ich hatte es mir nicht aussuchen können, und ich wünschte mir sehr, vieles rückgängig machen zu können.

Es war nicht mehr möglich. Das Gleiche hatte ich bei meinen Eltern erlebt und vor nicht allzu langer Zeit bei Lady Sarah Goldwyn, der Horror-Oma.

Nun war es Marek, der Pfähler, gewesen, und ich fragte mich, wer der Nächste in der Reihe war.

Ein Kind hätte mich sicherlich gefragt, ob er jetzt im Himmel war. Wo immer man den Himmel sah oder sich ihn vorstellte, ich hätte dem Kind positiv geantwortet.

Ja, Frantisek war ein guter Mensch gewesen, der die Welt von der verfluchten Vampirpest hatte befreien wollen. Was in seinen Kräften stand, das hatte er getan. Dafür gebührte ihm noch im Nachhinein ein großer Dank.

Es berührte mich irgendwie positiv, dass er im Tod entspannt aussah. So hatte man den Eindruck, dass er nur schlief, aber dieser Schlaf war zugleich der Übergang in die Ewigkeit.

Ich hatte mit dem Toten gesprochen und wollte ihm noch meine letzten Worte sagen, was mir verdammt schwer fiel, denn die Kehle saß irgendwie zu. So musste ich mich mehrmals räuspern, um sprechen zu können.

»Ich hoffe, dass es irgendwann ein Wiedersehen gibt, alter Freund. Und ich verspreche dir, dass ich auch in deinem Namen weitermachen werde. Du sollst nicht umsonst gestorben sein …«

Ich nickte. Räusperte mir noch mal die Kehle frei, und als ich dann zum Abschied über seine kalten Wagen strich, da konnte ich die Tränen nicht mehr zurückhalten.

Eine lange Freundschaft hatte ihr Ende gefunden, doch die Erinnerung an den Pfähler würde nie vergehen.

Mit schwerfälligen Bewegungen drehte ich mich um. Ich hatte das Gefühl, Eisen in den Füßen zu haben. Ich ging zwar zur Tür, aber ich öffnete sie noch nicht. Mit einem Taschentuch trocknete ich das Tränenwasser in den Augen. Einige Male musste ich die Nase hochziehen und war froh, in diesen Augenblicken allein zu sein.

Dann öffnete ich die Tür und zog sie auf. Auf der Schwelle drehte ich mich noch mal um.

Es war der letzte Blick, den ich einem alten Freund gönnte. So würde ich ihn nicht mehr sehen, denn schon sehr bald würde sich der Deckel des Sargs über ihm schließen.

Aber die Erinnerung an den Pfähler würde bei mir und meinen Freunden nicht verlöschen …

*

Ich hatte mir auf dem Weg zu Russos Büro hin Zeit gelassen und mir noch einige Male über die Augen gewischt. Jetzt hatte mich wieder die andere Seite des Lebens zurück. Der Kampf ging weiter, und es war auch kein Ende in Sicht.

Mit dem Lift war ich wieder in die Oberwelt gefahren. Auf dem Gang erwischte mich der Duft von frisch gekochtem Kaffee. Luke Russo hatte seine Bürotür nicht geschlossen. So brauchte ich nur dem Aroma zu folgen, um den Ort zu erreichen.

Der Mann mit den rotblonden Haaren saß an einem kleinen Schreibtisch, auf dem ein Computer stand, der auf dem Tisch viel zu groß wirkte.

Das Fenster war den beengten Verhältnissen ebenfalls angepasst...

Erscheint lt. Verlag 9.12.2015
Reihe/Serie John Sinclair
John Sinclair
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies
ISBN-10 3-8387-4182-X / 383874182X
ISBN-13 978-3-8387-4182-6 / 9783838741826
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