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John Sinclair Sonder-Edition 13 (eBook)

Hexenwahn

(Autor)

eBook Download: EPUB
2015 | 1. Aufl. 2015
80 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-7325-2037-4 (ISBN)

Lese- und Medienproben

John Sinclair Sonder-Edition 13 - Jason Dark
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'Verbrennt die Hexen!'

Dieser gellende Schrei hallte durch die nächtlichen Straßen Londons. Menschen liefen Amok. Ein Taumel hielt sie gepackt. Hexenwahn!

Frauen und Mädchen flohen, schlossen sich ein und zitterten aus Angst vor dem schreienden Mob.

Ich, John Sinclair, befand mich inmitten des Chaos aus Wahn und Angst, stemmte mich dagegen und wurde selbst ein Opfer der Hexenjäger.

Und dann loderten die ersten Scheiterhaufen ...

In den Augen des Mannes leuchtete ein fanatischer Glanz, als er langsam an den Schrank herantrat und seine Arme ausstreckte. Die Finger waren dabei gespreizt und zitterten leicht, denn die Erregung des Mannes übertrug sich auf seinen gesamten Körper und ließ keine Stelle aus.

Endlich hatte er es geschafft. Er hatte lange geforscht und immer wieder Enttäuschungen einstecken müssen. Nun gab es kein Zurück mehr. Er hatte das Ziel seiner Wünsche erreicht.

Seine Hände strichen über das dunkle Holz. Es war fast schwarz, und der Mann roch noch die scharfe Beize. Die Oberfläche des Schranks, der etwa in Kopfhöhe an der Wand hing, glänzte matt. Oberhalb der kleinen zweiflügeligen Tür war jedoch ein Name zu lesen. Man hatte jeden Buchstaben in das Holz eingeritzt, und die Furchen waren mit dem Blut eines Menschen ausgemalt worden.

DEVIL. Nur dieses eine Wort stand dort. Devil hieß Teufel, und der Besucher brauchte den Teufel, so wie er ihn schon immer gebraucht hatte, denn erst durch den Satan war er zu Macht und Einfluss gelangt.

Noch fehlte etwas, damit er die große Hochzeit vollziehen konnte. Deshalb hatte er sich so bemüht, den geheimnisvollen Schrank zu finden. Nun stand er davor.

Die Türen waren glatt und verschlossen. Einen Schlüssel, um sie zu öffnen, besaß der Mann nicht. Doch da gab es eine alte Überlieferung, die besagte, dass sich die Tür öffnen würde, wenn ein schwarzmagisch Geweihter sein Blut für diesen Schrank spendete.

Blut wollte der Mann gern geben. Wenn es sein musste, alles. Denn er glaubte fest daran, dass er nicht sterben würde. Satan ließ keinen Diener im Stich.

So viel Blut wurde überhaupt nicht benötigt. Es reichten bereits ein paar Tropfen. Der Mann griff in die Tasche und holte ein kleines Messer hervor. Für einen Moment blitzte die Klinge auf, als er sie etwas hastig bewegte. Er zuckte nicht einmal zusammen und blickte nur auf seinen linken Zeigefinger, der von dem kleinen Messer angeritzt worden war. Blut quoll aus der Wunde. Menschenblut …

Blut für den Teufel!

Der Mann hob seinen linken Arm an und hielt ihn so hoch, dass das Blut nicht aus der kleinen Wunde auf das Oberteil des Schranks tropfen konnte. Der erste Tropfen fiel. Er berührte das dunkle, matt glänzende Holz, und der Mann beobachtete mit Spannung, was geschah. Würde der Schrein das Opfer annehmen?

Es zischte. Plötzlich stieg Dampf auf, und in den Dampf hinein fiel der zweite Tropfen. Wieder ein Zischen. Geruch von Schwefel und Verbranntem traf die Nase des Mannes. Dann löste sich der dritte Blutstropfen von seinem Finger.

Sieben mussten es sein. Sieben Blutstropfen für den Teufel! Und er bekam sie, während der Spender seine Hand hochhielt und mit zitternden Lippen mitzählte. Der sechste – der siebte!

Es war geschehen. Hastig zog der Mann seine Hand zurück. Er schüttelte sie. Weitere Tropfen fielen aus der Wunde und zeichneten auf dem Boden ein rotes Muster.

Er hatte gespendet. Wenn der Satan seine Spende annahm, dann musste jetzt etwas geschehen. Die Türen sollten sich öffnen, um ihm zu zeigen, wie …

Die Gedankenkette des Mannes riss. Vom Oberteil des Schrankes lösten sich beißende Nebelschwaden, die den Schrank selbst von allen Seiten wie ein Tuch einhüllten. Sie bildeten einen regelrechten Ring, der in der Luft stehen blieb und sich nicht weiter ausbreitete, sodass er an einen schützenden Ring erinnerte.

Noch blieb alles still. Der Mann hörte nicht das geringste Geräusch, das auf einen Erfolg hinweisen könnte. Hatte er sich verrechnet? War alles falsch gewesen? Waren seine Forschungen, sein langes Suchen, umsonst? Nein, das durfte nicht sein, die Hexenhochzeit musste stattfinden. Niemand durfte sie stören, denn die Gegner waren zu stark geworden. Mit sicherem Instinkt hatten sie die Hexen aufgespürt, und sie wollten sie verbrennen.

Das Mittelalter kehrte zurück …

Noch waren die Hexen nicht stark genug, aber Satan sollte ihnen die Stärke geben. Und das konnte er nur dann, wenn die Tür sich öffnete.

Sie tat es! Es begann mit einem leisen Knarren. Die Blicke des Mannes hingen gebannt an den beiden Türen, die so zitterten, als würde jemand an dem Schrank herumrütteln. Dann schwangen sie auf. Zuerst die rechte Tür. Das geisterhafte Knarren verstärkte sich. Es war eine schaurige Begleitmusik.

Der Mann ballte die Hände zu Fäusten. Seine Fingernägel gruben sich tief in das Fleisch der Handballen. Aufgeregt fuhr die Zunge über die spröde gewordenen Lippen. Die sonnengebräunte Haut über seinen Gesichtsknochen wirkte wie straff gespanntes Leinen.

Ein Knall! Mit einem heiseren Schrei fuhr der Mann zurück, als aus der Öffnung der Kopf einer Schlange fuhr. Grünlich schillernd mit einer langen Zunge, und der Mann spürte auf seiner Stirn, genau zwischen den Augen, einen scharfen Schmerz.

Er war nicht schnell genug gewesen. Die Schlange hatte ihn dennoch erwischt.

Der Mann taumelte zurück. Er hob seine Hände und presste sie gegen das Gesicht. Noch immer rann aus der kleinen Wunde, die er sich selbst zugefügt hatte, das Blut. Es schmierte auf seiner Haut und gab ihm ein schauriges Aussehen.

Der hochgewachsene Mann mit dem dunkelbraunen, fast schwarzen Haar taumelte und drehte sich dabei im Kreis. Schwer machte ihm der plötzliche Biss der Schlange zu schaffen. Er spürte, wie ihm die Luft knapp wurde, ließ die Arme sinken und schnappte verzweifelt nach Sauerstoff, wobei er den Mund so weit aufgerissen hatte, wie es eben ging. Die Augen drohten aus den Höhlen zu treten, und er spürte einen Druck im Kopf, sodass er das Gefühl hatte, sein Schädel würde jeden Augenblick auseinanderfliegen.

Er fiel. Schwer krachte er auf die Knie, hielt sich noch für einen winzigen Moment und kippte nach vorn. Langsam, fast im Zeitlupentempo, wobei er sich nicht einmal wehtat.

Aus!, schrie es in ihm. Du hast versagt! Es ist vorbei. Der Teufel hat dein Opfer nicht angenommen. Er hat dir nicht verziehen, dass du damals nicht …

Nein, alles war anders. Es ging ihm plötzlich besser. Viel besser als zuvor. Das Gift der grünen Schlange änderte seine Wirkung und kehrte sie sogar ins Gegenteil um. Der Mann fühlte sich wie aufgeputscht.

Als gewaltiger Strom drang die Kraft in seinen Körper. Er richtete sich wieder auf, sein Gesicht verkantet, die Augen glühten voller Fanatismus, der Atem der Hölle wehte in ihm, der Teufel hatte sich seiner erbarmt. Er war wieder jemand!

Der Mann merkte überhaupt nicht, wie er auf die Beine gekommen war. Er stand plötzlich da und sah den Schrank an. Und der war offen. Ein paar Schritte brachten den Mann so weit an den Gegenstand heran, dass er ihn anfassen konnte. Vor allen Dingen wollte er hineinsehen. Und das tat er auch.

Das Innere des Schranks sah so aus, wie es in den alten Büchern beschrieben worden war.

Die Rückwand war mit pechschwarzem Samt bespannt. Das musste auch so sein, denn umso deutlicher hob sich das ziegenköpfige Gesicht des Satans in seiner blutroten Farbe ab.

Der Teufel grinste den Mann an. Von der Schlange war nichts mehr zu sehen. Dann begann der Teufel zu reden. Er zischte jedes Wort, und zwischen seinen stiftförmigen Zähnen drangen kleine, grüne Wolken hervor, die augenblicklich zerflatterten, als sie aus dem Hängeschrank quollen.

»Du hast die Probe bestanden«, sagte der Teufel. »Willkommen, Gordon Schreiber …«

***

Der pechschwarze Jaguar sah aus wie ein zum Sprung geducktes Raubtier. Er parkte am Straßenrand. Die nächste Bogenleuchte befand sich mehr als dreißig Yards weiter, und ihr bläulich schimmerndes Licht erreichte nicht einmal mit seinen Ausläufern den Wagen.

Das Fenster an der Fahrerseite war einen Spalt hinunterlassen worden, sodass der Rauch des würzigen Zigarillos Platz fand, nach draußen an die Luft zu kriechen.

Es war kalt in dieser Nacht. Ein klarer Himmel spannte sich über London, und die Sterne blitzten wie kleine Diamantsplitter. Längst waren die Temperaturen unter den Gefrierpunkt gesunken, und mit Glatteis in den frühen Morgenstunden mussten die Autofahrer immer rechnen.

Hin und wieder glühte es in dem Wagen auf. Immer dann, wenn die Person an ihrem Zigarillo zog. Sie passte in dieses Fahrzeug, denn wenn man etwas suchte, mit der man sie vergleichen konnte, dann musste man wirklich an ein Raubtier denken. Allerdings an ein zweibeiniges.

Die Person hinter dem Lenkrad war eine Frau. Schwarz wie Kohle präsentierte sich ihr langes Haar, das genau über der Stirn einen Mittelscheitel zeigte. Ebenso schwarz waren auch die Augenbrauen, die glatt auf der hellen Haut wuchsen, wobei nur die Wangen mit den hochstehenden Knochen einen rosigen Schimmer zeigten. Die Pupillen erinnerten an dunkle Perlen auf weißen Kissen, die Nase war klein und vielleicht ein wenig zu breit. Unter der schmalen Oberlippe begann ein Mund, dessen Winkel einen zynischen Zug zum Kinn hin zeigten und ahnen ließen, dass mit dieser Person nicht gut Kirschen essen war.

Das stimmte auch, denn die Frau in dem dunkelblauen, eng anliegenden Kostüm war keine Geringere als Wikka, die oberste aller Hexen auf der Erde.

Überall auf der Welt gab es Kulte und Vereinigungen, die nur ihr huldigten. Wikka war das Sinnbild aller Hexen. Sie betete man an, ihr wurde gehuldigt, und sie hatte es geschafft, die einzelnen Hexenklubs auf der Welt zu verbinden. Sie waren wie in einem gewaltigen Netz gefangen, in dessen Mittelpunkt Wikka wie die fette Spinne saß und alles beobachtete.

Diesmal hatte sie der Weg nach London und damit zu einem Mann geführt, der sich...

Erscheint lt. Verlag 1.12.2015
Reihe/Serie John Sinclair Sonder-Edition
John Sinclair Sonder-Edition
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies
ISBN-10 3-7325-2037-4 / 3732520374
ISBN-13 978-3-7325-2037-4 / 9783732520374
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