John Sinclair 1158 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3891-8 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!
Kalt wie der Tod (1. Teil).
Harry Stahl brauchte mal wieder Hilfe. Und so war ich nach Deutschland gekommen, in das Land Brandenburg, wo eine Kreatur der Finsternis erschienen war.
Fast zufällig war Harry darüber gestolpert, als es ihm gelungen war, einen vierfachen Mörder zu stellen.
Damit begann der eigentliche Horror erst. Wir gerieten an einen Fall, der kalt wie der Tod war.
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Kalt wie der Tod (1. Teil)
Diesmal sollte der Mörder nicht entkommen!
Zweimal schon hatte Heiner Freese die Polizei narren können, obwohl er in ganz Deutschland auf der Fahndungsliste stand. Auf sein Konto gingen vier Morde. Zwei Kinder und ein älteres Ehepaar hatten durch ihn ihr Leben verloren.
Natürlich war die Bevölkerung über die Medien mit in die Fahndung einbezogen worden. Es hatte nichts gebracht. Freese war schneller gewesen. Zielfahnder, Profiler, sie alle hatten sich verdammt schwer getan, aber die Männer des Gesetzes ließen nicht locker. Sie gaben genau Acht, sie hatten ihre Fallen gestellt. Sie spielten im Hinter- und Untergrund eine sehr große Rolle, und sie waren Freese letztendlich auf die Spur gekommen …
Bis in den Nordosten hatte er sich zurückgezogen. Von der Westgrenze bis dorthin, und jetzt hockte er in einem verlassenen Kaff in Brandenburg, außerhalb des Dunstkreises der Hauptstadt. Der Ort war von Spezialeinheiten abgeriegelt worden. Da konnte nicht einmal die berühmte Maus entwischen.
Freese hatte sich in einem Haus versteckt. Welches das war, wusste keiner der Häscher. Es konnte ein Gehöft sein, auch eine kleine Pension. Eine leer stehende Bruchbude oder auch irgendein Stall. Möglichkeiten gab es einige.
Und es wäre auch kein zu großes Problem gewesen, den Mann zu fassen, gäbe es da nicht seine Abgebrühtheit, seine Brutalität und auch seine Raffinesse.
Freese war jemand, der über Leichen ging. Das hatte er leider viermal bewiesen, und das wusste auch der Mann, der ebenfalls in die Fahndung eingeschaltet worden war.
Er hieß Harry Stahl. Er arbeitete für die Regierung. Mehr gab er über seinen Job nicht preis. Nach einigen Irrungen und Wirrungen hatte man Stahl diese Aufgabe angeboten, die weit über alles Normale hinausging. Er war jemand, der sich um okkulte Fälle kümmerte. Um Dinge, die es eigentlich gar nicht geben durfte, setze man den normalen Menschenverstand ein. Die es letztendlich doch gab und rational nicht zu erklären waren.
Man ging davon aus, dass Heiner Freese jemand war, der diese Mächte zumindest kannte, denn er hatte, das wusste man aus Zeugenaussagen, immer davon gesprochen, dass es keinen Himmel gibt, sondern nur eine Hölle, in der er sich auskannte.
Da stellte sich die Frage, welche Hölle er gemeint hatte. Seine eigene, seine Psyche, oder die Hölle, die vielen Menschen von Kindheit an erklärt worden war. Eine, in der das ewige Feuer loderte und die Menschen schreckliche Qualen litten, bis die Ewigkeit sie schließlich erlöste. Wie man auch war, man hatte sich dieser Aussagen erinnert und einen Mann eingeschaltet, der auf diesem Gebiet schon einige Erfolge errungen hatte, eben Harry Stahl.
Seit einer Woche war er mit dabei. Von seinen Kollegen zuerst skeptisch beobachtet, dann aber, als sich die Spur in Richtung Ostdeutschland ausweitete, da war er voll einbezogen worden, denn Harry stammte selbst aus dem Osten.
Aufgrund der Dämmerung war die Zeit günstig, um sich anzuschleichen. Auch die Kollegen des Einsatzkommandos waren in der Umgebung des Dorfes nicht auszumachen. Sie hatten gute Deckungen gefunden. Felder, Büsche und auch ein lichter Wald sorgten dafür.
Er hatte seinen Opel neben einem Bach gestoppt. Er war im Fahrzeug sitzen geblieben und hatte sich nur einmal wegducken müssen, als ein junger Mann vorbeigekommen war.
Ansonsten stand er hier mutterseelenallein und genoss einen vorabendlichen Samstag. Es war noch nicht ganz dunkel. Am Himmel kämpften noch Licht und Schatten gegeneinander, wobei die Schatten den Kampf gewinnen würden, das stand fest.
Das war Idylle pur. Langeweile für die jüngeren Menschen, die sicherlich bald auf die Piste gehen würden. Die älteren hatten sich in ihre Häuser zurückgezogen, hinter deren Fenster warmes Licht schimmerte.
Kleine Häuser, flache Dächer. Relativ große Grundstücke, oft mit Lattenzäunen abgetrennt. Wiesen, Obstbäume, ein paar Büsche, zwei Bauernhöfe, einige Läden, aber keine Tankstelle und auch keine Disco. Wer Durst hatte, besuchte eine der beiden Kneipen.
Es gab zwei Pensionen im Ort, eine etwas breite Hauptstraße, die ausgebessert hätte werden müssen und an deren Rand hohe Pappeln standen, die bereits erste Blätter bekommen hatten.
Harry hatte versprochen, sich beim Einsatzleiter draußen zu melden. Er tat es über sein kleines Sprechfunkgerät.
»Ich bin jetzt im Ort, Peters. Es ist alles ruhig!«
»Schon eine Spur?«
»Nein!«
»Aber Sie wissen, wie Sie vorgehen wollen?«
»Es bleibt dabei. Ich werde mir zunächst die beiden Pensionen vornehmen. Dieser Freese ist nicht zu übersehen. Ich bezweifle auch, dass er sich verändert hat.«
»Das will ich wohl meinen. Mal etwas anderes, Stahl. Soll ich nicht doch einige Männer abziehen und zu Ihnen schicken?«
»Nein!«
»Okay, wie Sie wollen. Wir hören dann wieder von Ihnen. Und viel Glück, Harry!«
»Danke.« Peters hatte seinen Kollegen zum ersten Mal mit dem Vornamen angesprochen. Auch bei ihm ein Zeichen, dass diese Jagd nicht so spurlos an ihm vorbeiging.
Harry Stahl wartete noch eine Minute, bevor er aus dem Omega stieg. Ein warmer Wind wehte ihm entgegen. Der Frühling hatte Deutschland bereits mit aller Macht überfallen, und in der Luft lag der Duft zahlreicher Blüten.
Harry drückte die Tür ins Schloss. Er machte sich Gedanken über Heiner Freese. Es gab Bilder von ihm. Jeder wusste, wie der Mann aussah. Noch immer hatte er sein Haar hellblond gefärbt und es lang wachsen lassen. Es hing ihm bis in den Nacken und fransig in die Stirn hinein. Freese hatte sehr blaue Augen, einen kantigen Kopf und ein ebenso kantiges Gesicht mit breiten Lippen. Die leicht gebogene Nase erinnerte an die eines Raubvogels, und über den Wangenknochen spannte sich die Haut.
Man hatte ihn ja schon gestellt gehabt, aber er war entkommen. Genau damit musste die Polizei leben. Nach seiner Flucht hatte er das ältere Ehepaar getötet. Wegen der beiden Kinder war er zuvor gejagt und festgenommen worden. Harry wollte gar nicht daran denken, was er mit ihnen angestellt hatte. Sollte es ihm gelingen, Freese zu stellen, dann wollte er sich auch von dem Gedanken befreien, denn es konnte leicht passieren, dass er durchdrehte.
Der 500-Seelen-Ort war still, wie verwunschen. Selbst der Turm der kleinen Kirche ragte nicht eben hoch in den Himmel.
Harry ging über die Dorfstraße. Er war nicht allein. Es gab schon Menschen, die sich noch vor den Häusern aufhielten. Eine ältere Frau nahm in einem Garten Wäsche von der Leine. Sie sah Harry, stutzte für einen Moment und grüßte dann.
Stahl blieb stehen. Ihn und die Frau trennte ein weißer Zaun. Er war nicht so hoch, und man konnte darüber hinwegschauen. Harry legte beide Hände auf die Enden der Pflöcke und nickte der Frau zu, die langsam näher kam.
»Guten Abend …«
Die Frau grüßte zurück. Dabei fuhr sie durch das graue Haar. »Sie sind fremd hier, wie?«
»Kann man sagen.«
Er hörte ein Lachen. »Hier kommen kaum Fremde her. Wir haben nichts zu bieten. Keine großen Seen, keine Campingplätze, keine guten Hotels. Selbst die Wessis damals haben uns vergessen. Investieren wollte niemand. So leben wir eben vor uns hin.«
»Da fallen Ihnen Fremde auf.«
»Das können Sie laut sagen.«
»Ich glaube nicht, dass ich der einzige Fremde hier bin, wenn ich ehrlich sein soll.«
»Wieso?«
»Nun ja, es gibt hier zwei Pensionen. Man lebt doch davon, dass man Fremde beherbergt.«
Die Frau zögerte, eine Antwort zu geben, und fragte mit lauernder Stimme:
»Worauf wollen Sie hinaus?«
»Das ist ganz einfach. Ich habe mich hier mit einem Bekannten verabredet. Er hat gesagt, dass er sich in einer Pension anmieten soll. Ich denke, dass er bereits angekommen ist. Wenn Fremde auffallen, müssten Sie ihn gesehen haben.«
»So? Müsste ich das?«
»Ich nehme es an.«
»Dann können Sie ja mal nachschauen.«
Harry wusste, was er tun musste. Er griff in die Hosentasche und holte einen Zwanziger hervor. »Es bleibt ja unter uns«, sagte er und schob den Geldschein durch eine Lücke im Zaun. »Können Sie mir wirklich nicht bei meiner Suche helfen?«
Sie ließ den Schein verschwinden. »Einer oder der Fremde wohnt in der Pension Illig.«
»Wie lange schon?«
»Das weiß ich nicht genau. Seit vielleicht drei oder vier Tagen. Ist aber nicht so klar. Deshalb nageln Sie mich bitte nicht darauf fest.«
»Verlässt er das Haus manchmal?«
»Ich habe ihn nie draußen gesehen.«
»Aber Sie haben ihn gesehen.«
»Nur kurz.«
»Ist er blond? Trägt er das Haar lang?«
»Richtig.«
»Dann ist alles klar. Oder wissen Sie sonst noch etwas über ihn?«
»Der Besitzer Illig hat erzählt, dass er auf jemand wartet. Aber derjenige scheint jetzt eingetroffen zu sein, wie ich sehe.« Sie lächelte und nickte.
»Ja, da haben Sie Recht.«
»Gut. Dann kann ich weiterhin meine Wäsche aufhängen.«
»Tun Sie das.«
Harry drehte sich um. Er hatte viel gehört, aber nicht alles konnte ihm gefallen. Wer war der Typ, auf den Heiner Freese in diesem Kaff wartete? Ein Helfer? Ein Freund aus alten Tagen? Wenn ja, dann mussten die beiden schon dick befreundet sein, denn nicht jeder akzeptierte einen vierfachen Mörder.
Nachdenklich überquerte Harry die Straße. Er machte sich seine eigenen Gedanken. Dass Freese sich hier mit jemand treffen wollte, damit hatte er nicht gerechnet. Auch die Kollegen würden überrascht sein, wenn sie davon erfuhren. Aber mussten sie...
| Erscheint lt. Verlag | 4.11.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3891-8 / 3838738918 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3891-8 / 9783838738918 |
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