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John Sinclair 1421 (eBook)

Totenklage

(Autor)

eBook Download: EPUB
2015 | 1. Aufl. 2015
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-4186-4 (ISBN)

Lese- und Medienproben

John Sinclair 1421 - Jason Dark
Systemvoraussetzungen
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Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!

Elena Davies war in einer für sie sehr stillen Welt aufgewachsen. Sie war taub.

Eines Tages hörte sie Stimmen. Ein schreckliches Wehklagen drang bis zu ihr. Es waren Stimmen, die sie in Panik versetzten, denn sie gehörten keinen normalen Menschen, sondern den Toten, die tief in einem Sumpf vergraben lagen.

Niemand glaubte ihr, bis sie sich einem Bekannten anvertraute, der die Botschaft nach London zu einem Kollegen weitergab. Es war Bill Conolly, mein Freund.

Von nun an kümmerten wir uns um die unheimliche Totenklage.

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Totenklage


Böse – es ist alles so böse. Ich spüre es und kann nicht weglaufen. Ich muss hin.

Die Gedanken trieben Elena Davies voran. Den Rest des Wegs lief sie zu Fuß. Ihr Fahrrad hatte sie abgestellt und versteckt. Der Boden war einfach zu weich in dieser Umgebung.

Die Gedanken bekam sie nicht aus dem Kopf. Immer wieder stellte sie sich die Frage, warum es gerade sie erwischt hatte und keinen anderen.

Die Antwort kannte sie nicht, aber sie hatte sich damit abgefunden, und so lief sie weiter durch die dunkle Welt in der Nähe des Moors, in das sich kaum ein Mensch hineintraute …

Elena Davies kannte sich aus. Sie wusste genau, wie sie gehen musste. Wo es gefährlich war und wo nicht. Den Wald hatte sie längst hinter sich gelassen. Vor ihr lag jetzt die recht freie Fläche eines uralten Moorgebiets, das nicht überall ausgetrocknet war. Es gab noch genügend Stellen, die man als gefährlich einstufen musste und die nur von Menschen begangen werden konnten, die sich auskannten.

Elena verlangsamte ihre Schritte. Ihre Absätze drückten sich in den weichen Boden. Dabei entstanden saugende Geräusche oder auch ein Schmatzen, aber Elena wusste nicht, wie sich das wirklich anhörte. Sie hörte nichts, sie war taub.

Sie konnte es sich vorstellen, sie malte es sich aus, sie wusste vieles, aber die Geräusche des normalen Lebens liefen an ihr vorbei.

Und trotzdem musste sie los. Wie fast in jeder Nacht im Sommer. Das hier war eine besondere, denn über dem Moor stand der fast volle Mond und glotzte herab.

Er war das gelbe Auge, das alles unter Kontrolle hielt. Er schickte sein Licht über die weite Fläche, sodass sie einen fahlen und auch unheimlichen Glanz erhielt. Manchen Menschen wäre er verwunschen vorgekommen und vielleicht auch märchenhaft, doch die meisten scheuten den Weg zum nächtlichen Moor, weil sie sich vor dem fürchteten, was der Mond mit seinem Schein unter Umständen erwecken könnte.

Das Moor steckte voller Geheimnisse. Im Laufe der Jahrhunderte hatte es viele tief in sich begraben. Nur hin und wieder gab es eines dieser Geheimnisse frei. Dann aber hatten Menschen eingegriffen und einen bestimmten Teil der Fläche trockengelegt. Ansonsten schwieg sich die dunkle Fläche aus.

Elena kannte ihren Weg genau. Sie ging eigentlich nie den gleichen, sondern suchte sich immer einen anderen aus. Sie trug entsprechendes Schuhwerk, und sie war auch nie in Gefahr geraten, im Moor zu versinken. Sie fühlte sich mit diesem Gebiet verbunden. Es war einfach für sie gemacht, und sie genoss es, es in den Sommernächten aufzusuchen.

Nicht weit von ihr entfernt breitete sich der erste Tümpel aus. Dort gab es auch einen schmalen Steg, an dem ein Boot lag. Sie wusste nicht, wem es gehörte, aber dass der alte Kahn bewegt wurde, das hatte sie bereits herausgefunden.

Auch jetzt schickte sie einen Blick dorthin und ebenfalls über die Wasserfläche.

Sie sah nach wie vor dunkel aus, aber sie hatte durch den Mondschein einen helleren Glanz bekommen. Fast zu vergleichen mit einem düsteren Spiegel, der alles in sich eingesaugt hatte.

Sie schauderte leicht zusammen, aber sie blieb stehen wie jemand, der eine Haltestelle erreicht hatte und nun darauf wartete, dass der Bus kam und stoppte.

Hier kam so schnell niemand. Zumindest nicht in der Nacht. Von Ausnahmen abgesehen. So schaute sie weiterhin nach vorn und überließ sich dem leichten Nachtwind, der über die Fläche strich und auch gegen ihr Gesicht wehte. Er brachte den typischen Moorgeruch mit. Nach altem Brackwasser roch es. Nach Pflanzen, die in den Zustand der Fäulnis übergegangen waren oder sich auf dem Weg dahin befanden. Es war alles so anders als am Tage und in einer normalen Umgebung. Hier schien der Mensch der Natur besonders nahe zu sein.

Elena genoss es, einfach nur am Rand des Moors zu stehen und über die Fläche zu schauen.

Ein verdammt heißer Tag lag hinter ihr. Die Erde dampfte, ebenso wie das Wasser. So umwehten die fremden Gerüche ihre Nase, die sie intensiver aufnahm als jemand, der normal hörte.

Der Himmel war nicht völlig blank. So sah sie keine Sterne, die ihn bestückt hätten. Dafür ein paar Wolken, die unwesentlich wanderten und dem Mond fast immer freie Sicht ließen.

Für Elena gab es nur die Stille. Sie lebte in dieser stillen Welt, und das würde auch so bleiben.

Das jedenfalls glaubten die meisten Menschen. Elena ließ sie in ihrem Glauben, denn ihr Geheimnis wollte sie für sich behalten. Es war etwas Besonderes, daran gab es nichts zu rütteln. Auf der einen Seite war es wunderbar, auf der anderen unheimlich, und Elena hatte bisher noch mit niemandem darüber gesprochen.

Und jetzt stand sie wieder an der Grenze. Sie wartete darauf, dass es passierte. Bisher hatte man sie nie im Stich gelassen, und das würde auch jetzt so sein.

Plötzlich hörte sie etwas!

Ja, sie konnte hören.

Sie vernahm Stimmen!

Es waren nicht die der Menschen. Zudem befand sich niemand in ihrer Nähe. Es waren die Stimmen der Toten …

*

Elena stand auf dem Fleck und bewegte sich nicht. Nur in ihrem Gesicht hatte sich etwas verändert. Der ernste, suchende Ausdruck war verschwunden. Er wirkte jetzt verklärt. In ihren Augen leuchtete es auf, denn jetzt würde sie ihre wahre Bestimmung erleben. Da konnten die Menschen sagen, was sie wollten. Man konnte sie bedauern, weil sie nichts hörte, aber das, was sie hörte, war viel wichtiger. Diese Stimmen gab es längst nicht mehr. Sie waren verschwunden, von der Erde abgetreten, aber sie hatten sich nicht verflüchtigt, sonst hätte Elena sie nicht gehört.

Aus der Tiefe drangen sie herauf und erreichten raunend die Ohren der tauben jungen Frau. Es blieb nicht nur beim Raunen. Es wurde zu einem Flüstern, aber es hörte sich nie fröhlich oder freundlich an, sondern sehr klagend und jammervoll.

Es gab die Stimmen, und es gab die Menschen. Letztere aber waren nicht zu sehen. Sie lagen in der Tiefe des Moors vergraben. Vielleicht schon seit Jahren oder Jahrhunderten, so genau wusste Elena das nicht. Sie wusste nur, dass sie im Laufe der Zeit mehr geworden waren. Es waren neue Tote hinzugekommen, und das genau störte sie beträchtlich. Das war das eigentliche Geheimnis. Jemand musste die Menschen in das Moor geworfen haben. Lebendig, tot, wie auch immer, wahrscheinlich tot, denn sie lagen in der Tiefe vergraben, obwohl ihre Stimmen zu hören waren.

Nur für Elena Davies. Nur für die Taube. Niemand sonst hörte ihr Klagen. Gepeinigte Seelen, die keine Ruhe fanden und in der Tiefe verborgen lagen, wo sie darauf warteten, endlich an die Tür zum richtigen Jenseits klopfen zu können.

Elena schloss die Augen, um sich noch besser konzentrieren zu können. Ihr Gesicht blieb dabei völlig ausdruckslos. Sie wartete darauf, dass die Stimmen wieder leiser wurden, aber das trat so schnell nicht ein. Stattdessen klagten sie weiter. Sie schrien manchmal auf, dann wieder hörten sie sich so klagend an, dass in Elena etwas wie Mitleid hochstieg. Sie hätte den Klagenden gern geholfen, aber sie konnte nicht hinein in das gefährliche Moor, sonst hätte sie sich zu den dort liegenden Leichen legen können, um mit ihnen zu klagen.

So aber blieb sie stehen und wartete auf weitere Botschaften. Sie ging davon aus, dass die Stimmen ihr irgendwann etwas mitteilten. Vielleicht darüber, wie die Menschen zu Tode gekommen waren, denn Elena glaubte nicht daran, dass all die Jammernden freiwillig ins Moor gegangen waren.

Die Stimmen klangen nicht gleich. Manche höher, einige leiser, andere wieder schriller und auch tiefer. Eine Kakophonie dieser ungewöhnlichen Botschaften aus einem Reich, in dem einzig und allein der Tod regierte. Ein fernes Reich, wonach sich bestimmt kein Mensch sehnte, das es aber gab.

Zuerst hatte sich Elena noch ein wenig erschreckt. Nun hatte sie sich an die Stimmen gewöhnt. Es war wie immer. Sie freute sich darauf, ihnen zu lauschen. Gerade weil sie taub war, machte es ihr einen besonderen Spaß, und es dauerte nicht lange, da umspielte ein Lächeln ihre Lippen. Sie freute sich wahnsinnig darüber, dass man gemerkt hatte, wer hier als Besucherin erschienen war. Die Stimmen begrüßten sie. Sie freuten sich darüber, dass man sie nicht vergessen hatte.

Aber wer ihnen genauer zuhörte, der erkannte bald, wie unglücklich sie waren. Geister, die keine Ruhe fanden. Menschen, die als solche grausam gestorben waren und deren Körper nun in den Tiefen des Moors lagen, wo sie wahrscheinlich gut erhalten waren und in den nächsten Jahren konserviert wurden, bis das Moor irgendwann mal austrocknete und man die Leichen fand.

Noch aber konnte Elena den Stimmen lauschen. Noch immer darauf hoffend, dass sie ihr eine Botschaft vermittelten, was bisher leider nicht eingetreten war.

Aber sie gab nicht auf, denn wer bekam schon die Chance, sich mit Toten zu unterhalten? Oder zumindest sie zu hören?

Elena lächelte still vor sich hin. Auch wenn sie einsam hier am Rand des Moors stand, die Zeit wurde ihr nicht lang. Sie hörte die Botschaften gern und liebte den Blick über eine wundersame Welt, die sich im Laufe der Zeit kaum verändert hatte.

Elena fürchtete sich auch nicht davor, so allein in der Nacht am Rand des Moors zu stehen. Das war alles wunderbar für sie. Als tauber Mensch war sie sowieso mehr mit sich selbst beschäftigt, und die Stimmen der Toten zu hören, das war schon etwas Besonderes.

Wie lange sie in den Nächten am Rand des Moors stand, darüber hatte sie nie nachgedacht. Zeit spielte für sie keine große Rolle. In ihrer tauben Welt war sie darauf nicht angewiesen. Es gab die Zeit, aber sie sollte für einen Menschen nicht zu sehr an erster...

Erscheint lt. Verlag 9.12.2015
Reihe/Serie John Sinclair
John Sinclair
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies
ISBN-10 3-8387-4186-2 / 3838741862
ISBN-13 978-3-8387-4186-4 / 9783838741864
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